01.03.2021

Pflichten bei der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung ist Pflicht. Doch Unsicherheiten und Umsetzungsprobleme halten viele Betriebe davon ab, diese Gefährdungsbeurteilung (GB Psych) zu erstellen. Haben Sie keine Angst das Thema ist nicht so kompliziert, wie Sie es vielleicht annehmen. Lesen Sie in diesem Beitrag mehr dazu, welche Anforderungen Ihr Betrieb bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung erfüllen muss und wie er seinen Pflichten hier einfacher nachkommen kann.

Arbeit wirkt sich auf die Psyche aus. Die Gefährdungsbeurteilung Psychischer Belastung geht den Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz nach.

Der Gesetzgeber schreibt die Pflicht, die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung (auch psychische Gefährdungsbeurteilung oder kurz GB Psych) zu erstellen, an vielen Stellen fest, z.B.:

  • Arbeitsschutzgesetz ArbSchG § 5
  • Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV § 3
  • Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV § 3

Unternehmen werden also gesetzlich dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung zu erstellen und diese zu aktualisieren, wenn sich die psychischen Belastungen der Mitarbeiter wesentlich ändern sollten. Das ist gerade angesichts der aktuellen Corona-Maßnahmen in vielen Unternehmen sicherlich der Fall. Die zuständigen Aufsichtsbehörden kontrollieren insbesondere vor dem Hintergrund der 3. GDA-Periode von 2019 bis 2024. Denn in diesem Zeitraum geht in einem von drei Schwerpunkten um gute Arbeitsgestaltung bei psychischen Belastungen.

Was ist eine psychische Gefährdungsbeurteilung?

Die psychische Gefährdungsbeurteilung betrachtet die Arbeitsbedingungen (Fachbegriff: Belastungen) wie

  • Arbeitsinhalt/Arbeitsaufgaben
  • Arbeitsorganisation
  • soziale Beziehungen sowie
  • neue Arbeitsformen (wie aktuell z.B. das Homeoffice).

Der Begriff Belastung ist nach DIN EN ISO 10075-1 neutral definiert. Er umfasst all jene erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den arbeitenden Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken – also die Merkmale einer Tätigkeit (z.B. Arbeitszeit, Arbeitsablauf, Tätigkeitswechsel).

Bei der Beurteilung von psychischen Belastungen werden also die Merkmale einer Tätigkeit ohne Wertung erfasst, und dann die Wirkung dieser Merkmale auf die Beschäftigten überprüft.

Tipp

Die Daten, die bei der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen unter Umständen erhobenen werden, können sehr persönlich sein. Dann besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter nur widerwillig daran mitwirken. Verdeutlicht ein Betrieb seinen Beschäftigten, dass es um eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen geht, damit die Tätigkeiten im Betrieb so gut wie möglich gestaltet werden können, wird die Bereitschaft zur Mitarbeit sehr viel höher sein.

Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen

Beteiligte Personen

Die Anforderungen an eine psychische Gefährdungsbeurteilung unterscheiden sich nicht von den Anforderungen an andere Gefährdungsbeurteilungen. Deshalb ist es anzuraten, die psychische Gefährdungsbeurteilung in bereits vorhandene Strukturen im Unternehmen einzubinden. Dazu gehört u.a. der Arbeitsschutzausschuss (ASA), denn in diesem Gremium sind alle Personen vertreten, die auch an einer psychischen Gefährdungsbeurteilung beteiligt sein sollten:

Bei der Beurteilung psychischer Gefährdungen kann es sinnvoll sein, weitere Experten einzubeziehen, z.B. Psychologen, Gesundheits- oder Sozialberater.

Dokumentation der GB Psych

Wenn Sie die folgenden Daten der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren, dann sind Sie auch rechtlich auf der sicheren Seite:

  • Gefährdungen und wie Sie diese jeweils beurteilt haben
  • Konkrete Arbeitsschutzmaßnahmen (inkl. Terminen und Verantwortlicher)
  • die Umsetzung der Schutzmaßnahmen
  • Überprüfung der Wirksamkeit
  • Datum der Erstellung

Halten Sie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen aktuell

Eine Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung ist dann nötig, wenn sich die Gegebenheiten ändern (§ 3 Abs. 1 ArbSchG), z.B. Veränderungen der Arbeitsbedingungen, Erhöhung der Fluktuationsrate, Änderungen der Arbeitsschutzvorschriften.

Hinweis: Die Psychische Gefährdungsbeurteilung und die Corona-Pandemie

Durch die Corona-Pandemie müssen Betriebe deutschlandweit ihre Gefährdungsbeurteilungen Psychische Belastungen aktualisieren. Die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel nennt explizit die Neu- und Umgestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen, Konflikte mit Kunden, hohe Arbeitsintensität und soziale Isolation als mögliche Gründe, warum die Corona-Pandemie die psychischen Belastungen in die Höhe treibt. Sie fordert Betriebe auf, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Belastung der Arbeit zu berücksichtigen und darauf basierend geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Was sind die Umsetzungsprobleme, die die Behörden feststellen?

Unternehmen fällt es nach der Erfahrung der Aufsichtsbehörden jedoch schwer, die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung umzusetzen.

  • Einige Unternehmen ignorieren die Thematik.
  • Andere Unternehmen sind skeptisch oder haben divergierende Vorstellungen und Kenntnisse innerhalb ihres Arbeitsschutz-Teams.
  • Betriebsärzten und Sicherheitsfachkräften fehlen Ressourcen, um die GB Psych selbstständig umsetzen zu können.
  • Teilweise wird mit einer unzureichenden Mitarbeiterbefragung begonnen.
  • Teilweise werden die Ergebnisse falsch interpretiert.
  • Oft wird zu wenig Fachpersonal und -wissen für den Prozess eingeplant.
  • Problematisch ist es auch, wenn die Beschäftigten nicht angemessen informiert und einbezogen werden.
  • Wissensdefizite bei Führungskräften werden teilweise nicht angemessen berücksichtigt.

Fakt ist jedoch: Ohne diese Beurteilung können keine effizienten Maßnahmen durchgeführt werden, um gegen krankmachenden Stress am Arbeitsplatz vorzugehen.

Weitere mögliche Ursachen:

  • fehlendes Fachwissen und Know-how
  • unklare Zuständigkeiten
  • mangelnde Möglichkeiten der Arbeitsschutzverantwortlichen, auf die Gestaltung der psychischen Arbeitsbedingungen Einfluss zu nehmen

Die Beschäftigung mit dem Thema ist unter Umständen auch sehr politisch und provoziert viele Konflikte und Widerstände.

Hinweis: Das Betriebsklima ist immens wichtig für die GB Psych

Eine rechtskonforme und angemessene GB Psych lässt sich am ehesten realisieren, wenn der Umgang aller Beschäftigten im Betrieb von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist, so dass sich dauerhaft ein offenes Meinungsklima etablieren kann. Führungskräfte nehmen in diesem Prozess eine Vorbildfunktion ein. Dieses Vertrauen für eine offene Betriebskultur entsteht nicht von heute auf morgen und die Geschäftsführung muss sich aktiv darum bemühen.

Vorteile und Chancen der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Ihr Unternehmen profitiert in hohem Maße davon, wenn die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen richtig durchgeführt wird:

  • Betriebsklima und Motivation werden verbessert.
  • Des Weiteren werden Krankheitstage und Fehlzeiten sowie Mitarbeiterfluktuation reduziert.
  • Langfristig werden Leistungsfähigkeit und Produktivität erhalten.
  • Störungen bei Arbeitsaufgaben und -abläufen sowie in den sozialen Beziehungen werden identifiziert und durch entsprechende Maßnahmen vermieden.
  • Dauerhafte Fehlbelastungen und damit die Ursache von Erkrankungen können dann in vielen Fällen vermieden oder zumindest reduziert werden.

Deshalb: Einfach anfangen!

Sie sollten deshalb: Einfach mal anfangen. Auch die Aufsichtsbehörden erwarten von Ihnen keine perfekten Ergebnisse, und es versteht sich von selbst, dass Sie mit jeder Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung automatisch besser werden. Wichtig ist, dass genug Ressourcen für personenunabhängige Folgeprozesse von Beginn an eingeplant werden.

Beim Erstellen der GB Psych hilft Ihnen „Psychische Belastungen beurteilen“

Mit den Fachinfos und Vorlagen in „Psychische Belastungen beurteilen“ können Sie betriebsbezogene Maßnahmen zu den wichtigsten Merkmalsbereichen – Arbeitsaufgabe-/inhalt, Arbeitsorganisation und soziale Beziehungen – entwickeln. Sie können diese ferner viel einfacher zeitnah priorisieren und kontinuierlich umsetzen.

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Autoren: Stefan Johannsen , Carsten Burfeind