07.11.2017

DIN 18533: Abdichtung von erdberührten Bauteilen

Die Normenreihe DIN 18533 für die Abdichtung von erdberührten Bauteilen trat im Juli 2017  in Kraft und löste Teile der DIN 18195 ab. In DIN 18533 werden Kriterien zur Auswahl richtigen Abdichtungsbauart formuliert. So wenden Sie die neue DIN 18533 für die Bauwerksabdichtung sicher an.

Abdichtung von erdberührten Bauteilen

Die Norm DIN 18533 im Überblick

Die DIN 18533 ist eine Norm der Normenreihe (DIN 18531, DIN 18532, DIN 18533, DIN 18534 und DIN 18535), die im Juli 2017 die allgemeingültige Norm DIN 18195 für Bauwerksabdichtungen ersetzt hat. Die DIN 18195 ist jetzt ausschließlich eine Begriffsnorm.

Abdichtung nach DIN 18533: Anwendungsbereich

  • Teil 1: Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze
  • Teil 2: Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen
  • Teil 3: Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen

In der DIN 18533-1 werden Anforderungen an die Planung, Auswahl, Ausführung und Instandhaltung von Abdichtungen für nicht wasserdichte erdberührte Bauwerke oder Bauteile mit bahnenförmigen und flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen festgelegt

Die möglichen Abdichtungsbauarten werden in den Teil 2 der Norm geregelt.

Im Teil 3 der DIN 18353 werden die Anforderungen an Abdichtungen mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen festgelegt. Der Teil 3 wurde um Abdichtungen mit rissüberbrückenden mineralischen Dichtungsschlämmen erweitert.

Ausnahmen bei der Anwendung der DIN 18533

Abdichtungen von Deponien, Erdbauwerken und bergmännischen Tunneln fallen nicht in den Anwendungsbereich der Norm, ebenso wie wasserundurchlässige Bauteile, die weiterhin in der DAfStb-Richtlinie für wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton behandelt werden. Ebenfalls nicht durch die DIN 18353 geregelt werden Abdichtungen von Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.

Für die nachträgliche Abdichtung in der Bauwerkserhaltung oder in der Denkmalpflege können zwar in der DIN 18533 beschriebene Verfahren angewendet werden, diese Anwendungsbereiche werden jedoch nicht durch die DIN 18353 abgedeckt.

DIN 18533:2017-07: Die wichtigsten Änderungen

Für die Abdichtung von erdberührten Bauteilen ist im Juli 2017 die Normenreihe DIN 18533 in Kraft getreten. Die bisherigen Regelungen zur Abdichtung von erdberührten Bauteilen waren in den Teilen 4 bis 6 der DIN 18195 enthalten.

Neu in die DIN 18533-1 aufgenommen wurden:

  • Abdichtungsstoffe
  • Einwirkungsintensität
  • Verformungsklassen für Bewegungsfugen
  • Lichtschächte und Gebäudeaußentreppen
  • Querschnittsabdichtungen
  • Instandhaltung
  • Rissklassen
  • Raumnutzungsklassen

Neu aufzunehmende Abdichtungsstoffe in der DIN 18533

Eine der Zielsetzungen der Neunormierung von Abdichtungen war es, neue Stoffe sowie auch Bauarten in die Norm aufnehmen zu können, wenn sie sich bewährt haben. Neu aufgenommen in die DIN 18533 wurden z.B.:

  • Abdichtungen mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen sowie
  • rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämme.

Einwirkungsintensität

Anders als in der DIN 18195 erfolgt die Auswahl und Ausführung in der DIN 18533 nach der vorliegenden Ausgangssituation. Bei erdberührten Bauteilen ist daher fortan die Einwirkungsintensität anstehenden Wassers maßgeblich und nicht mehr – oder nur bedingt – die Entstehungsart. Nicht die Quelle des Wassers – Grundwasser, Stauwasser, Sickerwasser – bestimmt die Abdichtung, sondern die Intensität und Dauer der Einwirkung.

Verformungsklassen für Bewegungsfugen (Tabelle)

Die Verformungsklassen für Bewegungsfugen (VK1-E bis VK5-E) sind neu in die DIN 18533 eingeflossen. Bei der Planung von Abdichtungen müssen alle zu berücksichtigenden Bewegungen angegeben werden.

Es werden nach Art der Bewegung die Fugentypen I und II unterschieden:

  • Fugentyp I: für langsame, einmalige oder selten wiederholte Bewegungen
  • Fugentyp II: für schnelle, häufig wiederholte Bewegungen (Verkehr, Temperatur)

Die Bemessung der Fugenabdichtung erfolgt anhand der resultierenden Verformung (vr) der Abdichtung über die vektorielle Addition der maximal zu erwartender Bewegung in x-, y- und z-Achse.

Tab. 1: Verformungsklassen für Bewegungsfugen nach DIN 18533

Verformungsklasse VK Resultierende Verformung vr
[mm]
VK1-E ≤ 5
VK2-E ≤ 10
VK3-E ≤ 15
VK4-E ≤ 20
VK5-E ≤ 25

Lichtschächte und Gebäudeaußentreppen

Auch Lichtschächte und Gebäudeaußentreppen werden in einem separaten Abschnitt behandelt. Für die Anordnung von Lichtschächten wird in der DIN 18533 eine beispielhafte Darstellung angeführt.

Querschnittsabdichtungen

Neu aufgenommen wurden zudem Regelungen für Querschnittsabdichtungen in und unter Wänden. Dies betrifft Außenwände im Sockelbereich sowie Innenwände aus kapillar leitfähigen Baustoffen oder aus Baustoffen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie durch kapillar transportiertes Wasser geschädigt werden können.

Instandhaltung

Ergänzt wird die DIN 18533 durch Regelungen zur Instandhaltung von Abdichtungen, um eine langfristige Nutzbarkeit des entsprechenden Bauwerks oder Bauteils zu ermöglichen. Die Instandhaltung erfasst dabei auch Bauteile wie z.B. Dränanlagen.

Es wird empfohlen, regelmäßige Inspektionen, Wartungen und damit verbundene Instandsetzungen durchzuführen, die möglichst vertraglich vereinbart werden sollten. Generell obliegt die Instandhaltung dem Nutzer.

Die DIN 18533 sicher anwenden

Im informativen Anhang B der DIN 18353-1 sind Kriterien für die Auswahl von Abdichtungsbauarten zusammengestellt. Diese werden im Wesentlichen durch

  • Wassereinwirkungsklasse
  • Rissklasse
  • Raumnutzungsklasse

bestimmt.

Wasserwirkungsklassen nach DIN 18533 (Tabelle)

Die unterschiedlichen Einwirkungen werden in vier Wassereinwirkungsklassen definiert:

  • Bodenfeuchtigkeit und nichtdrückendes Wasser (W1-E)
  • drückendes Wasser (W2-E)
  • nichtdrückendes Wasser auf erdüberschütteter Decke (W3-E)
  • Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden (W4-E)

Einige der Wassereinwirkungsklassen (W1-E und W2-E) werden zusätzlich in Unterkategorien unterteilt.

Tab. 2: Wassereinwirkungsklassen nach DIN 18533

Wassereinwirkungsklasse Bezeichnung Bedingungen
Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser W1-E
  • Bodenfeuchte
  • kapillargebundenes und durch Kapillarkräfte transportiertes Wasser
  • nichtdrückendes Wasser
  • Anfallendes Wasser in tropfbar flüssiger Form kann bis zum freien Grundwasserstand absickern
  • keine Aufstauung (auch nicht nur vorübergehend)
  • gut wasserdurchlässige Böden, k > 10(-4) m m/s
  • wenig wasserdurchlässige Böden mit k < 10(-4) m/s mit funktionsfähiger Dränung
Bodenfeuchte bei Bodenplatten W1.1-E
  • erdberührte Bodenflächen mit OK Rohbodenplatte höhengleich oder höher als OK Gelände
  • Unterkante der Bodenplatte muss mind. 50 cm oberhalb des HGW liegen
  • stark durchlässiger Baugrund (oder Bodenaustausch)
Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser bei erdberührten Wänden und Bodenplatten W1.2-E
  • Bauteile müssen mind. 30 cm oberhalb HGW liegen
Drückendes Wasser W2-E
  • Wasser wirkt von außen als Grundwasser, Hochwasser oder Stauwasser ein
Mäßige Einwirkung von drückendem Wasser W2.1-E
  • Einwirkung bis 3 m Wassersäule
Hohe Einwirkung von drückendem Wasser W2.2-E
  • Einwirkung über 3 m Wassersäule
Nichtdrückendes Wasser auf erdüberschütteter Decke W3-E
  • Niederschlagswasser sickert durch die Erdüberschüttung bis auf die Abdichtung
  • Ableitung erfolgt ohne Stauwasserbildung
  • Anstauhöhe < 100 m
  • Abstand zum HGW/HHW ≥ 30 cm, ansonsten ist die Abdichtung nach W2-E auszulegen
Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden W4-E
  • bis 20 cm unter OK Gelände
  • bis 30 cm über OK Gelände

Rissklassen (Tabelle)

Für die Auswahl der Abdichtungsbauarten kommen auch Rissklassen (R1-E bis R4-E) hinzu, die zu berücksichtigen sind. Diese sind in der folgenden Tabelle definiert.

Tab. 3: Rissklassen nach DIN 18533

Rissklasse Neurissbildung/
Rissbreitenänderung nach Aufbringen der Abdichtung
Bauteile ohne statischen Nachweis der Rissbreiten-beschränkung Rissüberbrückungs-klasse Rissüberbrückung
R1-E ≤ 0,2 mm
  • Stahlbeton ohne nennenswerte Zwang- und Biegeeinwirkung
  • Mauerwerk im Sockelbereich
  • Untergründe für Querschnittsabdichtungen
RÜ1-E gering
≤ 0,2 mm
R2-E ≤ 0,5 mm
  • geschlossene Fugen von flächigen Bauteilen (z.B. Fertigteile)
  • Unbewehrter Beton
  • Stahlbeton mit nennenswerter Zwangs-, Zug- und Biegeeinwirkung
  • Erddruckbelastetes Mauerwerk
  • Fugen an Materialübergängen
RÜ2-E mäßig
≤ 0,5 mm
R3-E ≤ 1,0 mm – Rissversatz ≤ 0,5 mm
  • Fugen von Abdichtungsrücklagen
  • Aufstandsfugen von erddruckbelasteten Wänden
RÜ3-E hoch
≤ 1,0 mm – Rissversatz ≤ 0,5 mm
R4-E ≤ 5,0 mm Rissversatz ≤ 2,0 mm
RÜ4-E sehr hoch
≤ 5,0 mm Rissversatz ≤ 2,0 mm

Raumnutzungsklassen (Tabelle)

Die Art der Abdichtung wird zudem durch die Anforderungen an die Nutzung (Raumnutzungsklassen RN1-E bis RN3-E) bestimmt. Abdichtungen im erdüberschütteten Bereich bieten – für sich allein genommen – keine Garantie, dass alle Anforderungen an die Trockenheit von erdberührten Aufenthaltsräumen und Räumen zur Lagerung feuchteempfindlicher Güter erfüllt werden.

Bei der Definition der Raumnutzungsklassen finden sich deshalb Hinweise zur Verbesserung raumklimatischer Bedingungen und der Schimmelpilzfreiheit. So sollten Maßnahmen zum Wärmeschutz, zur Beheizung und Belüftung bzw. Entfeuchtung entsprechend der Nutzung geplant, ausgeführt und praktiziert werden.

Tab. 4: Raumnutzungsklassen nach DIN 18533

Raumnutzungsklasse Bedingungen
RN1-E
geringe Anforderung
geringe Anforderung an die Trockenheit der Raumluft
z.B. offene Werkhalle, Lagerhalle, Tiefgarage
RN2-E
durchschnittliche Anforderung
übliche Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft
z.B. Aufenthaltsräume, Räume zur Lagerung von feuchtigkeitsempfindlichen Gütern wie Keller und Lagernutzungen in üblichen Wohn- und Bürogebäuden
RN3-E
hohe Anforderung
hohe Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft
z.B. Magazin zur Lagerung unersetzlicher Kulturgüter, Raum für Zentralrechner

Praxistipps: Sockelabdichtung nach DIN 18533

  • Die Abdichtung ist im Sockelbereich bis 30 cm über die Geländeoberkante zu führen.

Achtung: Das Mindestmaß gilt für den Bauzustand. So soll sichergestellt werden, dass im Endzustand ein Maß von 15 cm erreicht wird.

Ausnahme: niveaugleiche Schwellen

  • Der obere Abschluss der Abdichtung ist hinterlaufsicher auszuführen.
  • Bei bekleideten Wandsockeln muss die Abdichtung hinter der Bekleidung angeordnet werden.

Praxistipps: Abdichtung von Bodenplatten nach DIN 18533

  • Erdberührte Bodenplatten müssen gegen aufsteigende Feuchte abgedichtet werden.
  • Besondere Sorgfalt erfordert der Anschluss an die horizontale Abdichtung. Der Übergang Wand/Fundament ist mit einer Hohlkehle auszurunden. Auf einen ausreichenden Überstand der Betonbodenplatte gegenüber dem Wandfuß (7 bis 8 cm) ist zu achten.
  • Die Überlappung zwischen der horizontalen und der vertikalen Abdichtung soll mindestens 10 cm betragen.

Die Abdichtung kann entfallen:

  • wenn unter oder auf der Bodenplatte eine vollflächig verklebte Schaumglasdämmplatte ausgeführt wurde, unter der Voraussetzung, dass die Fugen in den Platten vollständig geschlossen sind
  • bei RN1-E und einem Bemessungswasserstand von mindestens 50 cm unterhalb der Bodenplatte:
  • wenn eine kapillarbrechende Schicht mit einer Mindestdicke von 15 cm ausgeführt wurde
Autor: Petra Derler (Architektin BDA. Berufliche Erfahrung in Architektur- und Bausachverständigenbüros seit 1987. Seit 1997 selbstständig mit den Schwerpunkten Bauen im Bestand, energetische Bewertung von Gebäuden sowie Beurteilung und Sanierung von Bauschäden. Herausgeberin der Werke "Die wichtigsten Normen und Tabellen für Bauleiter" und "VOB/C-Praxiskommentar".)