30.01.2017

Das Sicherheitsdatenblatt: Inhalt und Aufbau

Das Sicherheitsdatenblatt hat durch die REACH-Verordnung einen höheren Stellenwert erhalten. Es enthält wichtige Angaben über Gefahrstoffe und ist als Kommunikationsmittel zwischen Lieferant und Verwender unentbehrlich. Aufbau und Inhalte des Sicherheitsdatenblatts:

Gefahrstoffmanagement

Die wichtigste Informationsquelle für den Verwender von Gefahrstoffen ist zweifelsohne das Sicherheitsdatenblatt, das heute in Anhang II der REACH-Verordnung geregelt ist. Im einführenden Kapitel 0.2.1 diese Anhangs heißt es:

„Das Sicherheitsdatenblatt muss die Verwender in die Lage versetzen, die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Sicherheit am Arbeitsplatz sowie zum Schutz der Umwelt zu ergreifen. Der Ersteller des Sicherheitsdatenblatts muss berücksichtigen, dass ein Sicherheitsdatenblatt seine Adressaten über die Gefahren eines Stoffs oder eines Gemischs informieren sowie Angaben über die sichere Lagerung, Handhabung und Entsorgung des Stoffs oder des Gemischs enthalten muss.”

1. Bezeichnung des Stoffs bzw. des Gemischs und Firmenbezeichnung

Identifikation des Produkts

Neben den Produktidentifikatoren (z.B. der EINECS- oder CAS-Nummer) muss der Handelsname angegeben sein, wobei zu beachten ist, dass dieser mit dem Namen auf dem Verpackungsetikett übereinstimmt, um eine eindeutige Zuordnung zu gewährleisten.

Verwendungszweck

Anzugeben sind die vorgesehenen oder empfohlenen Verwendungen des Stoffs oder des Gemischs. Nach Anhang II Nr. 1.2 der REACH-Verordnung sind zumindest die bei der Registrierung „identifizierten Verwendungen”, die für die Abnehmer des Stoffs oder Gemischs relevant sind, anzugeben.

Diese Forderung bezieht sich sinnvollerweise nur auf sog. Endprodukte wie Farben, Klebstoffe, Kühlschmierstoffe, Abbeizmittel, Metallreinigungsmittel oder dergleichen. Für Rohstoffe oder Zwischenprodukte können solche Hinweise nicht gegeben werden, da der Hersteller oft gar nicht weiß, wie der Stoff weiterverwendet wird.

Nach der REACH-Verordnung müssen die Sicherheitsdatenblätter auch eine Beschreibung der Expositionsszenarien enthalten, für die die einzelnen Inhaltsstoffe eines chemischen Produkts registriert sind; danach sollte also jeder Verwender „seine” Verwendung hier wiederfinden.

Es ist sehr zu begrüßen, dass die seit Langem bestehende Forderung nach Angabe der vorgesehenen Verwendung(en) in die REACH-Verordnung aufgenommen wurde: Ist damit doch die Basis geschaffen worden für sehr viel konkretere Angaben in vielen einzelnen Abschnitten im Sicherheitsdatenblatt. Diese werden an entsprechender Stelle diskutiert.

Hier sollen die wichtigsten Punkte zunächst nur genannt werden:

  • Hinweise auf Ersatzprodukte
  • Gefahrstoffexpositionen am Arbeitsplatz
  • konkrete Angaben zur persönlichen Schutzausrüstung

Gerade diese Aspekte machen eine „gute Produktinformation” aus und lassen das Sicherheitsdatenblatt endlich zu einem Instrument werden, das den Unternehmern eine wirkliche Hilfe bei der Erfüllung ihrer vielfältigen Vorschriften bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen bietet.

Firmenbezeichnung, Kontaktdaten

Der Hersteller, Einführer oder Händler muss mit vollständiger Anschrift und Telefonnummer angegeben werden. Die Angabe einer Kontaktstelle für technische Fragen ist erwünscht. Erfolgt hier keine Angabe, sollte in Abschnitt 16 „Sonstige Angaben” der für den Inhalt des Sicherheitsdatenblatts zuständige Bereich oder Ansprechpartner zumindest mit Telefonnummer angegeben sein.

Darüber hinaus ist die Notrufnummer der Firma oder der zuständigen öffentlichen Beratungsstelle anzugeben, z.B. von Vergiftungszentralen. Dies setzt natürlich voraus, dass die bezeichnete Stelle über alle Informationen des Herstellers oder des für das Inverkehrbringen Verantwortlichen, z.B. die Rezeptur der Zubereitung, verfügt, die zur Erfüllung der übertragenen Aufgaben benötigt werden.

Die Notrufnummer des Unternehmens kann identisch sein mit der allgemeinen Telefonnummer des Unternehmens, wenn Anrufumleitungen an Abenden oder Wochenenden sichergestellt sind.

 

2. Mögliche Gefahren

In diesem Abschnitt ist zunächst die Einstufung des Stoffs oder des Gemischs (mit den zugehörigen Piktogrammen und den H-Sätzen) anzugeben, die sich aus Anhang VI der CLP-Verordnung bzw. aus der Einstufung des Lieferanten ergibt, wenn es nach der CLP-Verordnung keine harmonisierten Einstufungen auf EU-Ebene gibt bzw. bei Gemischen.

Die wichtigsten Gefährdungen für Mensch und Umwelt, die von einem Stoff oder einem Gemisch ausgehen, sind anschließend kurz und klar zu beschreiben. Dabei ist zwischen kennzeichnungspflichtigen und nicht kennzeichnungspflichtigen Gemischen klar zu unterscheiden. Wichtig ist, dass auch die Gefahren, die durch einen „absehbaren Missbrauch” auftreten können, zu benennen sind. Zumindest müssen die Texte der H-Sätze aufgeführt sein.

Darüber hinaus ist auf besondere Symptome nach Einwirkung des Produkts auf Personen (z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen etc.) hinzuweisen; es sind auch Gefahren zu benennen, wie etwa Erstickungsgefahr in Räumen bei Tätigkeiten mit Produkten, die den Sauerstoff verdrängen, Erfrierungsgefahr z.B. bei tiefkalten Gasen oder Wirkungen auf die Umwelt, die nicht unmittelbar mit der Einstufung zu tun haben, aber zu einer Gefährdung beitragen, die von dem gesamten Gemisch ausgeht.

Häufig weiß der Hersteller um solche Gefährdungen. Bis sein Produkt für eine bestimmte Verwendung die Marktreife erreicht hat, werden viele Versuche durchgeführt, um beispielsweise die technischen Eigenschaften des Gemischs genau in Erfahrung zu bringen. Sollten dabei Gefährdungen auftreten, die sich nicht mit einem oder mehreren der 29 Gefahrenklassen nach CLP-Verordnung widerspiegeln lassen, sind diese hier in geeigneter Weise zu beschreiben, um einen sicheren Umgang in den Betrieben zu gewährleisten.

An dieser Stelle, aber auch an weiteren Abschnitten des Sicherheitsdatenblatts zeigt sich, wie sinnvoll es war, die Benennung des Verwendungszwecks in Abschnitt 1 anzugeben.

 

3. Zusammensetzung/Angaben zu Bestandteilen

Die hier zu findenden Angaben eröffnen, wenn sie exakt genug sind, die Möglichkeit, eigene Recherchen in der chemischen Fachliteratur, in Regelwerken usw. anzustellen. Der Leser des Sicherheitsdatenblatts sollte ohne Schwierigkeiten die gefährlichen Bestandteile der Zubereitung erkennen können. Die gefährlichen Eigenschaften des Gemischs selbst sind dann im Abschnitt 2 (bisher 3) bzw. 15 zu nennen.

Bei Produkten – und mit solchen hat man es in der Praxis wohl überwiegend zu tun – ist nicht unbedingt die vollständige Zusammensetzung aller Inhaltsstoffe mit Rezeptur anzugeben; es reicht hier, so will es das REACH-Sicherheitsdatenblatt, eine Beschreibung des Gemischs, z.B. bei einem Holzschutzmittel: „Biozide Wirkstoffe, gelöst in organischen Lösemitteln”.

Inhaltsstoffe

Bei kennzeichnungspflichtigen Gemischen sind aber auf jeden Fall alle gesundheitsgefährdenden und umweltgefährlichen Stoffe sowie die Stoffe, die einen EU-Grenzwert haben, mit ihren Konzentrationen oder Konzentrationsbereichen aufzuführen.

Nach der CLP-Verordnung verändert sich die Definition einzelner Kategorien und damit auch die Zuordnung von Stoffen und der jeweiligen Konzentrationsgrenzen; die nachfolgende Tabelle enthält die jetzt gültigen Konzentrationsgrenzen nach CLP-Verordnung:

Im Einzelnen sind

  • alle akut toxischen (außer Kategorie 4),
  • alle sensibilisierenden,
  • alle akut und chronisch gewässergefährdenden Stoffe der Kategorie 1,
  • alle ozonschädigenden sowie
  • alle krebserzeugenden, keimzellmutagenen und reproduktionstoxischen Stoffe (außer Keimzellmutagenen, Kategorie 2),

die über einer Konzentration von 0,1 % in der Zubereitung enthalten sind, aufzuführen.

  • Als akut toxisch der Kategorie 4,
  • ätzend oder reizend,
  • als keimzellmutagen der Kategorie 2,
  • als chronisch gewässergefährdend (außer Kategorie 1) eingestufte sowie
  • „STOT”-Stoffe,

deren Konzentration mehr als 1 % in der Zubereitung liegt, sind ebenfalls zu nennen. Stoffe mit Aspirationsgefahr (H304) sind zu nennen, wenn ihre Konzentration im Gemisch mehr als 10 % beträgt.

Tab. 1: Konzentrationsgrenzen zur Angabe von einzelnen Stoffen im Sicherheitsdatenblatt

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Autor: Ulrich Welzbacher