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Die BMWSBBVAWidVertrAnO oder: Karl Valentin und der Buchstabensalat

Wenn Sie denken, der Autor dieses Beitrags sei über der Tastatur eingeschlafen, trifft dies nicht zu. Die Abkürzung „BMWSBBVAWidVertrAnO“ stammt leibhaftig aus dem Maschinenraum der Bürokratie. Was würde Karl Valentin wohl zu einer aus 19 Buchstaben bestehenden Abkürzung sagen? „Ablängung“?

Das BGBl. und Karl Valentin

Manchmal ist das Studium des BGBl nicht frei von Nebenwirkungen. Im BGBl. I Nr. 261 vom 08.09.2026 steht unverrückbar für alle Ewigkeit: „Anordnung über die Vertretung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Verfahren wegen des Widerspruchs gegen Verwaltungsakte des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – BMWSBBVAWidVertrAnO“.

„Oh“, würde Karl Valentin sagen, „wer hat denn da die Wechstaben so grauenhaft verbuchselt?“ Bei dieser erstaunten Frage würde es natürlich nicht bleiben: „Herrschaftszeiten! Is des vielleicht die Bürgernähe, von der die Politiker in Berlin immer im Radio drinnen reden?“

BMWSBBVAWidVertrAnO statt Guten Tag!

„Niemand anders“, wir bleiben weiter bei dem Münchner Original, „als die ferne Politik kann ein Wort mit 19 Buchstaben erfinden, wo kaum ein Vokal drin ist, der einem freundlich entgegenschaut. Die Politiker wundern sich ja immer, warum das Volk so politikverdrossen ist. Aber wie soll man sich denn mit jemandem unterhalten, der statt „Guten Tag“ lieber „BMWSBBVAWidVertrAnO“ sagt? Da redet eine Wand verständlicher. Wenn das so weitergeht, dann gibt es bald ein Gesetz, das uns das Denken verbietet, weil es den Verwaltungsablauf durcheinanderbringt. Das Denken soll man ohnehin den Ministerialräten überlassen, denn die haben die längeren Abkürzungen.
Ich sage immer: Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut!
“

Die Verwaltung der Verwaltung

Der moderne Valentin wäre damit aber noch nicht fertig: „Bezahlbare Wohnungen hamma keine. Es fehlt am Geld, weil des scho für die Verwaltung der Verwaltung draufgegangen ist. Aber an Haufen Leut’ hamma, die wo am Fließband ununterbrochen Anordnungen herstellen, damit gerichtlich ganz genau bestimmt ist, wer sich mit wem überhaupt erst streiten darf, wenn er eigentlich gar keine Zeit nicht hat zum Streiten, weil er ja noch eine Wohnung sucht.“

Übrigens: Die Länder bemühen sich auch nach Kräften, dem Bund nachzueifern. Beispiele: DFGSbrSekIIVersOV SL, ThürTierGesErmZustVO oder GrbrFlSchuV HA.

Positiv sticht aus der Vielzahl der Vorschriften mit verschwurbelten Abkürzungen die Nds. eGruVO heraus.

Lust auf mehr von Karl Valentin?
Im Ministerium des Absurden: Ein Dialog
 

(Karl Valentin betritt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen)

Karl Valentin: Grüß Gott. Ich hätte da gern eine Frage gewusst.
Beamter: Fragen kost‘ nix, antworten erst recht nix, weil wir zuständigkeitsbedingt schweigen. Was fehlt Ihnen denn?
Karl Valentin: Mir fehlt gar nix, aber meinem Widerspruch fehlt die Vertretung. Ich habe da einen Bescheid vom Bundesamt für Verbraucherschutz wegen meiner sauren Gurken in meiner Wohnung bekommen. Da wollte ich jetzt widersprechen.
Beamter: (schaut streng) Saure Gurken? Da sind Sie hier falsch. Für Gurken ist das BVA zuständig. Wir sind hier das BMWSB.
Karl Valentin: Das Buchstabensalat-Amt?
Beamter: Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen! Wir bauen zwar keine Wohnungen, aber wir verwalten die Vertretung derer, die den Gurken in den Wohnungen widersprechen. Das regelt die BMWSBBVAWidVertrAnO.
Karl Valentin: Die Bäh-Em-Weh-Es-Be-Be-Vau-Ah-Wie-Wer-Was?
Beamter: Das ist ein staatliches Kulturgut. 19 Buchstaben, kein Sinn für Laien. Das schützt uns vor der Bevölkerung. Wenn jeder verstehen würde, was wir anordnen, könnte ja jeder kommen.
Karl Valentin: Ich bin aber schon da.
Beamter: Das ist ja der Fehler im System! Leut‘ wie Sie sind an sich der größte Störfaktor im geordneten Verwaltungsablauf. Ohne Sie hätten wir eine wunderbare, fehlerfreie Bürokratie. Alles liefe wie geschmiert. Die Akten lägen friedlich im Regal, kein Mensch würde Widerspruch einlegen …
Karl Valentin (unterbricht den sich in Rage redenden Beamten): Aber wenn niemand da ist, bräuchten Sie doch auch keine Anordnung, wer wen vertritt?
Beamter: (schüttelt den Kopf über so viel Naivität) Logisch gesehen haben Sie recht. Aber logisch ist ungesetzlich. Wir verwalten ja nicht, damit es einen Sinn ergibt, sondern damit es seine Ordnung hat! Wenn die Politik verständliche Gesetze gäbe, bräuchten wir keine Politiker mehr, die uns erklären, warum wir die Gesetze nicht verstehen. Das nennt man Staatsräson.
Karl Valentin: Also vertritt mich jetzt das Bäh-Em-Weh, ähhh …
Beamter (hebt missbilligend den Zeigefinger): Das BMWSB!
Karl Valentin: … gegen die Gurken?
Beamter (langsam resignierend): Nein. Das Ministerium vertritt sich selbst gegen Ihren Widerspruch. Sie sind ja nur der Anlass, nicht der Zweck.
Karl Valentin: Wissen Sie was? Ich esse die sauren Gurken einfach auf. Zuviel ist zwar ungesund, aber verständlicher als Bäh-Em-Weh-Es-Be-Be-Vau-Ah ähhh usw..
Beamter: Recht haben Sie. Aber Recht kriegen Sie hier nicht! Da müssten Sie erst das Formular zur Rücknahme des Widerspruchs ausfüllen. Das heißt FolarzRühmsFormWispu.
Karl Valentin: (geht kopfschüttelnd) Da warte ich lieber, bis die Politik wieder Deutsch lernt.
Beamter: (ruft hinterher) Da können Sie lang warten! Das ist gesetzlich nicht vorgesehen!
Karl Valentin: Ich lass mir das Denken nicht verbieten – auch wenn es den Verwaltungsablauf stört!

 

Autor*in: Uwe Schmidt (Uwe Schmidt unterrichtete Ordnungsrecht, Verwaltungsrecht und Informationstechnik.)

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