28.11.2019

Klimakiller in Industriemöbeln: Experten warnen

Vom Hersteller bemalter Bauernmöbel 1945 im oberösterreichischen Haag zum Weltunternehmen mit Einrichtungshäusern in zwölf europäischen Ländern – das Möbelhaus XXXLutz hat eine beeindruckende Erfolgsstory hingelegt. Doch seine Holzmöbel sollen eine negative Klimabilanz haben.

Industriemöbel aus MDF-Platten sind ein Klimakiller, so der Tischler Roman Lechner in einer Pressemitteilung.

Beliebter Werkstoff – aber klimagefährlich?

Klimakiller in Industriemöbeln – davor warnt der Tischler Roman Lechner in einer Mitteilung an die Presse. Er verweist auf eine neue Studie der Landesinnung der steirischen Tischler. Ihr zufolge seien die Emissionswerte eines durchschnittlichen Industriemöbels aus MDF-Platten gleich 81-mal höher als die eines Vollholz-Möbels aus regionaler Tischlerfertigung.

MDF steht für mitteldichte Holzfaserplatte oder mitteldichte Faserplatte, englisch HPL (High Pressure Laminate). Laut einer Mitteilung von Werkdiscounter Obi ist der Werkstoff beliebt. Diese Eigenschaften zeichnen ihn aus:

  • günstig zu erstehen
  • gut zu verarbeiten

MDF-Platten sind aus Holzbestandteilen und Klebstoff hergestellt. Für die Erreichung zahlreicher Zusatzeigenschaften mengt man bei der Produktion außerdem Zusatzstoffe wie Paraffin bei. Die Platten kommen sowohl im Innenausbau als auch bei der zusätzlichen Abdichtung von Dächern zum Einsatz. Auch Möbel werden aus den Platten gefertigt. Es handelt sich somit um einen sehr vielseitigen Werkstoff. Das Aussehen der MDF-Platten lässt sich durch Farben, Lacke oder Folien anpassen, so Obi.

Hier kommen Sie auf die Website der WirtschaftsWoche, die ein Interview mit Roman Lechner geführt hat: „Wer E-Autos fördert, sollte auch regionale Möbel fördern“.

Hohe CO2-Belastung durch Klimakiller in Industriemöbeln

Roman Lechner war früher Produktdesigner der Möbelhauskette XXXLutz. Er wechselte von dort zum Yachtbau-Unternehmen List, für das er im Design edler Interieurs tätig ist. Neben Möbeln designt er Häuser und ist zudem gerichtlich beeideter Sachverständiger in Tischlerei-Fragen verschiedener Fachgruppen im Holz- und Innenarchitekturbereich. Im Waldviertel (Niederösterreich) betreibt er eine eigene Tischlerei. Er attestiert aufgrund des Werkstoffes Industriemöbeln eine eklatant hohen CO2-Belastung. Schuld an der Eigenschaft als Klimakiller sind seiner Meinung nach:

  • die langen Transportwege
  • die Herstellung der Platten mit Klebern
  • die Chemikalien in Lacken und Kunststoff-Bestandteilen
  • die Entsorgung nach vergleichsweise kurzer Lebensdauer durch Schreddern, Verbrennen oder Transport zu großen Mülldeponien
  • die Abholzung von Baumbeständen unter teils fragwürdigen rechtlichen Rahmenbedingungen

Holz aus der Region vs. Klimakiller in Industriemöbeln

Anders als MDF-Platten würden Tischler-Möbel oft aus regionalem Holzbestand oder zumindest aus dem weiteren Umkreis gefertigt. Sie kämen mit weit weniger Chemie aus und würden viel seltener ausgetauscht als Industriemöbel. Schließlich sei das Design von Tischler-Möbeln langlebiger, so dass die Möbel seltener ausgetauscht würden. Lechner:

„Besitzer eines handgemachten Vollholzmöbels können es nach dreißig Jahren zum Aufpolieren in ihre Tischlerei bringen und es ist wieder so gut wie neu.“

Lutz-Stammhaus in Oberösterreich

Es geschah am Weltspartag im Jahr 1945. Am 31. Oktober eröffnete Gertrude Seifert, geborene Lutz, das Stammhaus im oberösterreichischen Haag am Hausruck mit regionaler Handwerkskunst. Bemalte Bauernmöbel waren laut einer Unternehmensmitteilung die ersten auf den Markt gebrachten Produkte in einer langen Reihe.

Renommierte Traditionsbetriebe wie das „Weisse Rössl“ am Wolfgangsee gehören seit Generationen zu den Kunden des Unternehmens. Qualität sieht das Unternehmen als einen wichtigen Faktor, der trotz aller Veränderung und Expansion immer gleich wichtig geblieben sei.

Weltunternehmen für Möbel

Die XXXLutz-Unternehmensgruppe betreibt eigenen Angaben zufolge über 320 Einrichtungshäuser in zwölf europäischen Ländern und beschäftigt mehr als 23.800 Mitarbeiter. In Deutschland tragen demnach über 11.000 Mitarbeiter in 48 XXXLutz-Einrichtungshäusern und 42 Mömax-Trend-Mitnahmemärkten zum Erfolg der Gruppe mit Sitz in Würzburg bei.

Mit einem Jahresumsatz von den Angaben zufolge über 4,4 Milliarden Euro sieht sich die Gruppe als einer der größten Möbelhändler der Welt. Im gemeinsamen GIGA-Einkaufsverband werden die mehr als 1,6 Milliarden Euro Umsatz von Poco mit 8500 Mitarbeitern gebündelt. Die Möbelhäuser – Markenzeichen: der Rote Stuhl –sind Vollsortimenter. Sie bieten eine große Auswahl an Produkten für Wohnen, Inneneinrichtung und Haushalt.

Staatlicher Klima-Bonus für Tischlereien

Lechner fordert einen staatlichen Klima-Bonus für Tischlereien und regionale Handwerksbetriebe, die mit kleinem ökologischen Fußabdruck arbeiten. Das heißt: Wenn man Möbel beim regionalen Tischler kauft, so solle es staatliche Förderungen geben.

Lechner: „Es muss so wie zum Beispiel bei Förderungen beim Kauf von Privatfahrzeugen sein.“

Darüber hinaus würden die Mittelbetriebe profitieren. Von ihnen lebe das Land eigentlich. Zudem käme dies dem Gesundheitssystem zugute, weil Tischler-Möbel aus Vollholz keine gesundheitsschädlichen Dämpfe absonderten.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)