Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
11.07.2016

Flucht- und Rettungsplan: ein wichtiges Instrument für die Sicherheit

Ohne einen Flucht- und Rettungsplan könnten selbst kleine Brandfälle oftmals katastrophal enden. Gute Orientierung ist nun einmal wichtig, will man Personen schnell und geordnet aus einem Gebäude evakuieren. Das gilt bei Feuer und Rauch ebenso, wie bei Einsturzgefahr oder ähnlichen Ereignissen. Als wesentlicher Baustein der Sicherheitsausstattung einer baulichen Anlage spielt der Flucht- und Rettungsplan auch eine entscheidende Rolle für die Brandschutz-Dokumentation.

Flüchtlingsunterkünfte in Beherbergungsstätten werden gemäß den Bauordnungen bzw. der Beherbergungsverordnungen der jeweiligen Bundesländer beurteilt.© HarnZing /​ iStock /​ Thinkstock

Ein Flucht- und Rettungsplan soll in erster Linie die vorhandenen Flucht- und Rettungswege, die Evakuierung, sowie die Brandbekämpfungs- und Erste-Hilfe-Einrichtungen in öffentlichen oder gewerblichen Gebäuden sowie in festgelegten baulichen Anlagen dokumentieren. Zudem ergänzt er das Sicherheitsleitsystem einer baulichen Anlage (siehe ISO 16069), da er Personen hilft, sich selbst über die Fluchtwege zu informieren. Ganz bewusst ist der Plan daher auf eine möglichst einfache Verständigung mit wenigen Worten beschränkt.

Das Baurecht regelt den Flucht- und Rettungsplan

Notwendig ist ein Flucht- und Rettungsplan bei unübersichtlicher Flucht- und Rettungswegführung, einem hohen Anteil an ortsunkundigen Personen oder in Bereichen mit einer erhöhten Gefährdung. Und er ist dort aufzustellen, wo es die Lage, die Ausdehnung sowie die Art und Benutzung einer Arbeitsstätte bzw. eines öffentlichen Bereichs erfordern.

Baurechtliche Anforderungen ergeben sich aus den allgemein anerkannten technischen Regeln, insbesondere der DIN 4844-3. Darüber hinaus sind zusätzlich die technischen Regeln für Arbeitsstätten – ASR A2.3 zu berücksichtigen. Flucht- und  Rettungspläne sind ggf. mit Plänen nach anderen Rechtsvorschriften, z.B. dem Alarm- und Gefahrenabwehrplan nach § 10 der Störfallverordnung, abzustimmen oder mit diesen zu verbinden.

Darüber hinaus sind die speziellen baurechtliche Erfordernisse zur Erstellung und Anbringung von Flucht- und Rettungsplänen über die arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen in

  • §§ 32 und 44 der Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) und in
  • Abschnitt 5 Ziffer 2 der Hinweise des Wirtschaftsministeriums über den baulichen Brandschutz in Krankenhäusern und baulichen Anlagen entsprechender Zweckbestimmung

geregelt.

Welche Kriterien gelten für Inhalt und Darstellung?

  • Flucht- und Rettungspläne müssen farbig angelegt werden.
  • Auch wenn die Allgemeinbeleuchtung ausfällt, muss die Erkennbarkeit der Flucht- und Rettungswege durch hinterleuchtete Pläne oder die Verwendung lang nachleuchtender Materialien gewährleistet sein. Für hinterleuchtete  Flucht- und Rettungspläne gilt die DIN EN 1838 und für lang nachleuchtende Materialien die DIN 67510-4.
  • Für Flucht- und Rettungspläne ist das Mindestformat A3 und für Zimmerpläne A4.
  • Flucht- und Rettungspläne müssen auf den jeweiligen Standort bezogen lagerichtig dargestellt werden.
  • Rettungs- und Brandschutzzeichen nach DIN 4844 -2 sowie DIN 4066 und ASR A2.3 müssen unmissverständlich und ortsbezogen eingezeichnet werden.
  • Flucht- und Rettungspläne müssen jederzeit deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht werden (z.B. licht- und feuchtebeständig).
  • Für alle Flucht- und Rettungspläne innerhalb eines Gebäudes ist vorzugsweise 1:100, in jedem Fall aber ein einheitlicher Maßstab anzuwenden.
  • Bei partieller Aufteilung der Flucht- und Rettungspläne ist die Lage im Gesamtkomplex auf einem Übersichtsplan darzustellen.
  • Regeln für das Verhalten im Brandfall und für das Verhalten bei Unfällen sind in Flucht- und  Rettungspläne zu integrieren.
  • Im Zeichnungskopf sind Planersteller, Objektbezeichnung, Stockwerksbezeichnung, Erstellungsdatum und Plannummer anzugeben.
  • Zimmerpläne stellen eine spezielle Form von Flucht- und Rettungsplänen dar, die in allen Gästezimmern einer Beherbergungsstätte auszuhängen sind. Sie sind in der Regel mehrsprachig auszuführen.

Wie und wo wird der Flucht- und Rettungsplan angebracht?

Flucht- und Rettungspläne sind in einer Höhe von etwa 1,60 m, gemessen vom Boden zur Planmitte, zu montieren. Es ist eine Stelle auszuwählen, an der Personen häufig vorbeigehen oder sogar verweilen. Solche Stellen sind z.B. Hauszugänge, Flure, Türinnenseiten von Hotelzimmern usw.

Was ist bei Schulungen und Räumungsübungen zu beachten?

Arbeitgeber haben ihre Beschäftigten mindestens jährlich über den Inhalt der  Flucht-   und  Rettungspläne   zu informieren. Auf der Grundlage von  Flucht-   und Rettungsplänen und in Abstimmung mit der zuständigen Behörde sind Räumungsübungen durchzuführen.

Sind Prüfungen notwendig?

Flucht- und Rettungspläne sind entsprechend ASR A2.3 regelmäßig zu überprüfen. durchzuführen. Der Prüfungszyklus darf maximal 2 Jahre betragen.

Einen Flucht- und Rettungsplan anzufertigen, erfordert also durchaus gewisse Sachkenntnisse und entsprechenden Zeitaufwand. Insbesondere Personen mit wenig Erfahrung können das Risiko, etwas falsch zu machen, minimieren, indem Sie auf entsprechende Hilfsmittel zurückgreifen. So bietet etwa WEKA MEDIA eine entsprechende Software für die Erstellung von Flucht- und Rettungsplänen im AutoCAD-Format an.

Autoren: Donald Kowalke , WEKA Redaktion

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen