Fachbeitrag | Information
27.11.2015

Die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)

Eine verantwortliche Elektrofachkraft übernimmt die Fach- und Aufsichtsverantwortung in einem elektrotechnischen Betrieb oder Betriebsteil. In der Praxis stellt sich hier oft die Frage: Braucht ein Unternehmen, das elektrotechnische Arbeiten durchführt, grundsätzlich eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)? Unser Experte hat die Antwort.

© Lisa F. Young /iStock /ThinkstockBild: © Lisa F. Young/​iStock/​Thinkstock

Wer trägt die Verantwortung für die elektrotechnische Sicherheit?

Durch den § 3 „Grundpflichten des Arbeitgebers“ und § 4 „Allgemeine Grundsätze“ des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) wird der Unternehmer verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, die die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Konkretisiert wird dies in der

  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • DGUV Vorschrift 3 (Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“),
  • VDE 1000-10 (Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen) und
  • VDE 0105-100 (Betrieb von elektrischen Anlagen).

Die Verantwortung des Unternehmers

Elektrotechnische Arbeiten, die in einem Unternehmen ausgeführt werden, müssen grundsätzlich unter einer verantwortlichen fachlichen Leitung stehen. Wenn der Unternehmer keine Elektrofachkraft (EFK) ist, so kann dieser gemäß § 13 DGUV Vorschrift 1 eine zuverlässige und fachkundige Person schriftlich damit beauftragen, diese Unternehmerpflicht der Fach- und Aufsichtsverantwortung wahrzunehmen (Delegation).

Der im § 13 Abs. 2 ArbSchG und §13 DGUV Vorschrift 1 verwendete Begriff „zuverlässige und fachkundige Personen“ ist in Arbeitsschutzvorschriften leider nicht explizit definiert. Als zuverlässige und fachkundige Person wird im Allgemeinen eine Person bezeichnet, die die erforderlichen fachlichen Kenntnisse und Berufserfahrungen besitzt und auch die Gewähr für eine gewissenhafte Durchführung der ihr übertragenen Arbeiten bietet. Die Auswahl der zuverlässigen, fachkundigen Personen liegt alleine in der Eigenverantwortung des Unternehmers.

Wie wird eine verantwortliche Elektrofachkraft bestellt?

Um eine Person zur verantwortlichen Elektrofachkraft zu bestellen, muss der Unternehmer die richtige Person auswählen. Die Bestellung muss schriftlich erfolgen, die Aufgabenbereiche, Kompetenzen und die damit verbundene Abgrenzung der Verantwortung müssen genau definiert sein.

Beauftragt der Unternehmer einen ungeeigneten Mitarbeiter mit dieser Arbeitsaufgabe, so wird er seiner Auswahlverantwortung nicht gerecht. Aus juristischer Betrachtungsweise liegt damit ein Organisationsverschulden des Unternehmers vor. Würde in so einem Fall ein Arbeitsunfall geschehen, müsste sich der Unternehmer gegebenenfalls vor Gericht verantworten.

Welche Qualifikation muss eine verantwortliche Elektrofachkraft haben?

Die Aufgaben der verantwortlichen Elektrofachkraft dürfen nur an Personen übertragen werden, die eine der nachfolgend aufgeführten Ausbildungen mit bestandenem Abschluss auf dem Arbeitsgebiet der Elektrotechnik besitzen:

  • staatlich geprüfter Techniker
  • Industriemeister
  • Handwerksmeister
  • Diplomingenieur
  • Bachelor bzw. Master

Welche Verantwortung übernimmt die verantwortliche Elektrofachkraft?

Die verantwortliche Elektrofachkraft vertritt die Aufgaben des Unternehmers und wird im Sinne der VDE 1000-10:2009-01 mit unternehmerischer und fachlicher Verantwortung sowie den notwendigen Befugnissen für einen elektrotechnischen Betrieb oder Betriebsteil ausgestattet.

Welche Kenntnisse muss eine verantwortliche Elektrofachkraft besitzen?

Die verantwortliche Elektrofachkraft muss über notwendige Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnisse der einschlägigen Normen verfügen, um die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen zu können.

Welches sind die Aufgaben einer verantwortlichen Elektrofachkraft?

Nach der Definition der VDE 1000-10 zählen zu den elektrotechnischen Arbeiten, die von Bedeutung für die elektrische Sicherheit sind, z.B. folgende Tätigkeiten:

  • fachlicher Vorgesetzter der Elektrofachkräfte
  • disziplinarischer Vorgesetzter der Elektrofachkräfte
  • Anlagen- und Arbeitsverantwortlicher
  • Auswahl geeigneter Arbeits- und Aufsichtskräfte
  • Beaufsichtigung von Arbeits- und Aufsichtskräften
  • Planung und Projektierung elektrischer Anlagen
  • Gefährdungsbeurteilungen erstellen
  • Ausbildung und Schulung der ”elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EuP)“
  • Überwachung der Wartungsintervalle und -aufgaben
  • Veranlassung von Prüfaufgaben (Erst- und wiederkehrende Prüfungen)
  • Bereitstellung elektrotechnischer Regeln (VDE-Bestimmungen)
  • Kenntnisnahme von Änderungen in den Regelwerken
  • Organisierung von Unterweisungen
  • Abwicklung von Aus- und Weiterbildung

Bild: © Lisa F. Young/iStock/Thinkstock

Autor: Ernst Schneider 

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