VRdS-Preis für Wirtschaftsrhetorik 2026 vergeben
Die Kunst der Rede müssen nicht nur Politikerinnen und Politiker beherrschen, sondern auch führende Wirtschaftsmanager. So hat der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) auch dieses Jahr die Reden der Vorstandsvorsitzenden bei den Hauptversammlungen der DAX-40 analysiert, bewertet und die Besten identifiziert. Bei der Analyse der Reden zeigte sich ein unübersehbarer Wandel in der Redenpraxis. Sterile Powerpoints, steife Sachlichkeit und monotoner Tonfall bei Hauptversammlungen sind endgültig passé. Klar wurde zudem, dass die Zukunft der Wirtschaftsrhetorik auf Glaubwürdigkeit, Nahbarkeit und echte menschliche Präsenz setzt. Das DAX-40-Topmanagement bewegt sich auf der Bühne durchwegs besser, bunter und rhetorisch durchdachter als noch vor einigen Jahren, wie die Analysten feststellten.
Zuletzt aktualisiert am: 17. Juli 2026

Positiv ist zudem auch die vielfache Rückkehr zur Bühnenpräsenz statt virtueller Präsentation wie in Corona-Zeiten: Insgesamt 22 der 40 Veranstaltungen fanden in Präsenz statt. Zehn Unternehmen, die noch 2025 digital tagten, haben in diesem Jahr wieder das Präsenzformat gewählt. Wie Jury-Vorsitzender und Team-Koordinator Christoph Schlegel resümiert, haben viele der Reden gezeigt, welche Kraft von ihnen ausgehen kann. Aber erst die direkte Wechselwirkung zwischen Vortragendem und Publikum sorge letztlich für eine herausragende Rede. Auch waren deutliche Unterschiede in Stil und Inszenierung zu verzeichnen. Immer mehr Redner bemühen sich, reinen Manager-Jargon zu vermeiden. Zu sehen sind auch deutlich mehr Freude an persönlicher Präsenz und Rhetorik, gekonnter Strategie und Dramaturgie, professionelle Distanz und menschliche Nahbarkeit, wenn auch mit deutlichem Niveauunterschied zwischen den einzelnen DAX-Wirtschaftslenkern.
Außerdem machen die CEOs dem Publikum das konzentrierte Zuhören zunehmend einfacher, indem sie das gesprochene Wort veranschaulichen. Filme, Videos, Requisiten oder direkte Mitarbeiter-Gespräche machen abstrakte Themen wie 5G-Netze, Kautschukelemente, Moleküle, KI-Fabriken u.Ä. fühlbar, sichtbar, spürbar, unterhaltsamer und menschlich. Überraschend für die VRdS-Analystinnen und Analysten war es, dass nicht jeder CEO der Versuchung einer perfekten und aufwendigen Inszenierung erliegt. Ganz im Gegenteil war in diesem Jahr auch die Abkehr von genialen Show-Effekten, multimedialem Storytelling oder dynamisch-tigernder Körpersprache als Trend zu sehen. Dahinter mag eine Rückbesinnung auf klassische rhetorische Überzeugungsmittel wie das Ethos stecken, also die persönliche Haltung und Kompetenz von Rednerinnen und Rednern. Oder auch das wieder wachsende Vertrauen in die Überzeugungskraft guter Argumente, wie VRdS-Präsident Peter Sprong dies bewertet.
Insgesamt überzeugten die Preisträger mit Struktur, Charisma und Charme. In der Kategorie „Beste Rhetorik“ machte Infineon-CEO Jochen Hanebek das Rennen; er bestach durch den exzellenten Aufbau seiner Rede, verständliche Sprache und angenehmes Redetempo. Die Kategorie „Bester Auftritt“ gewann Siemens-Energy-CEO Dr. Christian Bruch. Er verteidigte souverän seinen Titel aus dem Vorjahr. Gewürdigt wurden körperliche Präsenz, Nahbarkeit sowie der originelle Einsatz von filmischen Einstiegen, Videos, Requisiten und Mitarbeiter-Interviews. Schließlich überzeugte in der Kategorie „Der menschliche Faktor“ Hannover-Re-CEO Clemens Jungsthöfel. Er präsentierte sich getreu seinem durchgängigen Motto „Keep it simple“. Unaufgeregt, präzise, konzentriert und glaubwürdig und – mit einer Portion schelmischen Charmes.