11.06.2019

Vom Sicherheitsdatenblatt zur fertigen Betriebsanweisung

Wie komme ich am schnellsten und sichersten von einem Sicherheitsdatenblatt zur Gefahrstoff-Betriebsanweisung? Wir erklären Ihnen, wie Sie an das Sicherheitsdatenblatt gelangen und welche Schritte dann noch notwendig sind, um die fertige Betriebsanweisung in den Händen zu halten. Übrigens: Vom SDB hin zur Betriebsanweisung gibt es auch eine Abkürzung - wir zeigen, wo!

Vom Sicherheitsdatenblatt zur Betriebsanweisung

Was der Urknall für das Universum war, ist das Sicherheitsdatenblatt (SDB) für die Gefahrstoff-Betriebsanweisung: Es ist zunächst einmal die wichtigste Informationsquelle für jeden, der mit Gefahrstoffen arbeitet. Sicherheitsdatenblätter beschreiben die Gefahren, die von dem Stoff bzw. Gemisch ausgehen, informieren über Maßnahmen zur Risikominderung und enthalten Empfehlungen für Tätigkeiten, für Lagerung und Sofortmaßnahmen bei Unfällen.

Sie merken schon: Das alles klingt sehr nach der Betriebsanweisung. Betriebsanweisungen beschreiben die Risiken, die von einem Arbeitsmittel oder einem Gefahrstoff für Mensch und Umwelt ausgehen, führen erforderliche Schutzmaßnahmen an, beschreiben Verhaltensregeln und Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Wie unterscheidet sich das SDB von der Betriebsanweisung?

Wer allerdings schon einmal ein Sicherheitsdatenblatt in der Hand gehalten hat, weiß, dass sich niemand freiwillig die seitenlangen Hinweise durchlesen würde, geschweige denn merken. SDBs können, gerade wenn Expositionsszenarien angegeben sind, gut und gern mehr als 100 Seiten haben.

In der Betriebsanweisung werden also nur Teile des Sicherheitsdatenblattes aufgeführt und zwar in einer für den betroffenen Mitarbeiter verständlichen Sprache, ergänzt durch die betrieblichen Belange.

Dennoch ergibt sich die Frage, ob Sie eine Betriebsanweisung erstellen müssen oder nicht, natürlich nicht aus dem Vorhandensein eines Sicherheitsdatenblatts. Was hier zählt ist Ihre Gefährdungsbeurteilung – die bei Gefahrstoffen auch wiederum auf dem Sicherheitsdatenblatt beruht.

Sicherheitsdatenblätter zugänglich machen

Die Gefahrstoffverordnung fordert unter §14:

„Der Arbeitgeber hat ferner sicherzustellen, dass die Beschäftigten Zugang haben zu allen Informationen nach Artikel 35 der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 über die Stoffe und Zubereitungen, mit denen sie Tätigkeiten ausüben, insbesondere zu Sicherheitsdatenblättern, …“

Die Sicherheitsdatenblätter ersetzen nicht die Betriebsanweisungen, jedoch können ihnen viele stoffbezogene sicherheitsrelevante Informationen entnommen werden. Es bietet sich also eine zentrale Sammlung an, auf die z.B. über eine Matrix der Einsatzorte oder Tätigkeiten zugegriffen werden kann.

Woher bekomme ich das SDB?

Wer gefährliche Substanzen herstellt, einführt oder in Verkehr bringt (sprich: der Lieferant), muss entsprechende Sicherheitshinweise in  Sicherheitsdatenblättern zur Verfügung stellen. Zur Verfügung stellen bedeutet: Unternehmen erhalten das SDB z.B. bei der Lieferung Ihres Stoffs oder Gemisches kostenlos auf Papier oder in elektronischer Form.

Der Lieferant eines Stoffs oder Gemischs ist dafür verantwortlich, dass das Sicherheitsdatenblatt fachlich richtig und vollständig ausgefüllt ist.

Sie als Anwender müssen Sicherheitsdatenblätter aber auf Fehler, Mängel oder fehlende Angaben hin überprüfen und ggf. ein neues, fehlerfreies und vollständiges Exemplar anfordern. Allgemein haben Sie in Ihrem Unternehmen sicherzustellen, dass für jeden Gefahrstoff aktuelle Sicherheitsdatenblätter vorliegen.

Für neue Gefahrstoffe sollten Sie das Sicherheitsdatenblatt im Voraus als Beurteilungsgrundlage beschaffen.

Wie erstelle ich aus einem Sicherheitsdatenblatt die Betriebsanweisung?

Einfach den Inhalt von Sicherheitsdatenblättern auf eine Betriebsanweisung zu kürzen, ohne auf betriebliche Belange Rücksicht zu nehmen ergibt wenig Sinn, ist jedoch leider gängige Praxis. Listet Abschnitt 3 des SDB beispielsweise seitenweise Gefahren für einen Stoff auf, müssen Sie diese dennoch nicht 1:1 übernehmen. Denn manche Stoffe werden erst ab einer bestimmten Konzentration gefährlich.

Hinweis: Arbeitsplatzgrenzwerte der TRGS 900

Anhaltspunkte dazu finden Sie in der TRGS 900. Sie ersetzt die frühreren Luftgrenzwerte

  • maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK),
  • technische Richtkonzentration (TRK) und
  • biologischer Arbeitsplatzgrenzwert (BAT)

durch den „Arbeitsplatzgrenzwert” (AGW) und den „Biologischen Grenzwert” (BGW). Das sind verbindliche Grenzwerte für die inhalative Belastungen mit Gefahrstoffen am Arbeitsplatz. Der AGW ist ein gesundheitsbasierter Grenzwert. Wird er eingehalten, so sind auch bei langfristiger Exposition keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu erwarten.

Nichtsdestotrotz sind Sicherheitsdatenblätter ein guter erster Anfang, um Ihre Betriebsanweisung mit Informationen zu füllen. Im Folgenden zeigen wir am Beispiel von Isopropanol einmal auf, in welchen Kapiteln der Sicherheitsdatenblätter Sie die Informationen finden, die Sie zum Erstellen der Betriebsanweisungen benötigen.

Auswahl der relevanten Inhalte aus dem Sicherheitsdatenblatt

Inhalt der Betriebsanweisung Entsprechende Informationen aus SDB Kapitelinhalt des SDB
Gefahrstoffbezeichnung 1/3 Stoffname bzw. Handelsname mit Hauptinhaltsstoffen
Gefahrstoffkennzeichnung 15 Kennzeichnung nach CLP-Verordnung
Gefahren für Mensch und Umwelt 2 mögliche Gefahren
Verhalten im Gefahrfall 5 aus „Maßnahmen zur Brandbekämpfung“ „ungeeignete Löschmittel“ übernehmen
Verhalten im Gefahrfall 6 Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung
Schutzmaßnahmen 7 aus „Handhabung“ übernehmen
Schutzmaßnahmen 8 aus „geeignete persönliche Schutzausrüstung“ übernehmen
Erste Hilfe 4 „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ (außer Hinweis für den Arzt)
Hinweise zur Entsorgung 13 sachgerechte Entsorgung

Keine Lust, zig Seiten Sicherheitsdatenblatt zu durchforsten, um Ihre Betriebsanweisung vorzubereiten?

Kein Problem!

Mit unserer topaktuellen Erweiterung der Software „Muster-Betriebsanweisungen plus“ wird der Weg vom Sicherheitsdatenblatt zu Ihrer Betriebsanweisung ein ganz kurzer. Einfach Angaben aus Ihrem Sicherheitsdatenblatt übernehmen – und auf Knopfdruck erstellt Ihnen das Programm ganz von alleine Ihre stoff- oder gemischbezogene Betriebsanweisung.

So einfach geht Arbeitsschutz heute dank Softwareunterstützung!

Mehr darüber erfahren Sie hier.

Autoren: Ulrich Welzbacher , WEKA Redaktion