Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Erste Hilfe und Prävention von Schnittverletzungen

Eine Schnittverletzung reicht oftmals tiefer als andere Wunden. Einerseits kann nur die obere Hautschicht verletzt sein, andererseits kann ein Schnitt auch Blutgefäße, Nerven oder Sehnen verletzen. Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei kleinen und tieferen Schnittverletzungen sind zu beachten?

Injured finger© worac /​ iStock /​ Thinkstock

Schnittverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen überhaupt. Sie sind vermehrt in Unternehmen der Blechbe- und -verarbeitung sowie Gastronomie anzutreffen. Aber auch Kantinenbetriebe, Labore sowie alle Unternehmensbereiche, in denen die Handhabung von Messerwerkzeugen und Schneidegeräten Standard ist (u.a. Fleischvorbereitung, Frischetheken, Papier-, Karton- und Folienbearbeitung im Lagerbereich), zählen zu den erhöhten Gefährdungsbereichen.

Eine Schnittverletzung reicht oftmals tiefer als andere Wunden. Einerseits kann nur die obere Hautschicht verletzt sein, andererseits kann ein Schnitt auch Blutgefäße, Nerven oder Sehnen verletzen. Wichtig ist, dass ein aktueller Erste-Hilfe Aushang mit Angabe des D-Arztes an geeigneter Stelle aushängt und entsprechend der Betriebsgröße ausreichend betriebliche Erst-Helfer bestellt wurden. Erste-Hilfe Kästen mit möglichst vollständigem, einsetzbaren Material sowie Verbandbuch und Händedesinfektionsmittel müssen vor Ort an definierten Orten vorhanden sein.

Die Gründe für Schnittverletzungen können vielfältig sein:

  • das für die Aufgabe falsche oder stumpfe  Messer bzw. Schere benutzt,
  • Schneidemaschine mit Mängeln,
  • keine geeigneten Schutzhandschuhe getragen,
  • höhenfixiertes Schneidebrett genommen,
  • keine sichere Zwischenablage vorhanden,
  • Unachtsamkeit (u.a. infolge fehlender Unterweisung, schlechter „Tagesform“)

Erste Hilfe bei einer kleinen Schnittverletzung:

  • Ruhig mit dem Betroffenen reden,
  • Schutzhandschuhe tragen,
  • Wunde kurz bluten lassen (Schmutz und mögliche Krankheitserreger werden herausgespült),
  • Schnittwunde anschließend mit Desinfektionsmittel behandeln,
  • Schnellverband über die Wunde kleben, sodass die Verletzung heilt,
  • Verletzung in das Verbandbuch eintragen!
  • Ggf. erneute Unterweisung durchführen, Arbeitsablauf ändern

Bei tiefer Schnittwunde wie folgt vorgehen:

  • Blutung versuchen zu stoppen (Kreislaufschock vermeiden)
  • mögliche Bewegungseinschränkungen Lähmungen oder Gefühlsstörungen berücksichtigen,
  • Verletzung mit einem Druckverband steril verbinden,
  • falls erforderlich, von Hand leichten Druck auf die Wunde ausüben.
  • Ist eine Arterie verletzt, sollten Sie die blutführende Schlagader suchen und die Arterie gegen einen darunter liegenden Knochen drücken
  • Unfallmeldung an Berufsgenossenschaft und staatliche Gewerbeaufsicht schicken bei mehr als 3 Tagen Arbeitsunfähigkeit
  • keinesfalls Extremitäten abbinden, um die Blutung zu stoppen.
  • Begeben Sie sich umgehend zu einem D-Arzt (ggf. in Begleitung) oder alarmieren Sie den Notarzt (112), um die Schnittwunde behandeln lassen.

Wichtig: Ist bereits Schmutz in die Wunde geraten sollte der Tetanus-Schutz geprüft werden. Alle zehn Jahre ist eine Auffrischungsimpfung erforderlich.

Das sachgemäße Arbeiten mit Messern wird nur gewährleistet mit:

  • der richtigen Halte- /Anwendungstechnik und individueller Anwendungsgeschwindigkeit,
  • scharfen Messern (Abrutschgefahr bei stumpfen Messern!)
  • einem passenden Messer. Dabei gilt: je feiner das Schneidgut, desto kleiner das Messer  (Sicherheitsmesser einsetzen wo es möglich ist)
  • Messern mit ergonomischem Griff und deutlichen Unterschied zwischen Klinge und Griff
  • der richtigen Haltung zum Schneidegut (höhenverstellbare Schneidebretter)
  • fixierten Schneidebrettern/Unterlagen (Noppen, nasses Handtuch) und ausreichend Schneide- und Bewegungsfläche,
  • einer sicherer Aufbewahrung von Schneidwerkzeugen oder scharfer Gegenstände (u.a. Messerblock in der Küche, Magnetleiste, Ordnungssysteme in Schubladen)

Allgemeine Tipps zur Prävention von Schnittverletzungen

  • Analyse von Beinaheunfälle und Ableitung der erforderlichen sicherheitstechnischer Maßnahmen
  • richtige Auswahl von Schneidegeräten, -werkzeugen
  • fachliche Beratung durch Hersteller
  • Einplanung von Probephasen im Betrieb
  • Einübung von Bewegungsabläufen, Halte- und Anwendetechniken sowie Transport im Rahmen der Ein- und Unterweisung  (§ 12 ArbSchG)
  • Verwendung der Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Schneidewerkzeuge
  • Weiterreichen mit Griff voran
  • Klinge nach unten bei Transport
  • Klinge beim Arbeiten und Reinigen vom Körper abwenden
  • bestimmungsgemäße Verwendung sicherstellen
  • Hände regelmäßig reinigen (z.B. wenn fettig): Händedesinfektionsmittel, Einmalhandtücher
  • Ablauf Mängelmitteilung
  • Sicherstellung einer angemessenen Beleuchtung für Schneidevorgänge (ASR A 3.4): hell, blendfrei ohne Schattenbildung
  • Regelmäßige und gründliche Reinigung und Wartung (z.B. Klingenwechsel) von Schneidegeräten durch fachkundiges Personal
  • Schnitt-/stichfeste Handschuhe sofern erforderlich einsetzen
  • Defekte Geräte, Werkzeuge umgehend aus dem Gebrauch nehmen (Mängelmitteilung)
  • auf rutschfeste und regelmäßig gereinigte Böden achten (ASR A 1.5/1,2)
  • Neben Schneidewerkszeugen auch Glasflächen, Türen, Tore, Rollcontainer regelmäßig auf Scharfkantigkeit durch Bruch bei Arbeitsplatzbegehungen inspizieren u.a. Glaseinlegeböden in Regalen, Spiegel, Türen, Ablageflächen
  • aktuelle Betriebsanweisungen und Bedienungsanleitungen an Schneidemaschinen aushängen
  • Arbeitsabläufe vorausschauend planen
  • Ggf. mit einer Plakataktion/Aktionswoche Beschäftigte zu dieser Thematik sensibilisieren
Autor: Stefan Johannsen 

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