07.07.2017

Gewalt gegen öffentlich Beschäftigte

Angesichts der steigenden Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst fordern die Gewerkschaften Politik und Arbeitgeber zum Handeln auf. Die Übergriffe müssten öffentlich gemacht werden, forderten Vorstandsmitglieder des DGB und des DBB. Viele Vorgesetzte würden versuchen, solche Vorfälle unter den Teppich zu kehren.

Gewalt gegen öffentlich Beschäftigte

Übergriffe öffentlich machen

Angesichts der weiter steigenden Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst fordern der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Deutsche Beamtenbund (DBB) Politik und Arbeitgeber zum Handeln auf. Man müsse weg von der Tabuisierung und die Übergriffe öffentlich machen, heißt es. Die Politik habe sich zu lange „um dieses Thema nicht ordentlich gekümmert“.

Auf einer Fachtagung des DGB im Juni 2017 ist unter anderem mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) darüber diskutiert worden. Es sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, das gesamtgesellschaftlich gelöst werden müsse, sagte die stellv. DGB-Vorsitzende Hannack. Politik und Arbeitgeber seien gefragt, Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

Spielt die Gesellschaft verrückt?

Rund 71.800 Polizeivollzugsbeamte wurden 2016 Opfer von Gewaltdelikten, gut 6.300 mehr als im Jahr zuvor. 23 Prozent der Lehrkräfte waren laut einer Umfrage an ihrer Schule schon einmal Ziel von Beschimpfungen, Mobbing, Drohungen oder Belästigung – an Hauptschulen sogar 45 Prozent. Sechs Prozent der Lehrer geben an, schon einmal körperlich angegriffen worden zu sein. Polizisten werden bei Verkehrskontrollen als Nazi beschimpft. Rettungsdienste werden behindert, Feuerwehrkräfte beim Silvestereinsatz mit Böllern beschossen.

Personalmangel verschärft die Situation

Der Personalmangel im öffentlichen Dienst verschärfe das Problem, sagte Hannack. Die permanente Dauerbelastung der Beschäftigten sei nicht länger hinnehmbar. Der öffentliche Dienst gehe sonst kaputt. Dann würden wir keinen handlungsfähigen Staat mehr haben. Nötig sei in allen Bereichen mehr Personal, der öffentliche Dienst müsse attraktiver werden. Das sei auch eine der Botschaften an de Maizière.

Sensibilisierung betreiben

„Nötig ist eine viel größere Sensibilisierung im Führungsbereich“, sagte Hannack weiter. Alle Vorfälle müssten erfasst und zusammengetragen werden. Dringend gebraucht werde eine bessere Datengrundlage. Am besten erfasst sind demnach Gewalttaten gegen Polizisten. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2016 knapp 72.000 Polizeibeamte Opfer von Gewalt, elf Prozent mehr als im Jahr davor.

Tabuthema

Hannack verwies auch auf eine Forsa-Umfrage unter Lehrkräften, von denen die Hälfte psychische Gewalt wie etwa Drohungen von Schülern erlebt habe. 21 Prozent erlebten demnach körperliche Gewalt, 29 Prozent Cyber-Mobbing. „Über die Hälfte sagt, dass Gewalt gegen Lehrkräfte ein absolutes Tabuthema ist, auch gegenüber den Vorgesetzten.“ Auch in Jobcentern, in Jugend- oder Ordnungsämtern oder bei den Rettungskräften werde Gewalt gegen Mitarbeiter tabuisiert.

Quellen: www.dgb.de, afp, www.nwzonline.de

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)