Fachbeitrag | Geschäftsführung Betriebsrat
06.08.2015

„Eingeschlafene“ Projekte im Betriebsrat wieder aktivieren

Wenn Projekte zu versanden drohen, gilt es, sie mit Schwung und Energie wieder zu aktivieren. Ergreifen Sie die Initiative und wecken Sie bei den Beteiligten wieder das Interesse daran. Das gelingt am besten mit konkreten Aufgabenstellungen und der konsequenten Weiterverfolgung von Zielen.

Projektmanagement© contrastwerkstatt /​ fotolia.com

Sorgen Sie für Aufmerksamkeit

Geschäftsführung Betriebsrat. Vorhaben „versanden“, weil sich keiner der Beteiligten mehr wirklich dafür interessiert. Es wird immer stiller darum, bis sie eines Tages ganz aus dem Bewusstsein verschwunden sind. Wenn Sie das verhindern möchten, ist es höchste Zeit, für Öffentlichkeit zu sorgen und die Dringlichkeit zu verdeutlichen: „Seit wir mit der Krankenkasse das gemeinsame Projekt zur Gesundheitsberatung initiiert haben, sind schon drei Monate vergangen, ohne dass etwas passiert ist. Wenn wir jetzt keinen Impuls setzen, werden die Ansprechpartner von der Krankenkasse das einfach vergessen.“

Hohe Priorität

Damit nicht alle nur nicken und dann einfach wieder zur Tagesordnung übergehen, muss Ihrer Erinnerung auch ein Appell zur Handlung folgen. Berufen Sie unter den Beteiligten eine Sitzung ein oder setzen Sie das Thema auf die Tagesordnung des Betriebsrats.

 

Aktivieren Sie den Verantwortlichen

Wenn Vorhaben nicht weiterverfolgt werden, fehlt ein Verantwortlicher, der Termine setzt, nachhakt, recherchiert, den Zeitplan überwacht, andere zur Einhaltung ermuntert und immer aktiv ist, um das Projekt am Laufen zu halten. Überlegen Sie, ob und warum der bisherige Verantwortliche diese Rolle nicht ausfüllen konnte. Dies kann zahlreiche Gründe haben, die zu unterschiedlichen Konsequenzen führen können:

  • Der bisherige Verantwortliche hat zu viele Aufgaben. Sie können vorschlagen, ihn von anderen Aufgaben zu entlasten und damit Kapazitäten für das erlahmte Projekt zu schaffen. Verbinden Sie damit aber die klare Erwartung, dass es dann auch vorwärts geht.
  • Nicht immer ist es einfach, den Projektleiter von seiner Aufgabe zu befreien. Hier ist Sensibilität gefragt – am besten, er gibt selbst zu, dass er einfach nicht dazu kommt. Dann können Sie vorschlagen, jemand anderen damit zu beauftragen.

Meine Empfehlung

Ein guter Kompromiss kann es sein, dem Projektleiter ein weiteres Betriebsratsmitglied zur Seite zu stellen, das ihn unterstützt. So kann dieser sein Gesicht wahren, die eigentliche Projektleitung kann aber auf das unterstützende Betriebsratsmitglied übergehen.

 

Überdenken Sie den Zuschnitt der Projekte

Grundsätzlich muss auch darüber beraten werden, ob das Projekt wirklich gut geplant war. Vielleicht war es für einen ungünstigen Zeitraum terminiert, in dem sowieso viel los war? Häufig werden Projekte auch zu groß geplant und bleiben stecken, wenn die Ressourcen nicht mehr reichen. Prüfen Sie hier, ob Sie den Zuschnitt verkleinern können. Im Beispiel der Gesundheitsberatung können Sie weniger Beratungstage mit weniger Stunden anbieten oder das Angebot passgenauer auf einzelne Betriebsteile anpassen.

Sorgen Sie für neuen Schwung

Projekte versanden meist nicht aus einem konkreten Anlass, sondern verschwinden ganz allmählich aus dem Bewusstsein der Beteiligten. Oft liegt das daran, dass von der Leitung keine oder zu wenige Impulse kamen. Wenn es wieder eine aktive Projektleitung gibt, muss diese das Projekt mit Schwung und Glaubwürdigkeit wieder in das Bewusstsein rufen:

  • Wichtig ist es, überzeugend darzustellen, dass das Projekt nun tatsächlich zielstrebig verfolgt werden soll. Dazu ist etwas Vorarbeit notwendig: Zeigen Sie durch Terminabsprachen, sorgfältig recherchierte Informationen oder Berichte über Gespräche mit dem Arbeitgeber, dass es tatsächlich substanzielle Fortschritte gibt.
  • Für die Projektmitglieder ist wichtig, dass es konkrete Aufgaben mit Terminen gibt – die meisten Menschen können mit bloßen Absichtserklärungen nichts anfangen.
  • Zeigen Sie auch auf, was Sie anders machen möchten als bisher, zum Beispiel die Beteiligten stetig über einen E-Mail- Verteiler informieren oder regelmäßige Besprechungen einberufen.
  • Sprechen Sie persönlich mit allen Beteiligten. Ihr Einsatz verhilft auch dem Projekt zu mehr Glaubwürdigkeit.

 

Was bringt Projekte ins Stocken?

  • Andere große Projekte nehmen die Betriebsratsmitglieder in Anspruch. Die Erfahrung zeigt aber: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  • Im Betriebsrat wird die Wichtigkeit des Projekts allgemein als nicht allzu hoch eingestuft. Machen Sie Werbung dafür, zeigen Sie, dass es die Arbeitnehmer und den Betriebsrat voranbringen wird.
  • Manchmal ist die Geschäftsführung dagegen, will aber nicht offen opponieren, sondern versucht, das Projekt mit einer Verschleppungstaktik „auszuhungern“. Machen Sie in diesem Fall das Verhalten des Arbeitgebers im Betrieb bekannt, zum Beispiel durch einen Aushang: „Leider kommen wir mit den Beratungstagen nicht weiter, da uns der Arbeitgeber keine Räume zur Verfügung stellen kann.“ Das führt häufig dazu, dass Hindernisse schnell zur Seite geräumt werden.

 

Das ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe von „Betriebsrat intern“ – der Newsletter für die perfekte Organisation und Kommunikation Ihrer Betriebsratsarbeit: Organisieren Sie die Arbeit im Gremium effizienter, kommunizieren Sie gezielter und bewältigen Sie die Zerreißprobe zwischen Ehrenamt und Arbeitsplatz. Auch über neue rechtliche und wirtschaftliche Entwicklungen werden Sie kompakt informiert.

Autor: Redaktion Mitbestimmung 

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