20.01.2020

Betriebsanweisung – Definition und Anforderungen

Betriebsanweisungen (BA) sind in Deutschland Pflicht. Sie unterstützen die Unternehmer in ihrer Aufgabe, umfassende betriebliche Maßnahmen zum Schutz vor Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen sowie zur menschengerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen zu treffen. Werden keine Betriebsanweisungen erstellt, kann dies als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld belegt werden.

Betriebsanweisung Aceton im Ubeberblick

Die in der Gefährdungsbeurteilung festgestellten Gefährdungen und entsprechende Schutzmaßnahmen müssen Betriebe ihren Beschäftigten in angemessener Form mitteilen. Die Betriebsanweisung und die Unterweisung sind zwei grundlegende Instrumente, um diese Informationen an Mitarbeiter weiterzugeben.

Eine Betriebsanweisung informiert Beschäftigte dabei in schriftlicher Form über innerbetriebliche Gefahren durch chemische und biologische Stoffe, bestimmte Maschinen ,Fahrzeuge oder technische Anlagen. Sie informiert außerdem darüber, wie Beschäftigte mit diesen umgehen sollen. Zweck der Betriebsanweisung ist es, Unfälle im Umgang mit Arbeitsmitteln und Stoffen zu minimieren.

Die Betriebsanweisung ist nicht zu verwechseln mit der Betriebsanleitung, die vom Hersteller bestimmter Anlagen und Arbeitsmittel erstellt wird.

Inhalt und Gliederung von Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen müssen auf die individuellen Arbeitsplätze ausgerichtet, übersichtlich und leicht verständlich sein. Sie sollten alle nötigen Hinweise zur Abwehr von Gefahren für die Gesundheit der Beschäftigten sowie für Anlagen oder Geräte enthalten. Dazu zählen die aus der Gefährdungsbeurteilung hervorgegangenen Unfall- und Gesundheitsgefahren und daraus resultierende Schutzmaßnahmen.

Neben Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften müssen bei der Erstellung von Betriebsanweisungen auch die Angaben von Herstellern in Betriebsanleitungen und Sicherheitsdatenblättern berücksichtigt werden. Außerdem müssen natürlich alle einschlägigen sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regelungen eingehalten werden.

Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe und Betriebsanweisungen für Arbeitsmittel, Maschinen oder Arbeitsverfahren weisen Unterschiede in Inhalt und Aufbau auf. Generell ist jedoch folgender Inhalt enthalten:

  • Anwendungsbereich
  • Gefahren für Mensch und Umwelt
  • Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
  • Verhalten bei Störungen
  • Erste Hilfe, Verhalten bei Unfällen, Notrufnummern
  • sachgerechte Entsorgung/Instandhaltung
  • Folgen der Nichtbeachtung

Unternehmer lassen sich bei der Erstellung von Betriebsanweisungen in der Regel vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen. Auch der Betriebsrat hat bei der inhaltlichen Gestaltung ein Mitbestimmungsrecht.

Tipp: Mühelos zur Betriebsanweisung- mit den richtigen Vorlagen

Betriebsanweisung MusterÜber 2.200 fertige Vorlagen für Gefahrstoff-, Maschinen- oder PSA-Betriebsanweisungen finden Sie in unserer genialen Software Muster-Betriebsanweisungen plus. Einfacher können Sie keine rechtssicheren Betriebsanweisungen erstellen! ➔ Mehr Infos

Rechtlicher Rahmen für die Betriebsanweisung

Das Arbeitsschutzgesetz gibt in § 4 vor, dass „den Beschäftigten […] geeignete Anweisungen zu erteilen“ sind. Als geeignet gilt in der Regel u.a. die Betriebsanweisung. Je nach Arbeitsbereich machen weitere staatliche Regeln Vorgaben zur Erstellung von Betriebsanweisungen, so etwa die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Auch die Biostoffverordnung, die Gefahrstoffverordnung und weitere Regeln fordern Betriebsanweisungen.

Formale Anforderungen an Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen müssen schriftlich ausformuliert und so den Beschäftigten zugänglich gemacht werden. Mündliche Anweisungen können diese verpflichtende Forderung nicht erfüllen – obwohl mündliche Sicherheitsanweisungen natürlich sehr sinnvoll sind.

Besonders wichtig ist, dass Beschäftigte den Inhalt von Betriebsanweisungen durch Form und Sprache schnell verstehen können. Außerdem muss das Sprachniveau der Beschäftigten berücksichtigt werden, etwa indem man unnötige Fremdwörter und Umschreibungen meidet. Für fremdsprachige Beschäftigte müssen Betriebsanweisungen unter Umständen übersetzt werden.

Tipp: Fremdsprachige Vorlagen

Viele Berufsgenossenschaften bieten inzwischen fremdsprachige Mustertexte an, die sich leicht an betriebliche Bedürfnisse anpassen lassen.

Betriebsanweisungen möglichst nicht länger sein als zwei DIN-A4-Seiten. Wichtig ist dabei, dass sie für den Anwender überschaubar bleiben. Sind in einem Unternehmensbereich viele Betriebsanweisungen erforderlich, sollten Sie sie nummerieren, um den Beschäftigten den Überblick zu erleichtern.

In der Regel unterschreiben Unternehmer oder zuständiger Vorgesetzter die Betriebsanweisung noch, bevor sie ausgehängt werden.

Optische Gestaltung der Betriebsanweisung

Häufig werden Betriebsanweisungen in gängigen Formaten wie DIN A4 oder DIN A3 erstellt. Große Formate sind sinnvoll, wenn Mitarbeiter die Betriebsanweisung auch aus der Entfernung erkennen müssen. Für Betriebsanweisungen, die direkt am Arbeitsplatz aufgehängt werden, reicht jedoch ein kleineres Format aus.

Betriebsanweisungen sollten einfach, klar und grafisch einheitlich gestaltet sein. In der Regel erleichtern Piktogramme und Symbole den Informationswert und das Verständnis. So werden meist etwa Verbots-, Gebots- oder Hinweisschilder integriert.

Häufig werden Betriebsanweisungen für die Bedienung von Maschinen oder für Arbeitsverfahren einheitlich in blauem Rahmen, Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe in orangefarbenem Rahmen und Betriebsanweisungen zum Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen in grünem Rahmen gestaltet.

Die Betriebsanweisung bekannt machen

Im Rahmen von Unterweisungen werden die Beschäftigten in der Regel auch über die jeweils geltenden Betriebsanweisung unterrichtet.

Meist hängen Betriebsanweisungen außerdem an allen betroffenen Arbeitsplätzen als Poster aus. Sie können Sie aber auch auslegen oder den betroffenen Beschäftigten in gedruckter Form persönlich vor Aufnahme einer Tätigkeit aushändigen. Dann sollen Sie dies jedoch mit einer Unterschrift quittieren zu lassen.

Auch über das Intranet oder spezielle Apps können Sie die Betriebsanweisung allen Beschäftigten zugänglich machen.

Wichtig: Regelmäßig überprüfen und aktualisieren

Betriebsanweisungen sind in ihrer Geltungsdauer normalerweise nicht begrenzt. Deshalb müssen Sie diese, wie alle Dokumente des betrieblichen Arbeitsschutzes, regelmäßig auf den neuesten Stand bringen. In spezifischen Fällen sind Betriebsanweisungen auch für kurzzeitige Tätigkeiten denkbar, etwa für Instandsetzungs- oder Reinigungsarbeiten.

Autor: WEKA Redaktion