Fachbeitrag | Logistik
16.04.2015

Routenzug optimiert den innerbetrieblichen Transport!

Ein Routenzug (auch: werksinterner Milk-Run, Logistikbus oder Schleppzug) versorgt üblicherweise aus einer Quelle mehrere Bereitstellorte oder bzw. und sammelt Material von mehreren Quellen ein, um es an eine Senke zu transportieren. Da der Routenzug häufig nach einem festen Fahrplan verkehrt, ist er auch mit einem Bussystem im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vergleichbar. Ein Routenzug umfasst in der Regel eine Zugmaschine und mehrere Anhänger und wird von einem Fahrer bedient.

Gepäcktransport @ miket© miket /​ Fotolia

Ein Routenzug eignet sich für Materialien, an denen ein mittlerer bis niedriger, aber möglichst regelmäßiger Bedarf besteht. Das Teile- bzw. Behälterspektrum, das durch den Routenzug befördert werden kann, umfasst im Idealfall kleine Teile bzw. Behälter, da der Fahrer sie möglichst ohne weitere Hilfsmittel auf der Route bewegen können sollte. Für große Teile bzw. Behälter eignet sich der Routenzug nur bedingt. Die Vorteile eines Routenzugs hinsichtlich seiner Möglichkeit, Bedarfe zu bündeln, kommen am besten zum Tragen bei mittleren bis großen Entfernungen zwischen  den Senken und der Quelle und wenn eine Bündelung aus anderen Gründen notwendig ist. In einem solchen Fall kann  bei den Materialien eine hohe Lieferfrequenz bei gleichzeitig hoher Auslastung des Routenzugs erreicht werden.

Bei der Planung von Routenzügen sind folgende Systemelemente zu betrachten (und zu planen):

  • Routenzugbahnhof (Quelle)
  • Haltepunkte und Bereitstellorte (Senken)
  • RouteRoutenzug (Zugmaschine und Anhänger mit entsprechender Technik)
  • Routenzug- und Nachschubsteuerung
  • Prozesselemente und Arbeitsteilung (z.B. Integration von Beladung und Leergut in den Routenzugzyklus)

Analyse, Planung und Implementierung des Routenzugs

Zunächst ist es wichtig, Informationen über die Anforderung des/der Kunden systematisch aufzunhemen. Dabei kann eine Strukturierung anhand der Aspekte Produkte, Ort, Zeitpunkt, Menge und Qualität/Zustand helfen, eine möglichst vollständige Analyse vorzunehmen. Bei jedem der Aspekte sollte auch ein möglicher Flexibilitätskorridor mit analysiert werden. Das heißt, es sollte jeweils die Frage beantwortet werden, in welchen Grenzen die Werte schwanken können bzw. dürfen.

  • Produkte: Welche Materialien sollen bereitgestellt werden? Dabei sollten alle in einem bestimmten Bereich bereitzustellenden Materialien in einer Tabelle zusammengefasst werden. Bereits hier kann auch das Leergut berücksichtigt werden. Neben der Sachnummer sollten auch das Behältnis und dessen Dimensionierung sowie das maximale Fassungsvermögen für das jeweilige Material festgehalten werden.
  • Ort: Wo sollen die Materialien bereitgestellt werden? Hier bietet sich die Analyse anhand des Layouts an. Anhand dessen kann der Bereich vorab grob eingegrenzt werden, für den ein Routenzug eingesetzt werden kann bzw. soll. Gegebenenfalls können hier schon grobe Bereitstellungszonen wie Fertigungsinseln zusammengefasst werden, die später die Grundlage für die Definition von Halteorten sein können.
  • Zeitpunkt: In welcher Taktung werden die Materialien benötigt? Was ist der aktuelle Servicelevel für die Bereitstellung der Materialien? Hier sollte auch analysiert werden, wie lange der Vorlauf für die Bereitstellung aktuell ist und welche zusätzlichen Koordinationsaufwände anfallen. Gegebenenfalls können hier auch schon mögliche Engpässe des aktuellen Versorgungssystems aufgenommen werden, die Ansatzpunkte für eine Verbesserung liefern.
  • Menge: In welcher Menge sollen die Teile bereitgestellt werden? Hierzu können das Produktionsprogramm für die nächste sinnvolle Planungsperiode herangezogen und durch eine Stücklistenauflösung die jeweiligen Bedarfe der Materialien ermittelt werden. Daraus ergibt sich dann, wie viel Material bereitgestellt bzw. Leergut abgeholt werden muss. Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch die Schwankung des jeweiligen Materialbedarfs.
  • Qualität/Zustand: Wie sollen die Materialien am Bereitstellungsort eintreffen? Hier ist zu analysieren, ob eine Sequenzierung notwendig ist, Sets gebildet werden sollen oder ob ggf. Verpackungen entfernt werden müssen oder spezielle Inlays nötig sind. Diese Informationen sind wichtig, damit die damit zusammenhängenden logistischen Tätigkeiten später entsprechend geplant werden können.

Grenzen des Routenzugs

Grenzen des Routenzugs können technischer oder wirtschaftlicher Natur sein:

Technische: Wenn das Fördergut zu groß bzw. zu schwer für handelsübliche Systeme ist oder zusätzliche Hilfsmittel wie Gabelstapler für die Handhabung benötigt werden, dann ist der Einsatz eines Routenzugs nicht sinnvoll oder sogar gar nicht möglich. Ebenso können technische Grenzen in äußeren Rahmenbedingungen wie unebenen oder zu engen Fahrwegen oder der Zugänglichkeit der Be- und Entladestationen liegen. Weiterhin ist ggf. eine systemtechnische Seitenabhängigkeit bei der Be- und Entladung zu berücksichtigen.

Wirtschaftliche: Bei kurzen Transportentfernungen und/oder hohen Materialbedarfen, wo außerdem keine Bündelungstätigkeiten notwendig sind, würden sich die vergleichsweise hohen Aufwände für die Zusammenstellung eines Routenzugs nicht lohnen und ein Transport mit einem Stapler oder ggf. fest installierter Fördertechnik wie Rollenbahnen wäre tendenziell wirtschaftlicher.

Routenzüge sind im Trend. Manche Unternehmen haben aber weder eine quantitative Entscheidungsgrundlage noch detaillierte Planungshilfsmittel und führen Routenzüge nur deshalb ein, weil es eben im Trend ist. Die obigen Ausführungen sollten die mittlerweile vorhandene Literatur zur Planung von Routenzugsystemen aufgreifen und anhand eines fiktiven Beispiels mit konkreten Zahlen ergänzen. Die Tabellen und Planungshilfsmittel können Unternehmen als Vorlage übernehmen, um mögliche Fehler bei der Einführung von Routenzügen zu vermeiden und die Implementierungsplanung zu verbessern, damit Routenzüge eine flexible Produktionsstrategie, die auf niedrigen Umlaufbeständen und kurzen Durchlaufzeiten der Materialien basiert, unterstützen können.

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Autor: Thomas Liebetruth 

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