Shop Kontakt

Belastung der Kommunen durch Hitze und Dürre

Die anhaltende und extreme Hitze in diesem Sommer belastet uns alle. Auch für die Kommunen ist es eine zunehmende Herausforderung. Daher hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) ein Positionspapier verfasst, das sich mit den Folgen von langanhaltenden Hitze- und Dürreperioden mit Handlungsempfehlungen für Städte und Gemeinden befasst.

ausgetrocknetes Rhein-Flussbett in Köln

Die Auswirkungen des globalen Klimawandels sind in unseren Städten und Gemeinden immer deutlicher spürbar. Nicht nur Starkregenereignisse und Hochwasser stellen die Kommunen vor große Herausforderungen. Auch langanhaltende Hitze und Trockenheit führen zu gravierenden Folgewirkungen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Um die Lebensqualität in Städten und Gemeinden auch zukünftig zu erhalten, bedarf es neben verstärkter Klimaschutzanstrengungen auch verstärkt Maßnahmen der Klimaanpassung. Hierdurch könnten die Auswirkungen der immer häufiger auftretenden Hitzewellen und Dürreperioden abgemildert und Schäden möglichst vermieden werden.

Das neue Positionspapier „Hitze und Dürre in Städten und Gemeinden“ fasst die maßgeblichen Forderungen des DStGB zusammen. Es gilt die Wasserressourcen zu schonen, die Klimaanpassung als kommunale Schlüsselaufgabe weiter zu etablieren und kommunale Hitzeaktions- und Notfallpläne weiter auszubauen. Insbesondere in der Stadtplanung können langfristig die richtigen Weichen zur Klimaanpassung gestellt werden. Diese Aufgaben können die Kommunen jedoch nicht allein bewältigen. Daher muss die Zusammenarbeit mit Bund und Ländern gestärkt und eine ausreichende Finanzierung langfristig sichergestellt werden.

Zwar ist in Deutschland im langjährigen Mittel weiterhin ausreichend Wasser verfügbar, jedoch treten bereits jetzt vermehrt regional begrenzte Wasserknappheit und Niedrigwasser auf. In den vergangenen zehn Jahren haben die Dürren hierzulande merklich zugenommen. Auch der Trend bei der Anzahl „Heißer Tage“ (über 30 Grad) ist deutlich steigend. Aktuelle Gutachten des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums zeigen, dass jeder Tag mit Temperaturen von 30 Grad oder mehr vor allem aufgrund geringerer Leistungsfähigkeit der Beschäftigten für die Wirtschaft Kosten in Höhe von rund 430 Millionen Euro verursacht. Bei mehr als 35 Grad sind es sogar 984 Millionen Euro.

Langanhaltende Hitzeperioden führen zudem zu Dürre und Wasserknappheit. Zahlreiche Flüsse und Bäche sind in den vergangenen Sommern in Deutschland ausgetrocknet und Seen „gekippt“. Längere Hitzeperioden erhöhen zugleich den Wasserbedarf von Menschen, Tieren und Pflanzen. Wasserknappheit und niedrige Wasserpegel haben außerdem Auswirkungen auf die Schifffahrt, Land- und Forstwirtschaft, Energiewirtschaft und Wasserwirtschaft. Auch steigt mit lang anhaltender Hitze und Dürre die Gefahr von Wald- und Flächenbränden. Um Städte und Gemeinden langfristig resilient und lebenswert zu gestalten, fordert der DStGB umfassende Anpassungsprozesse in den kommenden Jahren. Zu den zentralen Herausforderungen gehören dabei eine klimaangepasste Siedlungs- und Flächenentwicklung, klimaresiliente Infrastrukturen im Bereich der Wasserwirtschaft und städtebauliche Maßnahmen, wie die energetische Sanierung kommunaler und privater Gebäude.

Angesichts der vermehrt auftretenden regionalen Wasserknappheiten mussten einzelne Kommunen in den vergangenen Jahren bereits leergelaufene Wasserspeicher melden und eine zeitweise Notversorgung der Bevölkerung sichern. Hierbei wurde auch die Bevölkerung bereits regelmäßig zum Wassersparen aufgerufen. Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel für den Menschen. Der öffentlichen Wasserversorgung ist daher höchste Priorität einzuräumen. Zum Schutz der Ressource Wasser und der langfristigen Sicherstellung der Wasserversorgungen ist eine konsequente und zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsprogramms Wasser der Nationalen Wasserstrategie (NWS) notwendig. Hierfür sei der Entwurf der „Leitlinien zum Umgang mit Nutzungskonkurrenzen bei Wasserknappheit“, den Bund und Länder im Rahmen der Bund-Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) als Teil der NWS erarbeitet haben, ein Schritt in die richtige Richtung.

Zur Resilienz der Wasserversorgung trägt nach Ansicht der Autoren des Positionspapiers zudem ein dezentrales und klimaangepasstes Wassermanagement bei. Ein solches werde weiterhin von den Kommunen und ihren Unternehmen vorangetrieben. Bund und Länder müssten die Städte und Gemeinden daher hierbei fördern und auch die Erarbeitung regionaler Wasserversorgungskonzepte langfristig unterstützen. Mit Blick auf die Landwirtschaft gelte es, die Landnutzungsformen zu überprüfen und zu mehr angepassten und für den Wasserhaushalt günstigen Kulturen, wie z. B. Förderung des ökologischen Landbaus, einer Anpassung der Flurstrukturen oder der Moorwiedervernässung, zu kommen. Zugleich müsse die Bevölkerung für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Trinkwasser sensibilisiert und hierzu angehalten werden. Dies betreffe sowohl eine sparsame Nutzung in Zeiten der Wasserknappheit als auch Informationen zu wassersensiblen Maßnahmen auf Grundstücken.

Darüber hinaus werden kommunale Hitzeaktionspläne angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen immer wichtiger. Hitzeaktionspläne sind ein wirksames Instrument, um Menschen auf extreme Hitzeereignisse vorzubereiten und auf diese zu reagieren. Die in allen Bundesländern vorhandenen Hitzewarnsysteme, die mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) eingerichtet wurden, seien zu überprüfen und ggf. anzupassen.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)