Prüfen von Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)
Die DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) liegt seit Juni 2026 in einer neuen Ausgabe vor. Auch wenn die Grundstruktur erhalten bleibt, wurden zentrale Anforderungen weiterentwickelt – insbesondere bei Steuerungen, Schutzmaßnahmen und Dokumentation. Für Betreiber und Prüfer ist jetzt entscheidend, welche Auswirkungen das auf Wiederholungsprüfungen und den Prüfumfang hat.
Zuletzt aktualisiert am: 26. Juni 2026

Die Norm DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2026-06 hat den Titel „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen“. Seit Juni 2026 liegt sie in einer neuen Ausgabe vor.
Die Norm ist mehrdimensional einzuordnen: Sie ist Errichter-, Anwender- und Prüfnorm zugleich. Damit richtet sie sich nicht nur an Hersteller bzw. Errichter, sondern auch an Betreiber von Maschinen. Sie definiert den Stand der Technik für die elektrische Ausrüstung von Maschinen und bildet eine zentrale Grundlage für Planung, Errichtung, Prüfung und Betrieb.
Prüfen von Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2026-06
Elektrische Maschinen müssen wie jedes Arbeitsmittel in regelmäßigen Zeitabständen geprüft werden. Der Betrieb solcher Maschinen ist in der DIN VDE 0105-100 geregelt, wozu auch Prüfungen in Anlehnung an die Herstellernorm gehören – der DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1).
Doch gibt es normative Vorgaben zum Zeitpunkt der Prüfung? Nach welcher Norm und wann müssen Wiederholungsprüfungen durchgeführt werden? Müssen bei diesen Prüfungen alle Einzelprüfungen des Kapitels 18 ausgeführt werden?
Verbindlichkeit von Normen
Die Verbindlichkeit von DIN- und VDE-Normen wird häufig diskutiert. Grundsätzlich gilt:
- Normen sind keine Gesetze, sondern beschreiben den anerkannten Stand der Technik.
- Sie erhalten Verbindlichkeit durch:
- Verträge (z. B. Werkvertrag),
- die CE-Konformitätserklärung,
- oder gesetzliche Anforderungen über Gefährdungsbeurteilungen und Verordnungen.
VDE-Bestimmungen sind damit ein maßgeblicher Sorgfaltsmaßstab, der fachgerechtes von fahrlässigem Handeln abgrenzt.
Zeitpunkt der Prüfung
Die in Kapitel 18 der Norm beschriebenen Prüfungen sind in erster Linie vom Hersteller durchzuführen:
- vor Übergabe an den Betreiber
- im Rahmen der Abnahme
- sowie nach Änderungen oder Instandsetzungen sicherheitsrelevanter Teile
Diese Prüfungen dienen dem Nachweis, dass die elektrische Ausrüstung den normativen Anforderungen entspricht.
Wenn Sie sich über die Erstinbetriebnahme von Maschinen informieren wollen, erfahren Sie in diesem Beitrag mehr: Erstinbetriebnahme von Maschinen.
Gibt es eine Verpflichtung zur Wiederholungsprüfung in der DIN EN 60204-1?
Eine explizite Verpflichtung zur Wiederholungsprüfung enthält die DIN EN 60204-1 nicht – mit Ausnahme von Nachprüfungen bei Änderungen (Kapitel 18.7).
Die Pflicht zur wiederkehrenden Prüfung ergibt sich vielmehr aus anderen Rechtsquellen, insbesondere:
- DIN VDE 0105-100
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
Nach § 14 Abs. 2 BetrSichV gilt:
Betriebsmittel müssen wiederkehrend geprüft werden, wenn sie gefährdenden Einflüssen ausgesetzt sind. Die Prüffristen sind auf Basis der Gefährdungsbeurteilung festzulegen.
Wiederholungsprüfungen
Auch wenn die Norm keine eigenen Prüffristen vorgibt, bleibt sie entscheidend: Die Anforderungen der DIN EN 60204-1 sind bei Wiederholungsprüfungen maßgeblich zu berücksichtigen. Der Betreiber muss also:
- nach BetrSichV prüfen lassen,
- aber inhaltlich gegen die Anforderungen der DIN EN 60204-1 prüfen.
Gibt es Vorgaben zum Zeitpunkt der Wiederholungsprüfung?
Feste Prüffristen existieren nicht. Der Zeitpunkt ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Dabei sind u. a. zu berücksichtigen:
- Betriebsbedingungen (z. B. Schichtbetrieb)
- Umgebungsbedingungen (z. B. Feuchtigkeit, Staub)
- Qualifikation des Bedienpersonals
- Beanspruchung und Nutzungshäufigkeit
Empfehlungen (z. B. DGUV Vorschrift 3) können Orientierung bieten, ersetzen aber nicht die individuelle Bewertung. Maßgeblich ist: Die Prüfung muss erfolgen, bevor gefährliche Mängel entstehen können.
Prüfungen nach DIN EN 60204-1, Kapitel 18
Die Norm definiert einen systematischen Prüfkatalog, u. a.:
- Übereinstimmung mit der Dokumentation
- Durchgängigkeit des Schutzleiters
- Schutz durch automatische Abschaltung
- Isolationsprüfung
- Spannungsprüfung
- Schutz gegen Restspannung
- Prüfung bei besonderen Ableitströmen
- Funktionsprüfung
Müssen alle Prüfungen durchgeführt werden?
Der Prüfkatalog ist vollständig definiert – aber nicht in jedem Fall vollständig anzuwenden. Die Norm verwendet Formulierungen wie „wenn“ oder „wo zweckmäßig“. Also ergibt sich der Prüfungsumfang aus der konkreten technischen Ausführung der Maschine, den eingesetzten Schutzmaßnahmen, und der Gefährdungsbeurteilung.
Nicht jede Prüfung ist immer erforderlich – aber jede ist grundsätzlich vorgesehen.
Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung
Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Instrument zur Festlegung von Prüffristen, Prüfumfang und Prüftiefe. Sie berücksichtigt die tatsächlichen Einsatzbedingungen der Maschine und ermöglicht eine risikoorientierte Festlegung der Prüfstrategie.
Aktuelle Entwicklungen der Norm DIN EN 60204-1 in der Ausgabe 2026-06
Die Neufassung der DIN EN 60204-1 bringt insbesondere:
- überarbeitete Anforderungen an Steuerungen und Sicherheitsfunktionen
- Ergänzungen zu Leistungsantriebssystemen (PDS)
- Anpassungen im Bereich EMV
- präzisierte Vorgaben zu Schutzverbindungen und Kurzschlussfestigkeit
- erweiterte Anforderungen an Dokumentation
Zudem wird die Maschinenrichtlinie im Januar 2027 durch die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 abgelöst.
Wichtige Änderungen
Die Neufassung der DIN EN 60204-1 im Juni 2026 bringt keine grundlegende Neustrukturierung der Norm, enthält jedoch zahlreiche inhaltliche Ergänzungen, Klarstellungen und Aktualisierungen des Stands der Technik. Die Ausgabe 2026 ist kein grundlegender Bruch, sondern ein gezieltes Update der Version 2019. Ziel der Neufassung ist die Anpassung an neue Technologien, präzisere Anforderungen und eine verbesserte Anwendbarkeit in der Praxis.
Die wichtigsten Änderungen:
- Erweiterte Anforderungen an Antriebssysteme (PDS)
- Überarbeitete Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
- Präzisierungen beim Schutzkonzept
- Grundlegend überarbeiteter Abschnitt zu Steuerungen (Abschnitt 9)
- Aktualisierte Anforderungen an Bedien- und Anzeigeelemente
- Erweiterte Anforderungen an technische Dokumentation
- Aktualisierung normativer Verweise und Begriffe
Fazit: Prüfen von Maschinen nach DIN EN 60204-1
Die DIN EN 60204-1 ist eine zentrale Norm für die elektrische Sicherheit von Maschinen, jedoch:
- Sie legt keine festen Prüffristen fest.
- Sie definiert keine pauschalen Prüfprogramme für alle Fälle.
Stattdessen gilt:
- Die Gefährdungsbeurteilung bestimmt Prüffrist, Prüfumfang und Prüftiefe.
- Die BetrSichV verpflichtet zur Prüfung.
- Die DIN EN 60204-1 liefert die inhaltlichen Maßstäbe.
Damit ist die Gefährdungsbeurteilung das zentrale Instrument einer verantwortungsvollen und rechtssicheren Prüfstrategie.