05.07.2022

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Symptome & Co

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz und daraus folgende Krankheiten wie Depressionen werden für den Arbeitsschutz immer wichtiger – das zeigen die Daten der gesetzlichen Krankenkassen. Der Umgang der Betriebe mit den Symptomen, Folgen und Ursachen psychischer Belastung ist aber zurückhaltend, und überhaupt: Wer redet in der Arbeit schon gern über seine psychischen Erkrankungen? Aber: Mit psychischer Belastung lässt sich im Arbeitsschutz ganz wertfrei, ja, sogar konstruktiv umgehen. Wie? Das lesen Sie in diesem Beitrag.

Junger Mann schlägt Hände überm Kopf zusammen. n seinem Gesicht zeichnen sich große psychische Belastungen am Arbeitsplatz ab.

Was zählt alles zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz? Wann und wie können psychische Belastungen der psychischen Gesundheit von Beschäftigten schaden? Und welche Symptome können Beschäftigte aufgrund zu hoher psychischer Belastung und psychischer Gefährdung am Arbeitsplatz entwickeln? Diese und weitere Fragen beantwortet dieser Beitrag.

Was bedeutet psychische Belastung am Arbeitsplatz?

Psychische Belastung am Arbeitsplatz definiert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) als

Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.

Erfassbare Einflüsse – das klingt zunächst einmal wertfrei. Und tatsächlich: Gemäß dieser Definition stellt die psychische Belastung nicht etwa bereits an sich ein Gesundheitsrisiko dar. Arbeitszeit, Organisationsstruktur, Konkurrenz, all das wirkt auf uns Menschen am Arbeitsplatz zwar ein, aber sich nicht zwingend negativ auf uns aus. Im Gegenteil: Manch einer blüht im Konkurrenzkampf richtig auf. Die Belastung hat dann sogar positive Auswirkungen.

Negative Folgen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz sind Fehlbeanspruchungen

Meist überwiegen in der Realität aber negative Auswirkungen der psychischen Belastungen auf den Menschen. Die negativen Folgen psychischer Belastungen werden auch als „Fehlbeanspruchungen“ bezeichnet.

Die psychische Belastung steht damit in enger Verbindung zu psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz. Denn die psychische Gefährdung ergibt sich aus der psychischen Belastung, die am Arbeitsplatz auf den Menschen einwirkt.

Bedeutungsunterschied zur Umgangssprache

In der Umgangssprache wird der Ausdruck „psychische Belastung“ jedoch anders gebraucht: Hier verstehen wir unser psychischer Belastung am Arbeitsplatz tatsächlich alle negativ erlebten Anforderungen durch die Arbeit und am Arbeitsplatz., im Sinne von: „Das belastet mich. “

Diese Unterscheidung zwischen arbeitswissenschaftlicher und umgangssprachlicher Bedeutung ist für das Verständnis von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zentral.

Was ist der Unterschied zwischen psychischer Belastung und psychischer Beanspruchung?

Im Gegensatz zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz (alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen – siehe oben) meint die psychische Beanspruchung die unmittelbare (nicht die langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum. Sie kann sich entsprechend der aktuellen Verfassung, biografischen und biologischen Prägungen sowie individuellen Bewältigungsstrategien positiv oder negativ auf das Verarbeiten einer psychisch belastenden Situation auswirken.

Wichtig:

Die psychische Beanspruchung ist also immer individuell. Die entscheidende Variable im betrieblichen Kontext ist deshalb die psychische Belastung – der Wert, der unabhängig von der individuellen Vorbedingung (wie zum Beispiel Pendeln, private Probleme, Resilienz o.ä.) für alle Mitarbeiter gleich ist.

Der Unterschied zwischen psychischer Belastung und psychischer Beanspruchung ist ganz wesentlich. Die Akteure der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA), die für die Leitlinien psychische Gefährdungsbeurteilung verantwortlich sind,  werden daher nicht müde, diesen Unterschied immer wieder aufs Neue klar zu stellen.

Beispiel für den Unterschied zwischen „psychische Belastung am Arbeitsplatz“ und „psychische Beanspruchung“

Der Unterschied zwischen psychischer Belastung am Arbeitsplatz und psychischer Beanspruchung lässt sich gut durch das Bild einer Schubkarre verdeutlichen.

Eine schwere Last wird in eine Schubkarre gelegt. Diese Belastung beansprucht den Menschen, der die Schubkarre schieben soll, und führt je nach körperlicher Konstitution ggf. zur Fehlbeanspruchung.

Während die  Belastung (das Gewicht der Schubkarre) also für jeden Mitarbeiter gleich hoch ist, kann die Beanspruchung je nach körperlicher Konstitution (z.B. Größe, Gewicht, körperliche Fitness, Muskel-Skelett-Probleme) äußerst unterschiedlich ausfallen.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz: Unterschied zu individueller psychischer Beanspruchung anhand des Schubkarrenmodells
Das Bild verdeutlicht den Unterschied zwischen psychischer Belastung und psychischer Beanspruchung anhand des Schubkarrenmodells. Das Gewicht der Schubkarre bleibt hier immer gleich. Wie gut der einzelne Mensch jedoch mit der Last in der Schubkarre zurechtkommt, wird durch seine physischen und psychischen Vorrausetzungen bestimmt.

 

Belastungsfaktoren: Welche Beispiele gibt es für psychische Belastung am Arbeitsplatz?

Um die Faktoren zu erfassen, die häufig zur Fehlbeanspruchung von Beschäftigten führen, bietet es sich an, psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu kategorisieren (vgl. folgende Tabelle):

Arbeitsaufgabe Arbeitsorganisation Physische Arbeitsumgebung Psychosoziale Arbeitsumgebung
  • Arbeitsmenge
  • Zeitdruck
  • Komplexität
  • Dynamik
  • Vollständigkeit der Aufgabe
  • Tätigkeitswechsel (häufig, selten)
  • Daueraufmerksamkeit
  • Dauererreichbarkeit
  • Rolle (Überforderung, Unterforderung, Uneindeutigkeit)
  • Zeitdruck
  • Kommunikation (eindeutig, uneindeutig)
  • Arbeitszeiten
  • Schichtarbeit, Rufbereitschaft, Wochenendarbeit
  • Pausenregelung
  • Unterbrechungen
  • Planbarkeit
  • Aufgabenverteilung, Beteiligung
  • Zusammenarbeit
  • Informationsfluss
  • fehlendes Material
  • Technik
  • Wertschätzung, Anerkennung
  • Handlungs-, Entscheidungsspielraum
  • Entwicklungsmöglichkeiten
  • Führungsverhalten
  • unfaire Behandlung
  • Konkurrenz
  • Kollegen
  • Konflikte, Mobbing
  • Emotionsarbeit
  • Über-/Unterbelegung
  • befristete Beschäftigung
  • Arbeit & Privatleben

Je nach Arbeitsplatz können weitere psychische Belastungsfaktoren hinzukommen.

Beispiel für ein hohes Risiko für psychische Fehlbelastung am Arbeitsplatz

Eine besondere betriebliche Risikokonstellation für psychische Fehlbeanspruchungen mit der potenziellen Folge einer psychischen Erkrankung besteht, wenn folgende drei Faktoren aufeinandertreffen:

  1. hohe Arbeitsdichte, hohe Anforderung
  2. geringe Wertschätzung, geringer Handlungsspielraum, sich nicht einbringen können, wenig soziale Unterstützung
  3. hohe Verausgabungsbereitschaft, starke Identifikation mit der Tätigkeit, hohe Ansprüche an sich selbst, hohe Resignationstendenz

Beispiel für psychische Belastung in der Coronavirus-Pandemie

Beschäftigte und Unternehmer sehen sich in der Corona-Pandemie vor besonders große psychische Herausforderungen gestellt wie

  • der Neu- und Umgestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen im Betrieb selbst
  • der emotionalen Inanspruchnahme durch Sorgen um Angehörige oder um die wirtschaftliche Existenz
  • der Umstellung auf das Arbeiten von zu Hause aus
  • der verstärkten sozialen Isolation
  • oder der Angst vor einer Infektion.

Welche Folgen hat eine dauerhafte psychische Belastung am Arbeitsplatz?

Die Folgen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz treffen sowohl den einzelnen Mitarbeiter als auch das Unternehmen als Ganzes.

1. Folgen für den Mitarbeiter

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz können und sollen nicht gänzlich vermieden werden. Sie können anregen, aktivieren und motivieren. Sie können aber auch Stressreaktionen und Erschöpfung hervorrufen und eine psychische Erkrankung (mit)auslösen. Das ist meist dann der Fall, wenn das Verhältnis zwischen negativer Beanspruchung und sogenannten “Ressourcen”, also ausgleichenden Faktoren, in Schieflage gerät.

Schädlich für den Menschen werden psychische – wie auch physische – Belastungen dann, wenn sie dauerhaft anhalten und nach und nach mehr mentale und körperliche Reserven aufbrauchen, als positive Ressourcen am Arbeitsplatz oder auch im privaten Umfeld regenerieren können: Dauerhafter Stress macht krank.

Jede vorhandene psychische Belastung am Arbeitsplatz trifft immer auf die individuellen Voraussetzungen und Bewältigungsstrategien einzelner Mitarbeiter. Wann sie zur Fehlbeanspruchung mit dem Risiko einer psychischen Erkrankung wird, ist individuell sehr unterschiedlich.

Ein wichtiges Kriterium ist die Bewältigung der Arbeit: Haben Beschäftigte dauerhaft den Eindruck, ihre Arbeit nicht mehr bewältigen zu können, dann besteht mittel- und langfristig das Risiko einer beruflichen Erschöpfung bis hin zum sogenannten Burnout-Syndrom und psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.

2. Folgen für das ganze Unternehmen

Auch Unternehmen als Ganzes bekommen die Folgen zu spüren: Die Arbeitsleistung von Mitarbeitern an der Belastungsgrenze sinkt, die Qualität der Arbeit nimmt ab, es kommt häufiger zu Fehlzeiten und sozialen Probleme im Team. Kurz: Jedes Unternehmen profitiert von gesunden, zufriedenen und motivierten Mitarbeitern.

Welche Symptome treten bei zu hoher psychischer Belastung am Arbeitsplatz auf?

Typische Symptome für eine hohe psychische Belastung der Mitarbeiter am Arbeitsplatz können sein: Sie fühlen sich unwohl, sind nervös, angespannt und schnell müde. Die Konzentration leidet, Angstzustände, Motivations- und Antriebslosigkeit nehmen zu.

Fühlen sich Beschäftigte psychisch stark belastet, äußert sich dies auch häufig in Verhaltensänderungen. So ziehen sich manche immer mehr zurück und wirken im Kontakt mit anderen unsicher. Andere wiederum reagieren genau umgekehrt, sie sind selbst bei kleinen Anlässen gereizt und formulieren aggressiver als sonst. Auch Unzuverlässigkeit wie plötzlich häufiges Zuspätkommen kann ein Verhaltensmerkmal sein, das auf zu hohe psychische Belastung hinweist.

Sind Menschen über längere Zeit negativen psychischen Belastungen ausgesetzt, können Depressionen, erhöhter Blutdruck, anhaltende erhöhte Muskelspannung mit Rücken- oder Nackenproblemen sowie Organschädigungen (Magengeschwür, Herzinfarkt, Schlaganfall) auftreten.

Diese Infografik zeigt typische Symptome, die Beschäftigte oft bei zu hoher psychischer Belastung am Arbeitsplatz entwickeln.
Diese Infografik zeigt typische Symptome, die Beschäftigte oft bei zu hoher psychischer Belastung am Arbeitsplatz entwickeln.

 

Welche Gesetze und Vorschriften regeln psychische Belastungen am Arbeitsplatz?

Alle Arbeitgeber sind in der Pflicht, die Faktoren an ihren Arbeitsplätzen zu erfassen, die psychische Belastungen verursachen. Im Zuge einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen müssen Sie anschließend Schutzmaßnahmen für ihre Beschäftigten ergreifen, die helfen, die vorhandenen Belastungen zu vermeiden oder zumindest so weit wie möglich zu reduzieren.

Entscheidend ist hier das Arbeitsschutzgesetz mit § 5:

„(1) Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.
(2) Der Arbeitgeber hat die Beurteilung je nach Art der Tätigkeiten vorzunehmen. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend.
(3) Eine Gefährdung kann sich insbesondere ergeben durch […] psychische Belastungen bei der Arbeit.“

Hierbei handelt es sich um eine übergreifende gesetzliche Regelung, die alle Bereiche umfasst, die durch das Arbeitsschutzgesetz abgedeckt werden und daher (eigentlich) keine weitere Erwähnung in spezifischen Verordnungen notwendig machen. Dennoch werden sowohl in Fachverordnungen (z.B. der Betriebssicherheitsverordnung, Gefahrstoffverordnung, Biostoffverordnung etc.) als auch in berufsgenossenschaftlichen Regelwerken Verweise auf die Berücksichtigung der psychischen Belastungen gegeben.

Dies sind jedoch keine separaten Beurteilungen, sondern eher „Erinnerungen“ an das, was sowieso schon festgelegt ist, und ein Hinweis, dass z.B. auch beim Umgang mit Biostoffen deren mögliche psychischen Einwirkungen berücksichtigt werden müssen.

Welche Maßnahmen helfen gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz?

Maßnahmen zum Schutz vor psychischen Belastungen müssen im Rahmen der entsprechenden Gefährdungsbeurteilung entwickelt werden – passend zur spezifischen Situation im Unternehmen und passend für den jeweiligen Mitarbeiter und Arbeitsplatz. Dabei lassen sich die vielen möglichen Schutzmaßnahmen anhand unterschiedlicher Kriterien priorisieren.

Gießkanne gießt Blumen, die im Kopf eines Menschen wachsen; Sinnbild für die Förderung einer gesunden Psyche und Maßnahmen gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz.

Kriterien für Maßnahmen gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Als erstes ist es wichtig, die Faktoren, die die psychische Gesundheit der Mitarbeiter besonders stark gefährden, möglichst schnell abzufedern. Andererseits brauchen Sie aber auch Maßnahmen, die ohne großen Aufwand schnell umzusetzen sind, nicht unnötig auf die Warteliste zu setzen. Wichtig für die Bereitschaft der Beschäftigten und Führungskräfte, sich am weiteren Umsetzungsprozess der Gefährdungsbeurteilung konstruktiv zu beteiligen, sind besonders diese sogenannten Quick Wins.

Davon unabhängig gibt es aber auch zentrale Kriterien für die weitere Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen: deren Dringlichkeit, Wichtigkeit und Durchführbarkeit. Folgende Fragen können bei der Priorisierung der Maßnahmen gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz leitend sein:

1. Schutzmaßnahmen priorisieren aufgrund gesundheitsbezogener Dringlichkeit

  • Gibt es Gefährdungen, die eine mehr oder weniger zügige Umsetzung erfordern? Hierunter fallen insbesondere solche Risiken, die zu traumatischen Erlebnissen führen können (Gewalterfahrungen, schwere Verletzungs- oder Lebensgefahr, Situationen, in denen Beschäftigte Dritte massiv schädigen können etc.).
  • Wirken sich bestimmte Belastungssituationen sehr stark auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation von Beschäftigten aus, ohne dabei ein traumatisierendes Potenzial zu haben?
  • Wirken sich bestimmte Belastungen auf sehr viele Beschäftigte gleichzeitig aus?
  • Gibt es Risiken, die aufgrund konkreter rechtlicher Regelungen zeitnah verringert oder behoben werden müssen?

2. Firmeninterne Wichtigkeit

  • Sind bestimmte Veränderungen hinsichtlich der Unternehmensziele oder des Unternehmensleitbilds von besonderer Bedeutung?
  • Werden bestimmte Veränderungen von den Beschäftigten gewünscht oder erwartet?
  • Sind bestimmte Veränderungen von besonderer Bedeutung für die Produktivität oder Kundenbindung?

3. Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen gegen psychische Belastungen

  • Ist die Zahl der geplanten Maßnahmen für die betrieblichen Akteure überschaubar und damit handhabbar?
  • Sind zum geplanten Zeitpunkt der Durchführung der Maßnahme zeitliche und personelle Kapazitäten vorhanden?
  • Ist die Maßnahme in Bezug auf den Personal- und Zeitaufwand der beteiligten Beschäftigten und Führungskräfte durchführbar?
  • Ist die Maßnahme finanziell durchführbar?
  • Stehen Aufwand und Ertrag der geplanten Maßnahme wirtschaftlich in einem angemessenen Verhältnis zueinander (ohne dabei das Weiterbestehen einer massiven Gesundheitsgefährdung in Kauf zu nehmen)?

4. Quick Wins

  • Gibt es Maßnahmen, die vor allem schnell eine Entlastung der Mitarbeiter ermöglichen?
  • Gibt es Maßnahmen, die schnell und kostengünstig umgesetzt werden können?

Maßnahmenmatrix hilft Ihnen bei der Priorisierung

Es kann sein, dass nach der Erstellung einer Maßnahmenmatrix anhand dieser drei Kriterien sehr viele Maßnahmen als dringend, wichtig und durchführbar eingeschätzt werden. In diesem Fall ist eine pragmatische Entscheidung des Steuerungskreises sinnvoll, welche Maßnahmen vorrangig umgesetzt werden.

Konzentrieren Sie sich auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter

Insgesamt ist im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes der gesundheitsbezogenen Dringlichkeit die höchste Bedeutungsstufe zuzuordnen. Maßnahmen, die hoch belastend sind, sollten auch unabhängig von wirtschaftlichen und firmeninternen Aspekten prioritär umgesetzt werden.

Leitend kann auch eine weitere Schwerpunktsetzung sein. So könnten in einer ersten Umsetzungsphase der Gefährdungsbeurteilung vorrangig verhältnispräventive Maßnahmen, die laut § 4 Abs. 5 ArbSchG Vorrang vor verhaltenspräventiven Maßnahmen haben, durchgeführt werden, oder es wird ein Fokus auf psychosoziale Maßnahmen gelegt. Verhaltenspräventive Maßnahmen oder Maßnahmen, die z.B. die Arbeitsorganisation betreffen, würden dann für die weitere Umsetzungsphase geparkt.

Fazit: Reduzieren Sie die psychische Belastung am Arbeitsplatz

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind anders definiert, als wir es umgangssprachlich kennen. Was den einzelnen Mitarbeiter psychisch wie stark beansprucht, ist aus Sicht des Arbeitsschutzes schwer standardisiert zu erfassen. Erfasst werden können jedoch Risiken für psychische Fehlbelastungen, also die psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz. Beispiele sind hier Lärm, Arbeitsmenge oder fehlendes Material.

Symptome exzessiver psychischer Belastung am Arbeitsplatz zeigen sich in Konzentrations- und Schlafstörungen, Angstzuständen bis hin zu Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Psychische Fehlbelastungen zu vermeiden gehört deshalb zu den Maßnahmen der Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz und sollte als Führungsaufgabe verstanden werden. Nicht nur der einzelne Mitarbeiter profitiert von einem Stressabbau am Arbeitsplatz, sondern die Wirtschaftskraft des ganzen Unternehmens. Der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit können die Führungskräfte beim Umgang mit psychischer Belastung am Arbeitsplatz beraten.

So kommen Sie weiter:

Autor*innen: Carsten Burfeind, Dr. Gerald Schneider