02.10.2018

Löschmitteleinheiten nach der ASR A2.2 richtig berechnen

Die Technische Regel für Arbeitsstätten – ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ – legt wichtige Anforderungen fest, um die Sicherheit im Brandfall zu erhöhen. Unter anderem müssen Betriebe die für einen Bereich erforderliche Anzahl von Löschmitteleinheiten berechnen — was letztlich auf die Zahl von Feuerlöschern abzielt. Hier lesen Sie, wie Sie dabei vorgehen, um die Anzahl der erforderlichen Löschmitteleinheiten richtig zu berechnen.

Mehrere Feuerlöscher: Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung Brandschutz ist auch die richtige Ausstattung mit Feuerlöschern.

Löschmitteleinheiten (LE) sind eine Hilfsgröße, die die ASR A2.2 eingeführt hat. Sie sollen es erleichtern, die Leistungsfähigkeit unterschiedlichster Feuerlöscher miteinander zu vergleichen und das gesamte Löschvermögen im Betrieb zu ermitteln. Feuerlöschern wird hierbei eine bestimmte Anzahl von Löschmitteleinheiten zugeordnet.

Zur Anzahl der Feuerlöscher fordert die ASR A2.2:

In allen Arbeitsstätten ist für die Grundausstattung die für einen Bereich erforderliche Anzahl von Feuerlöschern (…) zu ermitteln.

Die „für einen Bereich“ erforderliche Anzahl – was heißt das in der Praxis konkret?

Die Größe eines Bereichs entspricht maximal der Größe eines Brandabschnitts. Ein Bereich kann sich in Einzelabschnitte unterteilen durch bauliche (z.B. Räume oder Etagen) oder durch funktionale Abgrenzungen. Und eben für diese Einzelabschnitte müssen Sie die nötigen Löschmitteleinheiten ermitteln und entsprechend viele Feuerlöscher bereitstellen.

1. Einstufung von Feuerlöschern in Löschmitteleinheiten

Um den Löschmitteleinheiten die entsprechenden Feuerlöscher zuordnen zu können, müssen Sie zunächst die folgende Tabelle der ASR A2.2 beachten. Sie gibt die Zuordnung des Löschvermögens der Feuerlöscher, ausgedrückt in Löschmitteleinheiten, an.

LE Brandklasse A Brandklasse B
1 5A 21B
2 8A 34B
3 55B
4 13A 70B
5 89B
6 21A 113B
9 27A 144B
10 34A
12 43A 183B
15 55A 233B

2. Grundausstattung mit Löschmitteleinheiten berechnen

Im Anschluss berechnen Sie in Abhängigkeit von der Grundfläche des Bereichs die erforderliche Mindestanzahl (Grundausstattung) der Löschmitteleinheiten.

Grundfläche bis …m² Löschmitteleinheiten (LE)
50 6
100 9
200 12
300 15
400 18
500 21
600 24
700 27
800 30
900 33
1000 36
je weitere 250 +6
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Wann besteht eine erhöhte Brandgefährdung?

Bei einer erhöhten Brandgefährdung reicht die Mindestausstattung nach Löschmitteleinheiten natürlich nicht mehr aus. Erhöhte Brandgefährdung liegt laut ASR A2.2 vor, …

… wenn Stoffe mit erhöhter Entzündbarkeit vorhanden sind, durch betriebliche Verhältnisse große Möglichkeiten für eine Brandentstehung gegeben sind und in der Anfangsphase des Brandes mit einer schnellen Brandausbreitung zu rechnen ist.

Zusätzlich gilt hier die TRGS 800:

Hohe Brandgefährdung liegt vor, wenn brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe in nicht nur geringer Menge vorhanden sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Brandentstehung zu rechnen ist und eine schnelle und unkontrollierbare Brandausbreitung oder eine große Rauch- oder Wärmefreisetzung zu erwarten ist.

Hier einige Beispiele aus der Praxis für eine erhöhte Brandgefährdung:

  • stoffliche Beispiele: entzündbare Stoffe
  • örtliche Gegebenheiten, z.B. begünstigende Voraussetzungen für schnelle Brandausbreitung
  • tätigkeitsspezifische Beispiele: Trennen, Schweißen, Schleifen, Löten etc.
  • erhöhte Gefährdungen, z.B. Selbstentzündung
  • betriebliche Beispiele wie Lackieranlagen und Lacktrockner, die mit brennbaren Lösemitteln betrieben werden oder größere Fritteusen und Fettbackgeräte zur gewerblichen Verwendung. Auch Lager für brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe in nicht nur geringer Menge haben eine erhöhte Brandgefährdung, genauso wie Baustellen mit Feuerarbeiten unter besonderen örtlichen und betrieblichen Bedingungen.

Maßnahmen, wenn eine erhöhte Brandgefährdung vorliegt

Besteht eine erhöhte Brandgefährdung, breitet sich der Brand in der Anfangsphase sehr schnell aus. Um den Entstehungsbrand zu bekämpfen, müssen Sie deshalb sehr schnell und eventuell mit mehreren Feuerlöschern gleichzeitig oder mit höheren Löschmittelmengen löschen. Daher ist eine der möglichen Maßnahmen, zusätzliche Feuerlöscher über die Grundausstattung hinaus bereitzustellen.

Die ASR A2.2 legt hierzu unter Punkt 5.2.4 Abs. 3 fest:

  • Erhöhung der Anzahl der Feuerlöscher an besonders gefährdeten Arbeitsplätzen, um kürzere Eingreifzeiten aufgrund kürzerer Wege sicherzustellen oder einen größeren Löscheffekt durch gleichzeitigen Einsatz mehrerer Feuerlöscher zu erzielen
  • Bereitstellung von zusätzlichen Feuerlöscheinrichtungen, z.B. fahrbaren Pulver- oder Kohlendioxidlöschern, Schaumlöschgeräten, Wandhydranten. Die Löschmittel müssen für die Brandklassen der vorhandenen Stoffe geeignet sein.
  • Einsatz von Löschanlagen, insbesondere Objektschutzlöschanlagen
  • Ausrüstung von Bereichen mit Brandmeldeanlagen. (Anm.: Hier fehlt dann aber die ggf. notwendige Löschkomponente, daher sollte eine BMA um weitere der vorher beschriebenen Maßnahmen ergänzt werden.)

Für Betriebsbereiche, für die eine erhöhte Brandgefährdung festgestellt und keine aufwendige Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 800 für notwendig gehalten wird, gilt: Hier können Sie sich auf die jahrzehntelang bewährte Praxis der BGR 133 (auch wenn sie mit der ASR A2.2 zurückgezogen wurde) beziehen. Sie können also die Löschmitteleinheiten auf das Niveau der früheren mittleren Brandgefahr erhöhen. Dies wird auch durch die im Anhang 2 der ASR A2.2 beschriebenen Berechnungsbeispiele deutlich.

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Löschmitteleinheiten bei erhöhter Brandgefährdung berechnen

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Autor: Michael Becker