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Deutscher Städtetag zu Besuch in der Ukraine – Gespräch mit Vitali Klitschko

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags Christian Schuchardt besuchte am 26. Mai Kiew anlässlich der Konferenz „International Summit of Cities and Regions“. Dort traf er auch Vitali Klitschko, Bürgermeister der Stadt und Vorsitzender der Vereinigung der ukrainischen Städte.

Hände, die sich schütteln

Schon als Würzburger Oberbürgermeister hatte sich Christian Schuchardt für die Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Aggression eingesetzt. Nun erlebte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags in Kiew die Situation unmittelbar nach einem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt. Bei der Attacke mit Drohnen und Raketen hatte es Tote und viele Verletzte gegeben. Bürgermeister Vitali Klitschko war in dieser Situation aufgewühlt und betroffen. Man merke ihm die Anstrengung dieses Krieges, der nun schon über Jahre geht, an, so Schuchardt. Wenn in einer Nacht hunderte Drohnen und Raketen ihr Ziel erreichen, spüre man, dass er in großer Sorge um seine Bevölkerung sei. Zugleich sage er klipp und klar, dass Putin sein Ziel verfehlen werde, die Widerstandskraft der Menschen in Kiew und der gesamten Ukraine zu brechen.

Im Interview mit der Mainpost berichtet Christian Schuchardt über seine Eindrücke des Besuchs. Er erläuterte zum internationalen Gipfel von Städten und Regionen, einem Treffen zum Austausch auf kommunaler Ebene zur Unterstützung der Ukraine, dass es dabei um Hilfe in unterschiedlichen Dimensionen ginge: vom klassischen Feuerwehrfahrzeug oder Generatoren bis hin zur Unterstützung größerer Projekte. Als ein Beispiel nannte er die Unterstützung aus Würzburg für das Unbroken-Rehabilitationszentrum in der Würzburger Partnerstadt Lwiw.

Im Gespräch Schuchardts mit Vitali Klitschko ging es unter anderem darum, was deutsche Kommunen von der Ukraine lernen können. Vor allem bei einem Thema wie Resilienz in der kritischen Infrastruktur stelle sich die Frage: Wie gehen wir vor, wenn es auch bei uns zu Attacken auf die Energieversorgung kommt? Wie organisieren wir das Zusammenspiel der Behörden? Europas Städte liegen, was Angriffe betrifft, nur wenige Minuten von Russland entfernt, aber man müsse auch terroristische Anschläge in Betracht ziehen. Unter das deutsche Kritis-Dachgesetz, mit dem der Schutz von Infrastruktur geregelt wird, fallen nur Städte mit über 500.000 Einwohnern. Aber wir brauchen auch für mittelgroße Städte, wie es Würzburg sei, einen Schutz für kritische Einrichtungen und ein Handling für die Organisation, wenn es zu Angriffen komme, wie Schuchardt betonte. Hier habe die Ukraine kriegsbedingt wichtige Erfahrungen sammeln können. Dort sei man in der Lage, die nötigen Strukturen sofort hochzufahren.

Auf die Frage, wo deutsche Kommunen ukrainische Städte und Gemeinden unterstützen könnten, antwortete Schuchardt, dass Hilfe nach wie vor bei der technischen Ausstattung zur Energieversorgung benötigt werde. Nach dem Winter ist vor dem Winter, es sei damit zu rechnen, dass Russland seine Angriffe auf diese Strukturen fortsetze. Als ein weiteres Thema nannte er die kommunale Selbstverwaltung. Vor allem geht es um die Stärkung der lokalen Demokratie und der dezentralen Strukturen gegenüber dem Zentralstaat.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)