09.10.2019

Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung: Pflichten und Umsetzungsprobleme

Die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung ist Pflicht. Doch zentrale Umsetzungsprobleme halten viele Betriebe noch ab, die Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Unser Tipp: Haben Sie keine Angst das Thema ist nicht so kompliziert, wie Sie annehmen.

Wirrwarr

Der Gesetzgeber schreibt die Pflicht, die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung (auch psychische Gefährdungsbeurteilung oder kurz GB Psych) zu erstellen, an vielen Stellen fest:

  • Arbeitsschutzgesetz ArbSchG § 5
  • Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV § 3
  • Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV § 3

Das bedeutet: Arbeitgeber müssen ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen. Deshalb ist für alle Unternehmen die regelmäßige fachkundige Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung gesetzlich verpflichtend festgeschrieben. Die Umsetzung ist ein Muss und die zuständigen Aufsichtsbehörden kontrollieren insbesondere vor dem Hintergrund der 3. GDA-Periode von 2019 bis 2024, in der es in einem von drei Schwerpunkten um gute Arbeitsgestaltung bei psychischen Belastungen gehen wird.

Was sind die Umsetzungsprobleme, die die Behörden feststellen?

Dennoch haben schätzungsweise erst 20 % der Betriebe eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen erstellt. Warum ist der Umsetzungsstand so niedrig?

Unternehmen tun sich nach der Erfahrung der Aufsichtsbehörden bei der Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung noch schwer:

  • Einige Unternehmen ignorieren die Thematik.
  • Andere Unternehmen sind skeptisch oder haben divergierende Vorstellungen und Kenntnisse innerhalb ihres Arbeitsschutz-Teams.
  • Betriebsärzten und Sicherheitsfachkräften fehlen Ressourcen, um die GB Psych selbstständig umsetzen zu können.
  • Teilweise wird mit einer unzureichenden Mitarbeiterbefragung begonnen.
  • Teilweise werden die Ergebnisse falsch interpretiert.
  • Oft wird zu wenig Fachpersonal und -wissen für den Prozess eingeplant.
  • Problematisch ist es auch, wenn die Beschäftigten nicht angemessen informiert und einbezogen werden.
  • Wissensdefizite bei Führungskräften werden teilweise nicht angemessen berücksichtigt.

Fakt ist jedoch: Ohne diese Beurteilung können keine Maßnahmen durchgeführt werden, um gegen krankmachenden Stress am Arbeitsplatz vorzugehen.

Als mögliche weitere Ursachen werden folgende Punkte diskutiert:

  • fehlendes Fachwissen und Know-how
  • unklare Zuständigkeiten
  • mangelnde Möglichkeiten der Arbeitsschutzverantwortlichen, auf die Gestaltung der psychischen Arbeitsbedingungen Einfluss zu nehmen

Die Beschäftigung mit dem Thema ist unter Umständen auch sehr politisch und provoziert viele Konflikte und Widerstände.

Hinweis: Eine rechtskonforme und angemessene GB Psych lässt sich am ehesten realisieren, wenn der Umgang aller Beschäftigten im Betrieb von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist, so dass sich dauerhaft ein offenes Meinungsklima etablieren kann. Führungskräfte nehmen in diesem Prozess eine Vorbildfunktion ein. Dieses Vertrauen für eine offene Betriebskultur muss erst einmal aufgebaut werden, was von der Geschäftsführung gefördert werden muss.

Vorteile und Chancen der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Mit den althergebrachten Bordmitteln ist die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen also nicht ohne Weiteres zu bearbeiten. Dennoch profitiert Ihr Unternehmen in hohem Maße davon, wenn sie richtig durchgeführt wird:

  • Betriebsklima und Motivation werden verbessert.
  • Krankheitstage und Fehlzeiten sowie Mitarbeiterfluktuation werden reduziert.
  • Langfristig werden Leistungsfähigkeit und Produktivität erhalten.
  • Störungen bei Arbeitsaufgaben und -abläufen sowie in den sozialen Beziehungen werden identifiziert und durch entsprechende Maßnahmen vermieden.
  • Dauerhafte Fehlbelastungen und damit die Ursache von Erkrankungen können in vielen Fällen vermieden oder zumindest reduziert werden.

Um sich Bußgelder von Aufsichtsbehörden zu ersparen – in Abhängigkeit vom jeweiligen Ermittlungsergebnis zu den psychischen Gefährdungsfaktoren – sollten Sie: Einfach mal anfangen. Auch die Aufsichtsbehörden erwarten von Ihnen keine perfekten Ergebnisse, und es versteht sich von selbst, dass Sie mit jeder Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung automatisch besser werden.

Beim Erstellen der GB Psych hilft Ihnen „Psychische Belastungen beurteilen“

Mit den Fachinfos und Vorlagen in Psychische Belastungen beurteilen können Sie betriebsbezogene effektive verhältnis- und nachrangig verhaltenspräventive Maßnahmen zu den wichtigsten Merkmalsbereichen – Arbeitsaufgabe-/inhalt, Arbeitsorganisation und soziale Beziehungen – entwickeln, zeitnah priorisieren und kontinuierlich umsetzen. Ihre Vorteile im Überblick:

  • Das nötige Fachwissen praxisgerecht aufbereitet
  • Möglichkeiten der Zuordnung aller Aufgaben an Zuständige
  • Tipps und fertige Unterweisungen für die Einbeziehung der Mitarbeiter
  • Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung gemäß den Leitlinien der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie
  • Maßnahmenkatalog als Hilfe zur Festsetzung von Maßnahmen
  • Exemplarische Muster-Gefährdungsbeurteilungen aus verschiedenen Branchen

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Fazit: Die GB Psych ist im Grunde mit den passenden Handlungshilfen leicht zu erstellen, sofern die Grundlagen der Leitlinie der Gemeinsamen Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) „Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung“ beachtet werden. Wichtig ist, dass genug Ressourcen für personenunabhängige Folgeprozesse von Beginn an eingeplant werden.

Autor: Stefan Johannsen