12.01.2021

Brandschutz im Alten- und Pflegeheim

Der sicherheitstechnische Anspruch an die Pflegeabteilung gegenüber einem Altenheim ist im Brandfall deutlich höher, insbesondere was die Personaldecke betrifft: Man braucht bewegliche Betten, Evakuierungstücher oder, so der Bereich im Erdgeschoss liegt, direkte Ausgänge ins Freie. Allerdings ist das Brandrisiko hier deutlich geringer, z.B. weil in einer Pflegeabteilung in der Regel nicht geraucht wird und keine privaten Elektrogeräte oder brennenden Kerzen in Gebrauch sind, und darüber hinaus kann die Brandbekämpfung dadurch, dass in der Abteilung ständig Personal anwesend ist, deutlich früher einsetzen.

Flur mit Feuerlöscher

Brandgeschehen in Altenheimen

Es gibt folgende Brandgeschehen in Altenheimen:

  • 70 % der Brandopfer werden im Schlaf überrascht, d.h., die meisten Brände brechen zwischen 18 und 24 Uhr aus.
  • Fast alle Brände beginnen in den Zimmern der Bewohner.
  • Es gibt jährlich ca. 120 Brände (davon werden jedoch nur ca. 50 % gemeldet) mit ca. 20 Toten (ca. 5 % der Gesamtbrandtoten in Deutschland) in deutschen Alten- und Pflegeabteilungen – somit sterben prozentual in Alten- und Pflegeheimen nicht mehr Menschen durch einen Brand als außerhalb dieser Einrichtungen.

Doch was bringen solche absoluten Zahlen, wenn man konkret den Brandschutz in Alten- und Pflegeabteilungen verbessern will? Dazu muss man die Gesetzgebung kennen und sich die Brandursachen ansehen. Eine Feuerwehrzeitschrift beispielsweise sagt, dass von 100 TV-Gerätebränden in Deutschland fast alle (nämlich 90) in Altenheimen ausbrechen – ein Beleg dafür, dass dort noch viele völlig überalterte und natürlich nie entstaubte oder gar gewartete Röhrengeräte im Einsatz sind.

Hier hat man schon einen wesentlichen Ansatzpunkt, nämlich die Bewohner dazu zu bewegen, die alten Geräte gegen neue auszutauschen. Dies macht schon deshalb Sinn, weil Flachbildschirme nicht nur smarter sind, sondern auch deutlich weniger brandgefährlich als Röhrengeräte. Baugesetzlich gelten Alten- und Pflegeheime als ungeregelte Sonderbauten und das Wort „ungeregelt“ bedeutet, dass es keine konkreten erhöhten baulichen, anlagentechnischen oder organisatorischen Vorgaben für diese Art der Gebäudenutzung gibt.

Brandursachen

Die primären Brandursachen in Altenheimen sind:

  • Selbstentzündung von/in Elektrogeräten (TV-Geräten, Kaffeemaschinen mit Heizplatte)
    Betreiben von sehr alten Gerätschaften
  • defekte Elektrogeräte
  • verstellte oder verstaubte Luftaustrittsöffnungen von wärmeabgebenden Elektrogeräten
    fahrlässiges und grob fahrlässiges Verhalten
  • Heizlüfter, Heizdecken für Betten
  • Rauchen in Verbindung mit Einschlafen im Bett oder fahrlässiger Entsorgung der heißen Glut
  • Wärmestrahler in Badezimmern (auf denen Handtücher zum Trocken abgelegt werden)
  • Verwendung von Sauerstoffgeräten in Verbindung mit offenem Feuer (Rauchen)
  • forsätzliche Brandstiftung (sowohl von boshaften oder verwirrten Bewohnern/Bewohnerinnen, als auch von externen Personen)

Da also nachts deutlich mehr als 50 % aller Brände ausbrechen, gibt es nachts auch überdurchschnittlich viele Tote, denn wenn die Menschen schlafen, dauert die Rettung länger, die Menschen müssen erst wach werden, können sich nicht zügig anziehen und womöglich auch nicht selbst fortbewegen.

Sprinkleranlagen sind nicht zu empfehlen

Sprinkleranlagen sind in der Regel Sachschutzanlagen und keine Personenschutzanlagen. Somit sind sie in Alten- und Pflegeabteilungen eher nicht zu empfehlen, denn sie würden erst dann auslösen, wenn die im Raum befindliche (schlafende) Person bereits tot wäre. Andere Brandschutzmaßnahmen sind da deutlich effektiver und effizienter. Auch wenn die Kosten für Anschaffung und Unterhalt betrachtet werden, fällt auf, dass es deutlich wirtschaftlichere und sinnvollere Methoden für den Brandschutz im Alten- und Pflegebereich als Sprinkleranlagen gibt. Es gibt technische Brandschutzmaßnahmen wie z.B. Rauchmelder, die im Haus an eine ständig besetzte Stelle melden, bauliche Brandschutzmaßnahmen wie z.B. zwei baulich gegebene Fluchtwege und organisatorische Brandschutzmaßnahmen wie freie Fluchtwege, gut ausgebildetes und ausreichend viel Personal.

Im Brandschutz für den Alten- und Pflegebereich ist es wie in anderen Unternehmensarten auch: Es gibt nicht eine einzige brandschutztechnische Maßnahme, die richtig und wichtig und damit zielführend ist – es ist vielmehr eine sinnvolle und intelligente Kombination mehrerer Maßnahmen, die für den optimalen Schutz sorgt.

Brandfrüherkennung durch Rauchmelder

Da die Alten- und Pflegeheime ständig von betreuendem Personal besetzt sind, und zwar von immer mehr als einer Person, kann also im Fall einer Brandmeldung eine unterwiesene Person zügig in den Bereich gehen, von dem der Alarm gemeldet wird. In guten Heimen gibt es deshalb auch keine simplen batteriebetriebenen Heimrauchmelder, sondern Rauchmelder mit professionellen Brandmeldeanlagen, die in der ständig besetzten Zentrale und zeitgleich auch bei der zuständigen Feuerwehr melden. Denn problematisch ist es nach wie vor, dass bei vielen ersten Bränden zunächst ein Löschen durch das anwesende Personal versucht wird und erst, wenn dies nicht erfolgreich verläuft oder rauchtote Menschen entdeckt werden, die Polizei und Feuerwehr gerufen wird. Ursache für das verspätete Rufen ist meist Angst vor den Vorgesetzten, vor Rechnungen der Feuerwehr und vor negativen Presseartikeln über das Heim. Somit werden wertvolle, lebensrettende Minuten vergeudet.

Durch gezielte Schulung, konkrete Arbeitsanweisungen und durch eine offene und konstruktive Zusammenarbeit mit den Medien kann diesem Fehlverhalten entgegengewirkt werden.

Rauchschutztüren

Neuere Häuser verfügen über Brand- und Rauchschutztüren, die elektrisch geöffnet oder mit Elektromagneten aufgehalten werden können und mit Rauchmeldern angesteuert werden. Damit ist ein Aufkeilen nicht mehr nötig und im Brandfall würde nur ein kleiner Bereich verrauchen und nicht der gesamte Treppenraum.

Alten- und Pflegeheime bestehen heute immer aus nicht brennbaren Dämmmaterialien und einer flächendeckenden Brandüberwachung für alle Bereiche. Diese Vorkehrungen werden meist durch Wasser- oder Schaumlöscher und Wandhydranten abgerundet. Die Flure sind weitgehend brandlastfrei und die Zugangstüren massiv und dicht bzw. rauchdicht. Darüber hinaus verfügen moderne Häuser in der Regel über mindestens zwei, meistens sogar drei und mehr Treppenräume, d.h., der zweite Fluchtweg ist für alle Wohn- und Aufenthaltsbereiche baulich gegeben.

In einem normalen Wohnbereich sind durch Möbel, Kleidung und Polster so viele Brandlasten, dass sich ein Feuer zügig ausbreitet – wer nicht sofort aufsteht und rausgeht, wird nach wenigen Atemzügen ohnmächtig, dann bewusstlos und schließlich tot sein. Passiert das durch Rauchen oder eine Kerze, wird es gesellschaftlich akzeptiert – aber es dürfen eben keine weiteren hilflosen Menschen davon betroffen werden, die unschuldige Opfer wären.

Brandschutz in Pflegebereichen

Im Bereich der Pflege brechen nachts deutlich weniger Brände aus – das ist positiv. Grund ist, dass es dort kaum private Gegenstände gibt, es wird hier nicht geraucht und die elektrischen Geräte sind nicht veraltet und werden regelmäßig geprüft. Negativ jedoch ist, dass sich die in den Pflegeheimen lebenden Personen meist nicht mehr selbstständig bewegen können und hier mehr Menschen auf weniger Raum leben, d.h., es findet eine Konzentration von vielen hilflosen Menschen auf wenig Fläche statt.

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Autor: Dr. J. Wolfgang Friedl