Fachbeitrag | Norm
15.07.2016

Prüfen von Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)

Maschinen müssen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) geprüft werden. Doch gibt es normative Vorgaben zum Zeitpunkt der Prüfung? Nach welcher Norm und wann müssen Wiederholungsprüfungen durchgeführt werden? Müssen bei diesen Prüfungen alle Einzelprüfungen des Kapitels 18 der EN 60204-1 ausgeführt werden? Antwort auf diese Fragen gibt unser Fachbeitrag.

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Errichternorm DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)

Die Norm DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2007-06 heißt mit ihrer Langbeschreibung „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen –Teil 1: Allgemeine Anforderungen“. Schon aus dem Titel lassen sich der Anwendungsbereich und damit der Normadressat ablesen. Die Norm richtet sich somit an denjenigen, der Maschinen ausrüstet, also den Hersteller respektive Errichter. Wir haben also eine Errichternorm, vergleichbar der Normenreihe VDE 0100.

Nun kann man sich über die Verbindlichkeit von DIN-Normen sowie VDE-Bestimmungen trefflich streiten. Im Gegensatz zur Normenreihe VDE 0100 fällt die DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) nicht unter die vom § 49 II Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) mit der Vermutungswirkung für richtiges Handeln ausgestatteten Regeln der Technik. Die Wirkung des § 49 EnWG endet nämlich – ausweislich des Absatz 1 in Verbindung mit § 3 Nr. 15 EnWG – bei den Verteileranlagen. Die elektrische Maschine gehört aber nicht zu den Verteileranlagen, sondern ist eine (Energie-)Verbrauchsanlage. Auch die Erwähnung der Regeln der Technik im § 319 Strafgesetzbuch hilft für Maschinen nicht zur Verbindlichkeit, da es sich bei diesen nicht um Bauten oder Bauwerke handelt.

Jedoch sind VDE-Bestimmungen Sorgfaltsmaßstab, der richtiges von fahrlässigem Handeln abgrenzt, und müssen als „objektiviertes Sachverständigengutachten“ angesehen werden (OLG Koblenz, 06.09.1991, 1Ss265/91; BayOLG, 30.07.2002, 1ObOWi 15/02; OLG Hamm, 01.07.2008, 2Ss OWi 494/08).

Zeitpunkt der Prüfung nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)

Die in Kapitel 18 der DIN EN 60204-1 aufgeführten Prüfungen sollten vom Hersteller bzw. Errichter der Maschine vor Übergabe an den Auftraggeber oder Nutzer ausgeführt worden sein. Sofern die Norm im Rahmen des Werk(liefer)vertrags in die Vertragsdokumente inkorporiert, d.h. verweisend aufgenommen, wurde, stellen die Prüfungen einen verbindlichen Bestandteil der Abnahmeprozedur nach § 640 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) dar. Wenn man es ganz genau nehmen möchte, reicht bereits Einigkeit über die Anwendung der Norm aus, ohne dass es einer Kodifizierung bedarf.

Der Hersteller seinerseits kann mittels der dokumentierten Prüfungen im Sinne des vorgenannten Sorgfaltsmaßstabs die Beachtung desselben nachweisen. Auch die Erklärung der CE-Konformität auf Basis der Maschinen- und/oder Niederspannungsrichtlinie (1. bzw. 9. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz) könnte die Prüfung herstellerseitig notwendig machen, wenn die Übereinstimmung mit der Norm darin erklärt wird.

Verpflichtung zur Wiederholungsprüfung nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)

Eine aus der DIN EN 60204-1 entspringende Verpflichtung zur Wiederholungsprüfung gibt es – abgesehen vom Kapitel 18.7 Nachprüfungen bei Auswechselungen oder Änderungen – nicht. Möchte man eine solche aus dem VDE-Vorschriftenwerk ableiten, so muss man in der zentralen Betriebsvorschrift VDE 0105-100 suchen. Im Moment der Inbetriebnahme ist die Maschine nämlich in diesen Bereich übergegangen. Hier heißt es in Kapitel 4.1.101: „Elektrische Anlagen sind den Errichtungsnormen entsprechend in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.“ Der ordnungsgemäße Zustand wird ebenfalls nach dieser Bestimmung durch die Methoden gemäß Kapitel 5.3 erhalten. Dazu gehören: Messen, Erproben und Prüfen. Kapitel 5.3.3.101 nennt die wiederkehrenden Prüfungen.

Doch so weit muss man nicht ausholen. Unter Rückgriff auf die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) kommt man schnell zu einer Verpflichtung für Wiederholungsprüfungen. In § 14 II Satz 1f. BetrSichV heißt es: „Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind, die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können, hat der Arbeitgeber wiederkehrend von einer zur Prüfung befähigten Person prüfen zu lassen. Die Prüfung muss entsprechend den nach § 3 Abs. 6 ermittelten Fristen stattfinden.“

Zweifelsohne ist die Maschine ein Arbeitsmittel. Diese unterliegt während ihres Gebrauchs und ihrer Benutzung Schäden verursachenden Einflüssen, die sich einerseits auf physikalische und andererseits auf Phänomene der Mensch-Maschine-Interaktion zurückführen lassen. Ob dadurch gefährliche Situationen entstehen, muss der Unternehmer (der in der Betriebssicherheitsverordnung Arbeitgeber heißt) als Eigentümer, mindestens aber als Betreiber der Maschine durch eine nach § 5 Arbeitsschutzgesetz und § 3 BetrSichV durchzuführende Gefährdungsbeurteilung feststellen.

DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1): Zeitpunkt der Wiederholungsprüfung

Dazu gibt es keine pauschalen Festlegungen einer für allwissend zu haltenden Instanz (mehr). Die DGUV Vorschrift 3 (früher: BGV A3) gibt in § 5 I Nr. 2 „bestimmte Zeitpunkte“ vor und ergänzt: „Die Fristen sind so zu bemessen, dass entstehende Mängel, mit denen gerechnet werden muss, rechtzeitig festgestellt werden.“ In Tabelle 1A gibt es Empfehlungen zu Prüffristen, die für ortsfeste Betriebsmittel (= Arbeitsmittel) vier Jahre vorsehen. Vor der pauschalen Übernahme solcher Empfehlungen sei jedoch ausdrücklich gewarnt. Das richtige Instrument für die Festlegung der Frequenz von Wiederholungsprüfungen ist auch hier die Gefährdungsbeurteilung.

Nur in dieser kann entsprechend der örtlichen Gemengelage mit nahe am Prüfobjekt vorhandenem Sachverstand und unter Beachtung diverser Einflussfaktoren festgelegt werden, wann eine Prüfung erfolgen muss. Solche Einflussfaktoren sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Betriebsbedingungen (z.B. einschichtig oder dreischichtig), Umweltbedingungen (z.B. Temperatur, Feuchtigkeit, Standort im Freien usw.) sowie auch personelle Gegebenheiten wie der Qualifikationsstand des Bedienpersonals. So unterscheiden sich die Prüffristen sicherlich dann, wenn die Maschine von technisch nicht ausgebildetem Personal bedient wird, welches auch noch (gezwungenermaßen) kleinere Instandsetzungen daran auszuführen hat, von der Organisation, bei der technisches Fachpersonal (z.B. Elektrofachkräfte) für die Überwachung und Instandhaltung regelmäßig zur Verfügung steht.

Ergo lässt sich festhalten, dass die Wiederholungsprüfungen durchgeführt werden müssen, bevor es zu gefährlichen Mängeln kommen wird. Damit lässt sich ein Intervall nicht ein für alle Mal in Stein meißeln, sondern ist regelmäßig auch basierend auf den bei den Prüfungen gewonnenen Erfahrungen neu zu überprüfen.

Prüfungen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) Kapitel 18

Das Kapitel 18 der DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) sieht folgende Prüfungen elektrischer Maschinen vor:

  1. Übereinstimmung der elektrischen Ausrüstung mit der Dokumentation
  2. Prüfung der Einhaltung der Bedingungen für den Schutz durch automatisches Abschalten (wo angewendet)
  3. Isolationswiderstandsprüfung
  4. Spannungsprüfung
  5. Prüfung des Schutzes gegen Restspannung
  6. Funktionsprüfung

Müssen alle diese Prüfungen durchgeführt werden?

Auch darüber gibt einzig und allein die Gefährdungsbeurteilung Auskunft. In Vorbereitung der Prüfung macht sich der Verantwortliche über die an der Maschine zum Einsatz gekommenen Schutzmaßnahmen Gedanken. Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme wird dann mit geeigneten Verfahren geprüft. Schaut man sich die einleitenden Sätze der Unterkapitel 18.3, 18.4 und 18.5 an, so beginnen diese mit „Wenn“ bzw. „Wo zweckmäßig“. Daraus lässt sich schon grammatikalisch schlussfolgern, dass die hier angesprochenen Prüfungen niemals zwingend sein können, sondern vielmehr von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Prüfung abhängen sollen.

Verschiedene Prüfungen werden auch „im Feld“ gar nicht ausführbar sein. Hier muss also immer anhand der Gefährdungsbeurteilung der Prüfumfang festgelegt sein. Zu einer Prüfung gehören nach TRBS 1201 Kapitel 2.2 allerdings immer eine Ordnungsprüfung (wie in der DIN EN 60204-1 Kapitel 18.1a beschrieben) und technische Prüfungen, z.B. auf Einhaltung und Funktion der in Anwendung gebrachten Schutzmaßnahmen.

Fazit: Prüfen von Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)

Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung liefert Aussagen zu Prüfart, Prüffrist und Prüfumfang. Nur diese kann die örtlichen Gegebenheiten hinreichend beachten. Von jeglichen Zentralinstanzen vorgegebene Prüffristen und -umfänge gehen an der betrieblichen Wirklichkeit und den gebotenen Notwendigkeiten vorbei. Die Gefährdungsbeurteilung ist damit ein zentrales Instrument der unternehmerischen Eigenverantwortung und Ausdruck der grundgesetzlich garantierten Freiheit.

Bild: © michaeljung/iStock/Thinkstock

Autor: Markus Klar

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