Fachbeitrag | Informieren und Recht
03.06.2015

Grundlagen der Instandhaltung

Der Begriff Instandhaltung hat in den letzten Jahrzehnten wesentlich an Bedeutung gewonnen. Mit der steigenden Bedeutung haben sich auch der Arbeitsbereich und die Anforderungen an das eingesetzte Personal verändert. Zudem regelt eine ganze Reihe von Vorschriften den Ablauf der Instandhaltung.

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Definition: Instandhaltung

In der DIN 31051 finden sich folgende Definition und der Aufgabenumfang der Instandhaltung:

„Unter dem Begriff ,Instandhaltung‘ wird

  • die Kombination aller technischen und administratorischen Maßnahmen sowie
  • Maßnahmen des Managements während des Lebenszyklus einer Betrachtungseinheit (Teil, Bauelement, Gerät usw., das für sich allein betrachtet werden kann) zur Erhaltung des funktionsfähigen Zustandes oder der Rückführung in diesen, sodass sie die geforderte Funktion erfüllen kann

verstanden.“

Gemäß DIN 31051 besteht die Instandhaltung aus vier wesentlichen Bestandteilen:

  1. Wartung
  2. Inspektion
  3. Instandhaltung
  4. Schwachstellenbeseitigung

Aus diesen Bestandteilen wird in der Regel eine der folgenden Instandhaltungsstrategien abgeleitet:

  • korrektive Wartung und Instandhaltung
  • präventive Wartung und Instandhaltung
  • vorausschauende Wartung und Instandhaltung

Im Rahmen der vorausschauenden Instandhaltung werden in der Regel Instandhaltungspläne auf Basis verschiedener erhobener Daten entwickelt. Diese Daten können u.a. die Anzahl und Art der Störungen, diverse Laufzeiten sowie Kosten für Ausfallzeiten und verwendete Ersatzteile sein. Ein gängiges Instandhaltungsmodell ist das sogenannte „Total Productive Maintenance“-System (TPM), in dem Instandhaltungsmaßnahmen, Schulungen und permanente Verbesserungsprozesse auf Basis von Kennzahlen geplant, durchgeführt und reflektiert werden.

Moderne Instandhaltungssysteme haben den Nachteil, dass sie höhere Kosten für Ersatzteile, Personal und Schulungsmaßnahmen nach sich ziehen. Um jedoch eine optimale Anlagenverfügbarkeit bei gleichzeitiger Reduzierung der Instandhaltungskosten erreichen zu können, sind diese Systeme unabdingbar.

Gesetzliche Verpflichtung zur elektrotechnischen Instandhaltung

Zusätzlich zur Rechtfertigung der Instandhaltung aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht besteht die grundsätzliche Verpflichtung zur Instandhaltung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel gemäß § 3 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 3, begründet in § 15 und § 209 des Siebten Buch Sozialgesetzbuch – Gesetzliche Unfallversicherung (SGB VII).

Es ist selbstverständlich, dass kein Mitarbeiter beim Berühren einer Anlage oder Maschine einen tödlichen elektrischen Schlag erleiden möchte. Aber wie wird dies sichergestellt? Sind alle Sicherheitsmaßnahmen, die bei der Planung und Errichtung der Anlage berücksichtigt wurden, auch noch wirksam? Und kann dies im Schadensfall auch nachgewiesen werden?

Der Unternehmer als Betreiber der Anlage ist nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, dem Arbeitnehmer nur sichere Anlagen bereitzustellen. Er trägt somit zuerst einmal die volle gesetzliche Verantwortung.

DGUV Vorschrift 3, § 3 Grundsätze

„(1) Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel nur von einer Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft den elektrotechnischen Regeln entsprechend errichtet, geändert und instand gehalten werden. Der Unternehmer hat ferner dafür zu sorgen, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel den elektrotechnischen Regeln entsprechend betrieben werden.“

Des Weiteren besteht mit der Verpflichtung zur Einhaltung des Energiewirtschaftsgesetzes in Deutschland auch die Verpflichtung zur Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 49 Abs. 1 f. EnWG). Diese gelten allgemein als eingehalten, sobald unter anderem das DIN-VDE-Regelwerk zur Anwendung kommt.

EnWG, § 49 Anforderungen an Energieanlagen

„(1) Energieanlagen sind so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist. Dabei sind vorbehaltlich sonstiger Rechtsvorschriften die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu beachten.

(2) Die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik wird vermutet, wenn bei Anlagen zur Erzeugung, Fortleitung und Abgabe von Elektrizität die technischen Regeln des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. eingehalten worden ist.“

Werden diese nicht angewendet, so wird im Einzelfall, z.B. im Falle eines Sach- oder Personenschadens, nachgewiesen werden müssen, dass die zur Anwendung gebrachte Maßnahme gleichwertig oder besser als die in der Norm geforderte war. Dies dürfte – mit Vorsicht gesagt – außerordentlich schwer fallen.

Als Betreiber einer elektrischen Anlage leitet sich sowohl aus versicherungsrechtlicher Sicht als auch aus gesetzlicher Sicht die Verpflichtung zur Einhaltung des Normenwerks ab. Auch wenn hier nicht deutlich die gesetzliche Verpflichtung der jeweiligen Norm genannt wird, so ist die Einhaltung aus o.g. Gründen dennoch verpflichtend.

Instandhaltung: Verpflichtung aus der Norm

Wird das Errichten und Betreiben einer elektrischen Anlage aus normativer Sicht betrachtet, so ist neben der DIN VDE 0100-600 „Erstprüfung und Wiederholungsprüfung von elektrischen Anlagen“ und der DIN VDE 0113 „Elektrische Ausrüstung von Maschinen“ die DIN VDE 0105-100 von wesentlicher Bedeutung.

DIN VDE 0105-100:2009-10

„4.1.101

Elektrische Anlagen sind den Errichtungsnormen entsprechend in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.

5.3.3.1

Elektrische Anlagen müssen in geeigneten Zeitabständen geprüft werden. Wiederkehrende Prüfungen sollen Mängel aufdecken, die nach der Inbetriebnahme aufgetreten sind und den Betrieb behindern oder Gefährdungen hervorrufen können.

5.3.101.6

Die Häufigkeit der wiederkehrenden Prüfung einer Anlage muss bestimmt werden unter Berücksichtigung der Art der Anlage und Betriebsmittel, der Verwendung und des Betriebs der Anlage, Häufigkeit und Qualität der Anlagenwartung und der äußeren Einflüsse, denen die Anlage ausgesetzt ist.“

Anforderungen an das Personal für die Instandhaltung

Das Personal von Instandhaltungsabteilungen ist täglich erhöhten Gefahren ausgesetzt. Diese sind im Wesentlichen:

  • Gefahren durch bewegliche Anlagenteile
  • Absturzgefahren
  • Gefährdungen bei Reinigungsarbeiten durch schädliche Stoffe
  • Brand- und Explosionsgefahren
  • Gefahren durch elektrischen Strom

Ungefähr 20 % aller tödlichen Arbeitsunfälle in der Bundesrepublik Deutschland geschehen während Instandhaltungsarbeiten.

Bild: © AlexRaths/iStock/Thinkstock

Autoren: Jörg Belzer, Mirko Engert 

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