01.08.2020

Das sind Ihre Aufgaben als Brandschutzbeauftragter

Die Aufgaben als Brandschutzbeauftragter sind sehr umfangreich – eigentlich gibt es keinen betrieblichen Bereich, der nicht dem Brandschutz unterliegt. Der Brandschutzbeauftragte muss sich dabei immer um bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen kümmern. Lesen Sie, welche Aufgaben der Brandschutzbeauftragte konkret laut DGUV Information 205-003 wahrnehmen sollte, und informieren Sie sich hier außerdem über seine Qualifikation, Ausbildung und Bestellung.

Brandschutzbeauftragter überprüft einen Feuerlöscher - eine seiner Aufgaben

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) sieht in der DGUV Information 205-003 „Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten“ diese 26 Aufgaben vor, die ein Brandschutzbeauftragter übernehmen sollte:

Diese Aufgaben hat ein Brandschutzbeauftragter

    1. Erstellen und Fortschreiben der Brandschutzordnung
    2. Mitwirken bei Beurteilungen der Brandgefährdung an Arbeitsplätzen
  1. Beraten bei feuergefährlichen Arbeitsverfahren und bei dem Einsatz brennbarer Arbeitsstoffe
  2. Mitwirken bei der Ermittlung von Brand- und Explosionsgefahren
  3. Mitwirken bei der Ausarbeitung von Betriebsanweisungen, soweit sie den Brandschutz betreffen
  4. Mitwirken bei baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen, soweit sie den Brandschutz betreffen
  5. Mitwirken bei der Umsetzung behördlicher Anordnungen und bei Anforderungen des Feuerversicherers, soweit sie den Brandschutz betreffen
  6. Mitwirken bei der Einhaltung von Brandschutzbestimmungen bei Neu-, Um- und Erweiterungsbauten, Nutzungsänderungen, Anmietungen und Beschaffungen
  7. Beraten bei der Ausstattung der Arbeitsstätten mit Feuerlöscheinrichtungen und Auswahl der Löschmittel
  8. Mitwirken bei der Umsetzung des Brandschutzkonzeptes
  9. Kontrollieren, dass Flucht- und Rettungspläne, Feuerwehrpläne, Alarmpläne usw. aktuell sind, ggf. Aktualisierung veranlassen und dabei mitwirken
  10. Planen, Organisieren und Durchführen von Räumungsübungen
  11. Teilnehmen an behördlichen Brandschauen und Durchführen von internen Brandschutzbegehungen
  12. Melden von Mängeln und Maßnahmen zu deren Beseitigung vorschlagen und die Mängelbeseitigung überwachen
  13. Unterstützen der Führungskräfte bei den regelmäßigen Unterweisungen der Beschäftigten im Brandschutz
  14. Aus- und Fortbilden von Beschäftigten mit besonderen Aufgaben in einem Brandfall, z.B. in der Handhabung von Feuerlöscheinrichtungen (Brandschutzhelfer gemäß ASR A2.2)
  15. Prüfen der Lagerung und/oder der Einrichtungen zur Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten, Gasen usw.
  16. Kontrollieren der Sicherheitskennzeichnungen für Brandschutzeinrichtungen und für die Flucht- und Rettungswege
  17. Überwachen der Benutzbarkeit von Flucht- und Rettungswegen
  18. Organisation der Prüfung und Wartung von brandschutztechnischen Einrichtungen
  19. Kontrollieren, dass festgelegte Brandschutzmaßnahmen insbesondere bei feuergefährlichen Arbeiten eingehalten werden
  20. Mitwirken bei der Festlegung von Ersatzmaßnahmen bei Ausfall und Außerbetriebssetzung von brandschutztechnischen Einrichtungen
  21. Unterstützen des Unternehmers bei Gesprächen mit den Brandschutzbehörden und Feuerwehren, den Feuerversicherern, den Unfallversicherungsträgern, den staatlichen Arbeitsschutzbehörden usw.
  22. Stellungnahme zu Investitionsentscheidungen, die Belange des Brandschutzes betreffen
  23. Mitwirken bei der Implementierung von präventiven und reaktiven (Schutz)Maßnahmen im Notfallmanagement z.B. für kritische Infrastrukturen (Stromausfall), für lokale Wetterereignisse mit Schadenspotenzial (extreme Hitze-/Kältewelle, Starkregen, Sturm, Hagel, Schneelast, etc.)
  24. Dokumentieren seiner Tätigkeiten im Brandschutz

Muss ein Brandschutzbeauftragter zwingend all diese Aufgaben übernehmen?

Diese 26 Aufgaben des betrieblichen Brandschutzes müssen in jedem Betrieb erfüllt sein. Welche Person diese Pflichten letztlich ausführt, wird nicht bestimmt. Das heißt, in kleineren Firmen wird der Chef die Aufgaben vielleicht selbst übernehmen, in anderen Betrieben der Abteilungsleiter, die Fachkraft für Arbeitsschutz oder auch Mitarbeiter aus der Belegschaft – all dies ist juristisch korrekt. Wichtig ist, dass alle Anforderungen abgearbeitet werden; weniger wichtig ist, von wem.

Grundsätzlich bietet sich jedoch für jeden Betrieb an, einen Brandschutzbeauftragten zu benennen, da nur selten davon ausgegangen werden kann, dass der Brandschutzverantwortliche eine entsprechende Fachkunde hat.

Wann braucht ein Betrieb einen Brandschutzbeauftragten?

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung Brandschutz, dass im Betrieb eine Brandgefährdung vorliegt, die über eine normale Brandgefährdung (Brandgefährdung vergleichbar mit einer Büronutzung) hinausgeht, sollte ein Unternehmen auf jeden Fall einen Brandschutzbeauftragter bestellen.

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Die Bestellung eines betrieblichen Brandschutzbeauftragten kann auch durch Dritte vorgegeben werden. Dies sind die zuständigen Genehmigungsbehörden, die Sachversicherer und gesetzlichen Unfallversicherer.

Eine Besonderheit stellt die Empfehlung zur Bestellung eines koordinierenden Brandschutzbeauftragten dar, z.B. in Einkaufszentren, Industrie-, Gewerbe- und Technologieparks oder Forschungseinrichtungen. Begründet ist diese Funktion aufgrund der gemeinsamen Rettungswege, der Mischnutzungen und der damit verbundenen vielfältigen Schnittstellen zwischen den Betrieben.

Brandschutzbeauftragte muss der Arbeitgeber schriftlich bestellen. Dort legt er den Zuständigkeitsbereich, die konkreten Aufgaben und die Rahmenbedingungen fest.

Kleinere und mittlere Unternehmen sollten prüfen, ob es sinnvoll und wirtschaftlicher ist, die Funktion des Brandschutzbeauftragten durch einen externen Dienstleister übernehmen zu lassen. Insbesondere dann, wenn der zeitliche Umfang dieser Tätigkeit keine Vollzeitstelle rechtfertigt (was zumeist die Regel darstellen dürfte), bietet sich ein externer Berater an.

Brandschutzbeauftragter sollten unmittelbar dem Arbeitgeber unterstellt sein

Die DGUV-Information empfiehlt, den Brandschutzbeauftragten hinsichtlich seiner betrieblichen Stellung der Fachkraft für Arbeitssicherheit gleichzusetzen und unmittelbar dem Arbeitgeber zu unterstellen.

Brandschutzbeauftragte sind mit der komplexen Thematik des Brandschutzes beauftragt, nicht jedoch verantwortlich – das ist ein großer und wichtiger Unterschied zu denjenigen Personen, die weisungsbefugt sind.

Das heißt, dass Brandschutzbeauftragte lediglich bei Vorsatz und bei grober Fahrlässigkeit haften – und so ein Fall ist bis heute in Deutschland noch nicht bekannt geworden. Einen Brandschutzbeauftragten juristisch in die Pflicht zu nehmen, ist deshalb nicht einfach, denn die Verantwortung liegt bei jedem Mitarbeiter selbst für das, was er tut bzw. unterlässt.

Qualifikation als Brandschutzbeauftragter

Was die Qualifikation als Brandschutzbeauftragter betrifft, sollten Kandidaten im Allgemeinen folgendes mitbringen:

  • ohne zusätzliche Ausbildung:
    • Personen mit abgeschlossenem Hochschul- oder Fachhochschulstudium in der Fachrichtung Brandschutz
    • Personen mit der Befähigung zum Leiter einer anerkannten Werks-/Betriebsfeuerwehr
    • Oberbrandmeister, Brandinspektoren und Zugführer bei der freiwilligen Feuerwehr
  • mit zusätzlicher Ausbildung:
    • Sicherheitsfachkräfte mit Zusatzausbildung zum Brandschutzbeauftragten
    • Mitglieder einer Feuerwehr mit mindestens Gruppenführerausbildung und Zusatzausbildung zum Brandschutzbeauftragten
    • Personen mit einer Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten

Für Betriebe mit erhöhter Brandgefährdung wird empfohlen, Personen auszuwählen, die wahlweise z.B. eine der folgenden Qualifikationen mitbringen:

Aus- und Fortbildung zum Brandschutzbeauftragten

Zur Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten enthält die DGUV Information 205-003:

  • eine Auflistung der anerkannten Ausbildungseinrichtungen
  • Anforderungen an gleichermaßen qualifizierte Einrichtungen
  • Aufbau, Inhalt und Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten umfasst 64 Unterrichtseinheiten, die in der Regel auf zwei Wochen verteilt sind. Sie wird mit einer mündlichen und einer schriftlichen Abschlussprüfung und ggf. mit einer Gruppenarbeit abgeschlossen.

Spätestens nach drei Jahren erfolgt eine zweitägige Weiterbildung. Denn aufgrund der sich häufig ändernden Regelwerke und Vorschriften ist es notwendig, dass sich der Brandschutzbeauftragte regelmäßig fortbildet. Der Arbeitgeber hat ihm die erforderliche Fortbildung zu gewähren, z.B. zu Themen des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes oder zu Didaktik. Innerhalb von drei Jahren wird der Besuch von mindestens 16 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten als erforderlich angesehen.

 

 

Autoren: Reimund Roß , Dr. J. Wolfgang Friedl , Reinhard Gerhardt