26.01.2018

Betriebliche Unterweisung: Darum ist sie eine zentrale Säule im Arbeitsschutz

Die Arbeitsschutzbelehrung informiert und motiviert Mitarbeiter zu sicherem und gesundem Verhalten am Arbeitsplatz. Warum diese betriebliche Unterweisung für Unternehmen und Arbeitsschutz so wichtig ist und welche Themen sie aufgreifen sollte, lesen Sie in diesem Beitrag.

Motivierte Zuhörer bei der betrieblichen Unterweisung, auch Arbeitsschutzbelehrung genannt.

Was versteht man unter der betrieblichen Unterweisung?

Die betriebliche Unterweisung oder Arbeitsschutzbelehrung hat das Ziel, Mitarbeiter für die Gefahren ihres Arbeitsplatzes zu sensibilisieren und ihnen beizubringen, diesen Gefahren mit richtigen Prozesse und Verhaltensweisen zu begegnen. Sie ist eine der wichtigsten Säulen des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz! Unterwiesen werden müssen

  • sämtliche Beschäftigte
  • regelmäßig
  • in verständlicher Form und Sprache
  • über die vorhandenen Gefährdungen bei der Arbeit

Rechtlicher Rahmen der Arbeitsschutzbelehrung

Die Arbeitsschutzbelehrung ist schon deshalb zentraler Baustein im betrieblichen Arbeitsschutz, weil eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen und weiteren Vorschriften den Arbeitgeber dazu verpflichten. Zu nennen sind hier beispielsweise

Hinweis: Betriebliche Unterweisung kann delegiert werden

Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Unternehmers, seine Mitarbeiter zu unterweisen. Er hat allerdings auch die Möglichkeit, diese Aufgabe zu übertragen auf Führungskräfte, in der Regel der unmittelbare Vorgesetzte gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt und/oder Sicherheitsbeauftragte. Der Unternehmer behält jedoch in jedem Fall die Gesamtverantwortung, egal, wer die eigentliche Arbeitsschutzbelehrung durchführt.

Bedeutung der betrieblichen Unterweisung für die Gesundheit der Mitarbeiter

Die betriebliche Unterweisung ist jedoch viel mehr als nur gesetzliche Pflicht. Denn sie setzt genau dort an, wo Unfälle effektiv vermieden werden können: beim Verhalten der Mitarbeiter.

Wie wichtig das Verhalten der Mitarbeiter für erfolgreichen Arbeitsschutz ist, zeigt allein schon ein kurzer Blick auf die Statistik.

Unfälle durch technische Defekte kommen demnach durchaus vor, aber sie sind nicht das Hauptproblem: Den rund 876.952 Arbeitsunfällen im Jahr 2018 (Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV) liegt größtenteils Fehlverhalten zugrunde – ebenso wie allen den Unfällen aus den Jahren zuvor.

Nicht umsonst lautet die erste Frage nach einem Unfall: „Wurde zur Unfallursache auch unterwiesen?“

Betriebliche Unterweisungen informieren

Arbeitsschutzbelehrungen sorgen dafür, dass jeder Mitarbeiter – von der Aushilfs- bis hin zur Führungskraft – sich so verhält, dass er weder sich noch andere gefährdet.  Solch gut unterwiesene Mitarbeiter kennen dann auch direkt vor Ort die richtigen Arbeitsabläufe, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Sicherheitskennzeichnungen. Sie wissen, wie sie Unfällen oder Krankheiten vorbeugen und bei akuter Not handeln.

Betriebliche Unterweisungen sensibilisieren und motivieren

Mitarbeiter missachten Sicherheitsbestimmungen oft aus Unachtsamkeit – oder sogar bewusst. Genauso wichtig, wie richtiges von falschem Verhalten unterscheiden zu können, ist es deshalb, entsprechend agieren zu wollen.

Ein Beispiel: Ein Facharbeiter, der vielleicht vor geraumer Zeit mal Sicherheitsvorrichtungen, Regelungen und Abläufe gezeigt bekommen hat, sieht Tag für Tag, wie viel „schneller“ seine Arbeit eigentlich ohne gehen würde. Irgendwann wird er selbst anfangen, zunächst einige wenige, dann einige mehr dieser „Zeitfresser“ zu umgehen – bis jetzt ist ja immer alles gut gegangen. Er konzentriert sich auf den kurzfristigen Gewinn an Bequemlichkeit und hat die möglichen Konsequenzen für sich oder seine Kollegen verdrängt.

Regelmäßige Unterweisungen zu den tatsächlichen Gefährdungen an seinem Arbeitsplatz rücken die Perspektive wieder zurecht. Wichtig ist es dabei auch, Schutzmaßnahmen zu begründen oder gegebenenfalls zu verteidigen. Mitarbeiter brauchen ein Bewusstsein für das „warum“ einer Maßnahme – dann stehen sie auch dahinter.

Wissen und die Motivation, dieses Wissen auch anzuwenden, gehen bei der Arbeitssicherheit deshalb immer Hand in Hand. Beides können Arbeitgeber durch richtiges Unterweisen nachhaltig beeinflussen.

Das Ziel der Arbeitsschutzbelehrung – kurz und knapp

Unterweisungen sensibilisieren Mitarbeiter, fördern die Motivation zu verantwortungsbewusstem Handeln und tragen somit aktiv zur Vermeidung von Unfällen bei. Das Ziel ist es, arbeitssicherheits- und gesundheitsgerechte Zustände und Verhaltensweisen für Beschäftigte und Führungskräfte zu erreichen bzw. zu erhalten.

Auch Unternehmen profitieren von effektiven Arbeitsschutzbelehrungen

Wenn Mitarbeiter die Inhalte ihrer betrieblichen Unterweisungen beherzigen, kann das für Unternehmen aus den folgenden Gründen nur positiv sein:

  • Die Arbeitssicherheit erhöht sich
  • Arbeitsunterbrechungen werden weniger
  • Weniger Mitarbeiter fallen durch Krankheit oder Verletzung aus
  • Die Arbeitsbelastung für einzelne Mitarbeiter reduziert sich
  • Mitarbeiter sind produktiver und zufriedener
  • Das Unternehmen hat auch wirtschaftliche Vorteile, da ungeplante Kapazitätsengpässe seltener vorkommen

Nicht nur, dass Mitarbeiter seltener ausfallen – sie gehen auch sorgsamer mit Maschinen und Anlagen um und der Betriebsablauf wird nicht gestört.

Rechtliche Konsequenzen bei fehlender Arbeitsschutzbelehrung

Versäumt es dagegen die Führungskraft, ihre Mitarbeiter zu unterweisen, verstößt sie gegen ihre Fürsorgepflicht. Neben eventuellen strafrechtlichen Konsequenzen kann das auch zivilrechtliche Forderungen nach sich ziehen. Kostenträger dürfen im Krankheitsfall verlangen, dass sich die Führungskraft an den Kosten beteiligt und wurde ein Arbeitnehmer verletzt, kann er Schadensersatzforderungen geltend machen.

Betriebliche Unterweisung – Themen und Inhalte

Die grundsätzlichen Unterweisungsthemen:

  1. die Gefahren, denen die Beschäftigten bei ihrer betrieblichen Tätigkeit ausgesetzt sind
  2. die Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren

Daraus ergibt sich, dass Gefährdungsbeurteilungen die Grundlage schlechthin für die Arbeitsschutzbelehrung sind. Die Gefährdungsbeurteilung listet idealerweise alle Informationen zu Gefahren und Schutzmaßnahmen für die konkrete Arbeits- und Tätigkeitssituation der Beschäftigten auf.

Einige Beispiele für mögliche Unterweisungsinhalte:

Hinweis

Die Unterweisung mit elektronischen Hilfsmitteln kann nicht die persönliche Unterweisung vor Ort und das Gespräch mit dem Vorgesetzten ersetzen.

Unterweisungsinhalte müssen auch praktisch umgesetzt werden können. Dazu sollten praktische Übungen und Verständniskontrollen (u.a. Sicherheitskurzgespräche) durchgeführt werden, um das Wissen nachhaltig zu festigen.

Autor: WEKA Redaktion