23.12.2020

DIN 18531: Abdichtung von Dächern sowie Balkonen, Loggien und Laubengängen

Die Normenreihe DIN 18531 für die Abdichtung von Dächern sowie Balkonen, Loggien und Laubengängen trat im Juli 2017 in Kraft und löste Teile der DIN 18195 ab. In der DIN 18531 werden Kriterien für die Abdichtung bei genutzten und nicht genutzten Dächern sowie Balkonen, Loggien und Laubengängen formuliert.

DIN 18531

Die Norm DIN 18531 im Überblick

Die DIN 18531 ist eine Norm der Normenreihe (DIN 18531, DIN 18532, DIN 18533, DIN 18534 und DIN 18535), die im Juli 2017 die allgemeingültige Norm DIN 18195 für Bauwerksabdichtungen ersetzt hat. Die DIN 18195 ist jetzt ausschließlich eine Begriffsnorm.

Die DIN 18531 ist in fünf Teile gegliedert:

  • Teil 1: nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze
  • Teil 2: nicht genutzte und genutzte Dächer – Stoffe
  • Teil 3: nicht genutzte und genutzte Dächer – Auswahl, Ausführung, Details
  • Teil 4: nicht genutzte und genutzte Dächer – Instandhaltung
  • Teil 5: Balkone, Loggien und Laubengänge

DIN 18531:2017-07 Übersicht über die wichtigsten Änderungen

Für die Abdichtung von Dächern, Balkonen, Loggien und Laubengängen ist im Juli 2017 die neue Normenreihe DIN 18531 Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen in Kraft getreten.

Die bisherige DIN 18531 mit Ausgabedatum Mai 2010 beschrieb bislang lediglich die Abdichtung von nicht genutzten Dachflächen. Sie wurde erstmals im Jahr 1987 als Vornorm eingeführt. In der aktuellen Auflage der Norm wurde der Anwendungsbereich bei Dächern um genutzte Dächer erweitert.

Die Struktur der bisherigen DIN 18531 wurde beibehalten. Sie unterscheidet sich jedoch von den übrigen Normen der neuen Normenreihe. So ist z.B. die Instandhaltung in den Teil 4 der Norm separiert worden, wobei der Anwendungsbereich auf die Teile 1 bis 3 der Norm bezogen ist. Die Instandhaltung von Balkonen, Loggien und Laubengängen wird in Teil 5 der Norm behandelt.

Änderungen der DIN 18531 Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze

Die DIN 18531-1 gilt für die Planung, Auswahl und Ausführung von Abdichtungen bei genutzten und nicht genutzten Dächern gegen Niederschlag.

Nicht in den Anwendungsbereich der Norm fallen Dachdeckungen und Unterdächer, Beschichtungen, Versiegelungen und keramische Beläge sowie wasserundurchlässige Bauteile.

Die bisher in DIN 18195-5:2011-12 geregelten genutzten Dachflächen wurden mit der Neufassung der Normenreihe DIN 18531 in diese überführt. Als genutzte Dachflächen werden in der DIN 18531-1 genannt:

  • begehbare Dachflächen, wie z.B. Dachterrassen,
  • Dachflächen mit intensiver Begrünung, wobei solche mit einer Anstaubewässerung > 100 mm ausgenommen und der DIN 18533 zuzuordnen sind, sowie
  • Dächer mit am Tragwerk befestigten oder ballastierten Solaranlagen und/oder haustechnischen Anlagen.

Dies entspricht dem Anwendungsbereich der zurückgezogenen DIN 18195-5.

Die Neunormierung von Abdichtungen hat u.a. zum Ziel, neue Stoffe und Bauarten aufnehmen zu können, wenn sie sich bewährt haben, z.B.:

  • Abdichtungen im Verbund mit Fliesen und Platten sowie
  • Flüssigkunststoffe ohne Träger.

Einwirkungsklassen für Abdichtungen nach DIN 18531 

Die Einwirkungsklassen, bisher Beanspruchungsklassen, werden durch die Kombination der thermischen und mechanischen Einwirkungen gebildet.

Tab. 1: Einwirkungsklassen für Dachabdichtungen

Einwirkungsstufen Hohe mechanische Einwirkung Stufe I Mäßige mechanische Einwirkung Stufe II
hohe thermische Einwirkung   Stufe A IA IIA
mäßige thermische Einwirkung Stufe B IB IIB

Eigenschaftsklassen der Abdichtungsstoffe

Zu den Einwirkungsklassen werden die Eigenschaftsklassen der Abdichtungsprodukte definiert.

Tab. 2: Eigenschaftsklassen für Dachabdichtungen nach DIN 18531

Einwirkungsstufen Hoher mechanischer Widerstand Mäßiger mechanischer Widerstand
hoher thermischer Widerstand E1 E3
mäßiger thermischer Widerstand E2 E4

Anwendungsklassen

Folgende Anwendungskategorien, die nun als Anwendungsklassen bezeichnet werden, werden unterschieden.

Tab. 3: Anwendungsklassen für Dachabdichtungen

Anwendungsklasse Ausführung
K1 Standardausführung
K2 höherwertige Ausführung

Anmerkung: Dächer der Kategorie K1 können auch ohne Gefälle geplant und ausgeführt werden, wenn höherwertige Abdichtungsausführungen (K2) gewählt werden. Eine Abdichtung ist mindestens der Anwendungsklasse K1 zuzuordnen. Für die Einstufung in K2 ist ein Mindestgefälle von 2 % verpflichtend, in Kehlen von 1 %.

Achtung: Die Anwendungsklasse ist bereits bei der Planung festzulegen.

Praxishinweis

Die Norm hebt sich in diesem Punkt von der Fachregel für Abdichtungen – Flachdachrichtlinie – ab. In der Neufassung der Flachdachrichtlinie hat man auf die Definition von Einwirkungsklassen und Anwendungskategorien aufgrund der fehlenden praktischen Bewährung verzichtet.

Dachneigung und Gefälle nach DIN 18531

  • Mindestgefälle: sollte 2 % betragen
    Ausnahme: intensiv begrünte Dächer mit Anstaubewässerung
  • Pfützenbildung: ist bis ungefähr 5 % (3°) aufgrund von Ebenheitstoleranzen, Durchbiegungen u.Ä. möglich
  • Pfützenfreiheit: besteht bei Neigungen > 5 %

Die Auswahl der Abdichtung erfolgt in Abhängigkeit von

  • dem Gefälle und
  • der Anwendungsklasse.

Anschlusshöhen an aufgehenden Bauteilen

Tab. 4: Mindesthöhe von Anschlüssen an aufgehenden Bauteilen

Dachart/Besonderheiten Mindesthöhe des Anschlusses
genutzte Dächer alle Dachneigungen 15 cm
nicht genutzte Dächer Dachneigungen bis 5° 15 cm
Dachneigungen über 5° 10 cm
Flachdächer in schneereichen Gebieten Es können größere Anschlusshöhen erforderlich sein.
mit besonderen konstruktiven Situationen Es können größere Anschlusshöhen erforderlich sein.

Achtung: Die Maße der Anschlusshöhen werden bei Abdichtungen mit Belägen, Bekiesungen, Schutzschichten und Begrünungen von der Oberkante dieser Schichten gemessen und nicht von der Oberkante der Flächenabdichtung!

Abschlusshöhen an Dachrändern

Tab. 5: Mindesthöhe von Abschlüssen an Dachrändern

Dachart/Besonderheiten Mindesthöhe des Anschlusses
genutzte Dächer alle Dachneigungen 10 cm
nicht genutzte Dächer Dachneigungen bis 5° 10 cm
Dachneigungen über 5° 5 cm
Flachdächer in schneereichen Gebieten Es können größere Anschlusshöhen erforderlich sein.

Achtung: Die Maße der Abschlusshöhen von Abdichtungen werden bei Abdichtungen mit Belägen, Bekiesungen u.Ä. von der Oberkante dieser Schichten gemessen und nicht von der Oberkante der Flächenabdichtung!

Türanschlüsse

Tab. 6: Anschlusshöhen im Türbereich

Bezug Anschlusshöhe Erforderliche zusätzliche Maßnahmen
Türbereich generell mind. 15 cm keine
verringerte Anschlusshöhe mind. 5 cm z.B. rinnenförmiger Entwässerungsrost o.Ä. mit unmittelbarem Anschluss an die Entwässerung
barrierefreie Übergänge, Schwellenhöhe von ≤ 2 cm Sonderlösung
  • rinnenförmiger Entwässerungsrost, ggf. beheizbar mit unmittelbarem Anschluss an die Entwässerung
  • Gefälle der wasserführenden Ebene vom Übergang zur Fläche Schlagregen- oder Spritzwasserschutz durch Überdachung
  • Türrahmen mit Flanschkonstruktion
  • Türen mit spezieller Abdichtungsfunktion
  • zusätzliche Abdichtung des Innenraums mit gesonderter Entwässerung

Achtung: Maßgebend ist dabei das obere Ende der Abdichtung oder des Anschlussblechs unter dem Sockelprofil oder Wetterschenkel der Türkonstruktion.

Der Anschluss an Türschwellen kann durch Hochziehen der Dachabdichtung wie an Wandanschlüssen oder durch das Einbauen von Türanschlussblechen erfolgen. Gleiches gilt auch für die Grundsätze des Abdichtungsanschlusses. Anschlüsse müssen hinter Rollladenschienen und Deckleisten durchgeführt werden.

Praxistipp

Im Praxis-Guide Hochbau finden Sie den Normensteckbrief zur DIN 18531: mit weiteren Erläuterungen und für Ihre Praxis relevanten Anforderungen. So behalten Sie Änderungen stets im Blick – und vermeiden Haftungsrisiken!

Autor: Petra Derler (Architektin BDA und Herausgeberin der Werke "Praxis-Guide Hochbau" und "VOB/C-Praxiskommentar". Weitere interessante Artikel zu diesem Thema finden Sie im Produkt "Praxis-Guide Hochbau".)