13.09.2021

Schülerpraktikum: Das müssen Praktikanten, Lehrer und Betriebe wissen

In vielen Schulen gibt es zur Vorbereitung aufs Berufsleben ein Schülerpraktikum, in dem Kinder oder Jugendliche den Arbeitsalltag in einem Betrieb kennenlernen sollen. Was müssen die Schüler, ihre Lehrer und die Betriebe dabei bezüglich des Arbeitsschutzes beachten – und wie lange dürfen Schüler überhaupt arbeiten? Das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Zwei Praktikanten betrachten bei ihrem Schülerpraktikum einen Automotor.

Wie lange ein Schülerpraktikum dauert und in welcher Jahrgangsstufe es ansteht, kann je nach Bundesland und Schulform variieren. In der Regel steht es zeitnah vor dem Schulabschluss an und dauert eine bis drei Wochen. An manchen Schulen gehören auch zwei oder mehrere Praktika in verschiedenen Betrieben dazu, um erste Eindrücke vom Arbeitsleben zu gewinnen.

Erfahrungen sammeln – mit funktionierendem Arbeitsschutz

Sinn eines Schülerpraktikums ist es, möglichst viele Bereiche einer Firma kennenzulernen und dabei nicht nur Hilfsarbeiten zu erledigen oder nur für Dinge wie Kaffeekochen zuständig zu sein. Für die Betriebe bedeutet dies: Lernen, Weiterqualifizierung und Fortbildung sollen im Mittelpunkt eines Praktikums stehen.

Aus Sicht des Arbeitsschutzes ist dabei zu berücksichtigen, dass im Schülerpraktikum keine routinierten Arbeitskräfte tätig sind. Ganz im Gegenteil: Praktikanten können aufgrund eines mangelnden Sicherheitsbewusstseins oder geringer Erfahrung manche Gefahren noch nicht erkennen. Es ist wie beim Autofahren: Wer noch unerfahren ist, läuft eher Gefahr, Fehler zu machen oder Situationen falsch einzuschätzen. So sind junge Berufseinsteiger besonders häufig an Arbeitsunfällen beteiligt, wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mitteilt. Umso gewichtiger ist hier der Wert einer umfassenden Unterweisung über Gefahren.

Praktikanten angemessen unterweisen

Bei den Inhalten sollte sich die unterweisende Person auch in die Rolle der jungen Beschäftigten (etwa die eigenen Ausbildungsjahre) versetzen: Wie ist es, jahrelang die Schulbank gedrückt zu haben und sich nun in einem Betrieb zu bewegen? Mit Kollegen, die durch die Gänge eilen, stampfenden Maschinen und Substanzen, die man allenfalls aus dem Chemieunterricht kennt. Im Idealfall sind Themen wie das Tragen einer Schutzbrille von daher schon vertraut, doch normalerweise sind Begriffe wie PSA oder Schutzschalter erst einmal Neuland.

Gerade weil junge Berufsanfänger der besonders risikofreudigen Altersgruppe angehören, ist es enorm wichtig zu vermitteln, dass Maßnahmen des Arbeitsschutzes keine „Schikane“ sind, sondern helfen, die eigene Gesundheit, unter Umständen sogar das eigene Leben zu erhalten. Daher gilt es einen echten Wert zu kommunizieren anstatt nur knapp vorzuschreiben: Helme sind bei uns Pflicht. Auch die Vorbildrolle trägt dazu bei – denn wenn alle Kollegen einen Helm tragen, ist es für Jugendliche auch nicht mehr „albern“. Im Gegenteil kann die Schutzausrüstung auch als Symbol von Professionalität und Erwachsensein verstanden werden.

§ 29 Jugendarbeitsschutzgesetz geht konkret auf die „Unterweisung über Gefahren“ für Jugendliche (also auch beim Praktikum) ein.

Wie und wann müssen Jugendliche unterwiesen werden?

Dieser Paragraf schreibt vor, dass Arbeitgeber jugendliche Beschäftigte über Unfall- und Gesundheitsgefahren unterweisen müssen, denen sie im Betrieb ausgesetzt sind, und auch über die Einrichtungen und Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren – und zwar jeweils

  • zu Beginn der Beschäftigung,
  • bei wesentlicher Änderung der Arbeitsbedingungen,
  • vor der erstmaligen Beschäftigung an Maschinen oder gefährlichen Arbeitsstellen,
  • vor Arbeiten, bei denen die Jugendlichen mit gesundheitsgefährdenden Stoffen in Berührung kommen.

An der Planung, Durchführung und Überwachung der für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Beschäftigung Jugendlicher geltenden Vorschriften sind die Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu beteiligen.

Ein Erfahrungsaustausch zwischen Betreuungslehrer, Praktikumsbetreuer und Schüler sollte regelmäßig, z.B. einmal pro Woche, bei Bedarf öfter, stattfinden. Der Betreuungslehrer sollte sich von der Situation vor Ort einen Eindruck verschaffen.

Was müssen Betriebe vor Aufnahme des Praktikums beachten?

In der Gefährdungsbeurteilung (§ 5 ArbSchG) sind der Arbeitsbereich und die Tätigkeiten des Praktikanten vorweg zu bewerten. Sofern es sich um Minderjährige handelt, was bei einem Schülerpraktikum meist der Fall ist, so ist – neben den allgemeinen Vorschriften zum Arbeitsschutz – auch das Jugendarbeitsschutzgesetz zu beachten.

Wie lange dürfen Schüler überhaupt tätig sein?

Auch hier sind die Vorgaben des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu beachten, insbesondere die §§ 5 und 8 JArbSchG. Demnach gilt:

  • Schüler unter 13 Jahren dürfen gar nicht arbeiten und 13- sowie 14-Jährige nur in Ausnahmefällen. Diese sind ausführlich in § 5 JArbSchG erläutert.
  • Jugendliche ab 15 Jahren dürfen höchstens acht Stunden täglich oder 8,5 Stunden bei entsprechendem Ausgleich an anderen Wochentagen und insgesamt nur 40 Stunden pro Woche im Praktikum arbeiten.

Ohne Pause darf nicht länger als 4,5 Stunden gearbeitet werden. Ruhepausen von mindestens 30 Minuten und 60 Minuten bei mehr als sechs Stunden Arbeit müssen festgelegt sein.

Nach Beendigung der täglichen Arbeit dürfen Jugendliche nicht vor Ablauf einer ununterbrochenen Freizeit von mindestens zwölf Stunden beschäftigt werden.

Arbeit am Wochenende ist nur im Gesundheitswesen im Bereich der Pflege, im Altenheim oder Krankenhaus, erlaubt.

Ausnahmen von der Arbeitszeit-Beschränkung im Schülerpraktikum

In der Landwirtschaft dürfen Jugendliche über 16 Jahre während der Erntezeit nicht mehr als neun Stunden täglich und nicht mehr als 85 Stunden in der Doppelwoche beschäftigt werden. Zudem gibt es Ausnahmen für weitere Bereiche wie etwa die Binnenschifffahrt. Diese sind in weiteren Paragrafen des Jugendarbeitsschutzgesetzes geregelt.

Autor: Christine Lendt