02.03.2018

Löschmitteleinheiten nach der ASR A2.2 richtig berechnen

Die Technische Regel für Arbeitsstätten – ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ – legt wichtige Anforderungen fest, um die Sicherheit im Brandfall zu erhöhen. Hier sind einige wichtige Tipps, wie man die Anzahl der erforderlichen Löschmitteleinheiten richtig berechnet.

Feuerlöscher

Löschmitteleinheiten (LE) sind eine  Hilfsgröße, die die ASR A2.2 eingeführt hat. Über sie soll es leichter möglich sein, die Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Bauarten von Feuerlöschern zu vergleichen und das gesamte Löschvermögen im Betrieb zu ermitteln. Den Feuerlöschern wird hierbei eine bestimmte Anzahl von Löschmitteleinheiten zugeordnet.

 

„Für einen Bereich“ – was heißt das in der Praxis konkret?

Die ASR A 2.2 fordert:

In allen Arbeitsstätten ist für die Grundausstattung die für einen Bereich erforderliche Anzahl von Feuerlöschern (…) zu ermitteln.

Die Größe eines Bereichs entspricht maximal der Größe eines Brandabschnitts. Der Bereich kann durch bauliche (z.B. Räume oder Etagen) oder funktionale Abgrenzungen (z.B. Unterscheidung Büro – Fertigung) in Einzelabschnitte unterteilt werden. Für diese Einzelabschnitte müssen Sie in Abhängigkeit von der Brandgefährdung die erforderlichen Löschmitteleinheiten ermitteln und entsprechend viele Feuerlöscher bereitstellen.

Für die Einstufung von Feuerlöschern ist dabei die folgende Tabelle der ASR A2.2 zu beachten, die die Zuordnung des Löschvermögens der Feuerlöscher, ausgedrückt in Löschmitteleinheiten, trifft.

Löschmittel-Tabelle

 

Im Anschluss wird in Abhängigkeit von der Grundfläche des Bereichs die erforderliche Mindestanzahl (Grundausstattung) der Löschmitteleinheiten berechnet.

Löschmittel-Tabelle-2

 Wann besteht eine erhöhte Brandgefährdung?

Bei einer ehöhten Brandgefährdung reicht diese Mindestausstattung nach Löschmitteleinheiten natürlich nicht aus. Erhöhte Brandgefährdung liegt laut ASR A2.2 vor, …

… wenn Stoffe mit erhöhter Entzündbarkeit vorhanden sind, durch betriebliche Verhältnisse große Möglichkeiten für eine Brandentstehung gegeben sind und in der Anfangsphase des Brandes mit einer schnellen Brandausbreitung zu rechnen ist.

 

Zusätzlich gilt hier die TRGS 800:

Hohe Brandgefährdung liegt vor, wenn brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe in nicht nur geringer Menge vorhanden sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Brandentstehung zu rechnen ist und eine schnelle und unkontrollierbare Brandausbreitung oder eine große Rauch- oder Wärmefreisetzung zu erwarten ist.

 

Hier einige Beispiele aus der Praxis:

  • stoffliche Beispiele: entzündbare Stoffe
  • örtliche Gegebenheiten, z.B. begünstigende Voraussetzungen für schnelle Brandausbreitung
  • tätigkeitsspezifische Beispiele: Trennen, Schweißen, Schleifen, Löten etc.
  • erhöhte Gefährdungen, z.B. Selbstentzündung
  • betriebliche Beispiele wie Lackieranlagen und Lacktrockner, die mit brennbaren Lösemitteln betrieben werden oder größere Fritteusen und Fettbackgeräte zur gewerblichen Verwendung. Auch Lager für brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe in nicht nur geringer Menge haben eine erhöhte Brandgefährdung, genauso wie Baustellen mit Feuerarbeiten unter besonderen örtlichen und betrieblichen Bedingungen.

 

Mögliche Maßnahmen, wenn eine erhöhte Brandgefährdung vorliegt

Besteht eine erhöhte Brandgefährdung, breitet sich der Brand in der Anfangsphase stark beschleunigt aus. Um den Entstehungsbrand zu bekämpfen, muss man deshalb sehr schnell und eventuell mit mehreren Feuerlöschern gleichzeitig oder mit höheren Löschmittelmengen löschen. Daher ist eine der möglichen Maßnahmen, zusätzliche Feuerlöscher über die Grundausstattung hinaus bereitzustellen.

Die ASR A2.2 legt hierzu unter Punkt 5.2.4 Abs. 3 fest:

  • Erhöhung der Anzahl der Feuerlöscher an besonders gefährdeten Arbeitsplätzen, um kürzere Eingreifzeiten aufgrund kürzerer Wege sicherzustellen oder einen größeren Löscheffekt durch gleichzeitigen Einsatz mehrerer Feuerlöscher zu erzielen
  • Bereitstellung von zusätzlichen Feuerlöscheinrichtungen, z.B. fahrbaren Pulver- oder Kohlendioxidlöschern, Schaumlöschgeräten, Wandhydranten. Die Löschmittel müssen für die Brandklassen der vorhandenen Stoffe geeignet sein.
  • Einsatz von Löschanlagen, insbesondere Objektschutzlöschanlagen
  • Ausrüstung von Bereichen mit Brandmeldeanlagen. (Anm.: Hier fehlt dann aber die ggf. notwendige Löschkomponente, daher sollte eine BMA um weitere der vorher beschriebenen Maßnahmen ergänzt werden.)

 

Für Betriebsbereiche, für die eine erhöhte Brandgefährdung festgestellt und keine aufwendige Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 800 für notwendig gehalten wird, gilt: Hier kann durch den Bezug auf die jahrzehntelang bewährte Praxis der BGR 133 (auch wenn sie mit der ASR A2.2 zurückgezogen wurde) eine Erhöhung der Löschmitteleinheiten auf das Niveau der früheren mittleren Brandgefahr vorgenommen werden. Dies wird auch durch die im Anhang 2 der ASR A2.2 beschriebenen Berechnungsbeispiele (Beispiel 4) deutlich.

So kommen Sie weiter: Den gesamten Beitrag mit Berechnungsbeispielen lesen Sie in:  Betriebliches BrandschutzmanagementJetzt gleich testen >>

Autor: Michael Becker