23.06.2016

Regelungen der Arbeitsstättenverordnung: Pausenraum und Pausenbereich

Bei zu langen Arbeitszeiten ohne Erholungspausen lässt die Konzentration nach und die Qualität der geleisteten Arbeit sinkt, während das Unfallrisiko steigt. Die Arbeitsstättenverordnung und die Arbeitsstättenregel ASR A4.2 treffen deswegen umfangreiche Regelungen zu Pausenräumen und Pausenbereichen.

Pausenraum

Die Arbeitsstättenverordnung und die technische Regel für Arbeitsstätten ASR A4.2 treffen Regelungen zu Pausenräumen. Auch das Einrichten und Betreiben von Pausenbereichen sowie von Bereitschaftsräumen für Beschäftigte in Arbeitsstätten, in Gebäuden oder im Freien werden geregelt, außerdem Einrichtungen zum Hinlegen und Ausruhen für schwangere Frauen und stillende Mütter.

Als Pausenraum wird ein Raum in einem Gebäude bezeichnet, der es Angestellten ermöglicht, dort in Ruhe ihre Pause zu verbringen. In einem Betrieb mit mehr als zehn Angestellten muss ein Pausenraum zur Verfügung gestellt werden (Ausnahme: Büros). Bei besonderen Belastungen (zum Beispiel Hitze oder Nässe) muss auch für weniger Beschäftigte ein Pausenraum bereitgestellt werden.

Notwendigkeit von Pausen

Bei zu langen Arbeitszeiten ohne Erholungspausen lässt die Konzentration nach und die Qualität der geleisteten Arbeit sinkt. Auch das Unfallrisiko steigt. Daher sind Pausen bei der Arbeit notwendig.

In der Arbeitswelt werden folgende Unterscheidungen getroffen:

  • Kurzpausen (geregelte oder frei gewählte Pausen von etwa sieben Minuten)
  • Ruhepausen (geregelte Pausen mit einer Dauer von mindestens 15 Minuten)
  • ablaufbedingte Pausen (z.B. Warte- und Stillstandszeiten).

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein sinnvoller Erholungseffekt erst nach einer Pause von mindestens fünf Minuten einsetzt. Bei Personen die an Bildschirmarbeitsplätzen tätig sind, sollten regelmäßige kurze Pausen eingelegt werden, um die Augen zu entlasten. Vor allem bei monotoner und körperlich anstrengender Arbeit eignen sich mehrere kurze Pausen.

Laut Arbeitszeitgesetz ist bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden pro Tag mindestens eine Ruhepause von einer halben Stunde einzulegen. Diese Pause kann auch in zweimal 15 Minuten aufgeteilt werden. In der Regel werden Pausen zeitlich unentgeltlich verbracht. Jugendliche und Schwangere haben eigene Pausenregelungen in den entsprechenden Verordnungen.

Prüfung von Pausenräumen und – bereichen

Laut ASR A4.2 müssen Pausenräume und Pausenbereiche in einer der Sicherheit und der Gesundheit zuträglichen Umgebung eingerichtet und betrieben werden.

Ausschlaggebend: die Zahl der Mitarbeiter

Sobald mehr als zehn Beschäftigte (einschließlich Zeitarbeitnehmern) gleichzeitig in der Arbeitsstätte tätig sind, ist der Unternehmer verpflichtet, einen Pausenraum oder -bereich zur Verfügung zu stellen.

Nicht zu berücksichtigen sind dabei

  • Beschäftigte, die aufgrund des Arbeitszeitgesetzes keinen Anspruch auf Ruhepausen haben – etwa Teilzeitkräfte mit bis zu sechs Stunden täglicher Arbeitszeit –,
  • Beschäftigte, die vorrangig außerhalb der Arbeitsstätte tätig sind (z.B. Kundendienstmonteure und andere Außendienstmitarbeiter).

Ausnahme: Büroräume

In Büroräumen kann auf einen Pausenraum oder -bereich verzichtet werden – also auch bei mehr als zehn Mitarbeitern. Allerdings nur, wenn diese Räume während der Pause frei von arbeitsbedingten Störungen sind (z.B. durch Publikumsverkehr, Telefonate). Dann nämlich stuft die ASR A4.2 den Erholungswert als gleichwertig ein. Diese Ausnahmeregelung gilt auch für mit Büros vergleichbare Arbeitsräume, etwa Registraturen oder Bibliotheken.

Besondere Bedingungen

In einigen Fällen wiederum muss der Arbeitgeber selbst bei einer geringeren Mitarbeiterzahl einen Pausenraum oder -bereich zur Verfügung zu stellen, und zwar immer dann, wenn die Gesundheit der Beschäftigten durch Besonderheiten der Arbeitsumgebung beeinträchtigt werden kann.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Arbeiten mit erhöhter Gesundheitsgefährdung durch Hitze, Kälte, Nässe oder Staub
  • Überschreitung der Auslösewerte für Lärm oder Vibrationen (siehe LärmVibrationsArbSchV)
  • Gefährdungen beim Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen oder Gefahrstoffen
  • unangenehme Gerüche
  • überwiegende Arbeiten im Freien
  • andauernde, einseitig belastende Körperhaltung mit eingeschränktem Bewegungsraum (z.B. Arbeit im Stehen)
  • schwere körperliche Arbeit
  • stark schmutzende Tätigkeit
  • Arbeitsräume/Bereiche ohne Tageslicht
  • Arbeitsräume/Bereiche, zu denen üblicherweise Dritte Zutritt haben (z.B. Kunden, Publikum, Mitarbeiter von Fremdfirmen)

Für Beschäftigte auf Baustellen sind diese Voraussetzungen zumindest teilweise gegeben, sodass hier in der Regel ein Pausenraum oder -bereich erforderlich ist.

Ausnahmen auf Baustellen

Wenn bis zu vier Beschäftigte eines Arbeitgebers gleichzeitig maximal eine Woche oder 20 Personentage auf einer Baustelle tätig sind, kann auf den Pausenraum oder -bereich verzichtet werden. Die Mitarbeiter müssen dann aber die Möglichkeit haben, sich an einer gleichwertigen Stelle zu waschen, zu wärmen, umzukleiden und eine Mahlzeit einzunehmen (ggf. auch zuzubereiten) – und zwar geschützt vor Witterungseinflüssen.

Auch wenn auf Baustellen Unterkünfte zur Verfügung stehen, kann auf Pausenräume verzichtet werden. Die Unterkünfte müssen jedoch von den jeweiligen Bewohnern auch zum Aufenthalt bei Pausen genutzt werden können und über die für Pausenräume erforderliche Ausstattung verfügen (Stühle, Tische).

Erreichbarkeit von Pausen- und Bereitschaftsräumen

Pausenzeiten sind begrenzt. Es wäre nicht im Sinne der Sache, wenn die Beschäftigten bereits einen Großteil ihrer freien Zeit für den Weg zur Pause benötigen würden. Daher müssen Pausenräume und -bereiche leicht und schnell erreichbar sein: innerhalb von fünf Minuten je Wegstrecke (zu Fuß oder mit betrieblich zur Verfügung gestellten Verkehrsmitteln). Die zulässige Wegstrecke beträgt 100 m.

Für die Sicherheit der Verkehrswege ist der Unternehmer ebenfalls verantwortlich. Zu beachten sind hier also z.B. auch die ASR A1.8 „Verkehrswege” sowie die ASR A4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe”.

Gefährdungen vermeiden

Wie alle anderen Arbeitsbereiche müssen Pausenräume und -bereiche sicher sein. Sie dürfen daher nicht unterhalb schwebender Lasten eingerichtet werden oder in Bereichen mit Gefährdung durch herabfallende Gegenstände. Beeinträchtigungen (z.B. durch Vibrationen, Stäube, Dämpfe oder Gerüche) sind, so weit wie möglich, auszuschließen.

Ruhe bitte!

In Pausenräumen und -bereichen sollen sich die Beschäftigten von der Hektik der Arbeit erholen und einfach mal „abschalten” können. Deshalb müssen diese Räumlichkeiten frei von arbeitsbedingten Störungen sein. Dazu zählen besonders Produktionsabläufe, Publikumsverkehr und Telefonate. Der durchschnittliche Schalldruckpegel aus den Betriebseinrichtungen und dem von außen einwirkenden Umgebungslärm darf höchstens 55 dB(A) betragen.

Pausenbereiche

Damit Pausenbereiche als solche geeignet sind, müssen sie optisch von der Arbeitsumgebung abgetrennt sein, etwa durch mobile Trennwände, Möbel oder geeignete Pflanzen. Sie dürfen nicht an gefährdeten Stellen eingerichtet werden (z.B. nahe heißer Oberflächen).

Mindestanforderungen an die Größe

Wo es zu eng ist, kommt man nicht zur Ruhe. Daher gelten auch Mindestanforderungen für die Größe von Pausenräumen und -bereichen:

  • Pro Person ist mindestens 1 m² (einschließlich Sitzgelegenheit und Tisch) zu veranschlagen.
  • Flächen für weitere Einrichtungsgegenstände, Zugänge und Verkehrswege sind hinzuzurechnen.
  • Die Grundfläche eines Pausenraums muss mindestens 6 m² betragen.
  • Auf Baustellen muss die lichte Höhe von Pausenräumen oder -bereichen mindestens 2,30 m betragen.

Ausstattung

Auch die Ausstattung von Pausenräumen und -bereichen richtet sich nach der Zahl der gleichzeitig anwesenden Benutzer. Es sind ausreichend Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne und Tische vorzusehen sowie Abfallbehälter mit Deckel. Je nach Bedarf sind Kleiderablagen und der Zugang zu Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Eine Waschgelegenheit im Pausenraum kann sinnvoll sein. Das Inventar in Pausenräumen und -bereichen muss sich leicht reinigen lassen.

Steht keine Kantine zur Verfügung, müssen Einrichtungen für das Wärmen und Kühlen von Lebensmitteln vorhanden sein. Dies gilt auch, wenn Beschäftigte die Räumlichkeiten nutzen, die eine bestimmte Diät einhalten müssen (Nachweis durch ärztliches Attest).

Insbesondere für Baustellen gilt obendrein: Pausenräume oder -bereiche, in denen Beschäftigte sich umziehen, müssen über eine Möglichkeit zur getrennten Aufbewahrung für Arbeits- und Schutzkleidung sowie Straßenkleidung verfügen.

Pause in der Kantine

Eine Kantine oder ein Restaurant kann übrigens auch als Pausenraum genutzt werden. Den Beschäftigten muss dann jedoch gestattet werden, sich auch ohne Verzehr dort aufzuhalten. Außerdem sind die anderen hier beschriebenen Anforderungen zu erfüllen.

Angenehme Umgebungsbedingungen

Pausenräume sollten eine Sichtverbindung nach außen aufweisen. Für Pausenbereiche wird diese empfohlen. Maßgeblich ist hier auch die ASR 7/1 „Sichtverbindung nach außen”.

Die Räumlichkeiten müssen zudem über

  • ausreichend Tageslicht verfügen und ausreichend beleuchtet sein (siehe ASR A3.4 „Beleuchtung”),
  • ausreichend temperiert sein (siehe ASR A3.5 „Raumtemperatur”),
  • gesundheitlich zuträgliche Atemluft in ausreichender Menge aufweisen (siehe ASR A3.6 „Lüftung”).
Autor: WEKA Redaktion