04.08.2018

Grundlagen zum Brandschutzkonzept

Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Brandschutzmaßnahmen sind ein wesentlicher Teil des Arbeitsschutzes und damit auch ein besonderer Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung. Diese muss entsprechend schriftlich erfolgen und regelmäßig gepflegt und überprüft werden. Neben der Gefährdungsbeurteilung gibt es eine Vielzahl weiterer Dokumente im Brandschutz, von denen hier die wesentlichen aufgeführt sind:

Gefährdungsbeurteilung

Unter einem Brandschutzkonzept versteht man eine Darstellung, in der alle vorgesehenen Einzelmaßnahmen des Brandschutzes und ihre Verknüpfung im Hinblick auf die Schutzziele beschrieben werden. Des Weiteren bewertet es den Erreichungsgrad der definierten Schutzziele. Dabei ist ein Brandschutzkonzept notwendig, wenn es erforderlich ist, von den baurechtlichen Vorlagen abzuweichen, oder wenn es sich um ein Gebäude von besonderer Art und Nutzung handelt (z.B. Krankenhäuser, Sportstätten, Industrieanlagen usw.)

Brandschutzkonzept

Das Brandschutzkonzept enthält neben einer kompletten Beschreibung des Gebäudes, seiner Einrichtung und der Nutzung:

  • Beschreibung des Gebäudes
  • Art der Nutzung
  • Personenanzahl
  • Brandlasten
  • Schutzziele
  • mögliche Brandgefahren/Zündquellen
  • Zugänglichkeit/Zufahrten/Feuerwehrflächen
  • Löschwasserversorgung
  • bauliche Brandschutzeinrichtungen
  • baulicher Brandschutz
  • anlagentechnische Brandschutzeinrichtungen wie Löschanlagen, Rauchfreihaltung, Blitzschutz, Gebäudefunk, Sicherheitsbeleuchtung
  • alle Maßnahmen des organisatorischen Brandschutzes
  • Notfallpläne, Brandschutzordnungen, Feuerwehrpläne

Das Brandschutzkonzept ist mittlerweile in vielen Bereichen wesentliche Voraussetzung für eine Genehmigung, sollte aber auch in allen anderen Bereichen als komplette Sammlung aller Brandschutzmaßnahmen geführt werden.

Brandschutzordnungen

Die Brandschutzordnung Teil A nach DIN 14096 richtet sich an alle Personen in einer baulichen Anlage (Beschäftigte, Besucher, Bewohner).

Die Brandschutzordnung Teil A sollte dort ausgehängt werden, wo sich Personen im Allgemeinen aufhalten bzw. häufig vorbeigehen. Besonders geeignete Stellen sind z.B. Hauseingänge, Hallen, Aufzüge, Treppenräume, Flure, Telefonzellen, Sitzungsräume etc.

Die Brandschutzordnung enthält die wesentlichen Maßnahmen zum Verhalten im Gefahrfall.

Die Brandschutzordnung Teil B richtet sich an alle Personen, die sich nicht nur vorübergehend in einer baulichen Anlage aufhalten (Beschäftigte, Bewohner).

Die Brandschutzordnung wird als Merkblatt oder als Broschüre an die Beschäftigten oder Bewohner ausgehändigt. Die Brandschutzordnung B enthält zunächst immer die Brandschutzordnung A.

Es folgen allgemeine Maßnahmen der Brandverhütung wie z.B. Brandverhütung, Maßnahmen im Gefahrfall, Aufgaben benannter Personen im Brandschutz wie Etagenbeauftragte, Brandschutzhelfer, Ersthelfer etc.

Die Brandschutzordnung Teil C gilt für Personen, denen besondere Brandschutzaufgaben übertragen worden sind (z.B. Brandschutzbeauftragte, Sicherheitskräfte, Werkschutz).

Diese wird bei Bedarf aufgestellt, wenn die Brandschutzordnung Teil B hierfür nicht ausreichend ist oder besondere Maßnahmen von den genannten Personenkreisen gefordert werden. Dies ist insbesondere bei größeren Arbeitsstätten der Fall.

Alarmplan

Der Alarmplan hat den Zweck, die schnelle Alarmierung der Löschkräfte und anderer wichtiger Stellen bei Brandausbruch sicherzustellen. Er ist im Einvernehmen mit der zuständigen Feuerwehr aufzustellen. Er enthält Angaben über Alarmierungsmittel, Alarmzeichen und den für die Anordnung des Räumungsalarms zuständigen Personenkreis.

Er wird sowohl als Aushang als auch als textliche Anweisung bei betroffenen Personenkreisen wie Zentrale, Pförtner, Notfallvorsorge bereitgelegt. Ein Alarmplan sollte für jedes Unternehmen vorhanden sein, um Informations- und Rettungsketten zu aktivieren.

Feuerwehrpläne nach DIN 14095

Der Feuerwehrplan enthält neben einer kurzen Objektbeschreibung einen Lageplan des Objekts, in dem die wichtigsten baulichen und betrieblichen Besonderheiten eingetragen sind. Außerdem enthält er Angaben über Einrichtungen und Gefahrenstellen, die für die Feuerwehr wichtig sind, und sind an bestimmte Formate gebunden. Feuerwehrpläne befinden sich in der Regel in den Brandschutzakten/Brandschutzplänen des Betriebs.

Feuerwehrpläne werden in den Formaten A4 und A3 mit entsprechendem Raster (Einzelpläne mit 10-m-Raster, Übersichtspläne 20-m-/50-m-Raster) erstellt und sind in jedem Fall mit der Feuerwehr abzustimmen und aktuell zu halten. Sie geben der Feuerwehr die im Einsatzfall wesentlichen Informationen wie:

  • Übersichtslageplan
  • Objektbeschreibung
  • Umfahrungsplan je Gebäude
  • Geschossplan für jedes Geschoss
  • Löscheinrichtungen
  • Gefahrenstellen
  • Löschwasserversorgung
  • Löschwasserrückhaltung

Flucht- und Rettungspläne nach nach ASR A2.3 sowie DIN ISO 23601

Der Flucht- und Rettungsplan enthält Angaben über Brandschutzeinrichtungen und Fluchtwege, die für die Personen im Gebäude wichtig sind. Brandschutzpläne sind ein wesentlicher Bestandteil der betrieblichen Brandschutzorganisation. Sie zeigen die Gefahrenschwerpunkte und die für den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz vorhandenen Sicherheitseinrichtungen auf. Für den Sicherheits- oder Brandschutzbeauftragten sind sie eine entscheidende Hilfe bei den turnusmäßig durchzuführenden Kontrollen und Inspektionen der brandschutztechnischen Sicherheitseinrichtungen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Brandschutzpläne den betrieblichen Ist-Zustand wiedergeben.

Flucht- und Rettungspläne werden bei Bedarf als Aushang, als Mitarbeiterinformationen, Besucherinfo und in Fremdfirmenverträgen verwendet und natürlich in den Brandschutzakten des Betriebs archiviert.

Erlaubnisschein, z.B. für Heißarbeiten

In den Unternehmen ist es gängige Praxis, dass bei Schweiß-, Schneid- oder anderer Feuerarbeit in Bereichen mit Brand- oder Explosionsgefahr die Sicherheitsmaßnahmen schriftlich festgelegt werden, z.B. in einem Erlaubnisschein für die einzelne Tätigkeit. Bei regelmäßig wiederkehrenden, gleichartigen schweißtechnischen Arbeiten in brandgefährdeten Bereichen dürfen die Sicherheitsmaßnahmen auch in einer Betriebsanweisung festgelegt werden. Diese Erlaubnisscheine sollten Bestandteil der Brandschutzorganisation sein, da insbesondere von diesen Arbeiten eine hohe bis sehr hohe Brandgefahr ausgeht.

Gefährdungsbeurteilung Brand nach den technischen Regeln für Arbeitsstätten, z.B. ASR A 2.2 in Verbindung mit TRGS 800

Die Einhaltung der in den technischen Regeln beschriebenen Maßnahmen hat für den Arbeitgeber die sogenannte Vermutungswirkung dahingehend, dass er alle erforderlichen Maßnahmen gemäß den Verordnungen erfüllt hat. Da die technischen Regeln nicht für alle Fälle Lösungen aufstellen bzw. in vielen Fällen wieder auf den Arbeitgeber verweisen, kommt es zwangsläufig zu betriebsspezifischen Lösungen, die die Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz und somit auch den Brandschutz, anders als in den ASR beschrieben, erfüllen. Diese im Vorwort der ASR als „andere Lösung“ bezeichneten müssen gemäß den Erlassen zur Arbeitsstättenverordnung dokumentiert werden.

Bestellungen, Beauftragungen, Ausbildungsnachweise

Zum Teil sind diese bereits in den Brandschutzakten vorhanden, sollten allerdings regelmäßig aktualisiert und durch die regelmäßigen Teilnahmelisten bei Unterweisungen ergänzt werden.

Zusammenfassung

Eine Vielzahl von Unterlagen und Plänen sind sicherlich in jedem Betrieb vorhanden, Sie müssen aber funktionsfähig erstellt werden, regelmäßig aktualisiert und, sofern erforderlich, bekannt gemacht werden.

Autor: Michael Becker