09.02.2022

Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit im Metallbau

Der Arbeitsschutz im Metallbau muss ein Auge auf viele unterschiedliche Gefährdungen haben, die nicht nur mechanischer Natur sind. Maschinen benötigen z.B. Elektrizität, beim Schweißen liegen Brandgefahren nahe, Schleifstaub kann explodieren und Gefahrstoffe sind als Kühlschmierstoffe allgegenwärtig. Jede dieser Gefährdungen betrachten wir im Folgenden genauer.

Arbeitsschutz im Metallbau bei einer Presse: Schutzhandschuhe sind ein Muss.

Versteckte Gefahren für den Arbeitsschutz im Metallbau sind typischerweise alle Gefahren, die nicht von Maschinen und Werkzeugen ausgehen, sondern von Stoffen oder Energien, die im Produktionsprozess eine Rolle spielen. Also etwa von Gefahrstoffen, Biostoffen, Kühlschmierstoffen oder der Elektrizität. Lesen Sie jetzt mehr darüber, mit welchen „versteckten“ Gefahren Sie im Arbeitsschutz im Metallbau rechnen müssen, aber auch, was bei Maschinen und Werkzeugen zur Metallbearbeitung zu beachten ist.

Hinweis auf nützliche DGUV Informationen:

Hilfreich sind die DGUV Information 213-033 „Gefahrstoffe in Werkstätten“, DGUV Regel 109-003 „Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen“, TRBA 400 „Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen“ sowie DGUV Vorschrift 3 und 4 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“.

Gefahrstoffe bei Metallarbeitsplätzen

Gefahren von Kühlschmierstoffen

Kühlschmierstoffe verringern durch ihre Schmiereigenschaften die Reibung zwischen Werkzeugen und Werkstücken. Mögliche Gesundheitsgefährdungen sind Hauterkrankungen durch Kontakt, ausgelöst durch den hohen pH-Wert der Kühlschmierstoffe. Auch entfetten Kühlschmierstoffe die Haut und schwächen damit den natürlichen Hautschutz. Des Weiteren sind Schleimhaut- und Atemwegsreizungen nach dem Einatmen von Dämpfen möglich.

Achtung: Während längerer Einsätze verändern sich wassergemischte Kühlschmierstoffe durch Verdunstung, Fremdstoffe, chemische Reaktionen oder biologische Aktivität.

Gefährliche Biostoffe

Legionellen, andere Bakterien, Viren oder Schimmelpilze können durch kontaminiertes Wasser, Taubenkot, Ausscheidungen von Nagetieren, Schimmel auf feuchten Wänden und Hölzern in den Metallbau gelangen. Dort können sie toxisch wirken, bei Kontakt Infektionen auslösen oder Menschen gefährden, die auf bestimmte allergene Stoffe reagieren.

Um einer Kontamination vorzubeugen, sind umfassende Hygieneschutzmaßnahmen notwendig. Sichtbare Kontaminierungen sind unmittelbar zu beseitigen. Können Kontaminierungen nicht beseitigt werden, sind je nach Gefährdungsbeurteilung andere Maßnahmen durchzuführen:

  • Für alle Tätigkeiten mit Biostoffen eine Betriebsanweisung erstellen.
  • Kontaminierte Aerosole direkt an der Entstehungsstelle absaugen.
  • Stäube und andere Ablagerungen entweder absaugen oder durch Nasswischen beseitigen.
  • Filteranlagen und Absaugungen regelmäßig prüfen und warten.
  • Durch regelmäßiges bzw. dauerhaftes Lüften die Biostoffkonzentration senken.
  • Für den Umgang mit Biostoffen Schutzhandschuhe bereitstellen.
  • Oberflächlichen Schimmelbefall bei kleinen Flächen mit einem alkoholhaltigen Tuch abwischen.
  • Bei mittel- bzw. großflächigen Kontaminationen kann Einwegschutzkleidung Typ 5 oder 6 notwendig sein, z.B. beim Beseitigen von großflächigem Schimmelpilzbefall oder beim (manuellen) Arbeiten mit Hochdruckreinigern.
  • Bei kleinflächiger Kontamination mit Biostoffen ist in der Regel keine besondere PSA nötig. Bei großflächigen kann ein Atemschutzfilter (P2 oder P3) sowie Schutzkleidung erforderlich sein.

Gefährdungen durch elektrischen Strom

Eine weitere Gefahr für den Arbeitsschutz im Metallbau sind Unfälle durch elektrische Betriebsmittel, meist mit Körperdurchströmungen. Achten Sie deshalb vor allem auf Folgendes:

    • Prüfen Sie regelmäßig die Sicherheit der Anschlusspunkte für den Betrieb elektrischer Betriebsmittel.
    • Kontrollieren Sie auch die Sicherheit der genutzten Betriebsmittel. Dazu muss vor jeder Inbetriebnahme eine Sichtprüfung auf offensichtliche Schäden durchgeführt werden.
    • Provisorische Reparaturen an Betriebsmitteln und Stromleitungen sind strikt untersagt.
    • Sorgen Sie für eine sichere Stromleitungsführung ohne Stolperfallen.
Unsere Empfehlung

Sichern Sie sich jetzt das PDF Sicherheit bei Metallarbeiten als direkten Download!

Die Sonderausgabe „Sicherheit bei Metallarbeiten“ des Fachmagazins „Arbeitsschutz-Profi AKTUELL“ können Sie mit den entsprechenden Log-in-Daten ganz einfach downloaden. Um die Log-in-Daten dafür zu erhalten, fordern Sie hier die aktuelle Ausgabe von „Arbeitsschutz-Profi AKTUELL“ als kostenloses Probeheft an. Die Log-in-Daten stehen auf der Titelseite.

Gefährdungen durch Maschinen und Werkzeuge

Maschinen und Werkzeuge spielen bei der Bearbeitung von Metallen eine große Rolle. Beim Drehen, Fräsen, Bohren, Pressen, Scheren, Schleifen oder Sägen kommen sowohl große Maschinen als auch Handwerkszeuge zum Einsatz. Gefahren für den Arbeitsschutz im Metallbau gehen hier vor allem von ungeschützt bewegten Maschinenteilen, unsachgemäßer Bedienung sowie durch bewegte Transport- und Arbeitsmittel aus.

Zentral sind auch Instandhaltungsarbeiten, denn hier ist die Gefahr groß, dass Mitarbeiter improvisieren. Außerdem kommen für Instandhaltungsarbeiten häufig Mitarbeiter von Fremdfirmen ins Haus, die mit den Gegebenheiten im Betrieb nicht vertraut sind.

Diese Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen betrachten wir im Folgenden genauer:

Drehen, Fräsen, Bohren, Sägen

Von allen spanenden Werkzeugmaschinen gehen besondere oder erhöhte Risiken aus, z.B. durch nicht gesicherte Werkstücke, umherfliegende Teile, rotierende Werkzeuge, unverkleidete Antriebe oder ungeschützt umlaufende Rohre oder Stangen.

Wichtig sind hier:

  • Schutzvorrichtungen
  • Der Motor darf nur bei geschlossenem Futterschutz anlaufen.
  • Mitarbeitende dürfen Späne nur mit Spänehaken oder Besen bzw. Pinsel entfernen.
  • Werkstücke sind fest einzuspannen und nur bei Stillstand zu wechseln oder zu entnehmen.
  • Bei den Metallarbeiten sind Kopfschutz, Schutzbrille und eng anliegende Kleidung zu tragen, aber keine Schutzhandschuhe.
  • Bei der Arbeit sind lange Haare nicht offen und kein Schmuck zu tragen.
  • Beim Bohren mit Handwerkszeugen muss der Staub abgesaugt werden und es braucht einen Atemschutz.

Handwerkszeuge

Bei Handwerkszeugen ist es wichtig, ergonomisch gestaltete und unbeschädigte Werkzeuge einzusetzen und diese nach ihrem Einsatz zu reinigen. Lärmbereiche sind von anderen Arbeitsplätzen räumlich zu trennen und zu kennzeichnen, hier gehört auch ein entsprechender Gehörschutz fest zum Inventar. Hand-Arm-Schwingungen sind durch andere Verfahren zu vermeiden oder durch Pausen zu verringern.

Instandhaltungsarbeiten

Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten dürfen erst beginnen, wenn die Maschine stillsteht und sich auch nicht unbeabsichtigt in Bewegung setzen kann. Um an einer laufenden Maschine zu arbeiten, müssen die entsprechenden Schutzeinrichtungen aktiv sein. Nur qualifizierte Mitarbeiter dürfen Instandhaltungsarbeiten durchführen und die Maschine darf erst wieder in Betrieb genommen werden, wenn die beauftragte Kontrollperson sie freigibt.

Bei Pressarbeiten mit offenen Werkzeugen sind Schutzeinrichtungen erforderlich, um Handverletzungen zu vermeiden. Außerdem sollten Sie auf eine feste Verdeckung und eine zyklisch bewegliche Abschirmung sorgen; bei Exzenterpressen muss es einen Pleuelschutz geben.

Scheren

Scheren ist eines der häufigsten Verfahren bei der Blechbearbeitung. Gefahren beim Scheren vermeiden Sie dadurch,

  • dass Messerbalken und Schaulöcher abgesichert sind,
  • Messer auf der Rückseite ein festes Schutzgitter haben und
  • der Niederhalter so niedrig wie möglich eingestellt ist.
  • Bei einer kraftbetriebenen Tafelschere braucht es eine Nachschlagsicherung.
  • Bei einer kombinierten Schere verkleiden Sie die unbenutzten Werkzeuge bzw. setzen diese außer Betrieb.
  • Bei der Rundschere ist die Einlaufstelle zu sichern und
  • bei der Handhebelschere legen Sie die Sicherung des Handhebels ein.
  • Die Fallhöhe des geschnittenen Materials lässt sich z.B. durch eine Rutsche reduzieren.

Schleifen

Beim Schleifen müssen

  • Schutzvorrichtungen angebracht sein,
  • die Sicherheitsabstände eingehalten werden,
  • die Werkstücke fest eingespannt sowie
  • der Arbeitsplatz räumlich abgetrennt sein.
  • Sie sollten Staub vermeiden durch Nassschleifen, Absaugen und eine Schutzbrille sowie beim Edelstahlschleifer einen Atemschutz tragen,
  • bei der Handbearbeitung eine Abschirmung einsetzen und PSA tragen.

Schweißen und Löten

Durch Schweißen und Löten werden Bauteile miteinander verbunden. Dabei können Brände und elektrische Körperströme entstehen, außerdem werden gesundheitsschädigende Partikel und/oder Gase freigesetzt. Arbeitsschutz beim Schweißen und Löten ist ein umfassendes Thema, zu dem Sie u.a. in den Beiträgen

weitere Informationen finden.

Autor*innen: Markus Horn , WEKA Redaktion