Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Das Sicherheitsdatenblatt – wichtige Informationsquelle für angemessene Schutzmaßnahmen

Das Sicherheitsdatenblatt hat durch die REACH-Verordnung einen höheren Stellenwert erhalten. Es befinden sich dennoch eine Vielzahl von Sicherheitsdatenblättern im Umlauf, die den rechtlichen Anforderungen, u.a. durch unvollständige Angaben, Übersetzungsfehler, nicht ausreichend genügen.

Teströhrchen© Grafner iStock Thinkstock

In der vom BMAS veröffentlichten, neu gefassten Bekanntmachung zu  Gefahrstoffen 220 „Sicherheitsdatenblatt“ (BeKGS 220), wurden Anpassungen an  „Leitlinien zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern“ der Europäischen Chemikalienagentur unter Berücksichtigung nationaler Aspekte bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern vorgenommen.

Für den beruflichen Verwender von Chemikalien stellt das Sicherheitsdatenblatt eine wesentliche Informationsquelle zur Ableitung adäquater Sicherheitsmaßnahmen dar.

 

Ohne richtige und vollständige Informationen über das Produkt können in aller Regel keine zutreffende Gefährdungsbeurteilung, insbesondere Einstufungen, vorgenommen und die daraus resultierenden erforderlichen Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz für die sachgerechte Ausübung von Tätigkeiten abgeleitet werden.

Deshalb ist der Lieferant dazu verpflichtet, spätestens bei der ersten Lieferung der Chemikalie ein von einer sachkundigen Person erstelltes, fachlich richtiges, vollständiges, inhaltlich aktuelles, reachkonformes Sicherheitsdatenblatt in Amtssprache des Inverkehrbringerlandes kostenlos und, in Abhängigkeit von dem Stoff/Gemisch, bei gefährlich eingestuften Produkten unaufgefordert, bei anderen auch aufgefordert zu übermitteln. Ebenfalls sollte ein Exemplar der Informationsstelle für Sicherheitsdatenblätter (ISI)  für die allgemein zugängliche Online Datenbank zugeschickt werden.

Bei einer wesentlichen Überarbeitung des Sicherheitsdatenblattes (u.a. Beschränkungen, erhöhtes Risiko, neue Anwendungen, Zulassung)  muss das Sicherheitsdatenblatt an alle Abnehmer versandt werden, die das Produkt in den vorangegangenen 12 Monaten erhalten haben.

Das Sicherheitsdatenblatt informiert  zu:

  • Identität des Produktes,
  • auftretende Gefährdungen,
  • sichere Handhabung, Lagerung, Entsorgung und
  • Maßnahmen zur Prävention sowie darüber, was im Gefahrenfall zu tun ist.

Die Übermittlung des Sicherheitsdatenblattes an den Kunden muss aus haftungsrechtlichen Gründen nachweisbar sein.

Die  Pflicht zur Erstellung und Weitergabe des Sicherheitsdatenblatts ist in der REACH Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (i.V.m. Änderungsverordnung (EU) Nr. 453/2010), national  auch in der Gefahrstoffverordnung (§§ 4,5,6,14,18 GefStoffV). festgeschrieben.

In Art 31 und Anhang II der REACH-VO wird genau festgelegt, dass das Sicherheitsdatenblatt u.a. in

  • 16 Rubriken/Abschnitte mit festgelegten Unterabschnitten untergliedert wird,
  • Leere Unterabschnitte nicht zulässig sind,
  • Angaben zu Notfallinformationsdiensten oder firmeneigene Notrufnummer enthält
  • alle Fassungen zu nummerieren sind,
  • Erstellungsdatum auf der ersten Seite vermerkt und das Überarbeitungsdatum das Erstellungsdatum ersetzt.
  • Seitenzahl und Gesamtseitenzahl anzugeben sind (x von y)

Sicherheitsdatenblätter müssen zukünftig auch für PBT- und vPvB-Stoffe sowie für Stoffe, die auf der Kandidatenstoffliste für die Zulassung nach der ReachVO aufgeführt sind, erstellt werden. Ferner müssen sie als Anhang Expositionsszenarien bzw. Verwendungs- und Expositionskategorien enthalten, wenn der Hersteller bzw. ein Akteur in der Lieferkette diese für einen Stoffsicherheitsbericht erarbeiten muss oder erarbeitet hat. Die Inhalte des Sicherheitsdatenblattes müssen mit den Angaben des Stoffsicherheitsberichts übereinstimmen.

Nach § 23 der Gefahrstoffverordnung handelt ordnungswidrig, wer vorsätzlich oder fahrlässig ein Sicherheitsdatenblatt „nicht oder nicht rechtzeitig übermittelt“, „nicht zur Verfügung stellt“, „nicht dafür sorgt, dass das Sicherheitsdatenblatt fachlich richtig und vollständig ausgefüllt ist“ oder „seinem Abnehmer die für eine ordnungsgemäße Einstufung und Kennzeichnung erforderlichen Daten nicht zur Verfügung stellt“.

Die GHS-Kennzeichnung für „neue“ Stoffe ist seit dem 1.12.2010 bzw. für im Handel befindliche ab dem 1.12.2012 Pflicht, für „neue“ Gemische ab dem 1.06.2015. bzw. 1.06.2017 für im Handel befindliche.

Autor: Stefan Johannsen 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen