20.01.2020

Die Unterweisung für Auszubildende richtig vorbereiten und durchführen

Gut vorbereitet sein ist meist schon die halbe Miete. Das gilt auch für die bevorstehenden Unterweisungen und Einweisungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die demnächst bei Ihnen im Unternehmen ihre Ausbildung beginnen werden. Stellen Sie deshalb jetzt schon die notwendigen Unterlagen, Unterweisungen und Trainings zusammen. Wichtige Tipps und Hinweise zum Thema Unterweisung für Auszubildende finden Sie in diesem Beitrag.

Unterweisung Auszubildende

Das Thema „Arbeitszeit und Pausen“

Das Jugendarbeitsschutzgesetz schützt die minderjährigen Auszubildenden vor einer Überforderung bei der Arbeit. Das Thema sollte in einer Unterweisung für Auszubildende zumindest kurz zur Sprache kommen. Weisen Sie auf entsprechende Aushänge am Schwarzen Brett oder im Intranet hin und bitten Sie die jungen Leute, auch selbst auf die Einhaltung zu achten:

  • Nach § 8 JArbSchG dürfen Auszubildende nicht länger als 40 Stunden wöchentlich und nicht mehr als acht Stunden täglich arbeiten. Werden 40 Stunden in der Woche nicht überschritten, kann an einzelnen Tagen maximal achteinhalb Stunden gearbeitet werden.
  • Nach § 11 JArbSchG haben Auszubildende Anspruch auf Pausen, die mindestens 15 Minuten dauern (kürzere Arbeitsunterbrechungen zählen nicht). Wird zwischen 4,5 und sechs Stunden gearbeitet, muss die Pause mindestens 30 Minuten dauern, ab sechs Stunden müssen es 60 Minuten sein.
  • Schichtzeit ist die Zeit zwischen Arbeitsbeginn und Arbeitsende, also die Arbeitszeit plus Pausen und Unterbrechungen. Die Schichtzeit von minderjährigen Azubis darf laut § 12 JArbSchG maximal zehn Stunden betragen, in Ausnahmefällen, wie beispielsweise im Gastgewerbe, ist eine Schichtzeit von elf Stunden zulässig.

Das Thema „Generelle Beschäftigungseinschränkungen“

Unterweisen Sie Ihre Auszubildenden darin, welche Beschäftigungen ihnen nach §§ 22- 27 JArbSchG untersagt sind, damit sie entsprechende Arbeitsaufträge ablehnen können:

  • Verboten sind grundsätzlich alle Arbeiten, die das psychische oder körperliche Leistungsvermögen der Jugendlichen übersteigen.
  • Verboten sind ferner Arbeiten, die mit bestimmten Gefährdungen verbunden sind, wie der Umgang mit Schadstoffen oder Strahlung.
  • Jugendliche dürfen in der Ausbildung nicht mit Akkordarbeit betraut werden.
  • Minderjährigen dürfen keine Arbeiten zugewiesen werden, bei denen dauerhaft ein bestimmtes Arbeitstempo verlangt wird.

Stellen Sie außerdem sicher, dass bei Minderjährigen vor Ausbildungsantritt eine Erstuntersuchung durchgeführt wurde, die nicht länger als 14 Monate zurückliegen darf. Diese muss ein Jahr nach Ausbildungsantritt wiederholt werden.

Das Thema „Obligatorische Unterweisungen“

Das JArbSchG gibt nach § 29 Vorgaben für die Erstunterweisungen für minderjährige Auszubildende: Diese müssen hinsichtlich Unfall- und Gesundheitsgefahren immer dann, wenn sie neuen Gefahrensituationen ausgesetzt sind, unterwiesen werden:

  • zu Beginn der Ausbildung
  • bei wesentlichen Änderungen der Arbeitsbedingungen
  • bei erstmaliger Beschäftigung an Maschinen und gefährlichen Arbeitsstellen
  • vor möglichen Kontakten mit gefährlichen Arbeitsstoffen

Die Unterweisungen sind mindestens halbjährlich, in der Praxis aber wesentlich öfter durchzuführen. Denn mit jedem Wechsel der Ausbildungsstelle innerhalb des Unternehmens ändern sich die Arbeitsbedingungen ja entscheidend.

Auch wenn Sie Auszubildende haben, die schon 18 Jahre und älter sind, sollten Sie alle gemeinsam die Unterweisungen durchlaufen lassen. Denn die Gefahrensituationen sind ja für alle relevant.

Das Thema „Durchführung der Erstunterweisung für Auszubildende“

Eine allgemeine Erstunterweisung muss unbedingt zu Beginn der Ausbildung erfolgen und kann bei einem Rundgang durch das Unternehmen nach folgendem Muster ablaufen:

  • Welche Gefährdungen gibt es? Dazu gehören Risiken beim Einsatz von Maschinen und Geräten und beim Umgang mit Gefahrstoffen (z. B. Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Treib- und Schmierstoffe).
  • Welche möglichen Verletzungs- und Gesundheitsgefahren bestehen (Unfälle durch Stürzen, Stolpern, Stoßen und Gestoßenwerden; langfristige Gesundheitsschäden wie Hauterkrankungen, Allergien, Atemwegserkrankungen, Rückenschäden, Schädigung des Gehörs und der Augen)?
  • Welche Schutzmaßnahmen sind dagegen nötig? Neben dem Beachten von Arbeitsanweisungen, Betriebsanweisungen und Bedienungsanleitungen zählen dazu das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung und die Meldung über Schäden an Maschinen und Geräten.
  • Welches Verhalten ist im Notfall erforderlich? Hier muss auf den Standort von Verbandskasten und Feuerlöscher sowie auf den Ansprechpartner für Erste-Hilfe-Maßnahmen hingewiesen werden. Auch das Verhalten bei Verletzungen und Unfällen (Meldung an Vorgesetzte und Ausbilder) muss erläutert werden.

Wie schon oben dargestellt, ist bei einem Wechsel der Arbeitsstelle jeweils eine tätigkeitsbezogene Unterweisung durchzuführen, z. B. durch praxisbezogene Kurzunterweisungen mit einer Dauer von etwa zehn Minuten direkt vor dem ersten Arbeitsantritt. Dazu gehört auch der Umgang mit zusätzlicher Schutzausrüstung und mit Gefahrstoffen.

„Wissen adäquat vermitteln“ – didaktische Tipps für die Unterweisung für Auszubildende

Ganz gleich, worum es geht – biedern Sie sich nicht an, aber lassen Sie auch nicht den Besserwisser raushängen. Beides schafft Distanz, und damit würden Sie die einmalige Chance verspielen, Ihre Azubis gleich im ersten Anlauf zum Arbeitsschutz mitzunehmen.

Anregendes Gespräch statt Schlaftablette

Gestalten Sie die Unterweisung für Ihre Auszubildenden sehr abwechslungsreich. Natürlich müssen Sie ein paar nette, begrüßende Worte sagen. Aber reden Sie nicht 20 Minuten lang, sonst sind Ihre Neulinge schon auf halber Strecke eingeschlafen. Holen Sie sich ruhig einen Kollegen hinzu, mit dem es leichter fällt, ein Gespräch in Gang zu bringen.

Referieren Sie nicht – stellen Sie Fragen. Erstens lernen Sie so die Vorstellungen und den Wissensstand Ihrer Anfänger kennen. Zweitens bleibt das, was die Azubis im Gespräch verstehen, viel besser als alles hängen, was Sie ihnen erzählen können. Sie wollen sie ja nicht am Ende wecken müssen!

Weitere Tipps, um Ihre Unterweisung für Auszubildende interessant zu gestalten:

  • Nutzen Sie Filme und Software, wo immer dies möglich ist. Gerade Filme eignen sich besonders dazu, Wissen kompakt und interessant zu vermitteln.
  • Begrenzen Sie die Dauer von Erstunterweisungen auf 20 Minuten.
  • Wissen, das selbst erarbeitet wird, sitzt am besten. Bauen Sie deshalb mindestens eine Lerneinheit ein, in der die Azubis z. B. Gefährdungen ermitteln, zusammentragen und als Vortrag erläutern dürfen.
  • Versuchen Sie möglichst viele Inhalte bildhaft darzustellen und „Textwüsten“ zu vermeiden.
  • Teilen Sie den Stoff in kleine, überschaubare „Häppchen“ auf, um der oft noch niedrigen Aufmerksamkeitsspanne Ihrer Azubis zu entsprechen.
  • Es wäre am besten, wenn alle Auszubildenden Maschinen und Geräte bedienen und dabei erworbenes Wissen trainieren könnten. Aus Zeitgründen ist dies meist nur exemplarisch möglich: Einer der Auszubildenden soll eine Tätigkeit ausführen, alle anderen bewerten, was er richtig gemacht hat und wie er sich und seine Gesundheit noch besser hätte schützen können.
  • Überlegen Sie sich praktische Bezüge zu den Arbeitsplätzen, die Ihre Azubis kennenlernen werden.
  • Informieren Sie sich rechtzeitig über die Azubis, die auf Sie zukommen. Gemeinsam mit den Themen ergeben sich daraus auch die Termine, die Sie einplanen müssen.

Geben Sie Ziele vor

Dem Zufall überlassen sollten Sie die Unterweisung für Auszubildende aber keineswegs: Sie sind der Gesprächsleiter und geben die Themen vor. Später, wenn Ihre Azubis schon etwas gelernt haben, können Sie die Gesprächsrunden auch freier gestalten, aber nicht gleich zu Beginn. Elementare Themen für die erste Unterweisung der Auszubildenden können beispielsweise sein:

  • Worum geht es beim Arbeitsschutz überhaupt? Geben Sie einen kurzen Überblick mit ein paar Beispielen.
  • Wer kümmert sich um den Arbeitsschutz? Stellen Sie die Ansprechpartner vor.
  • Was bedeuten Arbeits- und Gesundheitsschutz für Ihren Betrieb? Vermitteln Sie die Unternehmenskultur.

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Autor: Markus Horn