09.01.2021

Begehungen im Betrieb

Betriebsbegehungen müssen regelmäßig durchgeführt werden. Das hält sowohl Arbeits- und Gesundheitsschutz kontinuierlich aufrecht. Dabei kann es sich um Einzelplatz-Begehungen oder um Begehungen eines ganzen Betriebes handeln.

Begehung

Die Begehung ist eines der wichtigsten Handwerkzeuge der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Liefern sie doch Kenntnisse und Erkenntnisse, die die Basis für jede Sicherheitsarbeit im Betrieb darstellen. Nur durch Betriebsbegehungen bekommt die Sifa die für ihre Tätigkeit unabdingbaren Einblicke in das Betriebsgeschehen. Nur die Anwesenheit vor Ort vermittelt den „Stallgeruch“, ohne den eine Akzeptanz der Sifa im Betrieb nicht denkbar ist. Regelmäßige Betriebsbegehungen schaffen die Möglichkeit, den betrieblichen Sicherheitsstandard (Ist-Zustand) aufzunehmen und Strategien zur Optimierung (Soll-Zustand) zu entwickeln.

Je nach Anlass wird unterschieden in Betriebsbegehungen:
  • die regelmäßig nach Terminplan erfolgen
  • zur Untersuchung von Unfällen und Beinahe-Unfällen
  • zur Untersuchung von schweren oder tödlichen Unfällen
  • zur Begleitung der zuständigen Aufsichtspersonen
  • aus besonderem Anlass, z.B. Maschinenabnahme, Kontrolle
Weiter können unterschieden werden Betriebsbegehungen
  • des Gesamtbetriebs,
  • eines Betriebsteils,
  • nach Schwerpunkten.

Schwerpunkte

Schwerpunktbegehungen erfolgen nach Schwerpunkten, die die Sifa festlegen kann, z.B.:
  • Überprüfung der Verkehrswege
  • Überprüfung von Anschlagmitteln
  • Kontrolle der Benutzung von PSA
Sie befassen sich nur mit ausgewählten Problemen und lassen alle anderen Betriebsbelange unberücksichtigt. Schwerpunktbegehungen können mit relativ geringem Zeitaufwand durchgeführt werden.
Beispiele
Sie sind beispielsweise zweckmäßig, wenn
  • sich Unfälle häufen,
  • sich bei Betriebsbegehungen bestimmte Häufungen gleichartiger sicherheitstechnischer Mängel ergeben haben,
  • sich bestimmte sicherheitswidrige Verhaltensweisen häufen,
  • neue Bestimmungen in Kraft getreten sind und ihre Auswirkungen auf den Betrieb festgestellt werden müssen,
  • bestimmte Sicherheitsprogramme und Schwerpunktaktionen, z.B. solche der BG, im Betrieb durchgeführt werden sollen.

Regelmäßige Betriebsbegehungen

Voraussetzungen
Regelmäßige Betriebsbegehungen werden
  • terminlich und örtlich nach einem feststehenden Terminplan langfristig festgelegt,
  • anhand des Terminplans und bezogen auf den zu begehenden Bereich vorbereitet,
  • den betroffenen Führungskräften rechtzeitig mitgeteilt,
  • mit allen Begleitern vorher abgestimmt,
  • je nach Betriebsgröße den Gesamtbetrieb oder einzelne Betriebsteile betreffen,
  • so geplant, dass sie innerhalb eines Zeitraums, z.B. Monat, Jahr, den Gesamtbetrieb erfassen
Umfang
Regelmäßige Betriebsbegehungen beziehen innerhalb des begangenen Bereichs alle
  • Räumlichkeiten,
  • Arbeitsplätze und die dort tätigen Mitarbeiter,
  • Maschinen, Arbeitsverfahren und -abläufe
in die Sicherheitsbetrachtung und -bewertung ein.
Der Soll-Ist-Vergleich bezieht sich bei regelmäßigen Betriebsbegehungen auf den gesamten begangenen Bereich.

Betriebsbegehungen zu Unfalluntersuchungen

Unfallursachen können nur durch Betriebsbegehungen vor Ort und nach Rücksprache mit allen Zeugen und Beteiligten ermittelt werden.
Unfallhergang
Eine Betriebsbegehung am Unfallort wird stets erforderlich sein, wenn ein meldepflichtiger Unfall vorliegt und in der zu erstattenden Unfallanzeige unter Ziffer 17 der Unfallhergang zu schildern ist. Die Unfallschilderung wird in vielen Betrieben der Sifa übertragen, die eng mit dem zuständigen Vorgesetzten zusammenarbeitet und den Text abstimmt.
Eine wirksame Prävention erfordert systematische Unfalluntersuchungen!
Beinahe-Unfälle
In gleicher Weise sind auch kleinere Unfälle und „Beinahe-Unfälle“ zu untersuchen: Aus ihnen können wertvolle Hinweise über Sicherheitsdefizite und für erforderliche Maßnahmen gezogen werden, auch ohne dass es schon zu einem Unfall gekommen ist. Das ist echte Präventionsarbeit. Die Sifa sollte also dafür sorgen, dass sie möglichst von allen Unfällen und Beinahe-Unfällen Kenntnis erhält.
Schriftwechsel
Betriebsbegehungen sind auch erforderlich, wenn weitere Ermittlungen zu einem meldepflichtigen Unfall anzustellen sind, z.B. aufgrund von Schriftwechsel und Rückfragen der Berufsgenossenschaft, der Unfallkasse oder des Amts für Arbeitsschutz.
Schwere Unfälle
Während diese Betriebsbegehungen zumindest in einem gewissen Zeitrahmen geplant werden können, sind Betriebsbegehungen zur Unfalluntersuchung vor Ort bei schweren oder tödlichen Unfällen sofort, unmittelbar nach dem Bekanntwerden, erforderlich.
Bei Bedarf wird sich die Sifa in die Bergung, die Erstversorgung und den Transport des Verletzten einschalten.
Alarmpläne
Die Alarmpläne geben Hinweise für ein sachgerechtes Vorgehen bei Unfällen, was unter der Schockeinwirkung des Unfallgeschehens von den Beteiligten nicht in jedem Fall erwartet werden kann.
Weiter wird die Sifa vor Ort zugegen sein, wenn – je nach Sachlage – die Kripo oder die zuständige Aufsichtsperson von der Berufsgenossenschaft, der Unfallkasse oder dem Amt für Arbeitsschutz ihre Ermittlungen zum Unfall durchführt.
Betriebsbegehungen zur Unfalluntersuchung beschränken sich im Allgemeinen auf die Unfallstelle und die unmittelbar oder mittelbar mit dem Unfall zusammenhängenden Maschinen, sonstigen Einrichtungen und Verhaltensweisen.

Betriebsbegehungen in Begleitung einer Aufsichtsperson

Bei Betriebsbegehungen durch Aufsichtspersonen von der Berufsgenossenschaft, der Unfallkasse oder vom Amt für Arbeitsschutz ist die Sifa ein wichtiger Begleiter. Sie ist das Bindeglied zum Betrieb und schaltet bei Rückfragen, z.B. zu Unfällen oder Arbeitsverfahren, den zuständigen Vorgesetzten oder andere sachkundige Gesprächspartner des Betriebs ein.
Betriebsbereiche
Die Aufsichtsperson ist dabei Herr des Verfahrens, d.h., sie entscheidet, welche Art von Betriebsbegehung durchgeführt wird und welche Bereiche besucht werden.
Rückfragen
Die Sifa hat Gelegenheit, zu Unklarheiten, z.B. zur Auslegung von Forderungen in den Sicherheitsbestimmungen und bei Ermessensfragen im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes, Fragen zu stellen. Sie kann – unter Einschluss des Vorgesetzten – mit der Aufsichtsperson ein abgestimmtes Vorgehen festlegen. Dies hat durch die europaweite Liberalisierung des Arbeitsschutzrechts besondere Bedeutung erlangt.

Betriebsbegehungen aus besonderen Anlässen

Besondere Anlässe können z.B. sein:
  • Es werden neue Unfall- und Gesundheitsgefahren erkannt.
  • Sicherheitswidriges Verhalten schleicht sich ein.
  • Persönliche Schutzausrüstungen werden nicht getragen.
  • Neue Räume, Anlagen und Arbeitsverfahren werden geplant.
  • Brandschutzmaßnahmen sind unzureichend.
  • Über die Auslegung bestimmter Forderungen in den Sicherheitsregeln und Vorschriften wird diskutiert.
  • Neu oder gebraucht gekaufte Maschinen müssen abgenommen werden.
  • Gefahrstoffe werden neu eingeführt.
Autor: Dr. Kurt Kropp