21.07.2018

Erweitertes Sicherheitsdatenblatt (eSDB)

Sicherheitsdatenblätter (SDB) sind Dokumente, die sicherheitsrelevante Informationen über Arbeitsstoffe, Gefährdungen im Umgang damit und geeignete Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt enthalten.

Gefahrstoffmanagement

Die EG-Verordnung Nr. 1907/2006 (REACH), die seit 2007 die Rechtsgrundlage für Sicherheitsdatenblätter darstellt, schreibt beim Inverkehrbringen gefährlicher Stoffe ab 10 Tonnen pro Jahr erweiterte Sicherheitsdatenblätter vor. Diese enthalten zusätzlich sogenannte Expositionsszenarien mit weiteren Informationen über den sicheren Gebrauch eines Stoffs während des gesamten Lebenszyklus.

Sicherheitsdatenblatt und erweitertes Sicherheitsdatenblatt

Das Sicherheitsdatenblatt (Material Safety Data Sheets, MSDS) wird unter REACH, und in der Gefahrstoffverordnung als Kommunikationsmittel eingesetzt, um Informationen zum Gesundheits- und Umweltschutz im Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gemischen (Zubereitungen) entlang der Lieferkette weiterzugeben.

Ein erweitertes Sicherheitsdatenblatt (eSDB, extended MSDS) enthält zusätzlich zu den Inhalten nach Artikel 31 der REACH-Verordnung einen Anhang mit Expositionsszenarien zum gesamten Lebenszyklus des Stoffs. Dabei werden alle Expositionswege bei allen bekannten Verwendungen des Stoffs berücksichtigt und Maßnahmen zum Risikomanagement dokumentiert. Die Informationen stammen aus der Stoffsicherheitsbeurteilung, die im Rahmen der Registrierung nach REACH für alle gefährlichen Stoffe durchgeführt werden muss, die in Mengen von mehr als 10 Tonnen pro Jahr produziert oder importiert werden. Diese Regelung führt dazu, dass der Umfang eines typischen Sicherheitsdatenblatts drastisch zugenommen hat. Erweiterte Sicherheitsdatenblätter mit mehreren Hundert Seiten sind keine Seltenheit.

Das Sicherheitsdatenblatt richtet sich an den gewerblichen Anwender, der private Verbraucher hat keinen Anspruch darauf. Es dient im Rahmen des betrieblichen Arbeitsschutzes als wichtige Informationsquelle für Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisungen.

Oft werden auch für Arbeitsstoffe, die nicht als gefährlich einzustufen sind, Sicherheitsdatenblätter erstellt, um häufigen Fragen der Anwender entgegenzuwirken.

Pflichten

Der Lieferant (Hersteller, Importeur, Händler) des Stoffs bzw. Gemischs ist verpflichtet, das Sicherheitsdatenblatt kostenlos bei der ersten Lieferung und nach Aktualisierung zur Verfügung zu stellen. Dies kann elektronisch oder in Papierform erfolgen. Häufig werden Sicherheitsdatenblätter zusätzlich zum Download auf der Internetseite angeboten. So stehen sie auch vor der Beschaffung schon zur Verfügung.

Die Sicherheitsdatenblätter dürfen nur von einer fachkundigen Person (siehe auch TRGS 220) erstellt werden. Sie sind regelmäßig zu aktualisieren. Das Sicherheitsdatenblatt muss mindestens in einer der Amtssprachen des Landes abgefasst werden, in das es importiert wird.

Der gewerbliche Anwender ist verpflichtet, aktuelle Sicherheitsdatenblätter zu beschaffen und diese mindestens 10 Jahre nach der letzten Verwendung des Stoffs aufzubewahren. Gewerbliche Anwender müssen die Sicherheitsdatenblätter auf offensichtliche Mängel (Plausibilitätsprüfung) überprüfen und korrigierte Fassungen anfordern.

Der Arbeitgeber hat allen Arbeitnehmern, die den Gefahrstoffen ausgesetzt sind, den Zugang zu den entsprechenden Sicherheitsdatenblättern zu ermöglichen.

Inhalt

Artikel 31 Abs. 6 Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH):

„Das Sicherheitsdatenblatt muss datiert sein und folgende Rubriken enthalten:

  • Bezeichnung des Stoffes bzw. des Gemischs und Firmenbezeichnung;
  • mögliche Gefahren;
  • Zusammensetzung/Angaben zu Bestandteilen;
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen;
  • Maßnahmen zur Brandbekämpfung;
  • Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung;
  • Handhabung und Lagerung;
  • Begrenzung und Überwachung der Exposition/Persönliche Schutzausrüstung;
  • physikalische und chemische Eigenschaften;
  • Stabilität und Reaktivität;
  • toxikologische Angaben;
  • Umweltbezogene Angaben;
  • Hinweise zur Entsorgung;
  • Angaben zum Transport;
  • Rechtsvorschriften;
  • sonstige Angaben.”

Für die Expositionsszenarien des erweiterten Sicherheitsdatenblatts gibt es bisher keine festgelegte Gliederung. Es existieren jedoch Empfehlungen dazu (Leitlinien der Europäischen Chemikalienagentur ECHA).

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Autor: Ulrich Welzbacher