20.09.2018

Azubis: Der AG darf nur im Ausnahmefall kündigen

Auch wenn die JAV der vorrangige Ansprechpartner für Azubis ist, sollte sich auch der Betriebsrat um die jüngsten Kollegen kümmern. Falls nötig, sollten Sie daher mit kompetentem Rat zur Verfügung stehen – insbesondere dann, wenn es problematisch wird und es um die Frage geht, wann Azubis entlassen werden können.

Betriebsrat Kündigung Azubi

Arbeitsrecht. Im Normalfall beginnt das Berufsausbildungsverhältnis mit einer Probezeit, die mindestens einen Monat und höchstens vier Monate betragen darf. Während dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist – schriftlich – gekündigt werden. Ein Grund für die Kündigung ist in der Probezeit nicht erforderlich. Dies entspricht den Regelungen bei „normalen“ Arbeitsverhältnissen. Auch wenn der Arbeitgeber in der Probezeit jederzeit kündigen kann, muss er bestimmte Vorschriften einhalten: So muss er vor Ausspruch der Entlassung den Betriebsrat anhören.

Nach der Probezeit darf der AG nur außerordentlich kündigen

Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis vom ausbildenden Arbeitgeber nur aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden (§ 22 Abs. 1 BBiG). Die Hürden sind dabei für eine Kündigung sehr hoch. Gründe, die in einem normalen Arbeitsverhältnis einen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung darstellen würden, müssen in einem Ausbildungsverhältnis noch lange nicht greifen. Außerdem spielt hierbei die Dauer der Ausbildung eine wichtige Rolle. Ein wichtiger Grund für eine Kündigung kann demzufolge nur ein Sachverhalt sein, der das gesamte Ausbildungsziel erheblich gefährdet oder verhindert. Die Kündigung kann aber immer nur das letzte Mittel sein. Vorher muss der Arbeitgeber durch Gespräche und/oder weitere Maßnahmen wie z. B. Abmahnungen versuchen, pädagogisch auf den Azubi einzuwirken.

Expertentipp: Schlichtungsausschuss

Ein Azubi, der mit einer Kündigung nicht einverstanden ist, kann dagegen vorgehen. Besteht ein Schlichtungsausschuss gemäß § 111 Abs. 2 Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG), ist zunächst dieser anzurufen, andernfalls direkt das Arbeitsgericht.

Kündigung nach Probezeit durch Auszubildenden möglich

Während Arbeitgeber kaum Kündigungsmöglichkeiten haben, ist der Gesetzgeber im Hinblick auf die Berufswahl der Azubis großzügiger: Ein Auszubildender kann aus wichtigem Grund das Arbeitsverhältnis kündigen. Gründe, die einen Auszubildenden zu einer fristlosen Kündigung berechtigen, können z. B. sein:

  • die mehrfache Nichtzahlung der Ausbildungsvergütung
  • der Entzug der Ausbildungsbefugnis des Ausbildenden
  • Beleidigungen, Züchtigungen oder Misshandlungen durch Ausbildende oder Arbeitskollegen

Zusätzlich können Azubis mit einer Frist von vier Wochen kündigen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen wollen.

DownloadIst ein Azubi in Ihrem Betrieb außerordentlich gekündigt worden und Sie wollen Widerspruch einlegen? Hier finden Sie das kostenlose Musterschreiben für diesen Fall.

Musterschreiben: Widerspruch gegen außerord. Kündigung eines Ausbildungsverhältnisses

Minderjährige: Kündigung muss den Eltern zugehen

Ein minderjähriger Auszubildender ist im Rechtssinne nur beschränkt geschäftsfähig. Er kann deshalb nur mit der Einwilligung des gesetzlichen Vertreters kündigen. Eine Kündigung gegenüber einem Minderjährigen ist nur wirksam, wenn sie gegenüber den Eltern als gesetzliche Vertreter ausgesprochen wird. Sie muss den Eltern zugehen. Die an den Minderjährigen selbst gerichtete Kündigung ist sogar dann unwirksam, wenn dessen Eltern davon erfahren.

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Autor: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT.)