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Sichere Instandhaltung beginnt vor der Störung

Wenn eine Maschine unerwartet ausfällt, muss es häufig schnell gehen. Produktionsziele geraten in Gefahr, während gleichzeitig die Ursache der Störung noch unbekannt ist. Unter diesem Druck steigt das Risiko, dass Beschäftigte improvisieren, ungeeignete Werkzeuge verwenden oder Schutzeinrichtungen umgehen. Sichere Instandhaltung beginnt deshalb lange vor dem Stillstand einer Anlage: mit klaren Zuständigkeiten, bekannten Meldewegen, ausreichender Fachkunde und einer vorausschauenden Planung.

Instandhaltung

Bei der Planung von Instandhaltungsarbeiten geht es nicht nur darum, Wartungs- und Reparaturarbeiten sicher auszuführen. Entscheidend ist auch, einen Betrieb so auf mögliche Störungen vorzubereiten, dass im Ernstfall kein unnötiger Zeit- und Entscheidungsdruck entsteht.

Mögliche Störungen vorausdenken

Eine Störung lässt sich nicht immer verhindern, der Umgang mit ihr lässt sich jedoch vorbereiten. Eine Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse kann dabei helfen, mögliche Fehler bereits im Vorfeld zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen festzulegen. Tritt eine Störung tatsächlich ein, müssen die Verantwortlichen nicht erst unter Zeitdruck nach einer Lösung suchen. Zum vorausschauenden Störungsmanagement gehört außerdem die Frage, wie ein vorübergehender Maschinenausfall aufgefangen werden kann. Ersatzmaschinen, Produktionspuffer, Reserven oder organisatorische Ersatzmaßnahmen verhindern, dass jede Störung sofort die gesamte Produktion unter Druck setzt. Auch häufig benötigte Ersatzteile sollten verfügbar sein. Die Vorbereitung sollte jedoch nicht bei technischen und materiellen Fragen enden. Ebenso wichtig ist es, konkrete Ansprechpersonen sowie eindeutige Kommunikations- und Meldewege festzulegen. Diese Informationen können beispielsweise in einer Notfalldatei hinterlegt werden.

Vorher festlegen, wer was tun darf

Wenn eine Maschine ausfällt, versuchen mitunter Beschäftigte, die Störung selbst zu beseitigen. Das kann gefährlich werden, wenn ihnen die notwendige Fachkunde fehlt. Deshalb sollte bereits vorher geregelt sein, welche Maßnahmen von welchen Personen ausgeführt werden dürfen:

  • Einfache Tätigkeiten wie das Auffüllen von Betriebsstoffen, die Kontrolle von Füllständen oder oberflächliche Reinigungsarbeiten können nach einer entsprechenden Unterweisung übernommen werden.
  • Der Wechsel von Maschinenwerkzeugen erfordert bereits qualifiziertes Personal und detaillierte Vorgaben.
  • Für Einstell- und Justierarbeiten oder den Austausch von Ersatzteilen sind eine weitergehende technische Qualifikation und festgelegte Vorgehensweisen notwendig.
  • Arbeiten an Industrierobotern oder Hydrauliksystemen dürfen nur von spezialisiertem technischem Personal ausgeführt werden.
  • Wird eine Maschine weitgehend zerlegt oder mit anderen Anlagen ver- bzw. entkettet, kann das Spezialwissen eines Fachbetriebs oder des Herstellers erforderlich sein.

Die entsprechende Zuordnung der Beschäftigten darf nicht erst während einer Störung diskutiert werden. Sie müssen vorher wissen, welche Aufgaben sie übernehmen dürfen und wann die Arbeit an qualifiziertes Fachpersonal zu übergeben ist.

Verantwortung und Meldewege klären

Neben der fachlichen Eignung kommt es auf eindeutige Verantwortung an. Für eine Instandhaltungsmaßnahme sollte nur eine Person als verantwortlich festgelegt werden. Dadurch lassen sich widersprüchliche Entscheidungen vermeiden, etwa bei der Frage, ob eine Maschine vorübergehend vollständig ausgeschaltet werden muss. Eine sichere Instandhaltung erfordert außerdem die Zusammenarbeit der Beschäftigten aus Instandhaltung, Produktion, Planung und Einkauf. Systematische Rückmeldeschleifen helfen, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und Missverständnisse zu vermeiden.

Sichere Zugänge vorbereiten

Nicht nur die eigentliche Reparatur, sondern auch der Weg zum Arbeitsort muss vorbereitet werden. Vor Beginn der Arbeiten ist deshalb zu klären:

  • Wer darf den Bereich betreten?
  • Wie wird der Zutritt unbefugter Personen verhindert?
  • Wie gelangen die Beschäftigten sicher zum Arbeitsort?
  • Sind Zugänge und Arbeitsflächen ausreichend gesichert?
  • Können Gefährdungen anderer Personen ausgeschlossen oder auf ein vertretbares Maß reduziert werden?

Je genauer Zugänge, Arbeitsbereiche und Schutzmaßnahmen festgelegt sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte improvisieren oder vorhandene Sicherungen umgehen. Bei schwer zugänglichen Arbeitsstellen muss außerdem vorab geplant werden, wie im Notfall eine Rettung erfolgen kann. Erst während eines Unfalls nach einem geeigneten Rettungsweg zu suchen, wäre zu spät.

Arbeitsmittel rechtzeitig bereitstellen

Improvisation entsteht häufig, wenn geeignetes Werkzeug oder passende Hilfsmittel fehlen. Reichen die mit einem Werkzeug aufzubringenden Kräfte nicht aus, werden beispielsweise Rohre als provisorische Hebel verwendet. Passen die Auflageflächen nicht, kann ein Werkzeug weggeschleudert werden oder die Maschine sich unkontrolliert bewegen. Vor Beginn der Arbeiten muss daher feststehen, welche Werkzeuge und Hilfsmittel im Störungsfall benötigt werden. Sie müssen für den vorgesehenen Zweck geeignet und in einem sicheren Zustand sein.

Die Instandhaltungsstrategie entscheidet mit

Wie groß der Handlungsdruck im Störungsfall wird, hängt auch von der gewählten Instandhaltungsstrategie ab. Bei der korrektiven Instandhaltung greift der Betrieb erst ein, wenn eine Maschine defekt oder ihre Funktion bereits beeinträchtigt ist. Der vorherige Planungsaufwand ist gering. Nach dem Ausfall muss jedoch schnell gehandelt werden, um Produktionsunterbrechungen und Folgeschäden zu begrenzen. Damit steigt die Gefahr unsicherer Improvisationen und manipulierter Schutzeinrichtungen. Bei der Instandhaltung in festgelegten Intervallen werden Arbeiten dagegen nach einer bestimmten Nutzungsdauer oder Stückzahl durchgeführt. Das erhöht den Planungsaufwand, macht die Maßnahmen aber besser vorhersehbar. Eine dritte Möglichkeit stellt die zustandsorientierte Instandhaltung dar. Sie nutzt Inspektionen oder laufende Messungen durch Sensoren. Sichtkontrollen, einfache Prüfungen und Zustandsdaten können anzeigen, wann eine Instandhaltungsmaßnahme erforderlich wird. Der Betrieb erhält dadurch die Möglichkeit, den Eingriff vorzubereiten, bevor ein akuter Ausfall entsteht.

Autor*in: Martin Buttenmüller

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