Fachbeitrag | Informieren und Recht
22.06.2015

Flucht- und Rettungswege müssen im Notfall Leben retten

Immer wieder kommt es vor, dass Notausgangstüren versperrt sind oder Fluchtwege in der Panik gar nicht erst gefunden werden können. Unwissenheit, Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit stehen meist dahinter – Ursachen, die leicht vermeidbar sind. So sorgen Sie dafür, dass Ihre Flucht- und Rettungswege ihre lebensrettende Funktion im Ernstfall auch erfüllen können.

© Aleramo/​iStock/​Thinkstock

Die häufigsten Fehler, die bei Flucht- und Rettungswegen gemeldet werden

  • Notausgangstüren sind durch Ware, Aufsteller und Leitern zugestellt
  • Notausgangstüren werden durch Regale eingeengt
  • Fluchtwege sind unzureichend, u.a. nicht innerhalb der Erkennungsweite, gekennzeichnet
  • zu wenige oder schlecht sichtbare Hinweisschilder und das Fehlen von Ersatzbatterien
  • Notausgangstüren sind teilweise sogar zugeschweißt oder die Türen lassen sich nur schwer öffnen

Kunden weisen die Gewerbeaufsicht oftmals zu Recht auf derartige Mängel hin, die sich in einem betrieblichen Notfall verheerend auswirken können.

 

20-Punkte-Check für die Brandschutzbegehung und Planung

  • Flucht- und Rettungswege müssen bauordnungsrechtliche Anforderungen an Feuerwiderstandsdauer (Wände, Decken) Tragfähigkeit und Umwehrungen im Falle einer bestehenden Absturzgefahr erfüllen und zugelassen sein.
  • Notausgangstüren (auch Rauch- und Feuerschutztüren) müssen als solche gekennzeichnet sein sowie vor Inbetriebnahme und wiederholend geprüft werden.
  • Ein gut lesbarer Flucht- und Rettungsplan muss an gut einsehbarer Stelle aushängen (ASR A 1.3).
  • Ein zweiter Flucht- und Rettungsweg könnte erforderlich sein, z.B. in Produktions- und Lagerräumen (Landesbauordnung und ASR A 2.3, Punkt 4 Absatz 5).
  • Flucht- und Rettungswege sowie -türen müssen ausreichend breit sein (ASR A 1.8).
  • Fluchtwege müssen ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führen.
  • Fluchtwege müssen ausreichend vorhanden und gut erkennbar gekennzeichnet sein (ASR A 1.3).
  • Fluchtwege und Notausgangstüren und-stiege müssen ständig freigehalten werden.
  • Türen von Notausgängen müssen sich in Fluchtrichtung und leicht, ohne besondere Hilfsmittel aufschlagen lassen – die Fläche der Türbreite dahinter sollte am Boden farblich markiert sein.
  • Fluchtwege sind mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist (ASR A 1.3).
  • Notausstiege müssen im Lichten mindestens 0,90 m in der Breite und mindestens 1,20 m in der Höhe aufweisen.
  • Beschäftigte müssen in gefangenen Räumen durch eine automatische Alarmierung auf einen Notfall hingewiesen werden.
  • Notausgänge und Notausstiege müssen, sofern diese von der Außenseite zugänglich sind, auf der Außenseite mit dem Verbotszeichen „P023 Abstellen oder Lagern verboten“ gekennzeichnet werden.
  • Fahrsteige, Fahrtreppen, Wendel-und Spindeltreppen sowie Steigleitern und Steigeisengänge sind im Verlauf eines ersten Fluchtweges nicht zulässig.
  • Die lichte Höhe über Fluchtwegen muss mindestens 2,00 m betragen.
  • Sperreinrichtungen im Verlauf von Fluchtwegen müssen sich mit maximal 150 N in Fluchtrichtung öffnen lassen.
  • Fluchtwege dürfen keine Ausgleichsstufen enthalten. Geringe Höhenunterschiede sind durch Schrägrampen mit einer maximalen Neigung von 6 % auszugleichen.
  • Dachflächen, über die zweite Fluchtwege führen, müssen den bauordnungsrechtlichen Anforderungen an Rettungswege entsprechen.
  • Rolltore sind in Fluchtwegen nur zugelassen, wenn sie das Schutzziel für Türen in Fluchtwegen erfüllen.

Ferner müssen an Abzweigungen notwendiger Flure, an den Zugängen zu notwendigen Treppenräumen, an Kreuzungen sowie an Ausgängen der Rettungswege dauerhaft und gut sichtbar Sicherheitszeichen nach ASR A 1.3 i. V. m. DIN EN ISO 7010 angebracht werden. Die Sicherheitszeichen müssen lang nachleuchtend oder be- bzw. hinterleuchtet sein.

Rauch- und Feuerschutztüren prüfen

Rauch- und Feuerschutztüren können die an sie gestellten Anforderungen nur erfüllen, wenn sie rauchdicht und selbstschließend sind.

Sollen die Türen aus betrieblichen Gründen während der Betriebszeit offen gehalten werden, sind sie mit bauaufsichtlich zugelassenen Feststellanlagen oder Freilauf-Selbstschließern auszurüsten, die bei Rauch ein automatisches Schließen der Türen bewirken.

Fluchtweglänge und Fluchtwegbreite

 

Die Fluchtweglänge muss möglichst kurz sein und darf für…

… Räume, in der Regel

bis zu 35 m

… brandgefährdete Räume mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen

bis zu 35 m

… brandgefährdete Räume ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen

bis zu 25 m

… giftstoffgefährdete Räume

bis zu 20 m

… explosionsgefährdete Räume, in der Regel

bis zu 20 m

… spezielle explosivstoffgefährdete Räume

bis zu 10 m

betragen. Die tatsächliche Laufweglänge darf jedoch nicht mehr als das 1,5fache der Fluchtweglänge aufweisen.

 

Die Mindestbreite der Flucht- und Rettungswege bemisst sich nach der Höchstzahl der Personen, die im Bedarfsfall den Fluchtweg benutzen

Anzahl der Personen (Einzugsgebiet)

Lichte Breite

1

bis          5

0,875 m

2

 bis         20

1,00   m

3

  bis        200

1,20   m

4

  bis        300

1,80   m

5

  bis        400

2,40   m

Die Mindestbreite des Fluchtweges darf durch Einbauten oder Einrichtungen sowie in Richtung des Fluchtweges zu öffnende Türen nicht eingeengt werden. Eine Einschränkung der Mindestbreite der Flure von maximal 0,15 m an Türen kann vernachlässigt werden. Für Einzugsgebiete bis 5 Personen darf die lichte Breite jedoch an keiner Stelle weniger als 0,80 m betragen.

 

Am Ende eines Fluchtweges

Am Ende von Flucht- und Rettungswegen darf sich kein Rückstau bilden. Flucht- und Rettungswege dürfen nicht durch Verkehrswege oder öffentliche Straßen gekreuzt werden, die eine gefahrlose Flucht möglicherweise erschweren könnten. Der Bereich im Freien bzw. der gesicherte Bereich muss so gestaltet und bemessen sein, dass und alle flüchtenden Personen ohne Gefahren sich dort sammeln können. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie darauf hinweisen und unverzüglich handeln.

In folgenden Arbeitsstätten müssen Sie prüfen, ob zusätzliche Anforderungen nach § 10 Arbeitsschutzgesetz erforderlich sind:

  • in Arbeitsstätten, in denen gemäß der Gefährdungsbeurteilung besondere Gefährdungen auftreten können
  • in Arbeitsstätten, in denen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten sowie der Nutzungsart mit komplizierten Bedingungen im Gefahrenfall zu rechnen ist.

Dort können z. B.

  • das Aufstellen betrieblicher Alarm-und Gefahrenabwehrpläne
  • die Erstellung von Brandschutzordnungen oder
  • Evakuierungspläne

nötig sein. Landesbezogene Gesetze wie Versammlungsstätten- und Verkaufsstättenverordnung sind gesondert zu berücksichtigen.

Ebenfalls sollte die für das Bauordnungsrecht zuständige Behörde sowie auch die örtlich ansässige Feuerwehr im Rahmen des Brandschutzkonzeptes zu Rate ziehen. Flucht- und Rettungspläne sind stets aktuell zu halten (z.B. bei neuem Anbau, Korrektur von Planungsfehlern).

Ausnahmen sind nur dann zulässig, wenn einem Ausnahmeantrag bei den entsprechenden Behörden zugestimmt wird.

 

Brandschutzunterweisung, und Evakuierungsübungen

Es ist wichtig, dass alle Beschäftigten (inkl. Zeitarbeitnehmer, Werkvertragspartner, Fremdfirmen etc.)  die Fluchtwege bzw. Abweichungen und Änderungen kennen. Am besten bei Neuanfängern eine praktische Einweisung durchführen und regelmäßige, protokollierte Evakuierungsübungen vorsehen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind u. a. betriebliche Gefährdungen, die Höchstzahl der Personen und der Anteil an ortsunkundigen Personen zu berücksichtigen.

 

Weitere Infos zum Thema Flucht- und Rettungswege…

Autor: Stefan Johannsen

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