Fachbeitrag | Kommunikation 23.03.2015

„Babo“, „Azzlack“, „Swag“ und „Yolo“ – vom Umgang mit der Sprache der Jugendlichen

Jugendsprache begegnet Ihnen im Alltag sicherlich so häufig wie mir: in der Bahn, auf der Straße oder in der eigenen Familie. Manchmal muss ich Google nutzen, um herauszufinden, worüber die jungen Menschen um mich herum reden. Ob es jedoch klug ist, sich dieser Sprache zu bedienen, oder ob es peinlich werden kann, erfahren Sie hier.

Jugendliche

Seit einigen Jahren passiert es mir in schöner Regelmäßigkeit: Das „Jugendwort des Jahres“ wird gekürt und ich habe keinen Schimmer, um was es da jeweils geht. „Babo“, „Azzlack“, „Swag“ und „Yolo“ sind nur einige Beispiele für Begriffe, die unter Jugendlichen immer wieder auftauchen. Lohnt es sich, sich damit genauer zu beschäftigen oder wäre es eher peinlich als Bürgermeister, diese Sprache in der Kommunikation mit Jugendlichen zu nutzen? Es gilt: Kommunikation muss immer authentisch sein. Wenn Sie als Dame jenseits der 50 Jugendlichen mit diesen Ausdrücken kommen, wirkt es einfach nur deplatziert. Dennoch sollten Sie wissen, was unter jungen Menschen aktuell diskutiert wird, denn auch hier gibt es viele Ansatzpunkte für eine bessere Kommunalpolitik.

Jugendsprache und soziale Medien

Junge Menschen konsumieren wesentlich häufiger Social Media als Menschen mit längerer Lebenserfahrung. In den sozialen Medien werden Trends wesentlich schneller geboren und wieder verworfen als in den Medien wie TV oder Zeitung. Was heute „in“ ist, ist morgen mitunter schon wieder „out“. Oder wissen Sie noch was „Planking“ oder „Vadering“ ist? Ich musste auch nachschauen.

„Die“ Jugendlichen – gibt es die überhaupt?

Es sind, neben Asylbewerbern, Flüchtlingen und Transferleistungsbeziehern, die liebsten Prügelknaben (und Damen) der Boulevardpresse – „die“ Jugendlichen: faul, dumm, arbeitsscheu und nur am Smartphone. Wie einfach die (Boulevard-)Welt doch sein kann. Diese Jugendlichen zieht man dann vor eine Kamera und schon ist der O-Ton zum Beitrag (Artikel) im Kasten. Das Problem liegt darin, dass es „die“ Jugendlichen gar nicht gibt. Jugendliche sind eine heterogene Menge. Viele sind sozial oder politisch engagiert, geben Nachhilfe und Deutschunterricht in Flüchtlingsheimen und Notunterkünften. Klar ist: Jede Generation entwickelt ihren eigenen Sprachcode. Das ist ganz normal. Nur müssen Sie sich als Kommunalpolitiker diesem Code anpassen? Ganz klar: Nein!

Eine Blamage aus der Praxis

Der WDR entschied sich vor einiger Zeit dafür, eine neue Sendung für Jugendliche aufzusetzen: „#3sechzich“ heißt die für den öffentlich-rechtlichen Sender produzierte YouTube-Show. Hier sollen „jugendliche“ Moderatoren tagesaktuelle Ereignisse „den Jugendlichen“ in dem für sie (scheinbar) eigenen Sprachstil und Habitus näherbringen. Problem dabei: Im WDR herrscht offenbar der Gedanke vor, man müsse Jugendliche vor wirklichen Inhalten verschonen. Die Moderatoren strampeln sich mit Grimassen, Sprüchen („läuft schon irgendwie“, „und alle Chiller so: HÄ?!“) und häufig wechselnden Kameraeinstellungen und Schnitten ab. Und die Jugendlichen? „Alle so: „Gääähn!“ Tatsache ist: Erfolgreiche YouTuber sind deswegen erfolgreich, weil sie so sind, wie sie sind. Das kommt an (über das warum ließe sich trefflich streiten!). Wenn dann ein öffentlicher Kommunikator (wie Sie einer sind!) versucht, Inhalte jugendgerecht zu vermitteln, indem er die „Stars“ der Jugendlichen lediglich imitiert, wirkt das schlicht nicht authentisch und demonstriert darüber hinaus auch eine gewisse Hilflosigkeit. Das gleiche Phänomen kann Ihnen auch passieren. Entwerfen Sie kein konstruiertes Bild von Jugendlichen, sondern suchen Sie sie auf und sprechen Sie mit ihnen. Sie werden erkennen: Mit Wertschätzung erreichen Sie viel mehr als mit einer Kopie des Sprachstils.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)