News | Organisation und Dokumentation 08.05.2017

Psychische Gefährdungsbeurteilung – Pflicht und Umsetzungsprobleme

12.000 Betriebe hat die Gewerbeaufsicht in den letzten Monaten deutschlandweit zum Thema psychische Gefährdungsbeurteilung besucht. Ergebnis: Erst 34 % der Betriebe haben die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung bereits erstellt. Das sind nach Erkenntnissen der Gewerbeaufsicht die zentralen Umsetzungsprobleme:

Der Gesetzgeber schreibt die Pflicht, die psychische Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, an vielen Stellen fest:

  • Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG § 5
  • Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV  § 3
  • Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV § 3

Psychische Gefährdungsbeurteilung – zentrale Umsetzungsprobleme

Aber gerade kleine und mittlere Unternehmen haben noch immer Schwierigkeiten mit der Umsetzung. Das haben die Besuche der Gewerbeaufsicht von ca. 12.000 Betrieben in Deutschland zu Tage gefördert: Je größer ein Betrieb, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er seiner Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen bereits nachgekommen ist. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Je kleiner ein Betrieb, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er bereits eine psychische Gefährdungsbeurteilung vorlegen kann.

Dabei ist mittlerweile gesichert: Psychische Belastungen stehen in Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen, MSE-Erkrankungen und psychischen Erkrankungen. Kostenintensive Arbeitsausfälle sind die Folge. Schon kleine Verbesserungen in diesem Bereich können deutlich messbare Verbesserungen mit sich bringen, bei der Arbeitnehmerzufriedenheit, bei Fluktuation und Fehlzeiten.

1. Fehlender Konsens, was unter „psychische Belastung“ zu verstehen ist

Noch immer besteht große Unklarheit, was unter dem Begriff „psychische Belastung am Arbeitsplatz“ zu verstehen ist. Folgt man der DIN ISO 10075-1, meint psychische Belastungen alle erfassbaren Einflüsse, die  von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf  ihn einwirken. Ganz deutlich davon abzugrenzen ist die psychische Beanspruchung. Sie beurteilt die inneren Vorgänge wie die persönliche Stressresistenz oder Vorbelastungen aus dem privaten Lebensbereich.

Die psychische Gefährdungsbeurteilung soll und kann lediglich die Einflüsse bewerten, die von außen auf den Mitarbeiter einwirken wie zum Beispiel:

  • Beleuchtung
  • Temperatur
  •  …

2. Unsicherheit, wann eine psychische Gefährdungsbeurteilung vollständig ist

Die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung wird ausschließlich tätigkeitsbezogen erstellt. Sie ist angemessen und vollständig, wenn sie alle möglichen Belastungen berücksichtigt, die durch die Tätigkeit und am Arbeitsplatz auf den Menschen einwirken:

  • Arbeitsinhalte
  • Arbeitsorganisation
  • Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz
  • Arbeitsumgebung

Kein Gegenstand der psychischen Gefährdungsbeurteilung sind dagegen Belastungen, die in der Arbeitswelt oder sogar der Lebenswelt ihren Ursprung finden wie:

  • Belastungen durch das Pendeln zum Arbeitsplatz
  • Belastungen durch das familiäre Umfeld
  • ….

3. Unklarheit, welches Instrument das geeignete ist

Folgende Instrumente gibt es:

  • Die Befragung eignet sich besonders für große Unternehmen
  • Gruppenverfahren / Workshops eignen sich besonders für kleine Unternehmen
  • Beobachtungsverfahren erfordern geschultes Personal und sind daher für KMU zeit- und kostenaufwändig. Das Instrument hat außerdem den Nachteil, dass Anregungen aus der Belegschaft nicht berücksichtigt werden und damit die Sicht der Mitarbeiter zu kurz kommt.

Generell gilt: Im Zweifel ist es besser, die psychische Gefährdungsbeurteilung in einem kleinen Pilotbereich und mit einem einfachen Instrument durchzuführen, als sofort die gesamte Belegschaft flächendeckend mit Fragebögen zu überhäufen. Viele Infos sind häufig im Betrieb auch bereits vorhanden wie Überstundenstatistiken, Fehlzeitenanalysen, Beschwerden, die bei Personalern eingegangen sind, oder Erkenntnisse von Betriebsärzten.

4. Die Ableitung von Maßnahmen gestaltet sich schwierig

Wenn die Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung vorliegen, gilt es, Maßnahmen zur Verbesserung abzuleiten. Gerade das stellt Betriebe aber vor Herausforderungen. Wie zum Beispiel reagieren, wenn sich herausstellt, dass Personalmangel oder ungünstiges Führungsverhalten den Hauptanteil an psychischen Fehlbelastungen ausmachen?

Aber auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Einflussnahme. Bei Personalmangel beispielsweise kann auch ein vertiefter Blick auf die Arbeitsorganisation helfen: Wo kann das Personal von zeitaufwändigen Dokumentationen befreit werden, zum Beispiel durch Umstellung von Papierdokumentation auf ein einfaches Abfragesystem über Tablet-PCs? Auch Personalschlüssel können letzten Endes kritisch hinterfragt werden.

Tipp: Die Prozesse der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung dauern mehrere Monate inkl. Umsetzung der Maßnahmen. Eine sorgfältige Planung zu Beginn ist daher das A und O. In Psychische Belastungen beurteilen finden Sie zahlreiche Hilfestellungen und Umsetzungshilfen beispielsweise zur

  • Auswahl des richtigen Instruments
  • Organisation der Prozesse
  • Durchführen von Workshops/Fragebogenaktionen
  • Muster-Gefährdungsbeurteilungen
  • Maßnahmenpläne
Autor: WEKA Redaktion