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Studie: Mehr Vielfalt in Unternehmen

Vielfalt ist in den Belegschaften deutscher Unternehmen Alltag, Diskriminierung aber auch. Nötig ist eine inklusive Unternehmenskultur mit verbindlichen Zielen – auch für vielfältigere Führungsetagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gilt seit August 2006 und soll nunmehr seit 20 Jahren Benachteiligungen etwa aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion, Alter oder sexueller Identität verhindern. Wie nötig das ist, zeigt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Die Beratungsanfragen stiegen von rund 5600 (2021) auf über 8300 (2023). Rund ein Drittel betrifft den Arbeitsmarkt. Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zeigt: Vielfalt ist unter Beschäftigten oft gelebte Realität, in Führungsebenen jedoch deutlich seltener. Benachteiligungen bleiben verbreitet und haben negative Folgen für Betroffene, Gesellschaft und Wirtschaft.

Mehr als 2.500 Beschäftigte befragt

Für die Studie wurden über 2.500 Beschäftigte befragt. 85 % weisen mindestens ein durch das AGG geschütztes Merkmal auf, 46 % mehrere. Zwar sagen 76 %, ihr Unternehmen lege Wert auf Vielfalt, aber nur 47% berichten von konkreten Maßnahmen. Besonders im Management zeigt sich eine Lücke: 62 % nehmen Vielfalt unter Kollegen wahr, aber nur 48 % in Führungsebenen – ein Hinweis auf Aufstiegshürden wie die „gläserne Decke“.

Stereotype sind verbreitet

Ein Fünftel der Befragten fühlt sich „in Schubladen gesteckt“. Diskriminierung betrifft alle Gruppen, etwa 16 % aufgrund von Religion, 12 % wegen Alters, 11 % wegen Krankheit oder Behinderung. Auch Mobbing tritt häufiger bei Beschäftigten mit Diversitätsmerkmalen auf. Zudem verbergen manche aus Angst vor Stigmatisierung Teile ihrer Identität. Die Folgen sind erheblich: Betroffene berichten häufiger von mentaler Erschöpfung und psychischer Belastung. Diskriminierung wirkt sich damit auch wirtschaftlich aus, etwa durch Fehlzeiten und Fluktuation.

Fazit der Studie

Trotz gesetzlichem Schutz besteht Diskriminierung im Arbeitsalltag fort. Eine inklusive Arbeitswelt ist entscheidend für Chancengleichheit, Gesundheit und wirtschaftlichen Erfolg. Dafür müssten Unternehmen Vielfalt strukturell verankern, Führungsebenen diverser gestalten und eine offene Unternehmenskultur fördern.

Übersicht: Das können Betriebsräte tun

Betriebsräte können eine wichtige Rolle spielen, um Vielfalt zu stärken und Diskriminierung im Betrieb zu reduzieren. Ein paar zentrale Ansatzpunkte:

  • Sensibilisierung fördern: Setzen Sie sich für Schulungen zu Diversity und Antidiskriminierung ein – für Beschäftigte und insbesondere Führungskräfte.
  • klare Regeln einfordern: Achten Sie darauf, dass es verbindliche Betriebsvereinbarungen gegen Diskriminierung gibt und diese auch umgesetzt werden.
  • Beschwerdestrukturen stärken: Sorgen Sie für niedrigschwellige, vertrauliche Anlaufstellen, damit Betroffene Vorfälle melden können.
  • Chancengleichheit prüfen: Begleiten Sie Personalprozesse (Einstellungen, Beförderungen) kritisch, um Benachteiligungen früh zu erkennen.
  • Vielfalt sichtbar machen: Unterstützen Sie Initiativen, die unterschiedliche Perspektiven im Betrieb sichtbar und wertgeschätzt machen.
  • Daten nutzen: Fordern Sie Auswertungen zu Gleichstellung und Diversität ein, um gezielt Verbesserungen anzustoßen.

Autor*in: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT.)