01.05.2019

Sicherheitsunterweisung – eine Unternehmerpflicht

Unfälle und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz entstehen meist durch menschliches Fehlverhalten. Die einzig wirksamen Maßnahmen dagegen sind Unterweisungen, die regelmäßig und zielorientiert erfolgen müssen. Sie möchten wissen, wer genau wen in was und warum unterweisen muss? Dann sind Sie hier richtig. Dieser Beitrag beantwortet alle wichtigen Fragen rund um die Unternehmerpflichten bei der Sicherheitsunterweisung.

Sicherheitsunterweisung

Auf welche Vorschriften stützt sich die Unterweisungspflicht?

Die folgenden zitierten Gesetzen und Vorschriften verpflichten den Unternehmer zur Sicherheitsunterweisung:

  • Arbeitsschutzgesetz (§12)
  • Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze und Prävention“ (§4)
  • Betriebssicherheitsverordnung (§12)
  • Gefahrstoffverordnung (§14)

Die Aufzählung ist sicherlich nicht vollständig, denn in vielen weiteren Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz finden sich Anforderungen zur Unterweisung.

Sicherheitsunterweisung wer muss sie durchführen?

Die grundsätzliche Pflicht zur Unterweisung hat der Unternehmer oder der Geschäftsführer. Er kann diese Pflicht aber auf direkte Vorgesetzte der einzelnen Mitarbeiter im Rahmen einer schriftlichen Pflichtenübertragung weitergeben. Die Gesamtverantwortung und vor allem die Kontrollpflicht verbleiben weiterhin bei ihm. Die Vorgesetzten wiederum führen Unterweisungen in ihrem Verantwortungsbereich durch.

Zur Vorbereitung der Sicherheitsunterweisung können sich Vorgesetzte fachlichen Rat von der zuständigen Fachkraft für Arbeitssicherheit holen. Wenig sinnvoll ist, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit die Unterweisung durchführt. Das ist zwar gängige Praxis, jedoch hat die Unterweisung durch die Vorgesetzten mehr Wirkung. Warum?

Der Mitarbeiter baut einerseits Vertrauen zum Vorgesetzten auf, wenn dieser sich um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei seiner Tätigkeit kümmert. Andererseits lernt der Vorgesetzte die Gefahrenpotenziale in seinem Verantwortungsbereich kennen.

Wie oft müssen Mitarbeiter unterwiesen werden?

Sie müssen eigene Beschäftigte als auch Beschäftigte von Fremdfirmen, die Sie für sich
arbeiten lassen unterweisen:

  • mindestens einmal jährlich
  • bei der Einstellung vor Arbeitsbeginn
  • bei Versetzungen an einen anderen Arbeitsplatz
  • vor jeder neuen Tätigkeit
  • anlassbezogen, z.B. nach einem Unfall
  • beim Erkennen einer unsicheren Situation

Speziell der letzte Punkt ist wesentlich zur Unfallvermeidung. Da der Vorgesetzte die Gefahrenschwerpunkte in seinem Verantwortungsbereich kennt – oder besser: kennen sollte –, kann er sofort reagieren, wenn sich ein Mitarbeiter nicht sicherheitsgerecht verhält, um dann situationsbedingt zu unterweisen.

Das heißt auch: Unterweisen ist ein ständiger Prozess im beruflichen Alltag und sollte sich nicht nur auf die oben genannten Punkte beschränken.

Ganz wichtig ist außerdem, dass die Vorgesetzten den Arbeitsschutz ihren Mitarbeitern vorleben. Nur so akzeptieren die Mitarbeiter sicheres Verhalten, bestimmte Regeln und Vorsichtsmaßnahmen.

Wer muss unterwiesen werden?

Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten: Alle Mitarbeiter!

Eine besondere Betrachtung verdienen Azubis, Praktikanten und andere Neulinge im Betrieb. Die Unfallstatistiken zeigen, dass in den ersten Jahren der Betriebszugehörigkeit das Unfallrisiko um ein Mehrfaches gegenüber dem von schon länger Beschäftigten gesteigert sein kann. Azubis und Neulinge kennen die arbeitsplatzspezifischen Besonderheiten nicht. Sie müssen daher besonders intensiv auf ihre Tätigkeit vorbereitet und unterwiesen werden.

Wie sollte am besten unterwiesen werden?

Das „Wie?“ liegt im Ermessen des Unterweisenden – solange nur jeder Mitarbeiter die Inhalte der Unterweisung nachvollziehen kann. Der Dialog steht hier sicherlich mehr im Fokus als der Monolog des Unterweisenden. Denn Monologe sind langweilig, machen die Sicherheitsunterweisung zur Pflichtveranstaltung und verfehlen ihr Ziel.

Ganz wichtig: Der Mitarbeiter muss sich Gehör verschaffen können mit seinen Problemen am Arbeitsplatz. Auch hieraus können Schutzmaßnahmen abgeleitet werden. Der Lernerfolg ist sicher hoch, wenn Mitarbeiter aktiv in die Sicherheitsunterweisung eingebunden werden und Lösungen erarbeiten. Vorteilhaft sind auch praktische Unterweisungen.

Ein Beispiel

Der Montageort und die Funktionsweise eines Feuerlöschers werden oft unterwiesen. Den Montageort können sich viele Mitarbeiter merken, weil sie auch täglich an ihm vorbeilaufen. Die Funktionsweise allerdings ist schnell vergessen. Und im Ernstfall vergeht dann viel Zeit, bis Mitarbeiter z.B. beginnen, einen Entstehungsbrand zu bekämpfen.

Wenn der Mitarbeiter den Feuerlöscher aber in die Hand nehmen und ein offenes Feuer damit bekämpfen muss, prägt er sich die Funktionsweise eines Feuerlöschers besser ein. Er wird sie auch so schnell nicht vergessen. Daher gilt: Selbst erarbeiten und selbst ausführen oder üben ist wesentlich wirkungsvoller als das bloße Zuhören oder Betrachten von Vortragsfolien.

Das gilt auch für das Tragen und Anlegen von persönlicher Schutzausrüstung. Auch hier ist üben besser als nur unterweisen. Was nicht heißen soll, dass man sich bei der Sicherheitsunterweisung nicht auch neuer Medien bedienen darf.

Multimediaunterweisungen

Multimedia-Unterweisungen sind gutes Mittel, um Unterweisungen zu unterstützen. Nur darf sich der Mitarbeiter hier nicht allein gelassen fühlen. Er muss z.B. die Möglichkeit haben, seinem Vorgesetzten Fragen zu stellen, wenn er etwas nicht verstanden hat. Daher sollte jeder Multimedia-Unterweisung ein persönliches Gespräch folgen. Lernkontrollen sind hier ganz hilfreich und vermitteln den Verantwortlichen den Wissensstand ihrer Mitarbeiter.

Was (welche Inhalte) sind zu unterweisen?

Sicherheitsmaßnahmen, die in unmittelbarem Zusammenhang zur Tätigkeit stehen

Zunächst sind die Sicherheitsmaßnahmen zu unterweisen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tätigkeit des Beschäftigten stehen, z.B.:

Die Gefährdungen sind zuvor durch eine Gefährdungsermittlung, die der Vorgesetzte durchzuführen hat (mit Unterstützung der Fachkraft für Arbeitssicherheit), zu ermitteln.

Allgemeine Themen

Auch allgemeine Themen können bei Bedarf Inhalt einer Sicherheitsunterweisung sein – vor allem, wenn hier Defizite erkannt werden. Dazu zählen z.B.:

  • Verhalten bei Unfällen oder Bränden und der Selbstrettung im Gefahrenfall
  • Alkohol am Arbeitsplatz
  • Tragen von persönlicher Schutzausrüstung
  • Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz
  • Verkehrssicherheit

Sicherheitsunterweisung am einfachsten mit Vorlage erstellen

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Was passiert, wenn Unternehmen ihrer Unterweisungspflicht nicht nachkommen?

Versäumt es die Führungskraft, ihre Mitarbeiter zu unterweisen, verstößt sie gegen ihre Fürsorgepflicht. Neben eventuellen strafrechtlichen Konsequenzen kann das auch zivilrechtliche Forderungen nach sich ziehen. Kostenträger dürfen im Krankheitsfall verlangen, dass sich die Führungskraft an den Kosten beteiligt und wurde ein Arbeitnehmer verletzt, kann er Schadensersatzforderungen geltend machen.

Rechtssicherheit haben Führungskräfte hier übrigens nur, wenn sie ihre Unterweisungen entsprechend dokumentieren – über Teilnehmerlisten, Teilnahmebestätigungen oder Ähnliches.

Wie sieht die Dokumentation zur Sicherheitsunterweisung aus?

Jede Sicherheitsunterweisung ist zu dokumentieren. Diese Dokumentation muss mindestens enthalten:

  • Name und Stellung des Unterweisenden
  • Name und Unterschrift der Unterwiesenen
  • Thema der Unterweisung
  • Datum und Uhrzeit (Beginn und Ende) der Unterweisung.

Die Dokumentation muss mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden. Sie dient auch als Nachweis für den Unternehmer zur Erfüllung seiner Pflichten. Bei Unfällen oder Berufskrankheiten verbessert der Nachweis durchgeführter Unterweisungen die Rechtssicherheit für den Unternehmer.

Fazit

Sicherheitsunterweisungen sind eine Unternehmerpflicht und gesetzlich vorgeschrieben. Bei der Sicherheitsunterweisung ist der Mitarbeiter aktiv mit einzubeziehen, um den gewünschten Lernerfolg zu erreichen, wobei eine multimediale Unterstützung zeitgemäß ist.

Unterweisungen schaffen Vertrauen bei den Mitarbeitern und sichern den Unternehmenserfolg. Ausfälle von Mitarbeitern durch Arbeitsunfälle kosten den Unternehmer Geld und können die Lieferfähigkeit eines Unternehmens einschränken.

Unterweisungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz sind deshalb ein wichtiger Baustein für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Autoren: Peter Beck (Seit 2001 von der IHK Rhein Neckar öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger), Dr. Kurt Kropp