22.03.2021

Ausbildung und Prüfung von Gefahrgutbeauftragten

Unternehmen, die gefährliche Güter befördern, verpacken, beladen oder befüllen, müssen in der Regel einen Gefahrgutbeauftragten (Gb) bestellen. Der Gefahrgutbeauftragte muss Inhaber eines Schulungsnachweises sein, den er erhält, wenn er eine entsprechende Schulung besucht und eine Prüfung bestanden hat. In den verschiedenen Rechtsvorschriften für die einzelnen Verkehrsträger sind Details zur Schulung und Prüfung definiert.

Zertifikat

In Deutschland wurde 1989 durch die Gefahrgutbeauftragtenverordnung (GbV) verkehrsträgerübergreifend eine verantwortliche Person für den Transport gefährlicher Güter eingeführt: der „Gefahrgutbeauftragte“ (Gb). Die Pflicht zur Bestellung eines Gb sowie die Voraussetzungen für dessen Bestellung, Pflichten und Verantwortlichkeit enthalten – jeweils in Abschnitt 1.8.3 – auch die international geltenden Vorschriften ADR/RID und ADN. In Deutschland ist gemäß GbV ebenfalls ein Gb für den Verkehrsträger See zu bestellen. Details zur Ausbildung und Prüfung des Gefahrgutbeauftragten in Deutschland enthalten die GbV und die Satzung der Industrie- und Handelskammern.

Anerkannte Schulungen für die Ausbildung zum Gefahrgutbeauftragten

Die vom Gb zu besuchende Schulung muss in Deutschland gemäß GbV von der Industrie- und Handelskammer anerkannt sein. Gegenstand der Schulung des ersten Verkehrsträgers müssen insbesondere folgende Sachgebiete sein:

  • nationale Rechtsvorschriften (insbesondere GbVGGBefGGGVSEBGGVSeeGGAVStVOWHG)
  • Klassifizierung
  • Anforderungen an Verpackungen, Großpackmittel, Großverpackungen
  • Kennzeichnung, Bezettelung von Versandstücken

Gegenstand der Schulung des ersten Verkehrsträgers und jedes weiteren Verkehrsträgers müssen insbesondere folgende Sachgebiete sein:

  • Aufbau und Systematik der besonderen Rechtsvorschriften für den Gefahrguttransport
  • Verantwortliche und Verantwortlichkeiten der am Transport gefährlicher Güter beteiligten Personen
  • Besonderheiten der Klassifizierung (freigestellte Güter und (bedingt) freigestellte Beförderungen)
  • Dokumentation (Inhalt und Verwendung der Begleitpapiere)
  • Anforderungen zur Beförderung an Fahrzeuge, Container, Tanks (insbesondere Zulassung, Prüfung und Kodierung)
  • Besonderheiten bei Kennzeichnung, Bezettelung und orangefarbenen Tafeln
  • Durchführung der Beförderung (insbesondere Versandarten, Verpacken, Befüllen, Beladen, Entladen, Ladungssicherung, Sicherheitsanforderungen und Beförderungsausrüstung)“

Prüfungsvoraussetzungen

Es gibt drei Arten von Prüfungen:

  • Grundprüfung
  • Ergänzungsprüfung
  • Verlängerungsprüfung

Die Prüfungen werden in Deutschland von den Industrie- und Handelskammern durchgeführt. Interessenten können sich unabhängig vom Lehrgangsort, vom Wohnsitz oder Firmensitz bei jeder IHK zur Prüfung anmelden. Die Prüfung findet ausschließlich schriftlich statt. Die verwendeten Prüfungsfragebogen sind bundeseinheitlich. Sie werden zentral, für alle Industrie- und Handelskammern verbindlich erstellt. Die Fragen für die Prüfungsfragebogen werden einem Fragenkatalog entnommen.

Verlängerung des Schulungsnachweises

Die Geltungsdauer des Schulungsnachweises wird verlängert, wenn eine Verlängerungsprüfung erfolgreich absolviert wurde. Eine Schulung muss nicht nachgewiesen werden.

Als Zulassung zur Prüfung muss ein gültiger Schulungsnachweis gemäß § 4 oder § 7 Abs. 3 GbV in Verbindung mit Unterabschnitt 1.8.3.7 ADR/RID/ADN (gilt analog für den Seeschiffsverkehr) für den die Prüfung abgenommen werden soll, vorgelegt werden. Darüber hinaus muss der Prüfungstermin innerhalb der Geltungsdauer des Schulungsnachweises liegen.

Alle bescheinigten Verkehrsträger können in einer Prüfung abgelegt werden. Diese Prüfung darf mehrmals – jedoch nur bis zum Ablauf der Geltungsdauer des Schulungsnachweises – wiederholt werden.

Die Verlängerungsprüfung kann höchstens die Verkehrsträger umfassen, für die die zu verlängernde Schulungsbescheinigung gilt.

Achtung: Schulungsbescheinigungen gelten ausnahmsweise bis 30. September

Mit den multilateralen Vereinbarungen M333 und M334 wurden die Geltungsdauern für Schulungsbescheinigungen noch einmal verlängert.

Dank der M333 bleiben ADR-Schulungsbescheinigungen bis zum 30. September 2021 gültig – auch wenn sie regulär zwischen dem 1. März 2020 und dem 1. September 2021 ablaufen würden. Das regelt die M334 für die Schulungsnachweise von Gefahrgutbeauftragten genauso.

Beide Regelungen gelten in Deutschland und in allen Unterzeichnerstaaten, die diese Vereinbarung unterzeichnen.

Autor: Beate Schleicher