23.06.2021

Bildschirmarbeitsplatz

Büroarbeitsplatz

Die wesentlichen Regelungen für den Bildschirmarbeitsplatz oder Büroarbeitsplatz sind im Arbeitsschutzgesetz und in den auf ihm basierenden Verordnungen getroffen:

  • Arbeitsstättenverordnung
  • Betriebssicherheitsverordnung
  • Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge

Die über Allgemeines hinausgehenden speziellen Bestimmungen zu Bildschirmarbeitsplätzen sind im Anhang 6 zur Arbeitsstättenverordnung „Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen“ ausgeführt.

Anwendungsbereich

Der Anwendungsbereich der Arbeitsstättenverordnung umfasst nach wie vor alle Arbeitsstätten, sofern sie nicht explizit ausgenommen sind; Bildschirm- und Büroarbeitsplätze fallen in diesen Anwendungsbereich.

Dazu gehören auch Telearbeitsplätze, für die die Regelungen zur Gefährdungsbeurteilung, zum Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten und die Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze, die im Anhang 6 zu finden sind, gelten.

Der Anhang 6 „Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen“ gilt nicht für

  1. Bedienerplätze von Maschinen oder Fahrerplätze von Fahrzeugen mit Bildschirmgeräten,
  2. tragbare Bildschirmgeräte für die ortsveränderliche Verwendung, die nicht regelmäßig an einem Arbeitsplatz verwendet werden,
  3. Rechenmaschinen, Registrierkassen oder andere Arbeitsmittel mit einer kleinen Daten- oder Messwertanzeigevorrichtung, die zur unmittelbaren Benutzung des Arbeitsmittels erforderlich ist und
  4. Schreibmaschinen klassischer Bauart mit einem Display.

Smartphones, die nicht regelmäßig am Arbeitsplatz verwendet werden, fallen also nicht unter diese Regelungen.

Begriffsbestimmungen

Drei Punkte der Begriffsbestimmungen sind besonders relevant für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze:

Arbeitsplatz

Arbeitsplätze sind Bereiche (von Arbeitsstätten), in denen Beschäftigte im Rahmen ihrer Arbeit tätig werden. Die früher verwendete Einschränkung „regelmäßig über einen längeren Zeitraum oder im Verlauf der täglichen Arbeitszeit nicht nur kurzfristig“ gilt nicht mehr. Die Ausrede „Da wird nur ganz kurz gearbeitet, das ist kein Arbeitsplatz“ ist daher irrelevant.

Bildschirmarbeitsplatz

Bildschirmarbeitsplätze sind Arbeitsplätze, die sich in Arbeitsräumen befinden und die mit Bildschirmgeräten und sonstigen Arbeitsmitteln ausgestattet sind.

Auch hier gibt es keine zeitlichen Einschränkungen mehr: Steht ein Bildschirmgerät in einem Arbeitsraum, handelt es sich um einen Bildschirmarbeitsplatz.

Bildschirmgerät

Bildschirmgeräte sind Funktionseinheiten, zu denen insbesondere Bildschirme zur Darstellung von visuellen Informationen, Einrichtungen zur Datenein- und -ausgabe, sonstige Steuerungs- und Kommunikationseinheiten (Rechner) sowie eine Software zur Steuerung und Umsetzung der Arbeitsaufgabe gehören.

Diese umfassende Definition schließt praktisch alles ein, das flexibel veränderliche Informationen enthält, also auch zum Beispiel klassische Fernsehgeräte, Displays an Kassen, Smartphones etc.

Telearbeitsplatz

Eine Besonderheit stellen Telearbeitsplätze dar, von denen es in Deutschland weit über eine Million gibt.

Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat. Ein Telearbeitsplatz ist vom Arbeitgeber erst dann eingerichtet, wenn Arbeitgeber und Beschäftigte die Bedingungen der Telearbeit arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung festgelegt haben und die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln einschließlich der Kommunikationseinrichtungen durch den Arbeitgeber oder eine von ihm beauftragte Person im Privatbereich des Beschäftigten bereitgestellt und installiert ist.

Der Anwendungsbereich der Arbeitsstättenverordnung schränkt die für Telearbeitsplätze geltenden Bestimmungen auf die folgenden ein:

  • § 3 (Gefährdungsbeurteilung) bei der erstmaligen Beurteilung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsplatzes,

  • § 6 (Unterweisung der Beschäftigten) und der Anhang Nummer 6

Praktische Bedeutung

Nach Ansicht des Autors bedeutet das, dass alle im folgenden Text beschriebenen Regelungen auch auf Telearbeitsplätze anzuwenden sind.

Der Arbeitsschutz, die Ergonomie und die arbeitsmedizinische Vorsorge müssen genau so berücksichtigt werden, als ob der Arbeitsplatz in einem Büroraum auf dem Betriebsgelände angesiedelt wäre.

Die Mitarbeiter an den Telearbeitsplätzen müssen in die sicherheitstechnische und die arbeitsmedizinische Betreuung mit einbezogen werden. Den Mitarbeitern sollte bewusst gemacht werden, dass sie, nachdem der Arbeitgeber den Arbeitsplatz eingerichtet hat, für die sicherheitstechnische und ergonomische Einrichtung weiterhin Sorge zu tragen haben.

Privatsphäre

Die Arbeitgeber sind auch an Telearbeitsplätzen in vollem Umfang zur Einhaltung und Überwachung der staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Arbeitsschutzvorschriften verpflichtet. Der Überwachung an Arbeitsplätzen im häuslichen Bereich steht natürlich die Unverletzlichkeit der Wohnung gegenüber, sodass gegen den Willen des Arbeitnehmers eine Begehung des Arbeitsplatzes nicht möglich ist. Es empfiehlt sich, das Zutrittsrecht zum Telearbeitsplatz für den Beauftragten des Arbeitgebers rechtlich bindend in der Vereinbarung über Telearbeit zu verankern.

Rechtsquellen

  • Arbeitsschutzgesetz

  • Arbeitsstättenverordnung

  • Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)

  • Angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens (AMR 14.1)

  • Bildschirm- und Büroarbeitsplätze (DGUV Information 215-410)

  • DGUV Grundsatz Bildschirmarbeitsplätze G 37 (DGUV Information 250-007)

Autor: Dr. Kurt Kropp

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