Fachbeitrag | Unterweisung
12.01.2015

Brandschutz im Altenheim

Bei den rund 50 Bränden jährlich in Altenheimen sterben bis zu 20 Bewohner, 150 weitere werden verletzt. Offenes Feuer, das in Vergessenheit gerät, gehört ebenso zu den häufigsten Ursachen wie defekte Fernseher und einschlafende Raucher. Die besonderen Anforderungen an den Brandschutz im Altenheim:

Fire extinguisher in empty white corridor© oatjo /​ iStock /​ Thinkstock

Brandschutzbeauftragte und Feuerwehren unterweisen das Pflegepersonal und informieren die Bewohner über das richtige Verhalten im Brandfall. Doch zu enge Fluchtwege und zu schmale Türen in alten Altenheimen erschweren im Ernstfall die Evakuierung und erfordern alternative Rettungskonzepte.

Brandschutz im Altenheim: Erschreckende Statistik

Die Jahresstatistiken über Altenheimbrände sind ebenso erschreckend wie die schlimmen Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit.

Im Oktober 2008 stößt ein 82-jähriger Bewohner eines Altenheims aus Versehen ein Teelicht um. Möbelstücke geraten in Brand, schnell ist der ganze Wohnbereich verraucht. Fünf Heimbewohner, eine Pflegerin und eine Feuerwehrfrau erleiden Rauchvergiftungen.

Zum Glück besteht keine Lebensgefahr. Anders im Februar 2008 in einem Altenheim nahe Bregenz. Dort starben elf Menschen, sechs weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Toten waren insbesondere bettlägerige Bewohner, die durch die Rauchentwicklung verstarben.

Wären die Zimmertüren geschlossen geblieben, hätten mehr Menschen gerettet werden können, so ein Sprecher der örtlichen Feuerwehr. Es muss also noch einiges passieren im Brandschutz für Altenheime.

Oftmals die gleichen Ursachen

Die Brände in Alten- und Pflegeheimen entstehen meist in den Zimmern der Bewohner. Dort schlafen die Senioren im Sessel oder Bett ein, während die Zigarette noch brennt.

Brennbare Behälter werden als Aschenbecher missbraucht, brennende Streichhölzer landen im Papierkorb. Kerzen werden vergessen oder fallen um.

In der Advents- und Weihnachtszeit wird das Risiko durch die Adventskränze und Gestecke noch erhöht. Herdplatten, Heizdecken und Fernseher sind im gefährlichen Dauerbetrieb oder haben einen Defekt. Die Ursachen der Altenheimbrände sind bestens bekannt, doch dies ändert leider nichts an der Gefahr.

Brandschutzmängel im Altenheim müssen abgestellt werden

Zudem zeigen gerade ältere Altenheime im Brandschutz deutliche Mängel. Brandschutztüren werden zur Belüftung mit einem Keil offen gehalten. Selbst Zimmertüren stehen zum Teil nachts offen, um mögliche Probleme des Bewohners besser mitzubekommen.

Kommt es jedoch zu einem Brand, stehen dem Rauch im wahrsten Sinne des Wortes alle Türen offen. Brandmelder sucht man zum Teil in den Zimmern vergebens. Fluchtwege sind mit abgestellten Betten oder Rollstühlen blockiert. Evakuierungen und der Griff zum Feuerlöscher werden dadurch massiv erschwert. Wertvolle Zeit geht so verloren, Zeit, die der Rauch nutzen kann, um lebensbedrohlich zu werden.

Bauliche Mängel feststellbar

Doch nicht nur Nachlässigkeit und Unachtsamkeit können zu Gefahrenquellen führen. Auch der bauliche Zustand der Altenheime lässt oftmals zu wünschen übrig. Enge Treppenhäuser und Gänge erschweren im Brandfall die Arbeit der Einsatzkräfte der Feuerwehr und erlauben kaum eine schnelle Evakuierung.

Sogar Türöffnungen sind mitunter so schmal, dass die bettlägerigen Bewohner nicht im Bett herausgerollt werden können. Zudem sind manche Möbelstücke mit Materialien gepolstert, die zu einer starken Rauchentwicklung führen können.

Altenheimeinsätze sind sehr personalintensiv

Die meisten Brände in Altenheimen finden zudem in den Abendstunden und nachts statt, in Zeiten also, in denen nur eine reduzierte Anzahl an Pflegekräften vor Ort ist. Die notwendigen Evakuierungsmaßnahmen bei einem Altenheimbrand müssen also durch eine entsprechend hohe Feuerwehrpräsenz gewährleistet werden.

Damit das Pflegepersonal jedoch sowohl in der Brandverhütung als auch bei den Evakuierungsmaßnahmen möglichst gut unterstützen kann, ist es wichtig, entsprechende Schulungen anzubieten und durchzuführen. Die Funktion des Feuerlöschers, die Brandschutzordnung, die Evakuierungspläne und der Hinweis auf freizuhaltende Rettungswege sind dabei wichtige Bestandteile der Unterweisung.

Gleichzeitig gilt es, das Pflegepersonal zu ermuntern, immer die Feuerwehr zu rufen und keine aussichtlosen Löschversuche in Eigenregie zu unternehmen.

Evakuierung muss geplant werden

Gerade die Rettung der hilfsbedürftigen Bewohner kostet viel Zeit, so dass jeder Handgriff sitzen muss, um die Evakuierung so schnell wie möglich durchführen zu können. Dazu gehören unter anderem

  • das Vorhalten von Hilfsmitteln zur Evakuierung wie Rollstühle, Tragetücher und Tragen
  • das dauerhafte Freihalten der Rettungswege
  • die Festlegung von Sammelplätzen
  • die Definition von Alarmierungswegen (Scheeballsystem), um ausreichend viel Personal in kurzer Zeit benachrichtigen zu können
  • Übungen mit Personal und Bewohner
  • die vorbeugende Suche nach einer provisorischen Unterbringungsstätte für die erste Zeit nach dem Brand

Auch Bewohner regelmäßig informieren

Bei der Brandschutzunterweisung dürfen die Bewohner selbst nicht vergessen werden. Kurze, aber regelmäßige Informationsveranstaltungen über das richtige Verhalten im Brandfall und zur Vermeidung von Bränden sind mehr als sinnvoll. Dazu gehört auch die Erläuterung der geplanten Evakuierungsmaßnahmen im Fall eines Brandes. Im Ernstfall bleibt keine Zeit mehr dafür.

Autor: Oliver Schonschek 

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