Fachbeitrag | Information 20.07.2015

„Hit- und Shitplaces“? Wie Sie Jugendliche an Ihrer Stadtplanung teilhaben lassen

Moderne Stadtplanung ist motivierend, involvierend und partizipierend ausgerichtet. Meist meint das jedoch nur, dass „Bürgerinnen und Bürger“ aufgerufen sind, ihre Ideen und Kritiken einzubringen. Warum nicht mal Jugendliche dazu auffordern, sich zu beteiligen? Wie Sie das in Ihrer Kommune und Ihrer Stadt realisieren können, zeigt das Beispiel Schwerin.

Jugendliche mit Smartphones

Jugendliche und junge Menschen sind immer wieder Gegenstand mancher Sonntagsreden der politisch Verantwortlichen. Egal ob „ihnen die Zukunft gehört“ oder sie zum „wichtigsten Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“ gemacht werden: Für jede Floskel sind sie „brauchbar“. Doch mischen sie mal richtig mit, werden sie schnell unangenehm und werfen kritische Fragen auf. Partizipation ja, aber bitte nur in den geordneten Bahnen der (Partei-)Politik. Dabei können Jugendlichen einen großen Mehrwert darstellen – wie das Beispiel Schwerin zeigt.

„Stadt der Zukunft“

Unter diesem Motto wollte die Stadt Schwerin junge Menschen aktiv in die (Neu-)Planung der Stadt einbeziehen. Mithilfe digitaler Medien sollten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen integriert werden – das gelang mit großem Erfolg. Die Stadt stattete die Jugendlichen mit unterschiedlichsten digitalen „Werkzeugen“ aus und „schickte sie los“.

Fotografie

Jeder Jugendliche hat mittlerweile ein Smartphone, das in der Auflösung einer Profikamera (fast) in nichts nachsteht. Jugendliche fotografieren gern und viel. Ob nun Selfie oder das Mittagessen: Rufen Sie Jugendliche dazu auf, ihr kreatives Potenzial zu nutzen und mithilfe der Fotografie ihre Sicht auf ihre Stadt wiederzugeben. Ich versichere Ihnen: Es werden tolle, aber auch nachdenkliche Motive entstehen, die Ihnen hilfreiche Tipps geben werden, an welchen Stellen der Stadt Jugendliche Probleme, aber auch schöne Plätze sehen. Organisieren Sie, wie in Schwerin, einen gemeinsamen Workshop mit den Jugendlichen und werten Sie die Fotos gemeinsam aus. Sicherlich sind die Jugendarbeiter der Kirchen oder anderer Verbände gern zu einer Kooperation bereit. Knüpfen Sie Netzwerke!

Facebook

Facebook ist mittlerweile neben WhatsApp das zentrale Kommunikationsmedium junger Menschen geworden. Gründen Sie eine eigene FB-Seite zu Ihrem Projekt und verknüpfen Sie sie mit anderen interessanten Projekten der Stadt, des Landkreises oder des Landes, um sie bekannt zu machen. Sie werden sehen: Wie von selbst wird eine positive Auseinandersetzung mit dem Projekt stattfinden.

Workshops

Egal auf welchem digitalen Weg Sie die Daten erhalten: Tragen Sie sie unbedingt zum Abschluss des Projekts auf einem gemeinsamen Fachtag zusammen und laden Sie alle Beteiligten dazu ein, gemeinsam mit Ihnen zu diskutieren. Ganz wichtig ist die Ergebnissicherung: Machen Sie konkrete Zusagen, wo demnächst „Shit-“ zu „Hitplaces“ werden.

Quelle/Literaturtipp:
Schmidt, Burkhard: „Erstes Schweriner StadtRaumLabor. Neue Wege zur Beteiligung von Jugendlichen in der Stadtentwicklung“, in: „Digitale Medien in der politischen Jugendbildung.“, Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung. Jahrbuch 2013.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)