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Flachdachrichtlinie 2026 – Anforderungen, Änderungen und Anwendung in der Praxis

Flachdächer gelten als besonders fehleranfällig, weshalb die Flachdachrichtlinie den zentralen Standard für Planung und Ausführung von Abdichtungen definiert. Die im Februar 2026 veröffentlichte Neufassung ersetzt die Version von 2020 sowie den Gelbdruck von 2023 und passt das Regelwerk an aktuelle Anforderungen und die DIN 18531 (Stand 2025) an. In der Praxis gilt sie als anerkannte Regel der Technik für Flachdächer sowie vergleichbare Bauteile wie Terrassen und Balkone.

neue Flachdachrichtlinie

Was ist die Flachdachrichtlinie?

Die Flachdachrichtlinie ist das maßgebliche Regelwerk für die Planung und Ausführung von Abdichtungen auf Flachdächern sowie vergleichbaren Bauteilen wie Terrassen, Balkonen oder Loggien. Sie definiert die Anforderungen an Konstruktion, Abdichtung, Entwässerung und Detailausbildung von Flachdächern mit dem Ziel eine sichere und regelkonforme Dachkonstruktion zu gewährleisten. Ihre Einhaltung wird als anerkannte Regel der Technik in der Praxis vorausgesetzt.

Wer gibt die Flachdachrichtlinie heraus?

Die Flachdachrichtlinie wird vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) herausgegeben. Die aktuelle Fassung ist im Februar 2026 erschienen. Sie löst den Gelbdruck der Flachdachrichtlinie von 2023 ab. Als anerkannte Regel der Technik ist die Flachdachrichtlinie verbindlich für die Praxis, auch wenn sie rechtlich kein Gesetz darstellt, das zwingend einzuhalten ist. Sie bildet jedoch den maßgeblichen Standard für fachgerechte Planung und Ausführung. Abweichungen von ihr können zu einem Haftungsrisiko führen.

Flachdachrichtlinie vs. DIN 18531 – was gilt wann?

Nach wie vor bestehen in der Fachwelt Unzufriedenheit und Unsicherheit wegen der unterschiedlichen Planungsvorgaben in der Fachregel und in der DIN-Norm für Dachabdichtungen. Die DIN 18531 (Dachabdichtungen) wurde im August 2025 überarbeitet. Die neue Normenreihe (Teil 1-5) nähert sich nun stärker der Flachdachlinie an. Sie enthält zudem neue Planungshinweise zu barrierefreien Anschlüssen und Anforderungen an Gefälle.

Da beide Regelwerke angewendet werden können, sollten Planer in der Praxis vorgeben bzw. vereinbaren, ob ausschließlich die DIN 18531 (Dachabdichtungen) oder die Flachdachrichtlinie verwendet werden soll. Bei Haftungsfällen gilt immer die strengere Anforderung. Idealerweise werden beide Regelwerke kombiniert angewendet.

Doch auch die Flachdachrichtlinie 2026 nähert sich der DIN 18531 an. Sie konkretisiert die DIN-Vorgaben und beschreibt deren praktische Umsetzung. Um die beiden voneinander abzugrenzen:

  • Flachdachrichtlinie: Ausführungsregeln und praxisnahe Details
  • DIN 18531: Anforderungen an Abdichtungen und deren Leistungsfähigkeit

In der folgenden Abbildung ist der Zusammenhang der verschiedenen Regelwerke (frühere DIN 18159 sowie die Nachfolgenormen DIN 18531, DIN 18532, DIN 18533, DIN 18534 und DIN 18535) für Bauwerksabdichtung und flache Dächer übersichtlich dargestellt.

Zusammenspiel Normenwerke
Zusammenspiel der Normenwerke

In der Praxis gilt die Flachdachrichtlinie u. a. für:

  • nicht genutzte und genutzte Dächer
  • extensiv begrünte Flächen
  • Terrassen, Balkone, Loggien
  • Dächer mit Solaranlagen

Was hat sich mit der Flachdachrichtlinie 2026 geändert?

Überblick der wichtigsten Änderungen

  • vollständige Überarbeitung der Richtlinie (Stand Januar 2026)
  • stärkere Verzahnung mit DIN 18531
  • präzisere Anforderungen an Gefälle, Abdichtung und Entwässerung
  • erweiterte Regelungen zu Materialien und Schichtaufbauten
  • klarere Systematik der Anforderungen

Änderungen im Vergleich zur Version 2020 bzw. 2023

Flachdachrichtlinie 2020 Flachdachrichtlinie 2026
weniger differenzierte Anforderungen Klar definierte Mindestanforderungen
Keine Detailtiefe bei Sonderfällen Starke Differenzierung nach Nutzung und Beanspruchung
verbindlichere Anforderungen an Materialien und Abdichtungssysteme

Auswirkungen auf Planung und Ausführung

Die Flachdachrichtlinie erhöht die Anforderungen an Bauplanung und Ausführung deutlich:

Architekten und Architektinnen müssen Gefälle, Entwässerung und alle Detailanschlüsse frühzeitig festlegen und umfassend dokumentieren. Insbesondere steigt die Verantwortung bei der Ausführung. Es sind nun präzisere Detailausbildungen und korrekte Schichtaufbauten umzusetzen.

Welche Anforderungen gelten für Flachdächer?

Mindestgefälle bei Flachdächern

Flachdächer sind Dächer mit einer Dachneigung von ≤ 10°. Der Neigungsbereich zwischen 5° und 20° wird als „flach geneigtes Dach“ bezeichnet. Die Unterlagen der Abdichtung von Flachdächern sollen im Sinne der Flachdachrichtlinie mit einem Mindestgefälle von 2% geplant werden. Ziel ist eine sichere Ableitung von Niederschlagswasser und die Vermeidung von Schäden. In begründeten Fällen sind jedoch Ausnahmen zulässig.

Entwässerungssysteme

Bei der Entwässerung von Flachdächern gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Traufausbildung mit vorgehängten Dachrinnen
  • Dachabläufe und Notab- und Notüberläufe

Anschlusshöhen und Abdichtungen

Die Wahl des Abdichtungsstoffs hängt von Dachaufbau, Tragkonstruktion, Nutzung, Beanspruchung und Anwendungsklasse ab. Die Anforderungen der DIN 18531-1 müssen durch die Materialeigenschaften erfüllt sein. Zudem sind Wechselwirkungen mit angrenzenden Schichten zu berücksichtigen.
Grundsätzlich sind Dachabdichtungen gegen nicht drückendes Wasser auszuführen.

Der Standard für Anschlusshöhen beträgt 15 cm. Reduzierungen sind nur bei Sonderlösungen möglich. Die Flachdachrichtlinie definiert besondere Anforderungen bei barrierefreien Übergängen.

Materialanforderungen und Abdichtungssysteme

Folgende Systeme sind zugelassen:

  • Bitumen- und Polymerbitumenbahnen
  • Kunststoff- und Elastomerbahnen
  • Flüssigabdichtungen

Zudem sollten Abdichtungssysteme grundsätzlich wasserdicht und beständig gegen Temperatur, UV und mechanische Belastung sein.

Was bedeutet das für Planung, Ausschreibung und Bauausführung?

Anforderungen an die Planung (Architekten)

Architekten und Architektinnen müssen nach der Flachdachrichtlinie alle Schichten vollständig planen sowie Details und Abschlüsse miteinander abstimmen. Eine frühzeitige Definition von Entwässerung und Gefälle ist wichtig.

Anforderungen an die technische Auslegung (Ingenieure)

Lasten wie Wind, Schnee, Nutzung müssen berücksichtigt und Nachweise für Sonderfälle erstellt werden. Materialien sind auf Basis ihrer technischen Eigenschaften auszuwählen.

Anforderungen an die Bauausführung

Zur Haftungssicherheit empfiehlt sich eine lückenlose Dokumentation während der Bauausführung. Die Details müssen fachgerecht ausgeführt und Schichtenfolgen exakt umgesetzt werden.

Welche Rolle spielt die ATV DIN 18336 in der Ausführung?

Die ATV DIN 18336 „Abdichtungsarbeiten“ spielt in der Ausführung eine zentrale Rolle, da sie als Teil der VOB/C – Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen – die Leistungsbeschreibung für diese Arbeiten regelt und damit die Grundlage für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung bildet. Sie konkretisiert die auszuführenden Leistungen und schafft klare sowie rechtssichere, vertragliche Rahmenbedingungen.

Im Zuge der VOB/C-Novelle 2023 wurde die DIN 18336 vollständig überarbeitet und bündelt seitdem sämtliche Abdichtungsbauweisen. Dabei wurden auch Inhalte der früher eigenständigen Normen DIN 18338 (Dachabdichtungsarbeiten) und DIN 18554 (Gussasphaltarbeiten) integriert, soweit sie Abdichtungen betreffen.

Neben klassischen Abdichtungen mit Bitumenbahnen, Kunststoffbahnen und Flüssigkunststoffen berücksichtigt die DIN 18336 nun auch Abdichtungen im Verbund, etwa bei Balkonen und Terrassen. Neu aufgenommen wurden zudem Regelungen für nachträgliche Abdichtungen erdberührter Bauteile, beispielsweise durch Bitumendickbeschichtungen (PMBC), Injektionen oder Schleierinjektionen.

Im Zusammenspiel mit der Flachdachrichtlinie ergänzt die ATV DIN 18336 die technischen Anforderungen insbesondere im Vertragskontext, indem sie diese in eindeutig beschreibbare und rechtssichere Leistungspositionen überführt.

Haftungsrisiken bei Abweichungen

Weicht man von den anerkannten Regeln der Technik ab, erhöht sich das Haftungsrisiko deutlich. In solchen Fällen liegt die Nachweispflicht bei demjenigen, der von den Vorgaben abweicht. Unabhängig davon gelten die in der Flachdachrichtline bestimmten Mindestanforderungen, etwa in Bezug auf Gefälle, Abdichtung und Entwässerung. Diese sollten in jedem Fall eingehalten werden.

In der Praxis bedeutet das: Diese Grundsätze sind nicht an ein bestimmtes Jahr gebunden, sondern gelten dauerhaft und betreffen alle am Bau Beteiligten gleichermaßen. Sie bilden somit eine zentrale Grundlage für sicheres und mangelfreies Bauen.

Typische Fehler bei Planung und Ausführung von Flachdächern

Zu den typischen Fehlern bei der Ausführung und Planung von Flachdächern gehören:

  • zu geringes Gefälle (< 2%)
  • falsche oder zu geringe Anschlusshöhen
  • fehlende Notentwässerung
  • fehlende Abstimmung mit Normen und Richtlinien

FAQ zur Flachdachrichtlinie

Welche Flachdachrichtlinie ist aktuell gültig?

Die Ausgabe von 2026 ist gültig.

Ist die Flachdachrichtlinie gesetzlich verpflichtend?

Nein, aber als anerkannte Regel der Technik faktisch verbindlich.

Welche Rolle spielt DIN 18531?

Die DIN 18531 bildet die Grundnorm für Abdichtungen, die die Flachdachrichtlinie konkretisiert.

Welche Gefälle sind vorgeschrieben?

Im Regelfall mindestens 2% Gefälle.

Fazit: Warum die Flachdachrichtlinie 2026 entscheidend ist

Die Flachdachrichtlinie 2026 bildet den aktuellen Stand der Technik für Flachdächer und Abdichtungen. Sie sorgt für:

  • klare Anforderungen
  • sichere Planung
  • minimierte Haftungsrisiken

Für Planer, Ingenieure und Ausführende ist sie damit nicht nur Orientierung – sondern Pflichtgrundlage für jede rechtssichere und dauerhafte Flachdachlösung.

Im Praxishandbuch zur Baukonstruktion und der dazugehörigen Detaildatenbank finden Sie u.a. das Thema Abdichtung und Flachdachrichtlinie perfekt aufbereitet. Damit führen Sie Ihre Werk- und Detailplanung schnell und sicher aus.

Erfahren Sie mehr dazu auf: https://shop.weka.de/baudetails

Autor*in: WEKA Redaktion

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