28.02.2020

Gefahrgutunterweisung: So unterweisen Sie richtig

Gefahrgutbeauftragte sollten wissen, welche Unterweisungen für wen gefordert sind. Zum Teil ähneln sich die Vorgaben für die verschiedenen Verkehrsträger und zum Teil unterscheiden sie sich drastisch voneinander. Dieser Beitrag fasst deshalb übersichtlich zusammen, welche Regelungen hier jeweils für Schiene, Straße, Wasser oder Luft gelten.

Transport gefährlicher Güter: Jeder daran Beteiligte muss die Gefahrgutunterweisung erhalten haben.

Für die Gefahrgutunterweisung gilt in jedem Fall: Alle Arbeitnehmer müssen vor der Übernahme entsprechender Pflichten unterwiesen werden. Sie dürfen Aufgaben, für die sie noch nicht die erforderliche Unterweisung erhalten haben, nur wahrnehmen, wenn sie dabei direkt überwacht werden.

Wer sollte die Gefahrgutunterweisung durchführen?

Liegt die Organisation und Durchführungen der Gefahrgutunterweisung in den Händen des Gefahrgutbeauftragten? Immerhin hat dieser die erforderliche Sachkenntnis über einschlägige Vorschriften.

Gegen diese Annahme spricht jedoch, dass der Gefahrgutbeauftragte in aller Regel nicht der weisungsbefugte Vorgesetzte der Betroffenen ist. Anders als dieser kennt er meist nicht die detailliert die speziellen Arbeitsabläufe vor Ort. Der direkte Vorgesetzte hat auch die direkte Fürsorgepflicht inne und sollte schon allein deshalb seine Mitarbeiter selbst unterweisen.

Gefahrgutbeauftragte müssen Mitarbeiter deshalb nicht selbst im Umgang mit Gefahrgut unterweisen. Doch auf jeden Fall sollten sie

  • sich einen Überblick über den Stand der Schulungen und Unterweisungen im Unternehmen verschaffen sowie
  • Bescheid wissen, welche Unterweisungen für wen gefordert sind.

Dieser Beitrag fasst deshalb übersichtlich zusammen, welche Regelungen hier jeweils für Schiene, Straße, Wasser oder Luft gelten.

Wer unterwiesen werden muss

Teilnehmer an der Gefahrgutunterweisung nach ADR

Die Gefahrgutunterweisung für den Transport auf Schiene und Straße regelt Kapitel 1.3 ADR. Recht allgemein spricht das ADR hier von allen Beschäftigten, deren Arbeitsbereich die Beförderung gefährlicher Güter umfasst, also z.B. Fahrer, Verlader, Entlader etc.

Teilnehmer an der Gefahrgutunterweisung nach IMDG-Code

Der IMDG-Code (International Maritime Code for Dangerous Goods), die internationale Gefahrgutvorschrift für den Seeverkehr, regelt die Unterweisungspflichten sehr übersichtlich. Zunächst überraschend: Auch Landpersonal – und das betrifft sogar Unternehmen im Binnenland, die gefährliche Güter über See verschicken – muss entsprechend geschult sein.

Unterwiesen werden muss demnach Landpersonal, das

  • gefährliche Güter einstuft und den richtigen technischen Namen festlegt,
  • gefährliche Güter verpackt,
  • gefährliche Güter beschriftet, kennzeichnet oder plakatiert,
  • Beförderungseinheiten (CTUs) be- oder entlädt,
  • Beförderungsdokumente für gefährliche Güter erstellt,
  • gefährliche Güter zur Beförderung anbietet,
  • gefährliche Güter zur Beförderung annimmt,
  • gefährliche Güter während der Beförderung umschlägt,
  • Lade- und Staupläne für gefährliche Güter erstellt,
  • Schiffe mit gefährlichen Gütern belädt und entlädt,
  • gefährliche Güter befördert,
  • die Einhaltung der anwendbaren Gesetze und Verordnungen untersucht, kontrolliert und durchsetzt oder
  • wie von der zuständigen Behörde bestimmt, anderweitig in die Beförderung von gefährlichen Gütern eingebunden ist.

Die Unterweisung der Offiziere und Besatzungsmitglieder, die für den Ladungsumschlag auf Schiffen verantwortlich sind, beschreibt der STCW-Code (Internationales Übereinkommen über Normen für die Ausbildung, die Erteilung von Befähigungszeugnissen und den Wachdienst von Seeleuten). Dieser Bereich unterliegt jedoch nicht der Verantwortung von Gefahrgutbeauftragten.

Teilnehmer an der Gefahrgutunterweisung nach IATA-DGR

Die ICAO Technical Instructions sind die Gefahrgutvorschriften für den Luftverkehr. Daneben existieren die Dangerous Goods Regulations (DGR) des Verbands der Luftverkehrsgesellschaften (IATA). Da die IATA-DGR in einigen Punkten strenger sind als die ICAO-TI, wird in der Praxis auf die IATA-DGR zurückgegriffen.

Da Sicherheitsfragen im Luftverkehr generell sehr ernst genommen werden, sind auch die Unterweisungsregelungen besonders restriktiv. Im Luftverkehr werden 12 Personalkategorien unterschieden, für die es – je nach Aufgabengebiet – unterschiedliche Unterweisungsanforderungen gibt:

  1. Versender und Personen, die die Versenderpflichten wahrnehmen, einschließlich Personal von Luftfahrtunternehmen, die als Versender handeln, und Personal von Luftfahrtunternehmen, die gefährliche Güter als Dienstfracht/Dienstpost bereitstellen; Versender, Agenten des Versenders einschließlich Personal von Luftverkehrsgesellschaften, die als Versender handeln, und Personal von Luftverkehrsgesellschaften, die Gefahrgut als Dienstfracht/Dienstpost bereitstellen
  2. Verpacker
  3. Personal von Spediteuren, das an der Abwicklung von gefährlichen Gütern beteiligt ist; Personal von Spediteuren, welche an der Behandlung von Gefahrgut beteiligt sind
  4. Personal von Spediteuren, das an der Abwicklung von Fracht oder Post (die keine gefährlichen Güter enthalten) beteiligt ist; Personal von Spediteuren, welche an der Behandlung von Fracht, Post oder Vorräten (kein Gefahrgut) beteiligt sind
  5. Personal von Spediteuren, das an der Abfertigung, Lagerung und dem Ein- und Ausladen von Fracht oder Post beteiligt sind; Personal von Spediteuren, welche an der Behandlung, Lagerung und Beladung von Fracht, Post oder Vorräten beteiligt sind
  6. Personal von Luftfahrtunternehmen und Frachtabfertigungsdienstleistern, das Gefahrgut annimmt; Luftverkehrsgesellschaften und Frachtabfertigungsagenten, welche Gefahrgut annehmen
  7. Personal von Luftfahrtunternehmen und Frachtabfertigungsdienstleistern, das Fracht oder Post (die keine gefährlichen Güter enthalten) annimmt; Luftverkehrsgesellschaften und Frachtabfertigungsagenten, welche Fracht, Post oder Vorräte (kein Gefahrgut) annehmen
  8. Personal von Luftfahrtunternehmen und Frachtabfertigungsdienstleistern, das an der Abfertigung, Lagerung und dem Ein- und Ausladen von Fracht oder Post und Gepäck beteiligt ist; Personal von Luftverkehrsgesellschaften und Frachtspediteuren, welche für Handhabung, Lagerung und Beladung von Fracht, Post, Vorräten und Gepäck beauftragt sind
  9. Personal der Passagierabfertigung
  10. Mitglieder der Cockpitbesatzung, Lademeister und Mitarbeiter der Ladeplanung; Flugbesatzung
  11. Besatzungsmitglieder (andere als Mitglieder der Cockpitbesatzung)
  12. Sicherheitspersonal, das die Überprüfung und Durchleuchtung von Passagieren und deren Gepäck und Fracht oder Post vornimmt, z.B. Personal der Sicherheitskontrolle, deren Vorgesetzte und Personal, die an der Umsetzung von Sicherheitsvorschriften beteiligt sind

Auch für Personen, die nicht direkt am Flughafen tätig sind, können Schulungspflichten aus den IATA-DGR entstehen – wenn sie z.B. direkt beim Hersteller oder in einer Spedition Gefahrgut für den Lufttransport vorbereiten (Personalkategorien 2, 3, 5).

Achtung

Im Luftverkehr gibt es einen klaren Zeitrahmen für die Wiederholungen. Spätestens nach 24 Monaten (in dem Monat, in dem die letzte Prüfung bestanden wurde) muss jeder sein Wissen aufgefrischt haben. Am Ende jeder Schulung findet eine Prüfung statt! Damit sind die Vorgaben im Luftverkehr strenger als bei den anderen Verkehrsträgern.

Welche Inhalte eine Gefahrgutunterweisung haben muss

Inhalte nach ADR

Die Inhalte der Unterweisungen legt das ADR recht allgemein fest.

  • Einführung – allgemeine Bestimmungen der Gefahrgutvorschriften
  • aufgabenbezogene Unterweisung – detaillierte Unterweisung für den konkreten Arbeitsbereich
  • Sicherheitsunterweisung – Information über die Risiken und Gefahren, sichere Handhabung und Notfallmaßnahmen
  • Unterweisung für Klasse 7 – Informationen zum Strahlenschutz (betrifft nur Unternehmen, in denen radioaktive Stoffe befördert, be- und entladen bzw. gelagert werden)
  • Unterweisungen im Bereich der Sicherung – Informationen zu Sicherungsrisiken, Hinweise zum Erkennen und zu Verfahren, mit denen diese Risiken verringert werden können, Maßnahmen zur Sicherung, evtl. zu Sicherungsplänen

Mehr zu den Inhalten nach ADR lesen Sie in diesem Beitrag.

Inhalte nach IMDG-Code

Nach IMDG-Code müssen die oben genannten Personen – wie im ADR – eine allgemeine Schulung, eine aufgabenbezogene Ausbildung sowie ein Sicherheitstraining erhalten. Auch Fragen der Sicherung (Kapitel 1.4 IMDG-Code) müssen – ebenso wie im ADR – in diesen Schulungen behandelt werden.

Inhalte nach IATA-DGR

Schulungsinhalte nach IATA-DGR sind in jeder Personalkategorie die allgemeine Philosophie, Markierung und Kennzeichnung, das Erkennen von nicht deklariertem Gefahrgut, die Bestimmungen für Passagiere und Besatzungsmitglieder sowie das Verhalten bei Notfällen. Je nach Aufgabenbereich kommen dazu noch weitere Themen wie die Klassifizierung oder die Verpackungsvorschriften.

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Dokumentationspflichten bei der Gefahrgutunterweisung unbedingt beachten

Bei allen Unterweisungen ist die Dokumentationspflicht wichtig: Eine Schulungsbescheinigung muss Zeitpunkt, Dauer und Inhalt der Schulung dokumentieren. Die zuständige Überwachungsbehörde kann von Betrieben verlangen, dass sie die entsprechenden Bescheinigungen vorlegen.

Autor: Uta Fuchs