Fachbeitrag | Norm
11.08.2015

VDE 0100-702: Elektrische Anlagen bei Schwimmbecken & Co.

Die VDE 0100-702 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-702: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Becken von Schwimmbädern, begehbare Wasserbecken und Springbrunnen“ befasst sich generell mit dem Errichten elektrischer Anlagen in Bereichen der Becken von Schwimmbädern, und Planschbecken sowie Springbrunnen mit oder ohne Becken sowie anderen Wasserbecken und deren umgebenden Bereichen. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie hier.

© Ikpro/ iStock/ Thinkstock© Ikpro/​iStock/​Thinkstock

Bereichseinteilung nach VDE 0100-702

Begehbare Wasserbecken und Becken von Schwimmbädern werden in der VDE 0100-702 ähnlich wie Bade- und Duschräume in drei Bereiche eingeteilt. Bereich 0 stellt dabei das Innere von Becken dar, Bereich 1 grenzt waagerecht an Bereich 0 und endet an einer senkrechten Fläche in 2 m Abstand von der Innenkante des Beckens und endet 2,5 m über Fußbodenhöhe. Der Bereich 2 grenzt direkt an Bereich 1 und endet nach weiteren 1,5 m.

Schutzmaßnahmen gegen gefährliche Körperströme

Der Schutz durch Kleinspannung mittels PELV ist verboten. Grundsätzlich darf in allen Bereichen nur der Schutz durch Kleinspannung mittels SELV angewendet werden. Ungeachtet der Höhe der Nennspannung muss sichergestellt werden, dass Abdeckungen oder Umhüllungen mindestens in der Schutzart IP2X oder IPXXB entsprechend DIN EN 60529 (VDE 0470-1) ausgeführt sind oder eine Isolierung, die einer Prüfspannung von AC 500 V mindestens eine Minute standhält.

Zusätzlicher Schutz durch zusätzlichen Potenzialausgleich

Alle fremden leitfähigen Teile müssen nach VDE 0100-702 in den Bereichen 0, 1 und 2 über einen Schutzpotentialausgleichsleiter verbunden werden. Gleichzeitig müssen sie mit dem Schutzleiter der Körper aller elektrischen Betriebsmittel die in diesen Bereichen angeordnet sind, verbunden werden. Ebenso müssen alle metallenen Abdeckungen sowie metallene Umhüllungen von Kabeln in den Schutzpotentialausgleich mit einbezogen werden.

Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel nach VDE 0100-702

Zum Schutz vor Menschen gegen potenzielle Gefährdung bei der Benutzung, gibt die VDE 0100-702 Mindest-IP-Schutzarten die elektrische Betriebsmittel in den Bereichen 0, 1 und 2 aufweisen müssen.

VDE 0100-702 bei Kabel- und Leitungsanlagen

In allen Bereichen die diese Norm behandelt ist es verboten Stegleitungen nach VDE 0250-201 zu verlegen.

In den Bereichen 0, 1 und 2 dürfen keinesfalls Kabel und Leitungen mit metallenen Umhüllungen verlegt werden. Metallene Umhüllungen die die nicht berührbar sind müssen in Schutzpotentialausgleich einbezogen werden.

In den Bereichen 0 und 1 dürfen grundsätzlich nur Kabel verlegt werden die der Versorgung von elektrischen Betriebsmitteln in diesen Bereichen dienen. Alle Kabel und Leitungen anderer Stromkreise müssen lt. VDE 0100-702:

  1. mindestens 6 cm tief eingebettet sein oder,
  2. durch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer 30 mA geschützt sein oder
  3. durch Schutztrennung nach VDE 0100-410 geschützt sein.

Im Bereich 0 dürfen nur Kabel und Leitungen der Bauart H07RN8-F oder gleichwertig verwendet werden.

Im Allgemeinen sollten alle Kabel und Leitungen in Elektroinstallationsrohren verlegt werden. Dabei dürfen nur Elektroinstallationsrohre verwendet werden, die dem Schlagwiderstand der Klasse 5 nach DIN EN 61386-1 (VDE 0605-1) entsprechen.

Abzweig- und Verbindungsdosen dürfen keinesfalls im Bereich 0 errichtet werden und sind im Bereich 1 nur für Stromkreise mit Schutz durch Kleinspannung mittels SELV, erlaubt.

Schalt- und Steuergeräte nach VDE 0100-702

Im Bereich 0 dürfen keinesfalls Schalt- und Steuergeräte sowie Steckdosen installiert werden. Im Bereich 1 dürfen nur dafür zugelassene elektrische Betriebsmittel eingebaut werden, wenn die Stromquelle im Bereich 2 errichtet ist und mit den dort vorgeschrieben Schutzmaßnahmen betrieben wird.

In Becken mit kleinem Umgebungsbereich dürfen Schaltgeräte, Steuergeräte und Steckdosen auch im Bereich 1 errichtet werden wenn sie außerhalb des Handbereichs (1,25 m) von der Grenze zu Bereich 0 und mindestens 0,3 m über dem Fußboden errichtet werden. Dabei müssen aber folgende Vorgaben eingehalten werden:

  • Schutz durch Kleinspannung mittels SELV mit einer Nennspannung nicht größer als AC 25 V oder DC 60 V, wobei die Stromquelle außerhalb der Bereiche 0 und 1 errichtet werden muss, oder
  • durch automatische Abschaltung der Stromversorgung durch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer 30 mA, oder
  • Schutz durch Schutztrennung, wobei die Stromquelle außerhalb der Bereiche 0 und 1 errichtet ist und nur ein Verbrauchsmittel versorgt.

Die VDE 0100-702 und andere elektrische Betriebsmittel

Spezielle Anforderungen werden an fest installierte Betriebsmittel, z.B. Pumpen, Filteranlagen, Gegenstromanlagen oder auch fest errichtete elektrische Schwimmbeckenreinigungsanlagen, gestellt. Hier kommt der Schutz durch Kleinspannung mittels SELV jedoch mit maximalen Spannungen von AC 12 V sowie DC 30 V, zum Tragen.

Leuchten, die im Bereich 0 und 1 zur Verwendung kommen, müssen mit der DIN EN 60598-2-18 (VDE 0711-218) übereinstimmen. Dabei müssen alle elektrischen Betriebsmittel in diesem Bereich unzugänglich sein und dürfen nur mit Werkzeug geöffnet werden können.

Weitere Informationen und eine Übersicht der anzuwendenden Schutzmaßnahmen und zur Auswahl und Errichtung der elektrischen Betriebsmittel in den Bereichen 0, 1 und 2 können der Norm VDE 0100-702 entnommen werden.

Bild: © Ikpro/iStock/Thinkstock

Autor: Ernst Schneider 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen