24.06.2016

Regelungen der Arbeitsstättenverordnung: Lüftung

Unter Lüftung versteht man die Erneuerung der Luft in einem Raum. Dies geschieht durch direkte oder indirekte Zuführung der Außenluft. Ziel ist es häufig, den Sauerstoffgehalt in einem Raum zu erhöhen. Durch Lüftung werden aber auch Gerüche und Feuchtigkeit sowie Gase, Dämpfe, Stäube und Nebel beseitigt.

Arbeitsstättenverordnung Lüftung und Klimaanlage

Vorgaben der ASR A3.6

Die ASR A3.6 soll einen Rahmen für die Arbeitgeber vorgeben, damit sie für ihre Mitarbeiter die bestmögliche Arbeitsumgebung schaffen können. Sie ist eine Handlungshilfe für die Arbeitsstättenverordnung. Wenn man als Arbeitgeber die ASR A3.6 nicht einhalten kann oder eine andere Lösungsalternative wählt, so müssen zumindest die gleiche Sicherheit und der gleiche Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter eingehalten werden.

In umschlossenen Arbeitsräumen muss unter Berücksichtigung

  • der Arbeitsverfahren,
  • der körperlichen Beanspruchung und
  • der Anzahl der Beschäftigten

ausreichend zuträgliche Atemluft vorhanden sein.

In Arbeitsräumen ist Außenluftqualität anzustreben. Probleme bereiten dabei jedoch häufig:

  • luftfremde Stoffe in Form von Staub, Fasern, Schimmel, Gasen, z.B. Kohlendioxid, Radon, oder durch das Ausgasen von Bauzusatzstoffen etc.
    Sind Personen, z.B. Beschäftigte oder Besucher, die Ursache für Stofflasten im Raum, ist die CO2-Konzentration ein anerkanntes Maß für die Bewertung der Luftqualität. Eine erhöhte CO2-Konzentration hat einen negativen Einfluss auf die Aufmerksamkeitsleistung von Personen.
  • Luftfeuchte
  • Temperatur

Hinweis: Unter Sick-Building-Syndrom (SBS) werden Störungen des Wohlbefindens und der Behaglichkeit zusammengefasst, die im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in bestimmten Gebäuden stehen, z.B. Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Depression, Vergesslichkeit, Empfindungsstörungen an Händen, Füßen, Armen und Beinen, gereizte Augen, Atemwege und Haut. Die Symptome klingen im Freien ab und treten in geschlossenen Räumen wieder auf. Als Ursache kommen beispielsweise überheizte Räume, niedrige Luftwechselraten in geschlossenen Räumen, Schimmelpilzsporen, chemische Ausdünstungen oder auch unzureichend gewartete Klimaanlagen in Betracht.

Kohlendioxid als Problem

Die in der Tabelle aufgeführten Werte dienen der Beurteilung der CO2-Konzentration in der Raumluft und der Ableitung geeigneter, beispielhaft genannter Maßnahmen. Die Maßnahmen, die zur Verbesserung der Luftqualität innerhalb des Luftgütebereichs zwischen 1.000 und 2.000 ppm gemäß der Tabelle durchgeführt wurden, sind in der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren. Dies gilt auch, wenn mit den Maßnahmen 1.000 ppm CO2 in der Raumluft unterschritten werden.

Messungen sind nur vorzunehmen, wenn ein Verdacht hierzu begründet ist. Ausgenommen sind hier Baustellen. Mehr dazu im Verlauf der Kommentierung.

Tab. 1: CO2-Konzentration in der Raumluft

CO2-Konzentration [ml/m3] bzw. [ppm]

Maßnahmen

< 1.000 keine weiteren Maßnahmen (sofern durch die Raumnutzung kein Konzentrationsanstieg über 1.000 ppm zu erwarten ist)
1.000–2.000 Lüftungsverhalten überprüfen und verbessern
Lüftungsplan aufstellen (z.B. Verantwortlichkeiten festlegen)
Lüftungsmaßnahme (z.B. Außenluftvolumenstrom oder Luftwechsel erhöhen)
> 2.000  weitergehende Maßnahmen erforderlich (z.B. verstärkte Lüftung, Reduzierung der Personenzahl im Raum)

Wenn geeignete Luftkennwerte nicht erreicht werden, so muss man zunächst versuchen, die Quelle dafür zu finden, z.B. belastete Baustoffe, und im Anschluss geeignete Schutzmaßnahmen definieren.

Stofflasten aus Bauprodukten und Einrichtungsgegenständen können vermieden oder minimiert werden, wenn z.B. emissionsfreie oder emissionsarme, überprüfte, aufeinander abgestimmte und richtig verarbeitete Produkte eingesetzt werden.

Der Nichtraucherschutz wurde bereits nach § 5 Abs. 1 ArbStättV durch ein Rauchverbot in Gebäuden oder durch baulich abgetrennte Raucherräume oder -bereiche bzw. Rauchen im Freien umgesetzt.

Hinweis: In Räumen, in denen es unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein kann, z.B. Gaststätten, sind Schutzmaßnahmen, beispielsweise durch Lüftungsanlagen, zu treffen, um Gefährdungen für Beschäftigte zu minimieren.

Luftfeuchte/Raumtemperatur

Die Luftfeuchte ist dort zu begrenzen, wo sie nicht betriebsbedingt, wie z.B. im Gewächshaus, in der Lebensmittelherstellung oder in einem Schwimmbad, notwendig ist.

Zu hohe Luftfeuchte birgt nicht unwesentliche Gefahren für den Menschen und auch das Gebäude. Schimmelpilze entwickeln sich oft im Verborgenen. Erste Hinweise sind ein modriger, muffiger Geruch oder dunkle Flecken an Wänden, Decken oder Mobiliar. In jedem Fall besteht akuter Handlungsbedarf bei oberflächlich bereits mit bloßem Auge deutlich erkennbarem Schimmelbefall. Schimmelpilze können allergische Reaktionen wie Schleimhautreizungen, Husten, Kopfweh, Asthma oder Müdigkeit auslösen.

Aber auch zu trockene Luft kann gesundheitliche Probleme auslösen.

Hinweis: Office-Eye-Syndrom: Mediziner sprechen bei dieser Benetzungsstörung der Augenoberfläche auch vom Sicca-Syndrom. Die Ursachen für trockene Augen sind sehr vielfältig.

Grundsätzlich zu nennen wären drei Auslöser:

  • zu geringe Produktion von Tränenflüssigkeit
  • veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit
  • verminderter Lidschlag

In den meisten Fällen sind die Bedingungen des direkten Umfelds verantwortlich für trockene Augen. Als Beispiel dafür wäre das klimatisierte Büro mit zu trockener Raumluft zu nennen. Heizungen und Klimaanlagen senken die Feuchtigkeit der Raumluft, der Tränenfilm verdunstet schneller. Symptome für trockene Augen sind unter anderem Brennen, Fremdkörpergefühl, Druckgefühl und Müdigkeit der Augen. Vom Office-Eye-Syndrom, auch Büroaugensyndrom genannt, sind besonders Bildschirmarbeitskräfte betroffen. Dies jedoch nicht nur, weil sie in klimatisierten Räumen tätig sind. Durch den starren Blick auf den Computer wird die Zahl der Lidschläge gesenkt, das Auge erhält weniger Feuchtigkeit und trocknet aus. Dieses Fehlverhalten ist durch hohe Konzentrationsleistungen bedingt, da das Auge u.a. das Flimmern des Bildschirms ausgleichen muss. Bei der Beschaffung von Bildschirmen ist darauf zu achten, dass diese flimmerfrei sind.

Die Raumtemperatur muss den Anforderungen der ASR A3.5 Raumtemperatur entsprechen.

Tab. 2: Maximale relative Luftfeuchtigkeit

Lufttemperatur

 Relative Luftfeuchte

+20 °C  80 %
+22 °C  70 %
+24 °C  62 %
+26 °C 55 %

 

Freie Lüftung

Diese wird beispielsweise durch die einfache Fensterlüftung mittels Stoßlüftung oder auch kontinuierliche Lüftung erreicht. In Arbeitsräumen ist eine ausreichende freie Lüftung nur dann gewährleistet, wenn die erforderlichen Lüftungsquerschnitte und die maximal zulässigen Raumtiefen eingehalten werden. Anhaltswerte dazu finden Sie in Tabelle 3 der ASR A3.6.

Stoßlüftung wird über kurzzeitigen, in regelmäßigen Abständen (z.B. Büro alle 60 Minuten ca. drei bis zehn Minuten lang) stattfindenden intensiven Luftaustausch erreicht. Die Mindestdauer der Stoßlüftung ist von der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen und dem Wind abhängig. Es kann von folgenden Orientierungswerten ausgegangen werden:

  • Sommer: bis zu zehn Minuten
  • Frühling/Herbst: fünf Minuten
  • Winter: drei Minuten

Technische Lüftung

Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) sind dann notwendig, wenn eine freie Lüftung z.B. aufgrund der Raumabmessungen, der Raumlage oder der Fensterbeschaffenheit nicht ausreicht.

RLT-Anlagen müssen als technische Anlagen dem Stand der Technik entsprechen und natürlich ebenso gewartet werden, gerade im Hinblick auf hygienische Voraussetzungen. Die Zuluft (Außenluft/Umluft) ist vor der Zuführung in die zu lüftenden Räume durch Luftfilter zu reinigen.

Der Außenluftvolumenstrom ist so auszulegen, dass Stoff-, Feuchte- und Wärmelasten abgeführt werden und die CO2-Konzentration von 1.000 ppm eingehalten wird. Abluft aus Räumen mit Lasten (Stoff-, Feuchte-, Wärmelasten) darf als Umluft nur dann genutzt werden, wenn Gesundheitsgefahren und Belästigungen ausgeschlossen werden können.

Autor: WEKA Redaktion