10.12.2018

Das sind die wichtigsten Änderungen des ADR 2019

Beim ADR 2019 gibt es wieder zahlreiche Änderungen (rund 150 Seiten Text). Dieser gewaltige Umfang geht unter anderem auf viele neue Sondervorschriften zurück.

Richtungsanzeige ADR 2019

Zu den wesentlichen Änderungen des ADR 2019 zählen:

  • Einführung von 15 neuen UN-Nummern; das betrifft insbesondere die Gegenstände in den einzelnen Klassen.10
  • Häufig werden „Risiko” und „Gefahren” neu geordnet.
  • Neufassung der Klassifizierungskriterien der Klasse 8.
  • Neuregelung des Transports von UN 3363 GEFÄHRLICHE GÜTER IN MASCHINEN oder GEFÄHRLICHE GÜTER IN GERÄTEN.
  • Das Beförderungspapier bei Transporten unter 1.000 Punkten verlangt nun den genauen Punktwert.
  • Veränderungen im Beförderungspapier bei Freistellungen
  • Vereinfachung bei der Klassifizierung ätzender Gemische

Drei dieser Neuerungen betrachten wir im Folgenden genauer.

Gefahrstoffe in Maschinen bzw. Geräten

Bisher gab es die Sammeleinträge UN 3363 „Gefährliche Güter in Maschinen“ bzw. „in Geräten“. Diese Sammeleinträge sind mit dem ADR 2019 nur noch möglich, wenn die gefährlichen Stoffe im Rahmen der Grenzwerte bleiben.

Werden die Grenzwerte überschritten, müssen aus einer Liste mit 12 Nummern eigene neue Nummern, die verschiedene Varianten von Gefahrstoffen in Gegenständen, Geräten und Maschinen abdecken, vergeben werden. Zu diesen Stoffeinträgen gibt es außerdem neue Sondervorschriften wie etwa neue Verpackungsanweisungen und Vorgaben für die Gefahrzettel (SV 673).

Vereinfachung bei „ätzenden Gemischen“

Das ADR 2019 vereinfacht für das Einstufungskriterium „hautätzend“ die Klassifizierung ätzender Gemische und die Zuordnung der passenden Verpackungsgruppen.

Dazu ist nun ein schrittweises Vorgehen analog zum global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS/CLP) vorgesehen. Zur Berechnung bieten sich Methoden an, die es im Gefahrstoffrecht bereits gibt:

  • Liegen Testdaten vor, werden diese verwendet.
  • Liegen keine Testdaten vor, wird ein Gemisch nach den Übertragungsgrundsätzen, die aus dem GHS stammen, verwendet. Dazu müssen vergleichbare Gemische vorliegen.
  • Liegen weder Testdaten noch vergleichbare Gemische vor, muss eine Berechnung nach den vorgegebenen Berechnungsmethoden aus GHS/ CLP vorgenommen werden.

ADR 2019 soll bei Freistellungen Unklarheiten beseitigen

Erleichterungen bei Gefahrguttransporten können genutzt werden, wenn z. B. bestimmte Mengengrenzen pro Beförderungseinheit nicht überschritten werden. In diesem Fall können auch Fahrer ohne Gefahrgutfahrer-Ausbildung eingesetzt werden. Unterabschnitt 1.1.3.6 ADR regelt diese Freistellungen im Detail.

In der Praxis gab es jedoch Probleme: Um überhaupt festzustellen, ob jemand die Freistellung nutzen kann, ist eine gewisse Portion Gefahrgut-Sachverstand nötig. Denn um zu prüfen, ob Absender die Mengengrenzen einhalten, muss überhaupt klar sein, in welche Beförderungskategorie die Güter gehören.

Eine Tabelle ordnet Gefahrgüter je nach Gefährlichkeit in eine der Beförderungskategorien von Null bis Vier. Daraus ergeben sich die Mengengrenzen. Sind Güter aus verschiedenen Beförderungskategorien auf dem Fahrzeug, müssen Absender den Wert berechnen.

Um künftig diese Feststellung zu erleichtern, müssen Absender mit der Änderung im ADR 2019 für jede Beförderungskategorie die Gesamtmenge und außerdem zusätzlich den berechneten Wert im Beförderungspapier angeben.

ADR 2017 darf bis zum 30.06.2019 weiterverwendet werden

Wie immer gibt es eine allgemeine sechsmonatige Übergangsfrist, d.h., bis zum 30.06.2019 dürfen die aktuellen Vorschriften des ADR 2017 uneingeschränkt weiterverwendet werden. Basis der neuen Vorschriften ist die 20. Ausgabe der UN-Empfehlungen zum Transport gefährlicher Güter.

Kritik der Verbände

Wirtschaftsverbände und der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) kritisieren die Regelung. Sie verweisen darauf, dass alle Personen, die an Gefahrgutbeförderungen beteiligt sind, an entsprechenden Unterweisungen teilnehmen müssen. Das betrifft auch die Fahrer ohne Gefahrgutführerschein. In dieser Unterweisung können diese die Anwendung der Freistellungsregelung und die Berechnung üben. Außerdem stoßen sich die Verbände daran, dass die neue Reglung nur dann wirksam ist, wenn bereits der Absender die Freistellung nach Unterabschnitt 1.1.3.6 nutzt. Das sei in der Praxis jedoch bei vielen Absendern nicht der Fall.

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Autoren: Ulrich Mann , WEKA Redaktion