13.09.2021

Brandschutz im Alten- und Pflegeheim

Der sicherheitstechnische Anspruch an eine Pflegeabteilung gegenüber einem Altenheim ist für den Brandfall deutlich höher, insbesondere was die Personaldecke betrifft: Man braucht bewegliche Betten, Evakuierungstücher oder, wenn die Abteilung im Erdgeschoss liegt, direkte Ausgänge ins Freie. Allerdings ist das Brandrisiko hier deutlich geringer, z.B. weil in einer Pflegeabteilung in der Regel nicht geraucht wird und keine privaten Elektrogeräte oder brennenden Kerzen in Gebrauch sind. Weil in der Pflegeabteilung zudem ständig Personal anwesend ist, kann die Brandbekämpfung deutlich früher einsetzen.

Flur mit Feuerlöscher

Brandgeschehen in Altenheimen

Folgendes lässt sich über das Brandgeschehen in Altenheimen sagen:

  • 70 % der Brandopfer werden im Schlaf überrascht, d.h., die meisten Brände brechen zwischen 18 und 24 Uhr aus.
  • Fast alle Brände beginnen in den Zimmern der Bewohner.
  • Es gibt jährlich ca. 120 Brände (davon werden jedoch nur ca. 50 % gemeldet) mit ca. 20 Toten (ca. 5 % der Gesamtbrandtoten in Deutschland) in deutschen Altenheimen und Pflegeabteilungen – somit sterben prozentual in Alten- und Pflegeheimen nicht mehr Menschen durch einen Brand als außerhalb dieser Einrichtungen.

Was bringen nun solche absoluten Zahlen, wenn man konkret den Brandschutz in Altenheimen und Pflegeabteilungen verbessern will? Dazu muss man einerseits die Gesetzgebung kennen und sich andererseits die Brandursachen ansehen.

Eine Feuerwehrzeitschrift beispielsweise schreibt, dass von 100 TV-Gerät-Bränden in Deutschland fast alle (nämlich 90) in Altenheimen ausbrechen – ein Beleg dafür, dass dort noch viele völlig überalterte und natürlich nie entstaubte oder gar gewartete Röhrengeräte im Einsatz sind.

Hier hat man schon einen wesentlichen Ansatzpunkt: nämlich die Bewohner dazu zu bewegen, die alten Geräte gegen neue auszutauschen. Dies ergibt schon deshalb Sinn, weil Flachbildschirme deutlich weniger brandgefährlich sind als Röhrengeräte.

Baugesetzlich gelten Alten- und Pflegeheime als ungeregelte Sonderbauten. Das Wort „ungeregelt“ bedeutet, dass es keine konkreten erhöhten

für diese Art der Gebäudenutzung gibt.

Brandursachen in Altenheimen

Die primären Brandursachen in Altenheimen sind:

  • Selbstentzündung von/in Elektrogeräten (TV-Geräte, Kaffeemaschinen mit Heizplatte)
  • Betreiben von sehr alten Gerätschaften
  • defekte Elektrogeräte
  • verstellte oder verstaubte Luftaustrittsöffnungen von wärmeabgebenden Elektrogeräten
  • fahrlässiges und grob fahrlässiges Verhalten
  • Heizlüfter, Heizdecken für Betten
  • Rauchen in Verbindung mit Einschlafen im Bett oder fahrlässiger Entsorgung der heißen Glut
  • Wärmestrahler in Badezimmern (auf denen Handtücher zum Trocknen abgelegt werden)
  • Verwendung von Sauerstoffgeräten in Verbindung mit offenem Feuer (Rauchen)
  • vorsätzliche Brandstiftung (sowohl von boshaften oder verwirrten Bewohnern/Bewohnerinnen als auch von externen Personen)

Da nachts deutlich mehr als 50 % aller Brände ausbrechen, gibt es nachts auch überdurchschnittlich viele Tote. Denn wenn die Menschen schlafen, dauert die Rettung länger: Die Menschen müssen erst wach werden, können sich nicht zügig anziehen und womöglich auch nicht selbst fortbewegen.

Brandschutz in Pflegebereichen

Im Bereich der Pflege brechen nachts deutlich weniger Brände aus. Grund ist, dass es dort kaum private Gegenstände gibt, es wird hier nicht geraucht und die elektrischen Geräte sind nicht veraltet und werden regelmäßig geprüft. Negativ jedoch ist, dass sich die in den Pflegeheimen lebenden Personen meist nicht mehr selbstständig bewegen können und hier mehr Menschen auf weniger Raum leben, d.h., viele hilflose Menschen konzentrieren sich auf wenig Fläche.

Überblick Brandschutzmaßnahmen in Alten- und Pflegeheimen

Sprinkleranlagen sind in der Regel Sachschutzanlagen und keine Personenschutzanlagen. Somit sind sie in Alten- und Pflegeabteilungen eher nicht zu empfehlen, denn sie würden erst dann auslösen, wenn die im Raum befindliche (schlafende) Person bereits tot wäre.

Auch wenn die Kosten für Anschaffung und Unterhalt betrachtet werden, fällt auf, dass es deutlich wirtschaftlichere und sinnvollere Methoden für den Brandschutz in Alten- und Pflegeheimen als Sprinkleranlagen gibt. Dazu zählen:

  • technische Brandschutzmaßnahmen, wie z.B. Rauchmelder, die im Haus an eine ständig besetzte Stelle melden
  • bauliche Brandschutzmaßnahmen, wie z.B. zwei baulich vorhandene Fluchtwege
  • organisatorische Brandschutzmaßnahmen wie freie Fluchtwege, gut ausgebildetes und zahlenmäßig ausreichendes Personal

Im Brandschutz für Alten- und Pflegeheime ist es wie in anderen Unternehmensarten auch: Es gibt nicht eine einzige brandschutztechnische Maßnahme, die richtig und wichtig und damit zielführend ist – vielmehr sorgt eine sinnvolle und intelligente Kombination mehrerer Maßnahmen für den optimalen Schutz.

Brandfrüherkennung durch Rauchmelder

Da die Alten- und Pflegeheime ständig von betreuendem Personal besetzt sind, und zwar immer von mehr als einer Person, kann im Fall einer Brandmeldung eine unterwiesene Person zügig in den Bereich gehen, aus dem der Alarm gemeldet wird. In gut ausgestatteten Heimen gibt es deshalb auch keine simplen batteriebetriebenen Heimrauchmelder, sondern Rauchmelder mit professionellen Brandmeldeanlagen, die in der ständig besetzten Zentrale und zeitgleich auch bei der zuständigen Feuerwehr melden. Denn problematisch ist es nach wie vor, dass bei vielen beginnenden Bränden zunächst das anwesende Personal versucht, diese zu löschen. Erst wenn dies nicht erfolgreich ist oder Rauchtote entdeckt werden, werden Polizei und Feuerwehr gerufen. Somit werden wertvolle, lebensrettende Minuten vergeudet.

Hinweis

Durch gezielte Schulungen, konkrete Arbeitsanweisungen und durch eine offene und konstruktive Zusammenarbeit mit den Medien kann diesem Fehlverhalten entgegengewirkt werden.

Rauchschutztüren

Neuere Häuser verfügen über Brand- und Rauchschutztüren, die elektrisch geöffnet oder mit Elektromagneten aufgehalten werden können und mit Rauchmeldern angesteuert werden. Damit ist ein Aufkeilen nicht mehr nötig und im Brandfall würde nur ein kleiner Bereich verrauchen, nicht der gesamte Treppenraum.

Brandlasten und Fluchtwege

Alten- und Pflegeheime bestehen heute immer aus nicht brennbaren Dämmmaterialien und einer flächendeckenden Brandüberwachung für alle Bereiche. Diese Vorkehrungen werden meist von Wasser- oder Schaumlöschern und Wandhydranten begleitet. Die Flure sind weitgehend brandlastfrei und die Zugangstüren massiv und dicht bzw. rauchdicht. Darüber hinaus verfügen moderne Häuser in der Regel über mindestens zwei, meistens sogar drei und mehr Treppenräume, d.h., der zweite Fluchtweg ist in allen Wohn- und Aufenthaltsbereichen baulich gegeben.

In einem normalen Wohnbereich sind durch Möbel, Kleidung und Polster so viele Brandlasten vorhanden, dass sich ein Feuer zügig ausbreiten kann – wer den Bereich nicht sofort verlässt, wird nach wenigen Atemzügen ohnmächtig, dann bewusstlos und schließlich tot sein. Auch wenn dort Rauchen oder Kerzenlicht akzeptiert sind, muss dennoch sichergestellt sein, dass durch einen Brand eben keine weiteren hilflosen Menschen betroffen sind, die unschuldige Opfer wären.

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Autor: Dr. J. Wolfgang Friedl