05.01.2021

Forschung und Entwicklung: Top Ten-Firmen in der EU 2019

Woran soll die Welt genesen? An deutschem Erfindergeist. Der erste Impfstoff gegen den Corona-Virus Covid-19 kommt aus dem Land der Dichter und Denker. Seit kurz nach Weihnachten geht er in die Nadeln. Auch sonst sind deutsche Firmen EU-Spitze bei Forschung und Entwicklung.

Forschung und Entwicklung

Deutsche Firmen Spitzengruppe FuE

Zehn Unternehmen investierten in der EU 2019 am meisten in Forschung und Entwicklung (FuE). Wie die EU-Kommission mitteilt, gehören dazu mit deutschem Hintergrund die Firmen

  • SAP
  • Bayer
  • Daimler
  • Volkswagen
  • Boehringer

Insgesamt konnten die Unternehmen in der Europäischen Union 2019 ihre Investitionen in FuE im zehnten Jahr in Folge erhöhen. Aus einem Mitte Dezember 2020 veröffentlichten jährlichen EU-Anzeiger für FuE-Investitionen der Industrie geht hervor, dass die Unternehmen 2019 5,6 Prozent mehr in FuE investierten. Dieses Wachstum werde angetrieben durch

  • Automobilbranche
  • Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)
  • Gesundheitssektor.

Paradebeispiel Biontech

Als erfolgreiches Beispiel nennt die Kommission das deutsche Unternehmen Biontech. Es hat den nach eigenen Angaben ersten Covid-19-Impfstoff entwickelt. Die EU-Kommission erteilte dem Präparat des Mainzer Unternehmens und seines US-Partners Pfizer die bedingte Marktzulassung für die EU. Seit seinen Anfängen profitiert das Unternehmen von FuE-Fördermaßnahmen der EU von den Angaben zufolge insgesamt mehr als 108 Millionen Euro. Das Pharma-Unternehmen rangiert demnach weltweit auf Platz 655 und wird seit 2013 in dem FuE-Anzeiger geführt. In den vergangenen sieben Jahren habe das Unternehmen seine FuE-Investitionen um das Sechsfache und seinen Nettoumsatz um das Zehnfache erhöht.

EU-Unternehmen internationalisiert und diversifiziert

Die im Anzeiger erfassten EU-Unternehmen sind stark internationalisiert und weisen eine diversifizierte technologische und industrielle Basis auf. In der Rangliste der 2.500 weltweit führenden Unternehmen, die in FuE investieren, fallen sie jedoch hinter schnell wachsenden US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen im IKT- und im Gesundheitssektor zurück.

Die EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, Mariya Gabriel, zeigte sich stolz auf die führenden Unternehmen in der EU, beispielsweise jetzt bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen oder bei grünen Technologien. Allerdings fordert sie mehr Investitionen in den IKT-Sektor, insbesondere im globalen Wettbewerb um die technologische Führungsposition und im grünen und digitalen Wandel.

Gabriel: „Wenn wir wollen, dass Europa den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft vorantreibt, müssen wir unsere Anstrengungen verdoppeln.“

Sich verschärfender technologischer Wettlauf

Angesichts des sich verschärfenden globalen technologischen Wettlaufs erhöhten die 2.500 führenden Industrieakteure weltweit ihre FuE-Investitionen im vergangenen Jahr um 8,9 Prozent, ähnlich wie im Jahr 2018. Auf EU-Unternehmen entfallen 14 der 50 größten FuE-Investoren. Dabei sei die FuE-Wachstumsrate der EU-Unternehmen um 5,6 Prozent gestiegen. Trotzdem liege sie deutlich unter der ihrer chinesischen mit 21 Prozent und US- Konkurrenten mit 10,8 Prozent.

Auf der Rangliste der 2500 weltweit größten FuE-Investoren rangieren:

  • die USA mit 348 Milliarden Euro von 775 Unternehmen
  • die EU mit 189 Milliarden Euro von 421 Unternehmen mit mehr als 16,8 Millionen Beschäftigten und damit 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr
  • China mit 119 Milliarden Euro von 536 Unternehmen

Der stetige Zuwachs bei der Zahl chinesischer Unternehmen im Anzeiger und der Wegfall von EU-Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich schwäche die Position der EU unter den führenden FuE-Investoren. Darin sieht die EU-Kommission ein Anzeichen einer strategischen  Spezialisierung und von Lücken bei den FuE-Kapazitäten der Industrie.

EU mit guter Basis an wichtigen FuE-Akteuren

Zwar verfüge die EU über eine ausgezeichnete Basis an wichtigen FuE-Akteuren mit mittlerem Technologieniveau. Jedoch zeige der Anzeiger einen höheren Bedarf an Zahl und Wachstum von Pharma- und Biotech-Unternehmen sowie von Unternehmen im IKT-Sektor. Das weltweite FuE-Wachstum sei in den USA angetrieben vom

  • IKT-Sektor (14,5 Prozent)
  • Gesundheitssektor (13,7 Prozent).

Das FuE-Wachstum in der EU hätten angetrieben:

  • Automobilbranche (4,2 Prozent),
  • IKT-Sektor (8,6 Prozent)
  • Gesundheitssektor (5 Prozent).

EU-Unternehmen konkurrieren mit den USA bei:

  • Luft- und Raumfahrt
  • Verteidigung
  • Chemiesektor, wo Japan führend ist.

EU führend bei grüner Technologie

Die EU ist weltweit führend bei hochwertigen grünen Patenten, dicht gefolgt von Japan und den USA. Zwischen 2000 und 2016 hat die EU etwa 60 hochwertige grüne Erfindungen hervorgebracht und damit etwa sechsmal mehr als China. Die EU und die USA weisen den höchsten Anteil an hochwertigen Erfindungen auf, die zwischen 2010 und 2016 durchschnittlich etwa 60 Prozent aller ihrer grünen Erfindungen ausmachten. Bei Südkorea (17 Prozent) und Japan (32 Prozent) falle der Anteil geringer aus. Von den chinesischen Erfindungen stufe man nur drei Prozent als hochwertig ein.

Der Bericht enthält auch eine Analyse der Werte der Unternehmen in den Kategorien Offenlegung und Reputation im Zusammenhang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und Belege für die Rolle der industriellen FuE. Die EU und Japan erreichen 54 von 100 Punkten, China und die USA erzielen mit 42,2 bzw. 38,3 Punkten niedrigere Werte.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)