Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation 19.04.2017

Unterschiedlichste Fähigkeiten gefordert: Aufgabenbereiche der Fachkraft für Arbeitssicherheit

Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit hat umfangreiche Aufgaben zu erfüllen, die in alle Bereiche und Tätigkeiten eines Betriebs eingreifen. Entsprechend vielfältig sind die unterschiedlichen Arbeitsweisen.

Die Aufgaben einer Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) sind gesetzlich festgelegt.

In erster Linie beratende Tätigkeit

Im Grunde genommen bezieht sich der Auftrag zur Beratung auf jeden im Betrieb. Vom Arbeitgeber über die Vorgesetzten bis zu den einzelnen Beschäftigten hat ohne Ausnahme jeder auch Pflichten bezüglich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, je nach Stellung natürlich in sehr unterschiedlichem Umfang.

In der betrieblichen Praxis bezieht sich der Beratungsauftrag überwiegend auf drei Personengruppen:

  • Arbeitgeber
  • Führungskräfte
  • Betriebs- und Personalräte

Die SiFa kann diesem Beratungsauftrag nachkommen, indem sie von Fall zu Fall die Notwendigkeit ermittelt, den zu Beratenden identifiziert und dann loslegt. Wesentlich sinnvoller und natürlich erst recht effizienter ist es, im Unternehmen die Schaffung einer Arbeitsschutzorganisation anzuregen und zu unterstützen, die in die Führungstätigkeiten integriert ist. Die DGUV Vorschrift 2 nennt hierzu folgende Punkte:

  1. Integration des Arbeitsschutzes in die Aufbauorganisation
  2. Integration des Arbeitsschutzes in die Unternehmensführung
  3. Beratung zu erforderlichen Ressourcen zur Umsetzung der Arbeitsschutzmaßnahmen
  4. Sichern der Kommunikation und Information
  5. Berücksichtigung der Arbeitsschutzbelange in betrieblichen Prozessen
  6. Organisieren betrieblicher arbeitsschutzspezifischer Prozesse
  7. Sicherstellen der ständigen Verbesserung

Gefordert wird hier die Schaffung eines Systems zum Arbeitsschutzmanagement.

Planung, Ausführung und Unterhaltung von Betriebsanlagen und von sozialen und sanitären Einrichtungen

Hier wird in erster Linie die Arbeitsstätte angesprochen: Betriebsgelände, Gebäude, Betriebsräume, Verkehrswege, Pausenräume, Sanitärräume und Sanitätsräume gehören z.B. dazu.

Wird die SiFa nicht frühzeitig über geplante Maßnahmen informiert, kann sie ihre Beratung nicht rechtzeitig anbringen. Die Feststellung von Fehlern in der Planung nach erfolgten Baumaßnahmen zwingt oft zu teuren weiteren Baumaßnahmen. Wesentlich effektiver ist daher die Beratung schon in der Planungsphase, in die die SiFa einbezogen werden sollte.

Beschaffung von technischen Arbeitsmitteln und Einführung von Arbeitsverfahren und Arbeitsstoffen

Bei der Beschaffung technischer Arbeitsmittel treten oft die gleichen Probleme wie bei den Baumaßnahmen auf: Die SiFa wird nicht informiert und erfährt von den neuen Gegenständen erst, wenn sie schon benutzt werden. Die rechtzeitige Beratung durch die SiFa bei der Beschaffung von Arbeitsmitteln kann aber ohne großen Aufwand sehr viel Geld sparen!

Ähnliches gilt für die Änderung oder Einführung von Arbeitsverfahren, die oft auch nötig werden, wenn neue Arbeitsmittel beschafft werden. Zu prüfen ist dann z.B., ob eine neue Betriebsanweisung und eine Unterweisung der Beschäftigten nötig sind.

Auch bei der Beschaffung von Arbeitsstoffen sind Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Die Beratung durch die SiFa ist hier oft dringend erforderlich, z.B. bei der:

  • Beschaffung von Sicherheitsdatenblättern
  • Erstellung von Betriebsanweisungen
  • Beschaffung spezieller Körperschutzmittel und Erste-Hilfe-Materialien
  • Unterweisung der Beschäftigten

Auswahl und Erprobung von Körperschutzmitteln

Körperschutzmittel dienen dem Schutz vor Gefahren, die sonst nicht abgewendet werden können, und umfassen z.B. Arbeitsschutzkleidung, Isolierkleidung, Schutzschuhe, Handschuhe, Gesichtsschutz, Schutzhelme, Gehörschutzmittel, Fallschutzmittel und Atemschutzgeräte und Hautschutzsalben. Die SiFa kann z.B. in folgenden Fällen beraten:

  • technische Eignung
  • Akzeptanz durch die Beschäftigten, Beteiligung an der Auswahl
  • Erprobung im praktischen Betrieb
  • Nutzungsbedingungen

Gestaltung der Arbeitsplätze, des Arbeitsablaufs, der Arbeitsumgebung und sonstige Fragen der Ergonomie

Die Anpassung von Mensch und Arbeit erfordert nicht nur große Sachkenntnis, sondern auch die Kenntnis der betrieblichen Verhältnisse und der persönlichen Eigenschaften der Beschäftigten. Unterschieden wird hier nach Verhältnis- und Verhaltensprävention:

Die Verhältnisprävention beschäftigt sich mit den Komponenten der Arbeitsumgebung:

  • Sind die Räumlichkeiten geeignet?
  • Werden geeignete Arbeitsmittel verwendet?
  • Sind die verwendeten Arbeitsstoffe möglichst ungefährlich?
  • Sind die Arbeitsabläufe sicher gestaltet?

Die Verhaltensprävention setzt bei den Beschäftigten an:

  • Sind Betriebsanweisungen vorhanden?
  • Sind die Beschäftigten unterwiesen?
  • Werden Qualifizierungsmaßnahmen angeboten?
  • Wird zu sicherheits- und gesundheitsgerechtem Verhalten motiviert?
  • Werden die Beschäftigten arbeitsmedizinisch beraten?

Sicherheitstechnische Überprüfung der Betriebsanlagen und der technischen Arbeitsmittel

Ging es eben noch um die Beratung, bekommt die SiFa jetzt einen selbstständigen Prüfauftrag:

  • Entsprechen die Betriebsanlagen und die technischen Arbeitsmittel den Vorschriften und dem Stand der Technik?
  • Sind die Arbeitsverfahren sicher?

Zur Durchführung der regelmäßigen Prüfungen benötigt die SiFa nicht nur entsprechende Unterlagen wie Pläne, Betriebsanleitungen und technische Daten, sondern auch Hilfsmittel wie z.B. Messgeräte.

Beobachtung der Durchführung des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung

Betriebe unterliegen der ständigen Veränderung und es ist nicht zu erwarten, dass eine SiFa, die nur am Schreibtisch sitzt, von allen diesen Veränderungen erfährt. Festgelegte und angeordnete Maßnahmen werden nicht immer umgesetzt, ”Abkürzungen“ und ”Vereinfachungen“ schleichen sich in das Verhalten der Beschäftigten ein.

Betriebsbegehungen

Die SiFa hat die Arbeitsstätten in regelmäßigen Abständen zu begehen und festgestellte Mängel dem Arbeitgeber oder der sonst für den Arbeitsschutz und die Unfallverhütung verantwortlichen Person mitzuteilen, Maßnahmen zur Beseitigung dieser Mängel vorzuschlagen und auf deren Durchführung hinzuwirken. An Betriebsbegehungen durch die SiFa können und sollen auch weitere Personen teilnehmen, z.B.:

  • die zuständige Führungskraft oder der Arbeitgeber selbst
  • die örtlich zuständigen Betriebs- oder Personalräte
  • Sicherheitsbeauftragte
  • Aufsichtspersonen der Behörde oder des Unfallversicherungsträgers
  • Vertreter der Brandschutzbehörde und der Umweltschutzbehörde
  • Vertreter der Versicherung (Verband der Schadenversicherer)

Benutzung von Körperschutzmitteln

Die SiFa hat den Auftrag, auf die Benutzung der Körperschutzmittel zu achten. Ist das nicht der Fall, kann sie zunächst den „Sünder“ ansprechen und auf die Benutzung hinwirken. Die Nichtbenutzung ist aber auf jeden Fall zu dokumentieren und dem Arbeitgeber bzw. den Vorgesetzten zu melden.

Unfalluntersuchungen

Die SiFa hat die Ursachen von Arbeitsunfällen zu untersuchen, die Untersuchungsergebnisse zu erfassen und auszuwerten und dem Arbeitgeber Maßnahmen zur Verhütung dieser Arbeitsunfälle vorzuschlagen. Diesen Auftrag kann man ausdehnen auf Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Erkrankungen.

Information der Beschäftigten

Die SiFa hat darauf hinzuwirken, dass sich alle im Betrieb Beschäftigten den Anforderungen des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung entsprechend verhalten, insbesondere sie über die Unfall- und Gesundheitsgefahren, denen sie bei der Arbeit ausgesetzt sind, sowie über die Einrichtungen und Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren zu belehren und bei der Schulung der Sicherheitsbeauftragten mitzuwirken.

Berichterstellung

Eine weitere Aufgabe ergibt sich aus der DGUV Vorschrift 2. Dort heißt es in § 5:
„Der Unternehmer hat die […] bestellten Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu verpflichten, über die Erfüllung der übertragenen Aufgaben regelmäßig zu berichten. Die Berichte sollen auch über die Zusammenarbeit der Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit Auskunft geben.“

Es ist sinnvoll, dass Betriebsarzt und SiFa den Bericht gemeinsam erstellen. Er soll nach den einzelnen Aufgabengebieten strukturiert sein und jährlich erstellt werden. Hat der Bericht Jahr für Jahr den gleichen Aufbau, fallen Vergleiche und das Erkennen von Entwicklungen leichter.

 

Autoren: WEKA Fachredaktion , Dr. Kurt Kropp