20.04.2017

Anforderungen an Brandschutztüren

Brandschutztürenspielen eine wichtige Rolle im vorbeugenden Brandschutz. Die in der Regel selbstschließenden Türen sollen in erster Linie Öffnungen in feuerhemmenden oder feuerbeständigen Wänden gegen den Durchtritt von Feuer sichern. In den Vorschriften für Brandschutztüren sind Planung, Einbau und Betrieb detailliert festgelegt.

Brandschutztür

Im Allgemeinen werden Feuerschutzabschlüsse, wie z.B. Brandschutztüren  in Öffnungen von Trennwänden und Brandwänden gefordert. Zur Unterteilung von mehr als 30 m langen Fluren müssen beispielsweise Rauchschutztüren eingesetzt werden. Brandschutzfenster erfordern ebenfalls spezielle Konstruktionen.

Bauordnungen und Sonderbauvorschriften beachten

Wo Feuerschutzabschlüsse einzubauen sind, ist in den jeweils Bauordnungen bzw. den jeweils gültigen Sonderbauvorschriften geregelt. In Deutschland und Österreich hat jedes Land diesbezüglich eine eigene Bauordnung.

Türen, die aus Gründen des Brandschutzes Anforderungen erfüllen müssen, werden umgangssprachlich, aber auch auf Rettungsweg-Schildern, als Brandschutztüren bezeichnet. Der Begriff Brandschutztür ist weder genormt noch sagt er etwas Konkretes über die Leistungsfähigkeit einer Tür im Brandfall aus.

Damit die Anforderungen an Brandschutztüren und ihr Verhalten im Brandfall deutlich werden, unterscheidet man Türen bauordnungsrechtlich wie folgt:

Dicht schließende Türen

Türen gelten nach der Definition des zuständigen Normenausschusses im DIN dann als dicht schließende Türen, wenn sie eine mindestens dreiseitig umlaufende und gegebenenfalls eine im Mittelfalz angeordnete dauerelastische Dichtung aufweisen. Diese Dichtung, die auch zur Geräuschdämpfung beim Zuschlagen der Tür sowie zur Schalldämmung dient, wird üblicherweise in der Zarge eingesetzt.

Das Türblatt muss allseitig an dieser Dichtung anliegen. Durch diese dreiseitig angebrachten Dichtungen wird im geschlossenen Zustand bei einem Brand der Durchtritt von Rauch in einem gewissen Maß und über einen nicht näher definierten Zeitraum behindert. Dicht schließende Türen erreichen – schon wegen des Fehlens einer Dichtung am Boden – nicht die Schutzwirkung von Rauchschutztüren.

Rauchschutztüren

Typische Rauchschutztüren sind selbstschließende Türen, die im eingebauten und geschlossenen Zustand bei einem Brand den Durchtritt von Rauch behindern. Rauchschutztüren können zusätzlich auch Anforderungen hinsichtlich des Wärme- und Schallschutzes erfüllen.

Sie weisen zusätzlich zu den dreiseitig umlaufenden Dichtungen auch eine Dichtung gegen den Rauchdurchtritt am Boden auf, die in der Regel absenkbar ausgeführt wird. Damit wird erreicht, dass Rauchschutztüren – sofern genormte Prüfungen nach der Norm DIN 18095-2 bestanden werden – im geschlossenen Zustand den Durchtritt von Rauch so behindern, dass z.B. bei Einbau in einen notwendigen Flur der dahinter liegende Raum im Brandfall für eine Zeitspanne von etwa zehn Minuten zur Rettung von Personen ohne Atemschutz genutzt werden kann.

Rauchschutztüren gelten nach den bauaufsichtlichen Vorschriften als „nicht geregelte” Bauprodukte, für die als bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (anstelle einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung) ausreicht.

Feuerschutztüren

Auch Feuerschutztüren sind selbstschließende Türen, die eine Feuerwiderstandsfähigkeit aufweisen und somit im eingebauten und geschlossenen Zustand über den Zeitraum von 30, 60 oder 90 Minuten den Durchtritt eines Brands behindern, d.h. den Durchtritt von Flammen, heißen Brandgasen und Rauch. Feuerschutztüren können zusätzlich auch Anforderungen hinsichtlich des Rauchschutzes sowie des Wärme- und Schallschutzes erfüllen. Feuerschutztüren gelten nach den bauaufsichtlichen Vorschriften als „nicht geregelte” Bauprodukte, die als bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung benötigen.

Fahrschachttüren

Die Fahrschachttüren verschließen in Fahrschächten von Aufzügen die Öffnungen, die dem Zugang zum Fahrkorb dienen. Die Fahrschachttüren müssen grundsätzlich die Sicherheitsanforderungen der Aufzugsrichtlinie und somit die Anforderungen der DIN EN 81-1:1999-02 „Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Aufzügen” erfüllen; sie müssen aber auch die bauaufsichtlich geforderte Absturzsicherheit gewährleisten.

Für den Fall, dass der Fahrschacht mehrere Brandabschnitte miteinander verbindet und die Wände des Aufzugsschachts aufgrund bauordnungsrechtlicher Anforderungen mit feuerwiderstandsfähigen Wänden ausgebildet ist, müssen feuerwiderstandsfähige Fahrschachttüren verwendet werden. In Fahrschächten, die feuerbeständig sein müssen, dürfen neben den in Bauregelliste A Teil 1 genannten Fahrschachttüren auch Türen der Klasse E 90 nach EN 81-58 und Türen nach DIN 4102-5, die eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung haben müssen, eingesetzt werden.

Brandschutztüren in Rettungswegen

An Türen im Zuge von Rettungswegen stellt das Bauordnungsrecht – also die Landesbauordnungen bzw. die auf deren Grundlage erlassenen Sonderbauverordnungen als Betriebsvorschrift – die Anforderung, dass diese „… von innen, … leicht, … in voller Breite (ggf. … mit einem Griff) … zu öffnen sein” müssen.

Werden in Rettungswegen automatische Schiebetüren eingebaut, sind die Regelungen der „Richtlinie über automatische Schiebetüren in Rettungswegen”, die in der Bauregelliste A Teil 1 unter der lfd. Nr. 6.18 genannt ist, einzuhalten.

Automatische Schiebetüren als geregelte Bauprodukte sind kraftbetätigte Türanlagen mit einem oder mehreren auf- und zufahrenden Türflügeln einschließlich eventuell vorhandener Seitenteile, die mit einer automatischen Steuerung und mit Sicherheitseinrichtungen ausgerüstet sind. Die Signalgeber für die Aktivierung des Antriebs müssen in Fluchtrichtung vor der Türanlage flächendeckend arbeiten.

Bei Energieausfall oder Ausfall eines Signalgebers in Fluchtrichtung müssen automatische Schiebetüren ohne Drehflügel selbsttätig auffahren und in dieser Stellung verbleiben; bei automatischen Schiebetüren mit Drehflügeln muss beim Aufschwenken der Drehflügel der Antrieb abschalten, sodass die Flügel mit einer festgelegten maximalen Kraft nur noch von Hand bewegt werden können.

Türen in Rettungswegen dürfen keine unteren Anschläge oder Schwellen haben; zulässig sind lediglich Flachrundschwellen mit kreissegmentförmigem Querschnitt bis 5 mm Höhe. Flachrundschwellen verbieten sich jedoch aus betrieblichen Gründen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen (Stolpergefahr, Transport bettlägeriger Personen).

Werden an Türen in Rettungswegen elektrische Verriegelungssysteme eingesetzt, sind die Regelungen der „Richtlinie über elektrische Verriegelungssysteme für Türen in Rettungswegen”, die in der Bauregelliste A Teil 1 unter der lfd. Nr. 6.19 genannt ist, einzuhalten.

Diese elektrischen Verriegelungssysteme gelten als geregelte Bauprodukte und sind eine Gerätekombination, die Türen in Rettungswegen verriegelt und im Gefahrenfall auf Anforderung, z.B. durch flüchtende Personen, freigibt. Ein elektrisches Verriegelungssystem besteht aus

  • einer Steuerung,
  • mindestens einer Nottaste und
  • der elektrischen Verriegelung nach dem Ruhestromprinzip, die bei Ausfall ihrer Stromversorgung oder bei Betätigung der Nottaste unverzüglich aufgehoben wird.

Türen mit Wärme- und Schallschutzanforderungen

Werden an Türen Anforderungen hinsichtlich des Wärme- oder Schallschutzes gestellt, müssen sie als geregelte Bauprodukte nach Bauregelliste A Teil 1 lfd. Nr. 6.20.1 bzw. 6.20.2 die Festlegungen der „Richtlinie über Türen” erfüllen. Grundsätzlich müssen diese Brandschutztüren aus normalentflammbaren Baustoffen bestehen. Diese Türen können nur verwendet werden, wenn sie mit dem Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) gekennzeichnet sind, in dem das Leistungsvermögen ausgewiesen ist.

Türen ohne Anforderungen an den Brand-, Schall- und Wärmeschutz

Türen, die aus normalentflammbaren Baustoffen hergestellt werden und an die keine weitergehenden Brandschutzanforderungen und keine bauaufsichtlichen Anforderungen an den Schall- und Wärmeschutz gestellt werden, werden als Bauprodukte mit untergeordneter Bedeutung eingestuft und in der Liste C geführt. Bei diesen frei verwendbaren Produkten, gibt es keine technischen Regeln. Somit entfallen Verwendbarkeits- und Übereinstimmungsnachweise und sie dürfen kein Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) tragen.

Künftig werden Außentüren nach der europäischen Produktnorm EN 14351-1 hergestellt und aufgrund ihrer CE-Kennzeichnung verwendet. Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass diese Außentüren aus normalentflammbaren Baustoffen bestehen müssen. Wenn diese bauordnungsrechtliche Grundanforderung erfüllt ist, muss der Hersteller dies im Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) angeben. Entsprechende Festlegungen sind in der Bauregelliste B Teil 1 getroffen worden.

Wartung und Instandhaltung von Brandschutztüren

Die Hersteller von Türen müssen für ihre Produkte in Wartungsanleitungen angeben, welche Arbeiten auszuführen sind. Damit ist sichergestellt, dass die eingebauten Türen auch nach längerer Nutzung ihre Aufgabe erfüllen und die an sie ggf. gestellten Anforderungen erfüllen. In den Wartungsanleitungen muss z.B. angegeben werden, wie Schlösser und Türschließmittel gewartet oder wie Dichtungen ausgetauscht werden. Die Betreiber von Gebäuden müssen sicherstellen, dass Wartungen an Türen als Element der bauordnungsrechtlich geforderten ordnungsgemäßen Instandhaltung regelmäßig ausgeführt werden.

Autoren: WEKA Redaktion (Klaus-Dieter Wathling),