08.08.2018

Pflege: Interview und Statements zur Bewältigung des Pflegenotstands

Der Pflegeberuf soll attraktiver werden. Am 3.7.2018 starteten drei Bundesministerien die Konzertierte Aktion Pflege. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften zu verbessern. In einem Zeitungsinterview im Juli wies Bundesfamilienministerin Dr. Giffey auf besondere Kriterien hin.

Pflege

Was kann gegen den Pflegenotstand unternommen werden?

In einem Zeitungsinterview im Juli 2018 nahm Bundesfamilienministerin Dr. Giffey u.a. auch zum Pflegedienst in Deutschland Stellung. Auf die Frage, ob der Pflegenotstand durch das Anwerben ausländischer Fachkräfte behoben werden soll, antwortete sie:

„Das kann nur ein Teil der Antwort sein. Viel wichtiger ist doch, dass wir die Bedingungen im Inland verbessern und den Beruf attraktiver machen. Darauf konzentriere ich mich. Es geht um bessere Löhne, mehr Personal, mehr Zeit. Pflege nach der Stoppuhr muss ein Ende haben. Bei der Ausbildung haben wir schon einen wichtigen Schritt gemacht. Ab 2020 gibt es kein Schulgeld mehr, dafür eine Ausbildungsvergütung für alle. Wir unterstützen jetzt die Pflegeschulen bei der Vorbereitung auf die neue Ausbildung.

Eine Frage des Image?

Die Frage, ob der Pflegeberuf ein Imageproblem habe, beantwortete sie:

„Ja, und das hat Gründe. Menschen in der Pflege leisten tolle Arbeit, aber unter teils schwierigen Bedingungen. Nachtschichten, zu viele Patienten, ständig das Gefühl, nicht alles zu schaffen. Das frustriert. Genau diese Situation wollen wir ändern. Dafür braucht es Personal. Und dafür müssen wir für den Beruf werben. Das machen wir gemeinsam mit den über 30.000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Wir haben bereits ein Beraterteam für die Pflegeberufe. Dieses Team werden wir auf 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufstocken, die in die Schulen gehen, um jungen Leuten den Pflegeberuf näherzubringen. Und wir starten eine bundesweite Informationskampagne zu den neuen Pflegeberufsausbildungen. Das Ziel ist, dass sich mehr Menschen für den Beruf entscheiden. Es muss wieder cool werden, Pflegefachkraft zu sein.“

„Helden des Alltags“

Bundeskanzlerin Dr. Merkel ließ in einem Podcast unter der Überschrift „Pflegende sind Helden des Alltags“ folgendes Statement veröffentlichen: „Eine gute und verlässliche Pflege ist für unsere Gesellschaft von besonderer Bedeutung.“ Deshalb wolle die Bundesregierung die Bedingungen für die professionelle und die häusliche Pflege verbessern. Pflegende seien „wirklich Helden unseres Alltags“.

Arbeitsbedingungen sollen verbessert werden

Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung will die Bundesregierung mehr Menschen für die Pflege begeistern. Dafür starten Bundesgesundheitsminister Spahn, Bundesfamilienministerin Dr. Giffey und Bundesarbeitsminister Heil im Juli die Konzertierte Aktion Pflege in Berlin. Ziel ist, den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften spürbar zu verbessern, die Pflegekräfte zu entlasten und die Ausbildung in der Pflege zu stärken. Zusammen mit den führenden Köpfen des Sozialsystems und den relevanten Akteuren der Pflege sollen dazu innerhalb kürzester Zeit konkrete Maßnahmen erarbeitet werden.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)