28.11.2019

So sehen die Investments der Dax-Unternehmen aus

Kaufen Dax-Unternehmen genug Innovation ein? Zweifel bestehen. Eine Studie vergleicht jetzt ihre Investments in Innovationen. Danach geht der Hauptanteil der Budgets großer Unternehmen in die Verbesserung bestehender Produkte. Vor radikalen Umbrüchen scheut man zurück.

Deutschlands größte Unternehmen investieren nur wenig in disruptive Technologien.

Deutschlands größten Unternehmen fehlt es an disruptiven Innovationen

Die 30 Dax-Unternehmen geben 96 Prozent ihres Innovations-Budgets für interne Abteilungen aus, die sich primär auf die Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen konzentrieren. Lediglich vier Prozent der Investments entfallen auf externe Innovationen, welche eher zu radikalen Umbrüchen und mehr Wachstum führen.

Das fördert jetzt der neue Corporate Innovation Benchmark „Future made in Germany“ zu Tage, den die UnternehmerTUM GmbH in Garching vorlegt. Er hat die Investments in Innovation der Dax-Unternehmen der letzten zehn Jahre analysiert und die Ergebnisse in einer umfassenden Studie quantifiziert.

Vergleich Investments Dax, USA, China

Die Analyse der Innovationsaktivitäten von Dax-Unternehmen sowie deren Pendants in den USA und China habe ergeben, dass sie 764 Innovationsprojekte in den Jahren 2008 bis 2017 realisiert und mehr als 1,1 Billionen Euro investiert haben. Ein durchschnittliches Dax-Unternehmen führte dabei 3,3 Prozent seines Umsatzes internen sowie externen Innovationsprojekten zu. In den USA sind es 5,6 und in China 2,6 Prozent.

Die Positionen an der jeweiligen Marktspitze hätten sich deutsche Dax-Unternehmen über Jahrzehnte hinweg mithilfe leistungsfähiger interner Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen (Research and Development, R&D) erarbeitet. Die dadurch errungenen Innovationen und deren Qualität halten die Marktforscher für den Grund dafür, dass „Made in Germany“ ein internationales Qualitätssiegel darstellt – ungeachtet dessen Ursprungs als Mittel englischer Politik des 19. Jahrhunderts, die beliebten deutschen Produkte im Vereinigten Königreich zu diskreditieren.

Anschluss an disruptive Technologien verpasst

Allerdings, so UnternehmerTUM, verpassten Marktführer mit Schwerpunkt auf interner Innovation – unabhängig von ihrem Standort – nicht selten den Anschluss an disruptive, also bahnbrechende Technologien. Als Beispiele hierfür nennt die Studie:

  • Router: Siemens gegen Cisco
  • Betriebssysteme: Microsoft gegen Google
  • Mobiltelefone: Nokia gegen Apple
  • Elektrofahrzeuge: BMW/Mercedes gegen Tesla

In allen Fällen hätten etablierte Unternehmen die Zeichen der Zeit verkannt und es verpasst, neue Märkte im Wert von hunderten Milliarden Euro zu erschließen.

Zehn Prozent Investments in Innovation

Wettbewerber in den USA und China investieren bis zu 50 Prozent ihres Budgets in Fusionen und Akquisitionen (Mergers and Acquisitions, M&A), Corporate Venture Capital sowie Projekte für Acceleration und Incubation. Allesamt sind dies externe Innovationen. Von Unternehmen wie SAP und Deutsche Börse in Deutschland, Alibaba und Tencent in China sowie Facebook und Alphabet in den USA leiten die Marktforscher ab, dass mindestens zehn Prozent des gesamten Innovations-Budgets in externe Innovationen fließen sollten.

Insbesondere der Kauf von innovativen Unternehmen sowie Corporate Venture Capital spielen dabei eine wichtige Rolle. Deutliche Unterschiede machen die Marktforscher bei der Verteilung des Investments auf interne und externe Innovationen aus. Interne R&D-Teams konzentrieren sich auf Entwicklung und Verbesserung bestehender Produkte und Prozesse. M&A sowie Corporate Venture Capital im externen Innovationsbereich förderen dagegen radikale Umbrüche und regen dadurch das Wachstum an.

Verhaltensweisen innovativer Unternehmen

Die Autoren der Studie haben die Verhaltensweisen der innovativsten Unternehmen unterschiedlicher Branchen analysiert. Aus den Ergebnissen haben sie eine Reihe von Empfehlungen abgeleitet, die Vorstände hinsichtlich externer Innovationen unterstützen sollten.

Empfehlungen für Investments in Innovationen

  • Innovationsbudget: Erhöhung des Budgetanteils für externe Innovationen auf zehn Prozent des gesamten Innovations-Budgets.
  • Externe Innovationen: 80 Prozent des entsprechenden Budgets sollten in M&A fließen, die verbleibenden 20 Prozent in Corporate Venture Capital.
  • Corporate Venture Capital: Investitionen in Start-ups indirekt über unabhängige Venture Capital Fonds in der Frühphase. Investitionen direkt über eigene Corporate Venture Capital Fonds in Scale-ups in der Spätphase.
  • M&A: Akquisition von Unternehmen im Spätstadium, um in bestehenden Märkten zu wachsen und in benachbarte Märkte zu expandieren. Eigenständigkeit der akquirierten Unternehmen.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)