01.04.2021

Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit für Metallarbeitsplätze

Sicherheitsingenieur

Der Arbeitsschutz für Metallarbeitsplätze beschäftigt sich mit vielfältigen Gefährdungen, die nicht nur mechanischer Natur sind. Maschinen benötigen Elektrizität und beim Schweißen liegen Brandgefährdungen nahe. Schleifstaub kann explodieren und Gefahrstoffe sind als Kühlschmierstoffe allgegenwärtig. Deshalb ist es wichtig, die Gefährdungsbeurteilung  zu erstellen und den Mitarbeitern die Gefährdungen und Schutzmaßnahmen durch Betriebsanweisungen und in Sicherheitsunterweisungen zu vermitteln.

Metalle werden handwerklich und industriell bearbeitet. Verfahren zur Metallbearbeitung sind z.B. spanende Verfahren wie Drehen, Bohren, Fräsen, Sägen oder Schleifen. Zu den spanlosen Verfahren gehören z.B. Gießen, Pressen oder Schneiden. Metalle werden sowohl mit großen Maschinen wie Dreh- und Standbohrmaschinen oder Tischkreissägen als auch mit handgeführten Geräten wie Bohrmaschinen oder Handkreissägen bearbeitet.

Die wichtigsten Gefährdungen und Schutzmaßnahmen

Wenn Menschen über Späne reden, sehen sie meist Holzspäne vor sich. Aber schon der Name der Berufsgenossenschaft Holz und Metall macht klar, dass es beim Bearbeiten von Holz und Metall viele Gemeinsamkeiten gibt. Auch in der Metallbearbeitung fallen Späne, denn Metalle werden mit spanenden Verfahren wie Drehen, Bohren, Fräsen, Sägen und Schleifen bearbeitet. Worum es in den industriellen Metallberufen geht, bringt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall so auf den Punkt:

  • Anlagenmechaniker/-in: Alles muss dicht sein
  • Fertigungsmechaniker/-in: Genau und handwerklich geschickt
  • Industriemechaniker/-in: Produktion funktioniert perfekt
  • Konstruktionsmechaniker/-in: Spezialisten für große Aufgaben
  • Stanz- und Umformmechaniker/in: Bauteile für industrielle Fertigung
  • Werkzeugmechaniker/-in: Die nehmen es ganz genau
  • Zerspanungsmechaniker/-in: Mit Präzision zum Erfolg

Metallbearbeitung – mehr als Mechanik

Die Gefährdungen an Metallarbeitsplätzen sind vielfältig und nicht nur mechanischer Natur. Maschinen benötigen Elektrizität und beim Schweißen liegen Brandgefährdungen nahe. Schleifstaub kann explodieren und Gefahrstoffe sind als Kühlschmierstoffe allgegenwärtig. Deshalb ist es wichtig, den Mitarbeitern die Gefährdungen und Schutzmaßnahmen durch Betriebsanweisungen und in Unterweisungen zu vermitteln.

Kleines Gefährdungslexikon Metallarbeitsplätze

Allgemeine Gefährdungen

  1. Gefährdungen: ungeschützt bewegte Maschinenteile, bewegte Transport- und Arbeitsmittel, unkontrolliert bewegte Teile, gefährliche elektrische Körperströme, gefährliche Arbeitsstoffe, Explosionen, Lärm, einseitige Arbeiten, Zwangshaltungen, Hautbelastung, Kühlschmierstoffe, Stress
  2. Maßnahmen: Gefahrstellen durch Schutzeinrichtungen und Stellteile gegen unbeabsichtigte Betätigung sichern, für leicht erreichbare Not-Aus-Schalter sorgen und diese kennzeichnen, Arbeitsplätze und Verkehrswege trennen, unkontrolliert bewegte Teile vermeiden, elektrische Anlagen vorschriftsmäßig installieren, Technische Regeln für Gefahrstoffe beachten, explosionsfähige Stäube absaugen und Zündquellen vermeiden, Technische Regeln zur LärmVibrationsArbSchV beachten, Arbeiten abwechslungsreich gestalten, Arbeitshaltungen abwechseln, geeignete Kühlschmierstoffe einsetzen und Hautschutzplan beachten, Wartungsplan beachten, Arbeit richtig organisieren

Drehen, Fräsen, Bohren, Sägen

Diese spanabhebenden Verfahren werden sowohl mit großen Maschinen als auch mit Handmaschinen ausgeführt. Von allen spanenden Werkzeugmaschinen gehen besondere oder erhöhte Risiken aus.
  1. Gefährdungen: Fang- und Einzugsstellen, nicht sicher gespannte Werkstücke, rotierende Werkzeuge, umherfliegende Teile, unverkleideter Antrieb, Schlüssel im Spannfutter, Späne, ungeschützt umlaufende Rohre oder Stangen, Staub beim Bohren mit Handwerkszeugen
  2. Maßnahmen: Schutzvorrichtungen, Motor darf nur bei geschlossenem Futterschutz anlaufen, Späne nur mit Spänehaken oder Besen bzw. Pinsel entfernen, Werkstücke fest einspannen, Werkstücke nur bei Stillstand wechseln oder entnehmen, Späneflug vermeiden, Kopfschutz, Schutzbrille und eng anliegende Kleidung, aber keine Schutzhandschuhe tragen, bei der Arbeit lange Haare nicht offen und keinen Schmuck tragen, beim Bohren mit Handwerkszeugen Staub absaugen und Atemschutz tragen
Schadhafte und falsch gehandhabte Handwerkszeuge führten im Jahr 2013 zu fast 77.000 Arbeitsunfällen – etwa der Hälfte meldepflichtiger Werkzeug- und Maschinenunfälle.
  1. Gefährdungen: Werkzeuge sind ungeeignet oder nicht in ordnungsgemäßem Zustand, Werkzeuge werden unsachgemäß aufbewahrt, Lärm, Hand-Arm-Schwingungen, einseitige Belastung
  2. Maßnahmen: hochwertige, ergonomisch gestaltete und unbeschädigte Werkzeuge einsetzen, Werkzeuge vor ihrem Einsatz kontrollieren und reinigen, ansonsten geordnet im Werkzeugbehälter aufbewahren, lärmarme Werkzeuge einsetzen, Arbeitsplatz räumlich trennen, Lärmbereiche kennzeichnen, Gehörschutz tragen, Hand-Arm-Schwingungen durch andere Verfahren vermeiden oder Einwirkungszeit durch Pausen verringern, einseitige Belastungen durch ergonomisch gestaltete Werkzeuge verringern und Tätigkeiten abwechseln

Instandhaltung

Zur Instandhaltung gehören u.a. die Wartung und die Instandsetzung. Es handelt sich dabei um nicht alltägliche Arbeiten und deshalb ist die Gefahr groß, dass Mitarbeiter improvisieren. Außerdem kommen für Instandhaltungsarbeiten häufig Mitarbeiter von Fremdfirmen ins Haus, die mit den Gegebenheiten im Betrieb nicht vertraut sind.

  1. Gefährdungen: ungesicherte Gefahrstellen, ungesicherte oder ungeeignete bewegte Arbeits- oder Transportmittel, unkontrolliert bewegte ausgebaute oder wegfliegende Teile, unsicherer Umgang mit ausgebauten Teilen, Absturz von Leitern oder Gerüsten, fehlende Absturzsicherungen, nicht spannungsfrei geschaltete Maschinen, nicht gegen Einschalten gesicherte Maschinen, Freisetzung von Gasen oder Dämpfen, etwa beim Schweißen oder Trennen von Beschichtungen, Hautkontakt zu Gefahrstoffen, Termindruck, unzureichende Qualifikation
  2. Maßnahmen: Arbeit erst beginnen, wenn Maschine stillsteht und sich nicht unbeabsichtigt in Bewegung setzen kann, nicht ohne Schutzeinrichtungen an laufender Maschine arbeiten, Betriebsanleitung beachten, Sicherheitsabstände einhalten, Leitern und Gerüste sicher aufstellen, für Auffangeinrichtungen sorgen, Sicherheitsregeln für elektrische Anlagen beachten, Gaswarngeräte einsetzen, Gase und Dämpfe absaugen, PSA tragen, Hautschutzplan beachten, Stress vermeiden, nur qualifizierte Mitarbeiter einsetzen, Maschine erst wieder in Betrieb nehmen, wenn die damit beauftragte Kontrollperson sie freigibt

Kühlschmierstoffe (KSS)

KSS werden bei der zerspanenden Bearbeitung metallischer Werkstücke eingesetzt.
  1. Gefährdungen: Dermatose an den Händen durch entfettende Wirkung der KSS, Hautkrankheiten durch mit Bakterien und Schimmelpilzen kontaminierte KSS, Allergien, Hautreizungen, Bildung krebserzeugender N-Nitrosamine, Atemwegserkrankungen durch KSS-Dämpfe
  2. Maßnahmen: bei Bearbeitung mit niedriger Drehzahl auf KSS verzichten, KSS ohne gesundheitsgefährdende Komponenten einsetzen, Nitritgehalt kontrollieren, Minimalmengenschmierung beim Sägen, Bohren und Fräsen, KSS-Dämpfe und -Aerosole absaugen, KSS-führende Anlagenteile so konstruieren, dass sie leicht zu reinigen sind, Feststoffe wie Späne kontinuierlich aus dem KSS-System filtern, beim Umgang mit KSS Augenschutz und Schutzhandschuhe und beim Verdünnen und Abfüllen eine Kunststoffschürze tragen (wegen der Gefahr, eingezogen zu werden, keinesfalls Schutzhandschuhe tragen), Hautschutzplan beachten

Pressen

Mit Pressen werden Werkstücke umgeformt. Bei Pressenarbeiten mit offenen Werkzeugen sind Schutzeinrichtungen erforderlich, um Handverletzungen zu vermeiden. Sicheres Werkzeug benötigt keine zusätzliche Schutzeinrichtung.
  1. Gefährdungen: Pressenwerkzeuge sind ungeeignet, Schutzeinrichtungen fehlen, feste Verdeckung ist unvollständig oder leicht zu entfernen, bei Exzenterpressen ist Pleuel ungesichert, Quetsch- und Scherstellen außerhalb des Werkzeugs
  2. Maßnahmen: für sicheres Werkzeug, feste Verdeckung und zyklisch bewegliche Abschirmung sorgen, bei Exzenterpressen für Pleuelschutz sorgen, Zweihandschaltung

Scheren

Beim Scheren wird Material durch zwei sich aneinander vorbeibewegende Schneiden zerteilt. Scheren ist eines der häufigsten Verfahren bei der Blechbearbeitung.
  1. Gefährdungen: Messerbalken nicht vollständig geschützt, Schaulöcher ungesichert, Hub des Niederhalters zu hoch eingestellt, Messer auf der Rückseite ungesichert, Einrückung nicht gegen unbeabsichtigtes Betätigen gesichert, bei kraftbetriebener Tafelschere fehlt Nachschlagsicherung, bei kombinierter Schere sind unbenutzte Werkzeuge nicht abgedeckt bzw. außer Betrieb gesetzt, bei Rundschere ist Einlaufseite des oberen Scherenmessers nicht ausreichend gesichert, bei Handhebelschere ist Handhebel nicht gegen Herabfallen gesichert, Lärm durch in den Auffangbehälter fallendes Material
  2. Maßnahmen: Messerbalken und Schaulöcher absichern, Niederhalter so niedrig wie möglich einstellen, Messer auf der Rückseite mit festem Schutzgitter sichern, Einrückung sperrbar gestalten, bei kraftbetriebener Tafelschere Nachschlagsicherung anbringen, bei kombinierter Schere unbenutzte Werkzeuge verkleiden bzw. außer Betrieb setzen, bei Rundschere Einlaufstelle sichern, z.B. durch Fingerabweiser, bei Handhebelschere Sicherung des Handhebels einlegen, Fallhöhe des geschnittenen Materials reduzieren, z.B. durch eine Rutsche

Schleifen

Werkstücke erhalten durch Schleifen eine glatte Oberfläche. Handschleifmaschinen sind für zwei Drittel der Unfälle mit Schleifmaschinen verantwortlich.
  1. Gefährdungen: Einzugsstellen nicht durch Schutzvorrichtungen gesichert, Einzugs-, Quetsch- und Stoßstellen an der Maschine, nicht sicher gespannte Werkstücke, wegfliegende Werkstücke oder Metallteile, Schleifstaub, Brandgefährdung durch Schleiffunken, Staubexplosionen, bei Handbearbeitung Verbrennungsgefährdung
  2. Maßnahmen: Schutzvorrichtungen anbringen, Schleifscheiben sicherheitsgerecht gestalten, Sicherheitsabstände einhalten, Werkstücke fest einspannen, bei Flachschleifmaschine durch Fangbleche verhindern, dass das Werkstück herausgeschleudert wird, bei Innenschleifmaschine klapp- oder schwenkbare Schutzkappe verwenden, nassschleifen, absaugen und Schutzbrille sowie beim Edelstahlschleifen Atemschutz tragen, um Gefährdungen durch Schleifstaub zu vermeiden, Arbeitsplatz räumlich abtrennen, um Brandgefährdung zu verringern, Brandschutzordnung und Explosionsschutzdokument beachten, bei Handbearbeitung Abschirmung einsetzen und PSA tragen

Schweißen und Löten

Durch Schweißen werden Bauteile miteinander verbunden. Dabei können Brände und elektrische Körperströme entstehen, außerdem werden gesundheitsschädigende Partikel und/oder Gase freigesetzt.
  1. Gefährdungen: Brand- und Explosionsgefährdung durch verunreinigte oder ungeeignete Kleidung, brennbare Stoffe im Arbeitsbereich, Funkenflug und Arbeit an nicht vollständig entleerten Behältern mit brennbaren oder entzündlichen Stoffen, Verbrennungen und Strahlung
    • beim Lichtbogen-, Schutzgas- und WIG-Schweißen: gefährliche elektrische Körperströme, Gase, Dämpfe und Aerosole, nichtionisierende Strahlung
    • beim Autogenschweißen und Hartlöten: Gase, Dämpfe und Aerosole, Brandgefährdung
    • beim Weichlöten: Gase, hautgefährdende Weichlötpaste, Brandgefährdung
  2. Maßnahmen: schwer entflammbare Kleidung tragen, durch Öle oder Fette verunreinigte Kleidung wechseln, brennbare Stoffe aus Arbeitsbereich entfernen, vor der Arbeit an Behältern diese vollständig entleeren oder andere Schutzmaßnahmen ergreifen, Feuerlöschgeräte bereithalten, Brandposten und Brandwachen einsetzen, mit PSA und Schutzschirm gegen Verbrennungen und mit Trennwänden und Abschirmungen gegen Strahlung schützen
    • beim Lichtbogen-, Schutzgas- und WIG-Schweißen: Körperströme durch FI-Schutz und isolierende Unterlage vermeiden, in engen Räumen Stromquelle mit Schutzkleinspannung einsetzen, Schweißstromrückleitung nahe der Schweißstelle anschließen und übersichtlich verlegen, erst anschalten, wenn Anschlüsse hergestellt sind, und abschalten, bevor Stromkreis aufgelöst wird, um Schadstoffentwicklung zu vermeiden, Beschichtung vor dem Schweißen mechanisch entfernen, Gase möglichst direkt an der Entstehungsstelle absaugen, für ausreichenden Sauerstoffgehalt in der Atemluft sorgen, Grenzwerte einhalten, gegen nichtionisierende Strahlung mit Schweißerschutzschild, Lederhandschuhen, Trennwänden und Abschirmungen, hochgeschlossener Arbeitskleidung und UV-Schutzcreme schützen
    • beim Autogenschweißen und Hartlöten: Flammenlänge verkürzen, Brenndauer der Flamme verringern, freie und technische Lüftung, Schadstoffe absaugen, Atemschutz tragen, nicht über Schweiß-/Lötstelle gebeugt arbeiten, Farbreste entfernen, Grenzwerte einhalten, Gasflaschen gut belüftet oberirdisch lagern, gegen Gasrücktritt und Flammendurchschlag sichern, für dichte Verbindungen sorgen, sicherstellen, dass Gasschläuche nicht von den Schlauchtüllen rutschen können, schadhafte Schläuche auswechseln
    • beim Weichlöten: Flammenlänge verkürzen, Brenndauer der Flamme verringern, freie und technische Lüftung, Schadstoffe absaugen, Atemschutz tragen, hautgefährdende Weichlötpaste ersetzen, Waschmöglichkeit einrichten, Hautschutzplan beachten, Gasflaschen gut belüftet oberirdisch lagern, gegen Gasrücktritt und Flammendurchschlag sichern, für dichte Verbindungen sorgen, sicherstellen, dass Gasschläuche nicht von den Schlauchtüllen rutschen können, schadhafte Schläuche auswechseln
Autor: Martin Weyde

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